aus dem Dezember 2008

Gewaltsam

Mit gemischten Gefühlen erinnerte ich mich dieser Tage eines Erlebnisses im vergangenen Sommer, an dem Thibaud entscheidend beteiligt war. Während in der Schweiz und in Österreich die Fußball-Europameisterschaft ausgetragen wurde, waren wir mit dem Auto unterwegs nach Frankfurt, um Freunde zu besuchen und mit ihnen gemeinsam das Spiel der Türken gegen Kroatien anzuschauen. Wir waren in diese eigenartige WG eingeladen, in der sich eine Gruppe von Leuten versammelt hatten, die samt und sonders von Eltern aus den Teilnehmerländern dieser EM stammten. Thibaud, der sonst nicht sehr am Fußball interessiert war und bis dahin keine der Partien gesehen hatte, freute sich auf den Abend. Er sah es als Experiment und redete die ganze Fahrt über davon, welche Nationalitäten wohl eher zu den Kroaten und welche zu den Türken halten würden. Mit fiel die Wahl leicht, ist doch meine Gefährtin Zilly Tochter eines rheinischen Vaters und einer kroatischen Mutter. Außerdem gefiel mir der kroatische Trainer und sein Rocksong zur Meisterschaft. Natürlich war Thibaud unparteiisch. Wir waren auf der A3 unterwegs, das Wetter war schön, aber der Verkehr an diesem späten Freitagnachmittag war ziemlich dicht. Ich war gerade auf die äußerste linke Spur gewechselt, um eine Karawane aus Wohnmobilen zu überholen, da passierte es. .: mehr :.

.: von iseb am 30.12.08 um 15:35 :. .: 196x gelesen :. .: noch kein Kommentar :.

Weihnachtsgeist

Olav und seine neue Freundin hatten in diesem Jahr das Weihnachtstreffen organisiert. Auf der Terrasse ihrer Wohnung im siebzehnten Stock stand ein Christbaum, der sparsam mit Elektrokerzen bestückt war. Sie hatten ein breites Büffet angerichtet und ein Faß portugiesischen Weins bereitgestellt. Nach und nach trafen die Mitglieder der Gruppe ein. Die Stimmung war fröhlich, freundschaftlich, aber nicht ausgelassen angesichts dessen, was wir alle auf uns zukommen sahen. Thibaud erschien als einer der letzten. Ulla würde nachkommen. Dann saßen wir zu sechst am Küchentisch und redeten über unsere Erinnerungen an vergangene Weihnachtsfeste. Olav sagte: “Ich erlebe Weihnachten immer als Mangel. Weil ich nie gelernt habe, das Fest naiv zu begehen. Die Traditionen sind mir fremd. Meine Familie war nicht christlich, überhaupt nicht religiös. Es gab auch keinen bestimmten Grund dafür, dass meine Eltern sich mit dem ganzen Weihnachtsdingen nicht gut auskannten. Vielleicht der Krieg. Aber Vater berichtete, dass er auch als Kind nie Weihnachten mit Christbaum und so weiter gefeiert hatte. Sein Vater war nämlich Proletarier, ein Werftarbeiter und strammer Kommunist, der religiöse Fest als bürgerlichen Kram abtat. Immerhin gab es bei uns an Heiligabend Geschenke.” .: mehr :.

.: von iseb am 26.12.08 um 11:20 :. .: 207x gelesen :. .: noch kein Kommentar :.

Über Thibaud

Es ist nicht leicht, über Thibaud zu sprechen. Auch wir, die wir ihn seit Jahren kennen, wissen nur das von ihm, was er selbst berichtet hat. Immer wieder diskutiert die Gruppe, zu der auch ich mich zähle, den Wahrheitsgehalt seiner Erzählungen und kommen zu keinem Ergebnis. Da wir alle aber Thibaud für eine bedeutende Persönlichkeit in diesen Zeiten halten, haben wir beschlossen, sein Berichte, Geschichten und Aktionen in Zukunft noch genauer, noch häufiger zu dokumentieren. Deshalb haben wir ihm diese Website gewidmet, die zu pflegen ich die ehrenhafte Aufgabe habe. Wo ist Thibaud jetzt? Was tut er gerade? Wir wissen es nicht genau, sind aber sicher, dass er spätestens zum Beginn des kommenden Jahres auftauchen und uns wieder unterhalten und erleuchten wird.

.: von iseb am 21.12.08 um 15:07 :. .: 387x gelesen :. .: noch kein Kommentar :.