Geschichten aus dem Mai 2011
Die Bar war nur noch eine schwarze Höhle. Greiper kannte sich mit so etwas aus. Zwischen seinem abgebrochenen Studium und dem Eintritt in den kriminalpolizeilichen Dienst hatte er unter anderem bei einem Unternehmen gejobbt, das Schadensanierung betrieb. Die Firma arbeitete hauptsächlich als Dienstleister für Versicherungen und hatte die Aufgabe, durch Reinigen und Aufarbeiten von Sachen die Summe zu verringern, die an den Geschädigten hätte gezahlt werden müssen. Robert war Teil einer so genannten Putztruppe, die nach Brand- und Wasserschäden zum Einsatz kam. In ihren quietschgelben Schutzanzügen gingen die Männer zum Beispiel in eine ausgebrannte Wohnung und holten alles raus, was mit sinnvollem Aufwand wiederherzustellen war. Aus dieser Zeit wusste er, dass es der Geruch ist, der eine solche Brandstelle für normale Leute so unerträglich macht. Als der Hauptkommissar nun vor dem dunklen Loch stand, das vorher ein Lokal gewesen war, nahm er als erstes diesen vertrauten Gestank wahr. Er ließ sich einen Schutzanzug geben, zog den an und ging hinein. .: mehr :.
Früher schenkte Moni da das beste Altbier aus. Die Gäste waren über die Jahre dieselben geblieben im Schankraum hinter gelben Butzenscheiben. Dann starb der erste, vier, fünf Jahre später der nächste, und irgendwann war Moni fast allein und gab auf. Junge Russen richteten eine Cocktail-Bar ein. Zwei Sommer lang traf sich die vorwiegend aus Kasachstan eingewanderte Jugend dort. Man hörte eine Art Techno-Musik. Ständig gab es Ärger mit der Polizei, und als im September eine Razzia einige Dutzend Kilo unterschiedlichster Pillen und Kokain gefunden wurden, gaben die jungen Russen auf. Ältere Bewohner des Viertels wussten zu berichten, dass im Eckhaus früher ein Laden untergebracht war, Gemischtwaren. Andere meinten, das stimme nicht, es habe sich um eine Parterrewohnung gehandelt. Das, dachte Greiper, wird den neuen Betreibern egal gewesen sein, die hier nun Softdrinks und Shishas anboten, sodass die angrenzenden Häuserblocks im Sommer vom süßlich parfümierten Rauch durchzogen wurden. Wenn Jungmänner auf Schemeln vor der Tür hockten, an den Mundstücken der Wasserpfeifen sogen und sich laut miteinander unterhielten. .: mehr :.
Als Elle am Uhrenfeld in den Park einbog bei ihrem morgendlichen Dauerlauf, war es noch nicht ganz hell. Am Weiher zerrte eine ältere Dame ihren Schosshunder hinter sich her. Es roch nach den Grillorgien des Vorabends, und der asphaltierte Hauptweg war mit Scherben übersät. Sie wählte die Strecke ganz außen, entlang des Bachs. Über der Ballonwiese schwebte ein bisschen Dunst. Dann sah Elle das grelle Lodern: Am anderen Ende brannte eine Pappel. Lichterloh wie eine Fackel. Helle Flammen an den Ästen, ein schwacher Rauch zog nach oben ab. Nie hatte sie ihr Handy dabei, wenn sie es gebraucht hätte. Auch nicht an diesem Morgen. .: mehr :.
