aus dem Februar 2009

Profikiller

knarreEs ist einige Jahre her, da bat mich Thibaud, ihn zu einem Kongress in Wien zu begleiten, wo er einen wichtigen Vortrag zu halten hatte. Es war ihm recht, die Strecke in zwei Tagen mit dem Auto zu bewältigen, und so reisten wir mit meinem flammneuen Saab Cabrio Richtung Süden. Das Wetter war gut, der Verkehr relativ dünn. Wir übernachteten außerhalb von Nürnberg und fuhren am frühen Morgen wieder los. Man hatte in Wien Zimmer im Hotel Herrenhof für uns reserviert, und am späten Nachmittag trafen wir ein. Wir bezogen die Zimmer und beschlossen, die innere Stadt zu Fuß zu erkunden. Später aßen wir eine Kleinigkeit in einem böhmischen Restaurant. Schließlich wollten wir den Abend in einer Bar ausklingen lassen und fanden uns eher zufällig im Planter’s Club wieder. An einem der Tresen suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen und bestellten Mojitos. Wir redeten wenig und beobachteten das Treiben. Eine junge Frau im unauffälligen Business-Kostüm kam vorbei und setzte sich in unserer Nähe an die Bar. Der Bartender verwechselte eine Bestellung, sodass sie einen Mojito bekam und ich einen Gin-Tonic. So lernten wir uns kennen. .: mehr :.

.: von iseb am 22.02.09 um 13:50 :. .: 783x gelesen :. .: noch kein Kommentar :.

Veränderungen

hippiesDass Thibaud an der Spitze der Alterspyramide unserer Gruppe steht, dürfte bekannt sein. Aber mit geringem Abstand folgen drei Frauen, eine davon ist Jill. Und die war unseren Treffen über lange Zeit, sicher zwei, drei Jahre, ferngeblieben. Nun hatte Hanshubert wieder einmal zu einer Party geladen. Seine Feste waren legendär, auch weil es jedes Mal zu einem Ereignis kam, das in den Anekdotenschatz der Gruppe einging. In weiser Voraussicht hatte er die Terrasse über den Dächern des Gewerbegebiets als Hauptspielfeld eingerichtet, denn es war ein recht heißer Sommertag, und die Nacht versprach, mild zu werden. Jill hatte sich angemeldet. Bei unserer letzten Begegnung hatte sie erzählt, sie sei im Vorjahr fünfzig geworden und habe dieses Jubiläum im Kreis von lauter Kerlen in einem Club für Singles auf Fuerteventura verbracht. Es sei sehr schön für alle Beteiligten gewesen. .: mehr :.

.: von iseb am 15.02.09 um 20:36 :. .: 278x gelesen :. .: noch kein Kommentar :.

Maffay

maffayVor zehn oder zwölf Jahren erzählte mir Thibaud einen merkwürdigen Traum: “Ich sitze auf einem Holzstuhl, so ein Teil aus Teak, wie es die Leute auf den Terrassen haben. Der Stuhl steht jedoch auf ein dem breiten Gehweg eines Boulevards; so einer wie die Champs Elysee, der Ku-Damm oder die Kö. Die Leute laufen alle in eine Richtung. Sie kommen links und rechts an meinem Stuhl vorbei, und ich sehe nur ihre Rückansichten. Es ist ein heller, freundlicher Sommertag. Auch die Autos fahren alle in dieselbe Richtung. Man hört nur das Klappern der Absätze und leichte Motorengeräusche. Dann nehme ich aus den Augenwinkeln eine ungewöhnliche Gestalt wahr, die in mein Blickfeld gerät. Nach ein paar Sekunden sehe ich, dass es sich um ein Wesen handelt, dass nur ungefähr halb so hoch ist wie die Passanten, aber doppelt so breit. .: mehr :.

.: von iseb am 13.02.09 um 12:42 :. .: 269x gelesen :. .: noch kein Kommentar :.

Im Wald

pacificDann kam der zweite Brief von Thibaud: “Unser Haus in Carmel liegt nicht besonders einsam. Der Cabrillo Highway verläuft nur ein paar Hundert Meter oberhalb, und der Strand, auf den wir blicken, ist an Wochenenden oft überfüllt. Aber wir haben ja noch die Hütte im Wald. Die liegt unweit vom Los Padres Reservoir in den Bergen, weitab von jeder menschlichen Ansiedlung. Bill, ein Freund Deborahs aus Kindertagen, hat sie mit den eigenen Händen erbaut und Townie’s Retreat genannt. Sie ist klein, aber mit allem ausgestattet, was man sich in der Wildnis wünscht. Es gibt einen Brunnen. Und Bill hat das Dach mit Solarzellen versehen, sodass auch ausreichend Strom zur Verfügung steht. Er selbst lebt in Oakland, wo er geboren und aufgewachsen ist. Wann immer wir die Einsamkeit suchen, rufen wir Bill an und fragen, ob die Hütte frei ist. Ist das der Fall, fahren wir hin. Im Townie’s Retreat leben wir nackt – den ganzen Tag und die ganze Nacht. .: mehr :.

.: von iseb am 08.02.09 um 20:46 :. .: 567x gelesen :. .: 1 x kommentiert :.

Kalifornien

california“Ich bin jetzt nach Kalifornien umgezogen,” schrieb Thibaud. Er hatte den Brief an Lucio’s adressiert, und wir fanden ihn an einem Freitagabend dort vor. Lucio gab Olivia den Umschlag mit der Bemerkung, den habe jemand abgegeben. Sie öffnete das Kuvert und begann, vorzulesen. Schon nach dem ersten Satz waren wir überrascht, denn niemand hätte sich vorstellen können, dass Thibaud, der die USA immer gemieden hatte, an die Westküste umsiedeln würde. Eine starke Hassliebe verband ihn mit Amerika, und er hatte es immer das Land unserer Besatzer genannt, die in unserem Land seien, um uns umzuerziehen, damit wir als Konsumenten für ihre Waren funktionieren. Auch sprach er oft von Kulturimperialismus, wenn sich einer von uns begeistert über einen Song der US-Musikindustrie oder einen Hollyvood-Film äußerte. Andererseits wusste er zu berichten, dass sein Vater, der den größten Teil der Kriegsgefangenschaft in Oklahoma verbracht hatte, immer von dem weiten, schönen Land und den netten Menschen geschwärmt hatte. Und trotzdem, das hatte Thibaud oft betont, waren die USA immer noch das Sklavenhalterland, immer noch der Ursprung allen kapitalistischen Übels. .: mehr :.

.: von iseb am 05.02.09 um 14:19 :. .: 347x gelesen :. .: noch kein Kommentar :.

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