Tote Frauen

Ja, beide Leichen seien weiblich, hatte Ulf gesagt, das hätten die Untersuchungen von Dr. Dropheide ergeben. Warum ihm das der Doktor nicht selbst berichtete, fragte Greiper und wusste im selben Moment, dass der Mann, den sie Laborratte nannten, der falsche Ansprechpartner war. Er bekam ohnhein keine Antwort und ließ sich die Details nennen. Obwohl die Körper massiv verkohlt waren, konnte zweifelsfrei festgestellt werden, dass es sich um zwei Frauen im Alter zwischen 20 und 30 gehandelt hatte, vermutlich von heller Hautfarbe und mit hoher Wahrscheinlichkeit schwarzhaarig oder brünett. Über Größe und Gewicht konnten auf Grund des Zustands nur Schätzungen abgegeben werden – beide seien wohl mittelgroß und eher schlank gewesen. Eine habe eine Metallplatte im rechte Bein gehabt, hatte also vor nicht langer Zeit einen Beinbruch erlitten. Bei der andere war ein Verhütungsspirale gefunden worden, und es sprachen einige Indizien dafür, dass beide Frauen wenige Stunden vor ihrem Tod Geschlechtsverkehr gehabt hätten. Zumindest die eine Dame sei schon vor dem Verbrennen tot gewesen, ein diagnostizierter Schädelbruch unterstützte diese These.

Der Hauptkommissar notierte sich, was Ulf am Telefon durchgab. Eine erste feine Spur zeigte sich. Nach allem, was er wusste, hatten in der Bombar nie Frauen gearbeitet. Wie die Stammgäste, vorwiegend junge Männer aus dem türkischen, dem kurdischen und libanesischen Raum, auch nur äußerst selten ihre Verlobten mitgebracht hatten. Offensichtlich nahmen die Kerle, die in oder vor der Bar saßen und Shisha rauchten, die Regeln des Koran sehr ernst. Jedenfalls dann, wenn es ihnen in den Kram passte. Greiper nahm sich vor, Ümit zu fragen, ob er auch gläubiger Moslem sei, und Walter Hinz, wie er zum Islam stünde.

publiziert am 10.07.11 in Völkerwanderung ¦ 848x gelesen ¦ noch kein Kommentar