Striptease in Roermond

striptease_roermondJeder ahnte, dass Manes ein Trinker war. Aber damals hatte es sich noch nicht herumgesprochen, dass jede Sucht eine Krankheit ist. Bei Alkoholikern hieß es, die sollten sich einfach mal zusammenreißen und weniger saufen. Manes war nie wirklich betrunken, und es schien sogar als könnte er nicht besonders viel vertragen. Später fanden wir heraus, dass er schon nach dem Aufwachen anfing mit dem Trinken und kurz vor dem Schlafengehen das letzte Glas nahm. In der Öffentlichkeit trank er übrigens nur Wein und vor allem Sekt. Ich sah ihn nie mit einer Flasche oder einem Glas Bier, ganz selten mit einem Schnaps. Und Manes riss sich über viele Jahre sehr zusammen. Vielleicht weil er einen starken Drang hatte, aus den ärmlichen Verhältnissen, denen er entstammte, aufzusteigen, wohlhabend zu werden. Die Familie Dietze wohnte schon seit zwei Generationen in der Paulsmühle, der schmutzigen Seite des adretten Benraths. Dem Städtchen, wie die Bewohner sagen, dem Ort, der vom Schloss in den Schatten gestellt wird. Während im Musikantenviertel am Schlosspark der alte Geldadel in hübschen Villen wohnt, sieht es auf der Ostseite eher aus wie in Hassels oder gar Reisholz. Hier im Niemandsland zwischen Düsseldorf und Hilden war immer Platz für Industriebetriebe: Thyssen, Demag, Rheinstahl, Jagenberg.

In grauen, gesichtslosen Nachkriegshäusern mit Fenstern, die wie Wunden wirken, hatte man die Arbeiter eingelagert. Die Dietzes, der Vater hatte sich Mitte der Fünfziger davongemacht und fuhr angeblich zur See, wohnten zeitweise zu acht auf vielleicht sechzig Quadratmetern. Manes hatte sechs Geschwister, er war der älteste, Uschi war sechzehn Jahre jünger und das Nesthäkchen. Wie seine vier Brüder nach ihm hatte er bei Rheinstahl gelernt; jeder Dietze musste ein anderes Handwerk lernen, das hatte die mächtige Mutter so bestimmt. Obwohl Manes die freie Auswahl hatte, entschied er sich für eine Lehre als Dreher. Später absolvierte er eine Schweißerausbildung und über ein paar Abendlehrgänge wurde er zusätzlich Industriemechaniker.
Uschi war gerade ein Jahr alt als Manes auszog. Das war Mitte der Sechziger noch ungewöhnlich. Man blieb zuhause bis man heiratete. Aber die Hochzeit mit Hannelore lag noch in einiger Zukunft, da bezog der frischgebackene Dreher ein schickes Neubauappartement in einem der Hochhausblocks an der Landsberger Straße – heute einer der heißesten sozialen Brennpunkte der Stadt, damals ein Musterbeispiel für modernen Wohnungsbau. Ihm muss das als enormer Aufstieg vorgekommen sein, und natürlich hatte er die Bude nur mit Dingen eingerichtet, die damals in Möbelhäusern als Stil der Zeit angepriesen wurden.

