Penisdimensionen

Herr Rupprecht behauptete eines Abends, sein Penis sei in erigiertem Zustand mindestens 25 Zentimeter lang und so dick wie eine handelsübliche Fleischwurst. Dann trank er seinen Rotwein aus, grüßte mit einem Kopfnicken und verließ die Gastwirtschaft. Natürlich taten wir seine Aussage als übliche Übertreibung im Kneipengespräch ab und vergaßen die Sache. Herr Rupprecht hatte sich über Monate an unsere Gruppe herangemacht, nachdem wir das Lucios zu unserem Stammlokal gemacht hatten. Herbert, der Wirt, den alle Lucio nannten, weil er gern davon erzählte, er habe eine Zeit lang die erfolgreichste Bude am Strand von Carvoeiro geführt, hatte uns im Westflügel einen Tisch zugeteilt, an dem wir zu zehnt gut Platz fanden. Anfangs hielt sich Herr Rupprecht vorwiegend am Stehtisch im Eingansgbereich auf, später saß er ein paar Tische entfernt von uns, und schließlich nahm er am Nebentisch Platz, sobald wir auftauchten. Dass er es auf die Frauen in unserem Kreis abgesehen hatte, war offensichtlich. So verwickelte er besonders Hilda, Olivia und Elke zu vorgerückter Stunde gern ins Gespräch.

Ehrlich gesagt: Ich habe nie besonders auf ihn geachtet und auch nie mitbekommen, was er den Dreien erzählte. Mir fiel Herr Rupprecht erst an jenem Abend auf, als er über die Dimensionen seines Gliedes sprach. Man bedenke, 25 Zentimeter sind kaum weniger als die Länge eines normalen Lineals. Mir kam dieser Wert unwahrscheinlich vor, aber eine Recherche im Internet brachte zu Tage, dass der längste gemessene Schwanz es auf um die 34 Zentimeter brachte. Die einfache Bemerkung von Herrn Rupprecht führte dazu, dass jeder Mann aus unserer Gruppe in diesen Tagen an sich selbst Maß nahm. Über die Ergebnisse wurde nicht gesprochen.

Dann fehlte Elke einige Male bei unserem wöchentlichen Treffen. Auch Herr Rupprecht blieb weg, und das gab allerlei Gerüchten Raum. Hanshubert sprach es schließlich in angetrunkenem Zustand aus. Die Elke, sagte er, das war immer schon ne ganz Scharfe, die hat der Spruch von dem Typ so heiß gemacht, dass sie es wissen wollte. Chauvischwein, zischte Olivia, und Zilly meinte, dass Hanshubert soeben ein optimales Beispiel für den typisch männlichen Penisneid geliefert habe. Und dass er hier die Legende vertrete, Frauen ginge es um die Dimensionen des männlichen Gliedes. Sie selbst, fügte Hilda hinzu, habe eher eine Abneigung gegen Kerle mit großen Schwänzen. Was denn nun ein großer Schwanz sei, fragte Olav schüchtern. Die Frauen am Tisch lachten. Was willst du hören? Dass deiner groß genug ist? Thibaud, der zu alldem geschwiegen hatte, mischte sich ein: „Jungs, ihr dürft nicht vergessen, dass die Beurteilung des eigenen Schwanzes vor allem ein optisches Missverständnis ist. Wenn du an dir herunterschaust, dann betrachtest du dein Ding aus verkürzender Perspektive. Und wenn du einen Bauch hast, dann siehst du eh nur die Spitze. Man kann seinen Schwanz natürlich messen. Dann wirst du aller Wahrscheinlichkeit auf einen Wert zwischen 11 und 16 Zentimetern kommen. Das reicht doch wohl…“ Die Frauen am Tisch nickten wissend.

Tatsächlich war Elke mehrere Wochen beruflich unterwegs gewesen. Als sie wieder dabei war, fragte Zilly sie ganz direkt, ob sie Herrn Rupprecht außerhalb unserer Runde getroffen habe. Sie gab das zu. Und? fragte Hanshubert bloß. Ja, sagte sie, ich war bei ihm zuhause. Wir haben geredet, und er hat keine Anstalten gemacht, mich zu verführen. Dann sprach ich ihn auf seine Aussage an. Wortlos stand er auf und ließ die Hosen herunter. Er hat nicht übertrieben, so viel kann ich sagen.

publiziert am 01.02.09 in Thibaud ¦ 9906x gelesen ¦ 2 x kommentiert

  1. Beneidenswert, dieser (fiktive) Herr Rupprecht. Mit seiner Stracke zwischen den Beinen. Rasputin soll auch gut bestückt gewesen sein. Napoleon und Hemigway nicht so gut. Eine mir bekannte junge Frau, mittlerweile nicht mehr ganz so jung, dafür aber verheiratet und zweifache Mutter, sagte als reifer Teenager:

    „Wenn ein Mann gut gebaut ist, ist das die halbe Miete!“

    Und die zum Glück fast schon in Vergessenheit geratene, unvermeidliche Bielefelderin Herlind Wartenberch alias Hera Lind ließ sich erst sage und schreibe vier Blagen von ihrem Uli ansetzen, um dann kurz darauf einen etwas männlicheren Hotel-Pleitier kennenzulernen und öffentlich den Kindervater Uli als großen Irrtum hinzustellen. „Ich könnte heulen vor Glück!“ rief die möglicherweise klitoral gesteuerte Dame dann noch doof aus. Tags: Chr. Neubauer, Demi Moore

    kommentar von Hatice Pislik am 12.05.13 um 20:59
  2. Hemingway!

    kommentar von Hatice Pislik am 12.05.13 um 21:05