DNA-Analysen

Auf dem langen Gang, durch den der Geist und Geruch der sechziger Jahre zog, traf Greiper auf Ulf, seinen alten Kumpel aus dem forensischen Labor. Der wedelte mit einem Aktencouvert und stotterte for Aufregung: „Bulgarien, das waren Bulgarieninnen!“ Der Hauptkommissar brachte ihn zum Stehen, hakte sich bei ihm ein und zog den Assistenten in Richtung Ausgang. Die Raucherecke war leer. „Jetzt mal langsam, Ulf.“ Der hatte sich ein wenig beruhigt und zog zwei Ausdrucke aus dem Umschlag. „Wir haben natürlich DNA-Analysen machen lassen von den toten Frauen…“ – „Von welchen?“ – „Von allen vieren; die aus dem Wohnmobil und die aus der Bar.“ Greipers Neugier war gweckt: „Und?“ Ulf zog die Luft durch seine spitze Rattennase: „Die sind alle miteinander verwandt! Alle vier! Schwestern, Mütter, Töchter, Nichten!“ Er gab dem Hauptkommissar die Papiere. Greiper warf einen kurzen Blick darauf und sagte: „Langweil mich nicht mit wissenschaftlichem Kram. Gib mir die Fakten!“

Ulf berichtete, dass die DNA-Analysen zweifelsfrei ergeben hätten, dass zwischen den Proben der vier verkohlten Leichen derart viele Übereinstimmungen entdeckt worden waren, dass die Personen maximal Verwandte zweiten Grades seien, aber noch eher ein Mutter-Töchter-Verhältnis zwischen der Ältesten und den drei Jüngeren oder dass alle vier sogar Schwestern gewesen seien. Außerdem habe man bei den Analysen auch das jeweilige Alter genauer bestimmen können. Danach war die älteste der verbrannten Frauen zwischen 35 und 40 gewesen. Die anderen datierte der Forensiker auf ein Alter zwischen 15 und 25. Inzwischen sei auch klar, dass die Damen im Reisemobil schon tot waren, bevor das Fahrzeug ausbrannte. Sie seien vermutlich vergiftet worden, denn man habe Spuren von Thalium in beiden Leichen gefunden. Das eine Opfer in der Bar, das war ja schon bekannt, wies schwerste Schädelverletzungen aus, die andere war vermutlich erdrosselt worden.

„Aber, aber, aber…“ Ulf konnte sich nicht beruhigen, „das Dollste ist: Wir können mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 80 Prozent sagen, dass die vier Mordopfer aus Bulgarien stammten, vielleicht aber auch aus dem nordöstlichen Griechenland oder dem europäischen Teil der Türkei.“ Greiper stand da mit offenem Mund. Dann fragte er: „Wie könnt ihr das denn feststellen?“ Ulf nickte heftig und mit einigem Forscherstolz: „Wir können die DNA mit einer europäischen Ethno-Datenbank abgleichen. Die wird in Bremen geführt. Da haben wir die Sequenzen hingeschickt, und die haben geantwortet.“ Der Hauptkommissar bedankte sich, und im Weggehen murmelte vor sich hin: „Bulgarinnen…“

publiziert am 14.08.11 in Völkerwanderung ¦ 792x gelesen ¦ noch kein Kommentar