Aussichtslos

Robert hat keine Lösung. In dem Punkt hat der Bulgare Recht. Jedenfalls keine Lösung, bei der unbeschadet davon käme. Und je mehr darüber nachdenkt, desto attraktiver erscheint ihm der Vorschlag des Killers. Fragt sich nur, ob er ihm vertrauen kann. Dazu muss er mehr wissen über die Tat und die Motive. Also nickt er einfach so vor sich hin. „Was,“ fragt Gojko, „machst du mit?“ Der Hauptkommissar schaut den dicken, alten Mann intensiv an. „Los, komm, sag!“ Er zögert ein paar Sekunden und sagt dann einfach: „Bin einverstanden. Bevor ich aber meine Frau rufe, möchte ich mehr wissen. Und mit der Aufzeichnung anfangen. Ich hol mein Notebook.“ Und steht auf. „Halt!“ brüllt Trifonov, „du bewegst dich nicht. Wir gehen zusammen. Wo ist das Ding?“ – „Auf dem Stuhl neben Ihnen.“ – „Sag das doch gleich. Und mach mich nicht nervös.“

Während der Mörder stehen bleibt, beugt sich Robert über den Tisch und greift nach dem Computer. Er spürt den Elektroschocker in seiner Tasche. Die Frage ist, ob das Ding so schnell wirkt, dass Gojko gelähmt ist, bevor er den Zündknopf drücken kann. Erfahrung hat er damit nicht. Er zieht das Notebook auf den Tisch und klappt es auf. Auch mit dem Aufnehmen von Tönen über das eingebaute Mikrofon kennt er sich nicht aus. Er hat sich hingesetzt und das Ding aus dem Schlafmodus geweckt. Jetzt sucht er nach einem passen Programm. „So richtig fit bist du nicht mit der Technik, oder?“ Der Täter macht sich lustig. „Okay, öffne das Startmenü. Du weißt, was das ist?“ Robert nickt. „Geh auf alle Programme. Such nach Zubehör. Hast du’s?“ Wieder nickt der Hauptkommissar. „Klick drauf. Da findest du einen Programm namens ‚Audiorekorder‘, das startest du. Klappt’s?“ Robert nickt erneut. „Machen wir ne Probe. Dreh das Notebook so, dass das Mikro auf mich zeigt. Klick auf Start. Also, eins-zwei, Test, Test, Test…“ Robert stoppt die Aufnahme und startet die Wiedergabe. Und genau in dem Moment, in dem der letzte Ton von Gojkos Testansage verklungen ist, schellt es.

„Warte, ich geh mit.“ Gojko Trifonov erhebt sich, auch Robert steht auf, und zusammen gehen sie zur Wohnungstür. Der Hauptkommissar hebt den Hörer der Gegensprechanlage ab: „Ja?“ – „Ich bin’s, Robert, dein kleiner Sonnenschein…“ Der Attentäter fragt nach: „Wer ist das?“ Und Robert gibt Auskunft. „Na, prima, soll hochkommen. Da haben wir ja unsere Zeugin.“ Robert drückt den Summer und öffnet die Tür. Ein paar Augenblicke später tritt Elle aus dem Aufzug. „Erklär’s ihr,“ sagt Gojko. Und Robert hat keine andere Wahl als Elle zu berichten wie die Lage ist und dass sie nun Teil des Spiels ist. Dann sitzen sie zu dritt am Tisch, jeder mit einer Flasche Bier vor sich. Gojko erzählt weiter.

publiziert am 13.05.12 in Völkerwanderung ¦ 701x gelesen ¦ noch kein Kommentar