Da das junge Paar nur wenige Wochen dort zusammen wohnte, war ich auch nur ein-, oder zweimal zu Besuch. Das Appartement lag im achten Stock und hatte einen winzige Balkon nach Südosten, auf dem gerade einmal zwei Personen Platz hatten. Hanne wird bei der Trauung im dritten Monat gewesen sein, denn Sohn Andreas wurde ein knappes halbes Jahr nach der wüsten Hochzeitsfeier im Biergarten einer Gaststätte an der Paulsmühlenstraße, die es heute nicht mehr gibt, geboren. Über viele Jahre konnte man in der Familie jederzeit eine Unterhaltung auslösen, wenn man einer der vielen Anekdoten ansprach. Wie der Oppa verschwand und sechs Stunden später jenseits der Autobahn wieder aufgegriffen wurde. Über Ilse, die vom kleinen Michael hinter den Büschen ertappt wurde, als sie es sich gerade von Giovanni, dem Verlobten von Marion, besorgen ließ. Die Schlägerei zwischen Juppes, dem zweijüngsten Bruder des Bräutigams, und seinem ewigen Lieblingsfeind, einem Vorarbeiter bei Rheinstahl. Dass die Rechnung so gigantisch hoch gewesen sei, weil der Tisch mit Hannes Kolleginnen ab zehn Uhr nur noch vom teuren Sekt bestellten.
Manes verdiente gutes Geld, und als er zum Klöckner in Flingern wechselte, verdoppelte sich – wie er jedem, der es hören wollte oder nicht – sein Netto sogar. Und so wie die Kohle reinkam, so warf er sie wieder zum Fenster hinaus. Viele Jahre später saß ich mit ihm im Hinterhof des Hotels zur Mühle in Bracht, das Hanne und er gepachtet hatten. Wir sprachen über Geld, über die Rente und das Sparen. Da sagte er irgendwann leichthin, er sei einfach nicht der Typ für den Bausparvertrag. Zu dem Zeitpunkt waren Manes und Hanne schon hoch verschuldet, und er arbeitete nicht mehr.

Verschwender oder ganz allgemein Männer, die nicht mit Geld umgehen können, haben meist nicht mehr als ein oder zwei Gebiete, auf denen sie die Kohle ausgeben, ohne Sinn und Verstand. Manche müssen sich ständig teure Uhren kaufen, andere machen dreimal im Jahr Luxusreisen auf Pump. Bei Manes waren es zeitlebens die Wohnungen und die Autos. Ich erinnere mich noch an die Behausung der Dietzes in Lennep; sie hatten sich in einer ehemaligen Direktorenvilla eingemietet, ein riesiges Gemäuer in einem parkähnlichen Garten, in dem seit dem Bau ein eingeborener Unternehmen, Besitzer mehrere metallverarbeitenden Betriebe, residiert hatte. Nach dessen Tod – die Witwe brachte das Erbe umgehend mit jungen Männern an der Costa Brava durch – stand das Haus lange leer, bevor es ein Spekulant erwarb und aufteilte. So gab es ein finsteres Zweizimmerloch im Souterrain, das ein Kriegsflüchtling aus dem Libanon mit Frau und zwei Kindern bewohnte. Im Anbau hatte ein merkwürdiges Altmännerpaar Quartier bezogen. Und die ehemalige Hausmeisterwohnung war mit einer Klavierlehrerin belegt. Die Dietzes aber waren Mieter des hochherrschaftlichen Teils. Allein das Wohnzimmer mit seinem exquisiten Parkett erstreckte sich über mehr als achtzig Quadratmeter. Es gab eine Küche, die jedem Restaurant gut zu Gesicht gestanden hätte, ein Bad, das größer war als die Wohnung der Libanesen, dazu vier Zimmer unterschiedlicher Größe und zwei weitere Nasszellen.
Noch bevor ich einen Führerschein hatte und ein Auto besaß, waren Barbara und ich bei ihrer Schwester und dem Schwager in Lennep zu Besuch. Die Fahrt mit dem Nahverkehrszug dauerte mehr als eine Stunde. Und nur wenn Manes gute Laune hatte, holte er uns vom Bahnhof ab. Wenn nicht, stand uns ein Fußweg von zwanzig Minuten, vorwiegend bergauf, bevor.

