Wie viele?

Sie hatten Hauptkommissar Greiper aus dem Schlaf geklingelt als gerade die Sonne über dem Park aufging nach einer kurzen, heißen Sommernacht. Er hatte bis Mitternacht Bereitschaftsdienst geschoben, war dann noch auf ein Bier im Antoniushof eingekehrt und hatte zuhause noch bis gegen drei mit einer Flasche Wodka auf der Terrasse gesessen. Über dem unteren Rheinwerft stand eine fette Rauchwolke. Der Wagen des Einsatzleiters stand noch da und ließ das Blaulicht blinken. Die Löschfahrzeuge waren schon weg. Zwei Feuerwehrleute hockten vor dem ausgebrannten Reisemobil, ein Streifenkollege hatte sich ein wenig abseits auf einen Poller gesetzt und rauchte. Greiper ging zu ihm rüber: „Waren Leute drin?“ Der Polizist nickte. „Wie viele?“ Sein Kollege zuckte die Schultern und zeigte auf den Brandmeister am roten VW-Transporter. Einer der Männer am Wrack stocherte mit einem Haken in den qualmenden Trümmern. „Morgen. Sieht nach explodierten Gasflaschen aus.“

Der Brandmeister drehte sich zu ihm um: „Wer sind Sie denn?“ – „Entschuldigung. Hauptkommisar Greiper vom siebten Dezernat…“ und zeigte seine Ausweiskarte. Der Feuerwehrbeamte reichte ihm die Hand: „Müllern, mit einem N am Ende. Unwahrscheinlich. Der Flaschenkasten war leer. Soweit wir das feststellen konnten.“ Sein Kollege zerrte gerade einen verbrannten Kasten aus dem hinteren Teil des abgebrannten Wohnmobils. „Haben Sie Leichen gefunden?“ Der großgewachsene Feuerwehrmann beugte sich leicht vor. „Noch nicht. Aber ich würd drauf wetten, dass da Leute drin waren… Nur so’n Bauchgefühl.“ Greiper Handy schlug an. „Ja? Okay. Gut. Wir haben die Kennzeichenverfolgung. War wohl ein Nutten-Cruiser. Stand sonst an der Fährstraße.“ Der Brandmeister nickte kurz: „Dann werden wir mal nach Knochen suchen.“ – „Bericht an mein Dezernat bitte.“ Die Beamten gaben sich die Hand.

publiziert am 30.04.11 in Völkerwanderung ¦ 1096x gelesen ¦ noch kein Kommentar