Ascheregen

In der Nacht war ein Ascheregen über der Stadt niedergegangen. Als Robert gegen acht auf die Terrasse tratm hinterließen seine nackten Füße deutliche Spuren in der graumelierten Schicht. Die Kastanien auf der Straße sahen aus wie gepudert, die üblichen Geräusche erklangen gedämpft wie an Schneetagen. Er rief sofort Elle an. Ja, bei ihr am Hausboot sei es so schlimm gewesen, dass die Feuerwehr sie evakuiert habe. Ob sie wisse, was passiert sei. Ja, sagte sie, man habe ihr erzählt, der Hauptfilter an einem der Kraftwerksschlote sei explodiert. Die ganze dort gelagerte Asche sei dadurch in die Luft geschleudert worden. Sie selbst habe so fest geschlafen, dass sie keinen Knall gehört hätte. Aber, wandte Robert ein, das Hausboot läge doch kaum 200 Meter von diesem Block entfernt. Trotzdem, sagte Elle.

Sie verabredeten sich zum Essen im Gasthof gegenüber der ausgebombten Bar. Er würde wie immer ein Schnitzel nehmen, Elle lange in der Karte blättern, um dann doch einen Salat zu bestellen.

Im Präsidium erfuhr Hauptkommissar Robert Greiper dann, dass ein Anschlag nicht ausgeschlossen werden könne. Die Kollegen, die das Rauchen noch nicht aufgegeben hatten, standen in der Raucherecke im Innenhof und diskutierten heftig über den Unfall am Kraftwerk. Ein Kommissar, den Greiper nur flüchtig kannte, sog an einer dicken Zigarre, blies eine Rauchwolke steil nach oben und sagte: „Es gab einen Bekenneranruf“.

publiziert am 24.07.11 in Völkerwanderung ¦ 828x gelesen ¦ noch kein Kommentar