Inzwischen war Manes selbst Unternehmer. Es schien, als könne er sich die weit über tausend Mark Miete – das war in den frühen Siebzigern eine Menge Geld – locker leisten und den schweren Mercedes auch. Irgendwann, das beichtete er lange danach, hatte er beschlossen, nur noch Mercedes zu fahren. Letztlich waren es die Kredite für die neuen Modelle alle zwei Jahren, die der Familie den Ruin brachten. Denn natürlich war das Darlehen für den einen Wagen noch nicht abbezahlt, wenn er Geld für den neuen Daimler aufnahm. Ob sein Geschäft auch nur annähernd genug Geld für diesen Luxus einbrachte, blieb unklar.
Er hatte sich in der Halle eines Werkzeugmaschinenhändlers eingemietet, irgendwo in einem Tal bei Wermelskirchen. Dort reparierte er Drehbänke, Pressen, Fräsen, Scheren und was sonst noch zur Metallverarbeitung gebraucht wurde. Irgendwann begann er, beschädigte Maschinen für wenig Geld in Italien, Frankreich und Belgien aufzukaufen, instandzusetzen und dann im Ostblock mit hohen Aufschlägen wieder zu verkaufen. Die Dinger kamen per Güterzug, die Halle hatte einen Gleisanschluss. Er wird ordentlich verdient haben, denn er arbeitete allein und engagierte höchstens Handlanger, denen er einen ordentlichen Stundelohn zahlte – schwarz, natürlich.
Einen Sommer lang wohnte ich während der Semesterferien bei Manes und Hanne und arbeitete für ihn. Nur am Wochenende fuhr ich nachhause zu Barbara, mit der ich inzwischen verheiratet war. Meine Aufgabe war das, was Manes Kosmetik nannte. Ich lackierte die restaurierten Maschinen; dass wir vorwiegend eine Farbe namens Maschinengrün 6011 verwendeten, werde ich nie vergessen. Anfangs gab ich mir Mühe und putzte jeden Winkel eines Objekts. Bei einer kleinen Drehbank war das auch keine besonders schlimme Arbeit, aber an einem sechs Meter hohen Schmiedehammer oben die Ölreste mitsamt des eingelagerten Mäusekots aus den Ritzen zu kratzen, war kein Spaß. Also begann ich damit, diese Drecknester einfach mit Lack zuzukleistern.

In der Villa stand mit ein eigenes Zimmer im Souterrain mit eigenem Bad zur Verfügung. Man kann nicht sagen, dass Manes ein fleißiger Arbeiter gewesen sei. Vielleicht hing das mit seiner Trinkerei zusammen und damit, dass er sich immer zusammenreißen musste, aber wir fingen selten vor zehn Uhr morgens in der Halle an. Vorher gab es ein ausführliches Frühstück. Den Geschmack der in viel Butter gebratenen Spiegeleier, die Hanne servierte, habe ich noch auf dem Gaumen. Überhaupt wurde im Hause Dietze immer sehr lecker gegessen. Hanne war ein perfekte Köchin, und in der Zeit im Hotel zur Mühle habe ich von ihr sehr viel über das Kochen gelernt und jede Menge Rezepte kennen gelernt, die ich noch heute nutze.
Dann rasten wir im silbernen SE, natürlich das Modell mit dem 6-Liter-Achtzylinder, über die bergigen Straßen zur Arbeit, zogen uns um und legten los. Die Arbeiter des Hauptmieters machten da gerade die erste Pause. Deren Mittagspause gegen zwölf schlossen wir uns an. So bekam ich zum ersten Mal so richtig mit, was echte Arbeiter so erzählen, denken und in ihrer Freizeit tun. Das war faszinierend und ernüchternd zugleich. Es war während einer dieser Mittagspausen – ich war per Fahrrad in den Ort gefahren und hatte Frikadellen und Kartoffelsalat für alle geholt -, dass ich das erste Pornoheft meines Lebens sah. Der Typ, den sie Schlank nannten, ein mächtiger Bursche mit kleinem Kopf, der ausschließlich in bergischer Mundart redete, warf ein dänisches Magazin mitten zwischen die Teller. Abgebildet war ein Kerl, der eine Ziege fickte. Schlank wollte sich vor Lachen ausschütten und grölte immer bloß „Tut der Ziech den Arsch verrammeln!“.

