Stabile Seitenlage

Zwei Drittel meines Blickfelds nimmt ein schillerndes Grau ein. Etwas wie ein rissiger Estrich. Ich liege auf der Seite, der Kopf auf der linken Wange. Oben bewegen sich unscharfe Menschen. Hören kann ich nichts, weil da ein stetiger Pfeifton in meinen Ohren ist. Versuche die Leute zur Hilfe zu rufen. Strenge mich an, aber aus meinem Mund kommt nur ein verschwommenes Raunen. Dann mein linker Arm, steckt unter meinem Körper fest. Ich spüre nichts unterhalb des Ellenbogens. Versuche ihn trotzdem hervorzuziehen. Bin ich gelähmt? Was ist gebrochen? Es riecht nach frischem Blut. Meine Erinnerung: Wie ich unter dem Hallendach über die Streben klettere. » ganz lesen

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publiziert am 09.09.17 in Paare ¦ 123x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Höller blickt zurück

Nun sitzt er da und denkt über sein Leben nach. Das Familienfest ist in vollem Gange, aber das blendet er aus, wenn ihm Verwandte auf deprimierend tröstliche Art die Hand auf die Schulter oder den Unterarm legen. Oder wenn ihn junge Frauen auf die Wange küssen. Das müssen Enkelinnen sein, denn seine Töchter sind auch schon alt. Aus der Höhe des Alters sieht man vor allem Enttäuschungen und Niederlagen, denkt Höller. Wobei er das Alter auch nicht als Gipfel sieht, sondern eher als Schacht, der tief in die Erde führt, in dem man langsam versinkt und unsichtbar wird. Die Jugend dagegen, denkt er, ist bestimmt von Hoffnungen, Erwartungen und Plänen. Er kann sich nicht erinnern, wann er zum letzten Mal einen Plan gemacht hat in der Hoffnung, er können aufgehen. An Elisabeth kann er sich erinnern, sehr gut erinnern. Ihr Gesicht kann er sich jederzeit an jedem Ort vor Augen holen. Und ihr jugendlicher Körper aus den guten Jahren ist ihm so vertraut, dass er ihre Haut spüren und riechen kann. » ganz lesen

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publiziert am 20.08.17 in Paare ¦ 171x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Katarakt

Eines Tages kletterte Moritz dann doch die Leiter an der Rutsche auf dem Spielplatz hinauf, vierzehn Sprossen. Als er oben angekommen war und auf dem Absatz stand, begann es seinen Waden zu kribbeln und sein Skrotum zog sich zusammen. Da war er vier Jahre alt. Ihm wurde schwindlig, und er bekam keine Luft mehr. Beim Sturz in die Sandgrube brach er sich den rechten Fuß, und es dauerte acht Wochen bis er wieder richtig gehen konnte. Zweiundzwanzig Jahre später lernte er Sara kennen und verliebte sich sofort in sie. Für dich würde ich alles tun, sagte er eines Tages. Ihr gefiel der schüchterne Mann mit den langen dunklen Haaren und den kleinen zärtliche Händen sehr, also wurden sie ein Paar. Dann wurden beide berufstätig, und ihr gemeinsames Leben verlief in ruhigen Bahnen. » ganz lesen

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publiziert am 17.08.17 in Paare ¦ 169x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Vater, mein Vater

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein ausgeglichener, entspannter Mensch bin. Es braucht schon einiges, damit ich mich aufrege. Okay, wenn ich im Stress bin, können mich auch schon einmal kleinere Dinge aus der Fassung bringen. Besonders, wenn meine Sachen nicht da sind, wo sie hingehören. Oder wenn mir jemand dazwischen quatscht. Nicht liegt mir außerdem ferner, als die Schuld immer bei anderen zu suchen. Deshalb soll das hier auch keine Rechtfertigung sein, keine Entschuldigung oder so etwas. Dass ich Ulrike rausgeschmissen habe, ist Fakt. Aber auch Schnee von gestern. Kann man nicht mehr ändern. Ist einfach so. » ganz lesen

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publiziert am 16.08.17 in Paare ¦ 180x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Vielleicht ein Hund

Manchmal steht Ester nachts auf, tritt hinaus auf die Veranda und weint ein bisschen. Eckart bekommt davon nichts mit; der liegt da wie ein Baumstamm am Fluss und schläft. Wenn der Mond scheint oder wenn bereits der Morgen dämmert, holt sie sich bisweilen ein kleine Glas Wein aus der Küche und raucht eine Zigarette, während sie in den Garten schaut. Eigentlich könnte sie sehr glücklich sein im Holzhaus am See, das ihr Geliebter für die nach ihren Vorstellungen erbaut hat. So wie er in all den Jahren schon so viel für sie getan hat. Doch nichts davon konnte ihre Trauer ganz besänftigen. Vielleicht, denkt sie manchmal, fehlt mir ein Hund. Katzen gibt es genug auf dem Grundstück. Verwilderte Tiere ohne Moral, die sich nur an sie heranmachen, weil sie hoffen, Fressen zu ergattern. Und der alte Esel, den Eckart einem Wanderzirkus abgekauft hat, hasst sie, versucht sie zu beißen und zu treten. » ganz lesen

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publiziert am 14.08.17 in Paare ¦ 178x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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