Diese Leute

Kriminaloberrat Schmörgel hatte Greiper an der Raucherecke aufgelauert: „Haben Sie schon Ergebnisse zu dieser Bombengeschichte?“ Sein Untergebener hatte sich zu den Kollegen gesellt, die dort standen, qualmten und quatschten. Jetzt drehte er sich langsam um und sah dem Oberrat direkt in die Augen: „Nein. Ich ermittle noch.“ – „Kann doch nicht so schwer sein,“ gab Schmörgel zurück, „wenn eine Shisha-Bar abgefackelt wird, dann wird es um irgendeine Fehde zwischen Türken, Kurden, Albaner und Libanesen und was da noch so rumläuft handeln.“ Greiper trat einen halben Schritt zurück: „Meinen Sie das ernst?“ Der Kriminaloberrat stockte kurz. „Na ja, wird schon irgendwie mit dem erhöhten Gewaltpotenzial dieser Leute zusammenhängen. Vielleicht auch ein bisschen organisiertes Verbrechen. Soll ich die Kollegen vom zuständigen Dezernat einbinden?“ Greiper schüttelte den Kopf und fragte: „Wo wohnen Sie eigentlich? Im feinen Viertel auf der anderen Flußseite? Im Villenvorort? Oder da am Park, wo die Bonzen und Schnösel hausen?“ Er hob die Stimme: „Oder sind Sie auch bloß so’n verkappter Rassist?“

Die Gespräche der anderen Beamten verstummten. Schmörgel stand plötzlich im Mittelpunkt. „Hören Sie, Greiper, lassen sie ihr Gutmenschentum mal schön zuhause. Hier im Dienst haben Sie realistisch zu sein.“ – „Ach ja,“ der Hauptkommissar zeigte alle Anzeichen aufkommender Wut, „und bei einem Anschlag auf eine Bar, die einem deutschen Dänen gehört und orientalische Wasserpfeifen anbietet, kann man realistisch nur von ethnischen Bandenkriegen ausgehen. Wollten Sie das ausdrücken?“ Ein Kollege, den er nicht kannte, hielt ihn mit einem Griff an den Ellenbogen zurück. Der Kriminaloberrat schüttelte nur den Kopf, drehte sich um und ging zum Eingang des Polizepräsidiums.

publiziert am 30.07.11 in Völkerwanderung ¦ 822x gelesen ¦ noch kein Kommentar