Er fuhr gern schnell und war chaotisch dabei. Dass er oft chauffierte wie ein Verrückter hatte wohl auch was mit seinem kleinen Bruder Klaus zu tun. Der Klausi hatte Autoschlosser gelernt und war über Zufälle in den Rennsport geraten. In jeden Jahren hatte er es bis zum Fahrer in einem recht renommierten Formel-V-Rennstall gebracht. Manes und er waren die Geschwister, die sich am nächsten waren. Gleichzeitig aber auch ständige Konkurrenten. Hatte Manes angefangen, Tennis zu spielen, übte Klausi so lange heimlich, bis er den großen Bruder herausfordern konnte. So ging das mit allem. Und bei Sachen, die sie beide gut konnten, war ich ihr Lieblingsgegner, um nicht zu sagen: ihr Lieblingsopfer.
So nahmen sie mich an einem wunderschönen Sommerwochenende, das Barbara und ich in der Villa verbrachten, beim Skat aus wie eine Weihnachtsgans. Erst im Winter konnte ich mich rächen, indem ich gegen beide um Geld Schach und Backgammon spielte. Das Leben als dauernder Wettkampf – so sahen die Dietze-Brüder das. Und waren sich dabei vollkommen bewusst, dass ihre Frauen das niemals kapieren würden.

Einmal waren wir mit Manes, Hannes und Andreas zu einem Verwandtenbesuch in der Nähe von Kassel gewesen. Die zwei Tage da waren langweilig, ermüdend, unerfreulich. Manes hatte durchweg heimlich getrunken, um wenigstens den Anschein zu erwecken, er wäre gut drauf. Erst am Lenkrad der riesigen Limousine schlug seine Laune um. Bei strömendem Regen im Dunkeln der Nacht raste er mit Tempo zweihundert die A44 Richtung Ruhrgebiet. Der schwere Wagen schlingerte über die Fahrspuren und verlor in Pfützen die Bodenhaftung. Ich hatte nackte Angst, traute mich aber nicht, ihn zu bitten vernünftiger zu fahren.
Zu allem Überfluss hatte Manes keine Lust, uns nachhause zu bringen. Stattdessen steuerte er den Bahnhof in Hagen an und warf uns morgens um halb vier dort raus. Für die Heimfahrt nach Düsseldorf brauchten wir, Wartezeiten eingerechnet, länger als von Kassel nach Hagen im Mercedes.

Wir bekamen es nur am Rande mit. Aber irgendwann berichtete Barbara, ihre Schwester habe angerufen und über Manes geklagt. Das war ungewöhnlich, denn Hanne war eher wortkarg und ganz sicher keine Frau, die anderen Leute mit ihren Problemen auf die Nerven gehen mochte. Und so oft wir auch bei den Dietzes waren, so wenig nah waren sich die beiden Schwestern, die ja auch immerhin gut fünfzehn Jahre auseinander waren. Er würde kaum noch arbeiten, erzählte Hanne. Bliebe oft zuhause oder gar tagsüber im Bett. Er habe schlimme gesundheitliche Probleme. Der Arzt habe ihm starke Medikamente gegen die Herzbeschwerden verschrieben und ihn aufgefordert, das Rauchen einzustellen. Ich kannte Manes nur mit einem brennenden Zigarillo in der Hand, wobei er immer betonte, er habe seit zwanzig Jahren keinen Lungenzug mehr genommen. Dann verkaufte die letzten Maschinen, die noch in der Halle rumstanden, und meldete sein Gewerbe ab.
Seine Frau war inzwischen wieder berufstätig, weil Andreas in eine Ganztagsschule ging. Sie hatte einen ziemlich ordentlich bezahlten Job als Vorstandssekretärin einer inhabergeführten Fabrik in Dahlhausen, einem der klassischen kleinen Industriedörfer im bergischen Land. Natürlich reichte das Gehalt nicht, um den bisherigen Lebensstil aufrechtzuerhalten. Also zogen die Dietzes um in eine Erdgeschosswohnung an der Ortsgrenze von Lüttringhausen. Die gehörte zu einer Reihe anderthalbgeschossiger Neubauten am Waldrand, mit denen sich ein Landwirt seinen Lebensabend sichern wollte.

