Die Parkbuchten in der stillen Straße, in der Robert wohnt, sind senkrecht zum Bürgersteig angebracht, und die Mehrheit der Autofahrer parkt rückwärts ein. Direkt vor dem Hauseingang sieht er jetzt aber die Motorhaube eines dunkelblauen Phaeton. Er tritt hinaus. Da sitzt einer junger blonder Typ mit schlimmer Sonnenbrille am Volant, neben ihm eine Gestalt, die ihm bekannt vorkommt. Klar, denkt er, das ist doch der Inhaber, dieser Deutschdäne mit dem komischen Namen. Møre Åkelomme steigt aus und winkt ihm zu: “Kommen Sie rein, Herr Hauptkommissar, ich möchte mit Ihnen reden.” Und hält ihm die hintere Wagentür auf. Der junge Chauffeur ist ausgestiegen und steht rauchend in der Gegend rum. “Das ist schön, dass Sie zu mir kommen, Herr Åkelomme. Mich interessiert eigentlich nur eins: Wissen Sie wo, die Herren Benzani und Nahash sind? Wann haben Sie zuletzt Kontakt mit denen gehabt? Auf welchem Wege?” Der Däne grinst verlegen: “Fragen über Fragen. Gestatten Sie mir dass ich ein wenig aushole?” » ganz lesen
Am Morgen fühlt sich Robert erfrischt. Über Nacht ist ein deutliche Brise aus Nordost aufgekommen, eine ungewöhnliche Wettersituation in der Stadt. Kühl ist der Wind, und er hat die breiige Hitze aus der Stadt geweht. Er steht auf der Terrasse, eine Tasse Kaffee in der Hand. Riecht noch Elle an sich, die fest schläft. Wie meistens hatte sie Recht: Er sollte wieder mit der Erfahrung seiner Berufsjahre arbeiten, mit seiner bewährten Intuition.
Die sagt ihm schon seit dem Zeitpunkt, an dem er die Ermittlungen aufgenommen hat, dass überhaupt nur vier oder fünf Personen, möglicherweise als Täter mit Helfern, in Frage kommen. Einer davon ist der Feuerkünstler Lorenzo Bhy, der nach seinem Geständnis in Untersuchungshaft sitzt. Nur wenn feststünde, dass das Attentat auf das Wohnmobil am Ufer und der Anschlag auf die Bombar miteinander zusammenhängen, wäre der verdächtig. Und dann auch nur als Killer im Auftrag irgendwelcher finsteren Mächte. Natürlich fällt ihm, während er sich von der kühlen Luft beflügeln lässt. Cooka Jones ein. Wenn William Williams die Wahrheit gesagt hat, dann ist der geheimnisvolle Abwesende der Täter. Und die beiden Betreiber der Bar? Die sind spurlos verschwunden, und es gibt Millionen Gründe, warum zwei Gastronomen, die für obskure Hintermänner arbeiten, auf die Idee kommen könnten, ihren Laden in die Luft zu jagen. » ganz lesen
Die Verbindung von Sofia mit Jakob Greiper hatte sich nicht positiv auf den Status der Familie Wellenkamp ausgewirkt. Denn in den Augen der Ortsansässigen waren Wilhelm Wellenkmap, seine Frau Berta und seine einzige Tochter Sofia Emilia nichts weiter als Flüchtlinge. Wie viele Angehörige der unterpriviligierten Stände hatte sich das spätere Familienoberhaupt von der kolonialen Begeisterung im Kaiserrreich der Jahrhundertwende anstecken lassen, war Soldat geworden und auf eigenen Wunsch nach Deutsch-Südwest versetzt worden. Wilhelm hatte sich ausgerechnet, dass er um 1902 herum in den pensionsberechtigten Ruhestand gehen könnte, ein Stück Land da unten in Afrika zugeteilt bekäme und mit wenig Arbeit schnell reich werden würde. Tatsächlich musste er bis weit ins Jahr 1904 Dienst schieben, und von eigenem Land in der Kolonie war keine Rede mehr. So ließ er sich zum Abschied vom Barras die Pension in einer Summe auszahlen und erwarb etliche Hektar Land am Rande der namibischen Wüste, nur knapp 160 Kilometer entfernt von Swakopmund. Weil aber kein Geld übrig war, um Arbeiter – und seien es auch nur Eingeborene, die kaum etwas verdienten – zu beschäftigen, nahm er sich bald eine Frau. » ganz lesen
Er denkt den Gedanken nicht zu Ende, sondern schreibt “2. Kriminelle Geschäfte”, malt einen Schrägstrich und fügt “Erpressung oder Rache” hinzu. In diese Richtung gingen ja Schmörgels mild ausländerfeindliche Vermutungen, dass irgendeine mafiose Organisation die Bombar aus irgendeinem klein- oder großkriminellen Grund in die Luft gesprengt hat. Viel spricht nicht dafür, denn das einzig organisierte Verbrechen im Viertel – und das weiß er genau – findet sich in den illegalen Spiellokalen, wo in den Hinterzimmern auif dem grünen Filz oder an komplizierten Automaten enorme Summe verzockt werden. Und weil bei der Untersuchung des Tatorts keine Spuren verbotenen Glücksspiel gefunden wurden, scheidet dieses Variante aus. Von nennenswerten Schutzgelderpressungen in seinem Quartier hat Robert noch nichts gehört, nimmt sich aber vor, die Ladenbesitzer und Wirte am Platz zu befragen. Bliebe noch eine Erklärungsmuster rund um das Thema Prostitution. Dafür spricht aus seiner Sicht einiges. Und das ist seine wichtigste These. » ganz lesen
Sieben, acht Sturmböen treiben die Gewitterwolken nach Osten. Robert hat sich für ein Notebook mit großem Display entschieden und einen kompakten Drucker. Mit dem Computer im Rucksack, einem Haufen Kabel und Zubehör sowie einem Paket Papier macht es sich auf den Weg nach Hause, den Printer trägt er im Karton am Henkel. Bei der ehemaligen Tankstelle steht ein zerbeultes Auto auf dem Gehweg. Aus der zusammengrdrückten Motorhaube steigt noch Rauch auf. Ein Mann mit blutigem Kopfverband sitzt auf einem Gartenstuhl beim Kuchenbäcker. Notarzt und Streifenwagen blinken im Takt. Der Straßenbanhnverkehr scheint zusammengebrochen zu sein, kein Zug ist zu sehen an der Kreuzung an der sich Schienen aus allen Richtungen begegnen. Der Himmel ist blank und von aggressivem Blau. Der Hauptkommissar überlegt kurz, ob er noch etwas einzukaufen hat. Ihm fällt nichts ein. Vielleicht bringt Elle ja ein Abendessen mit, wenn sie kommt. Wenn sie denn kommt. Er packt die Geräte auf den großen Esstisch, den sich seine Frau so sehr gewünscht hatte. Platz für zwölf Personen, plus sechs mit den Verlängerungsplatten. Aber so viele Freunde und Verwandte hatten sie damals gar nicht. Er wird die Tafel als Arbeitsfläche nutzen, schiebt das schwere Teil an die Längswand und holt den Drehstuhl, der allein im ehemaligen Arbeitszimmer herumsteht. » ganz lesen
