Männer & Frauen

Zilla hatte von einem Kollegen erzählt, dessen Frau ihn verlassen hatte. Sie hatte nicht nur die drei Kinder mitgenommen, sondern das Haus komplett leer geräumt. Als der Mann von einer Dienstreise heim kam, fand er nur seine persönlichen Sache, alle Möbel und sonstigen Gegenstände waren weg. Thibaud schaltete sich ein und sagte:

“Solche Männer lieben ihre Frauen nicht, weil sie Frauen grundsätzlich nicht mögen. Eigentlich sind sie ihnen lästig und unheimlich. Diese Sorte heiratet meist erst mit Mitte oder Ende Dreißig und produziert schnell zwei Kinder. Dann hat er Familie, und das ist ja in der bürgerlichen Gesellschaft wichtig. Er strebt aber schnell eine virtuelle Geschlechtertrennung an und vermeidet gemeinsame Aktivitäten mit der Gattin so gut es geht. So ein Kerl verbringt nach Feierabend Stunden im Büro, wo er seinen Interessen nachgeht, im Internet stöbert oder DVDs am Computer ansieht. Morgens verlässt er das Haus früh, freiwillig bringt er die Kinder in die Schule. In der Mittagspause, die er gern auf zwei oder zweieinhalb Stunden ausdehnt, trifft er seine Kumpels. Sie sitzen dann in Restaurants und führen Männergespräche. Ruft seine Frau während der Bürostunden an, weist er sie barsch ab, er habe zu tun. Die Ehefrauen suchen sich, wenn sie schlau sind, eine sinnvolle Beschäftigung, eröffnen eine Boutique oder dergleichen, und halten sich einen oder mehrere Liebhaber. In der Endphase solcher Ehen, die häufig nach sieben oder acht Jahren eintritt, fahren sie nicht mehr gemeinsam in den Urlaub, haben kaum noch gemeinsame Bekannte und reden nicht mehr viel miteinander. Das findet ein Mann dieser Kategorie zunächst ganz angenehm. Jetzt kann er abends mit seinen Männerfreunden saufen gehen und am Wochenende zum Fußball. Da er an Sex eher desinteressiert ist, hält er sich von Frauen fern und deutet höchstens einmal einen Flirt an, wenn die Kumpanen dabei sind. Wenn die Frau mehr oder weniger heimlich ihre eigene Existenz aufgebaut und ihre Attraktivität hinreichend und erfolgreich getestet hat, wird sie ihren Mann verlassen. Und er wird sich fragen: Wieso?”

publiziert am 12.07.07 in Thibaud ¦ 915x gelesen ¦ noch kein Kommentar