Das neueste Hobby der Dietze-Brüder – der inzwischen halbwüchsige Andreas durfte auch mitmachen – war das Schießen. Manes, Klausi und Juppes hatten erst Luftgewehre angeschafft, waren dann auf Kleinkaliberwaffen umgestiegen, und irgendwann brachte der Zweitälteste, ein Schlägertyp und Krawallmacher, der schon zweimal wegen Körperverletzung eingefahren war, ein richtiges Gewehr mit. Später noch eine schwere Pistole mit Schalldämpfer. Geschossen wurde aus dem Schlafzimmerfenster quer durch den Garten auf Zielscheiben, die am Zaun befestigt waren.
Dass ich als überzeugter Pazifist und angehender Kriegsdienstverweigerer keine Waffe in die Hand nehmen wollte, machte mich vollends zum Außenseiter. Für Juppe war ich damit aus dem Rennen, er sprach nie wieder ein Wort mit mir. Klausi wurde nicht müde, mich wegen der Scheißabstinenz zu foppen und zu piesacken. Und wäre Manes nicht eingeschritten und hätte dem kleinen Bruder erklärt, dass es völlig in Ordnung sei, wenn jemand nicht schießen wolle, vielleicht wäre es das Ende der verwandtschaftlichen Beziehung zu den Dietzes geworden.

Manes war nun auch über fünfzig, sah aber deutlich älter aus. Mit viel Glück war er auf einen alten Kollegen aus Rheinstahl-Zeiten getroffen, der als freiberuflicher Reparaturspezialist europaweit unterwegs war und damals dringend einen fähigen Mann suchte, mit dem er zusammen arbeiten könnte, um noch mehr, noch lukrativere Aufträge abarbeiten zu können. Ja, mein Schwager war wirklich ein Meister seines Fachs und kriegte jede Maschine wieder ans Laufen. So fuhr er mit Egon, so hieß der Kollege, nun wochenlang auf Montage – hauptsächlich waren sie in Wallonien, das damals noch das industrielle Herz Belgiens war, aber auch in ganz Frankreich, in der Schweiz, in Österreich sowie in Ungarn und der Tschechoslowakei unterwegs.
Weil auch diese Fabrik dichtmachte, verlor Hanne ihren Job. Die ganze Familie hatte keine Lust mehr aufs Bergische, und so kam es, dass sie an den Niederrhein übersiedelten. Dort, so die Idee, wollten sie ein Hotel betreiben, in das sie Manes‘ gutes Einkommen investieren wollten, um fürs Alter gesichert zu sein. Eine Anzeige brachte sie auf das Hotel zur Mühle in Bracht, unweit der Grenze zu den Niederlanden und dem riesigen NATO-Areal dort. An diesem Stützpunkt mit einem geheimen Flugplatz und Hunderten unterirdischer Hangars und Werkstätten arbeiten damals in den Hochzeiten des kalten Kriegs mehrere Tausend Soldaten verschiedener Armeen, vor allem aber US-Amerikaner und Briten.

An die vielen Diskussionen zu diesem Plan erinnere ich mich genau. Manes war der Ansicht, dass die Militärangehörigen, die kein Quartier auf der Base hatten, ja irgendwo nächtigen müssten. Da wäre doch so ein Hotel eine Goldgrube. Hanne war skeptisch, ja, ihre realistische Einschätzung war, dass die Pacht für den Schuppen mit der großen Wirtschaft im Erdgeschoss und den acht Fremdenzimmern geringer sei als die aktuelle Miete, da wäre das Risiko ja überschaubar. Ich hatte allerdings immer den Eindruck, Manes war scharf darauf, eine eigene Kneipe zu haben, um immer an der Alkoholquelle sitzen zu können.
Als wir das erste Wochenende im Hotel zur Mühle verbrachten, waren wir entsetzt. Dieses Etablissement war durch und durch marode. Die Zimmer waren schmutzig und feucht, die Betten in einem abenteuerlichen Zustand, genau wie die Waschräume und die übrige Installation. Nur je ein Zimmer pro Etage verfügte über ein Bad, die restlichen Gäste waren auf Gemeinschaftsduschen und –toiletten angewiesen. Da Manes, Hanne und Andreas keine Wohnung in der Bruchbude hatten, funktionierten sie die oberste Etage um.

