Königskinder 08

Und weil Johannes weder Interesse, noch Zeit hatte, in einer Kanzlei öde juristischen Dienst abzuleisten, blieb die ganze Arbeit an Ronny hängen. Aber der beklagte sich nicht, den eigentlich waren zwei seiner Wünsche gleichzeitig in Erfüllung gegangen: als selbstständiger Anwalt wirken zu können und an der Seite seines liebsten Freundes sein zu dürfen, ja, von der Umwelt geachtet zu werden als graue Eminenz, als Kraft im Hintergrund des strahlenden Prominenten, der nicht nur als bewunderter TV-Moderator und witzige Werbefigur auftrat, sondern auch noch ein echter Advokat war, mit eigener Kanzlei sogar. Tatsächlich hatte Felsheimer seinen Kumpel zum Kompagnon gemacht, wenn auch nur mit einem Anteil von fünfundzwanzig Prozent, sodass er selbst alle Entscheidungen allein treffen konnte, der Mitstreiter aber ausreichend motiviert wäre, Tag für Tag in staubigen Akten zu wühlen, die immer gleichen Texte zu formulieren und Stunde um Stunde in öden Gerichtszimmern auf seine kurzen Einsätze zu warten.

Er ahnte nicht, dass genau das, was Johannes langweilig, blöd und ermüdend fand, für Ronald Horben die Bestimmung seines Lebens war. Und dass der umso mehr Vergnügen fand, je kleinkarierter eine Abmahnung war, je sinnloser eine einstweilige Verfügung und je gleichförmiger sein Arbeitstag. So vergingen drei, vier Jahre, in den Jojo und Ronny vorwiegend zufrieden waren mit ihrer Existenz.

publiziert am 13.09.12 in Einzelteile ¦ 862x gelesen ¦ noch kein Kommentar