aus dem März 2005
Auch nach dem Essen wollte uns Thibaud nicht verraten, welche Zutaten er verwendet hatte. Wir saßen immer noch zu zehnt am Buchentisch und schmeckten dem Gericht nach, dass er für uns zubereitet hatte. Eileen spürte es zuerst. Ich blickte genau in diesem Moment eher zufällig in ihre Augen und sah die Pupillen auf Stecknadelkopfgröße zusammenschrumpfen. Sie kicherte zweimal kurz und hysterisch. Am anderen Ende des Tisches stimmte Helmut ein altes, niederösterreichisches Volkslied an, und Yoo-Yin zog sich das gelbe T-Shirt über den Kopf. Mir ging es gut, auch wenn mich die handtellergroßen Kampfflugzeuge irritierten, die zwischen den Tellern und Schüsseln landeten und wieder starteten. .: mehr :.
In den späteren Jahren fand man Thibaud nur noch auf der Veranda, die er zu einem Hightech-Wintergarten hatte umbauen lassen. Filmbilder flimmerten dort frei im Raum, Musik empfing er drahtlos und ohne Umweg über Lautsprecher oder Kopfhörer mit dem Wifi-Chip hinter der rechten Schläfe. Ein Nachbar hatte uns angerufen und sich sehr besorgt gezeigt, weil Thibaud sich seiner Beobachtung nach seit Tagen nicht mehr aus dem Sessel hinter den hohen Scheiben bewegt hatte. .: mehr :.
Nach nächtelangen Diskussionen hatten wir schließlich eingewilligt. Thibaud hatte uns zwar nicht überzeugen können, aber sein Wunsch nach der Trepanation war so groß, dass wir es mehr und mehr als Freundespflicht empfanden, den Eingriff an seinem Schädel auszuführen.
Sarah hatte das notwendige Material für die Betäubung und die Wundversorgung besorgt, ich hatte die Schlagbohrmaschine mitgebracht. Thibaud bestand darauf, dass man ihm den Schädel scheren sollte. Gwen tat ihm den Gefallen mit einem Elektrorasierer. Nachdem wir die geeignete Stelle auf seiner Stirn identifiziert und markiert hatten, wollte Sarah den Shunt für die Anästhesie setzen, aber Thibaud lehnte schließlich mit dem Argument ab, das Öffnen der Haut über dem Schädelknochen wäre auch nicht schmerzhafter als eine beliebige Platzwunde. .: mehr :.
