Hand und Fuß – Teil 4

Felsheimer reckte das Kinn wie Mussolini, sein rasierter Schädel glänzte im Morgenlicht, das durch die Jalousien drang, und dann öffnete er den Mund, der von einem Bart umgeben war, den er einen Henri-Quatre-, andere aber einen Arschlochbart nannten: „Wir werden jeden dieser Pressepisser verklagen, der es wagt, ohne unsere Genehmigung über den Vorfall zu berichten. Wir werden das ganze dumme und faule Journalistenpack mit Abmahnungen und einstweiligen Verfügungen überziehen bis Blut kommt. So stelle ich mir den Umgang mit den Medien vor.“

Er erntete betretenes Schweigen. Ja, ja, dachte der Marketingchef, so ist er nun mal, der olle Terrier, den Schaidler gern auf alles hetzt, was sich bewegt. Und der Deutschlandboss wünschte sich, man hätte Felsheimer gar nicht erst eingeladen. Nur der etwas neben der Spur laufende PR-Berater meinte, auf den Ausbruch reagieren zu müssen: „Ich weiß nicht recht, aber mit den üblichen Methoden der Krisen-PR ist ihr Vorschlag nur schwer in Einklang zu bringen. Ich würde…“
Weiter kam er nicht. Felsheimer nahm ihn ins Visier und brüllte: „Scheiß auf Krisen-PR, scheiß auf Methoden, es gilt, das Unternehmen vor seinen Feinden zu schützen. Da ist jedes Mittel recht, und die juristische Offensive hat sich bewährt.“
„Da muss ich Ihnen teilweise Recht geben, lieber Felsheimer“, sprach der Österreicher mit der Verantwortung für Werbung, PR und ähnliches Gedöns, „in einigen Fällen konnten wir mit Ihrer geschätzten Hilfe tatsächlich unliebsame Wettbewerber klein halten. Aber gegenüber den Medien haben wir bisher doch mit nachweisbarem Erfolg eine Politik der vertrauensvollen Zusammenarbeit gefahren.“
„Ach was, geschmiert haben Sie die Journalisten. Mit Pressereisen samt Nutten auf dem Hotelzimmer. Mit zinslosen und nicht rückzahlbaren Darlehen. Mit kostenlosen Einrichtungen und dergleichen“, Felsheimer trug jetzt Spottfalten parallel zum Bartwuchs, „aber diese Wichser warten nur darauf, uns einen reintun zu können. Darauf können Sie einen lassen.“

Die Assistentin des Landeschefs hatte bei dem schlimmen Wort kurz gestutzt und dann irgendein Synonym in ihr Protokoll geschrieben. Ihr Vorgesetzter wiegte den schweren Kopf und sagte schließlich: „Ich denke, wir sollten das eine tun und das andere nicht lassen. Schlage deshalb vor, dass unser Kollege Marktleiter zunächst die Personen ermittelt, die den Fund mitbekommen haben, dass der geschätzte Herr Felsheimer die juristischen Kanonen in Stellung bringt und unser Freund aus der PR ein Krisenkonzept nach allen Regeln der Kunst bastelt. Mit den Ergebnissen sehen wir uns dann morgen wieder. Gleicher Ort, gleiche Uhrzeit.“
Mit diesen Worten erhob er sich und verließ ohne Weiteres den Raum, sodass seine charmante Begleiterin Mühe hatte, ihm zu folgen.
„Sehen’s, meine Herren“, fasste der Vice President Marketing Europe zusammen, „irgendeiner muss immer Entscheidungen treffen. Bloß Vorschläge zu machen, reicht nicht. Servus.“ Und machte sich auch davon.

Der arme Marktleiter, dem das ganze Unglück passiert war, hatte sich auch davongeschlichen. Zurück blieben der verwuschelte PR-Mensch und Johannes Benedikt Felsheimer, der das Wort ergriff: „Ihnen ist sicher bewusst, dass Ihr, nennen wir es mal so, Handwerk, in Situationen wie dieser deutlich nachgelagert ist. Ich schätze Sie zudem so ein, dass Ihnen etwas daran liegt, die AMEK Deutschland weiter als Kunde betreuen zu dürfen. Und ich hoffe, dass Ihnen klar ist, dass ich derjenige bin, der Sie mit einem Wort in Richtung Schaidler ein für allemal aus dem Geschäft kicken kann. Also verhalten Sie sich in Zukunft bitte so als seien Sie ein vernunftbegabtes Wesen, das meine Ausführungen verstanden hat. Auf Wiedersehen.“

publiziert am 15.05.12 in Einzelteile ¦ 897x gelesen ¦ noch kein Kommentar