Hand und Fuß – Teil 9

Nein, es war kein Auflauf, der auf dem Parkplatz vor dem AMEK-Megastore entstanden war als Hauptkommissar Greiper mit dem Hubschrauber über dem Dach des Gebäude schwebte, sondern ein ziemlicher Tumult. Gerade eben hatte der Marktleiter per Megafon bekanntgegeben, dass die Verpflegungsstationen aus technischen Gründen leider geschlossen bleiben würden. Dass die Menge einigermaßen aggressiv reagierte, bestätigte die naheliegende Vermutung, dass ein Teil des Landvolks nur wegen der Aussicht auf kostenlose Grillwürste und Freibier erschienen war. Trotz allem blieb der Hauptverantwortliche für den Möbelmarkt einigermaßen kontrolliert und ordnete Maßnahmen zur Massenberuhigung an. Eine Kollegin telefonierte die umliegenden Getränkemärkte ab und bestellte Bierfässer samt Zapfbesteck en gros, eine andere forderte bei einem bekannten Kirmesversorger jeden verfügbaren Grillwagen an, und alle hofften darauf, dass man zügig mit der Verköstigung der Menschen beginnen könnte.

„Um die fünftausend, würde ich sagen“, teilte der im Schätzen von Menschenmengen anhand zahlloser Demonstrationen erfahrene Pilot Greiper mit. Dann setzte er den Helikopter auf dem Dach der Halle ab und entließ seinen Fluggast in die unübersichtliche Situation. Derweil hatten fleißige Helfer begonnen – auch dies war eine Anordnung des Marktleiters – den Catering-Bereich mit Gittern abzusperren, wobei sie Unterstützung von den üblichen Türstehern bekamen, die für das, was man so Security nennt, verantwortlich waren. Die waren angewiesen, niemanden in die drei Zelte hinein oder hinaus zu lassen.

Schließlich hatte der Hauptverantwortliche per Handy beim Bandmanager angefragt, ob die Harten Hände nicht innerhalb der nächsten Stunde mit ihrem Konzert beginnen könnten und nicht erst um drei am Nachmittag. Der Typ zeigte sich willig, wies aber darauf hin, dass Bassist Flecki noch nicht eingetroffen sei. Der pflege nämlich zu Gigs in der Nähe grundsätzlich im eigenen Pkw anzureisen und stecke nun im Stau.

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Hiobsbotschaften reisen selten allein. Deshalb erreichte alle Beteiligten genau in der Phase eine Nachricht schlimmen Inhalts, als diese sich im sicheren Ge-fühl suhlten, alles im Griff zu haben. An diesem Freitag gegen zwölf Uhr am Mittag erfuhr der AMEK-Chef der Region Deutschland per Telefon, dass in einem Mülleimer am Haupteingang der Filiale Limburg eine sauber einge-schweißte, menschliche Hand aufgefunden worden war.

Der osteuropäische Putzmann, der im Zuge seiner üblichen Runde den Inhalt des Papierkorbs in einen Plastiksack umfüllen wollte, hatte einen Schock erlitten und befand sich im Krankenhaus. Seine Vorgesetzte war bei der Benachrichtigung einem Kreislaufkollaps zum Opfer gefallen, und erst der dortige Marktleiter behielt angesichts des Pakets die Nerven. Vorher hatten aber geschätzte fünfzig Kunden von der Sache Notiz genommen, und bestimmt würden ein Fünftel von ihnen wahlweise die Polizei oder die Presse verständigen. AMEK Deutschland hatte ab dieser Stunde nichts mehr zu verbergen.

publiziert am 02.08.12 in Einzelteile ¦ 702x gelesen ¦ noch kein Kommentar