Das Mobiliar warfen wir aus dem Fenster in den Hof. Die Einrichtungsgegenstände aus der Wohnung in Lüttringhausen wurden recht wahllos in den fünf Räumen im dritten Stück verteilt. Tatsächlich wurde die Kneipe zum eigentlichen Wohnzimmer, in dem sich die Dietzes, ihre Familienangehörigen und Freunde nach Belieben ausbreiten konnten, denn Gäste kam anfangs überhaupt nicht, schon gar keine Soldaten auf der Durchreise, die Übernachtungsmöglichkeiten suchten.
Dass die Sache zum finanziellen Desaster werden würde, war eigentlich von Anfang an klar. Zwar brachten Manes‘ Noteinsätze mit seinem Kompagnon Egon gutes Geld ein, nur fielen selten mehr als zwei Jobs pro Monat an. Und immer wenn der frischgebackene Hotelier einen fetten Scheck eingesackt hatte, schmiss er eine Party für die Clique, die sich inzwischen als Mischung aus Verwandten und alten Freunden gebildet hatte. Jedes Wochenende waren fünf, sechs Leute zu Gast, aßen und tranken, was die Wirtschaft hergab und übernachteten in den ungenutzten Zimmern.

Kurz vor Weihnachten verkündete Manes, dass jetzt Schluss sei mit der Gratisversorgung. Für die Übernachtung würde er nichts berechnen, aber jeder bekäme jetzt einen Deckel, auf dem er die bitte seinen Konsum aufzeichnen und vor der Abreise bezahlen solle. Einen dieser Deckel habe ich heute noch. Bezahlt hat nie jemand. Dabei wurde bisweilen gesoffen bis zum Umfallen. Zum Beispiel zu Silvester am Übergang von 1971 auf 1972. Alle waren da, und Hanne hatte beim Dorfbäcker, einem Exilspanier namens Jesus, ein ganzen Spanferkel aus dem Ofen bestellt. Zu viert holten wir das Blech mit dem Braten beim Herrn des Ofens ab und trugen es mit Hilfe eines Schalbretts durchs Dorf wie eine Leichenbahre.
Die anwesenden Frauen hatten den Tag über eine Fülle an Beilagen produziert und als Büffet im vorderen Teil der Kneipe aufgebaut. Das Schwein fand seinen Platz auf dem Billardtisch. Und während anfangs noch alle brav mit ihren Tellern anstanden, um sich vom Chef persönlich ein Stück abschneiden und übergeben zu lassen, wurde die Angelegenheit schon so an zehn Uhr zum Massaker, bei dem jeder nach Lust und Laune am gebratenen Tier herum schnippelte.
Andreas, damals ungefähr zwölf Jahre alt, betreute die Cocktailbar, die aus einet abenteuerlichen Konstruktion aus zwei Tischen bestand. Zwei verschiedene Mixgetränke hatte er zur Auswahl: Cola-Asbach und Wodka-Orange. Alle anderen Spirituosen wurden pur und mit Eis serviert. Juppes bediente den Zapfhahn und Birgit war für Wein und Sekt zuständig. Klausi hatte seine Anlage mitgebracht und fungierte als DJ. Wer sich noch auf den Beinen halten konnte, tanzte zur Musik. Wer diesen Punkt überschritten hatte, suchte festen Halt und trank weiter. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich bis zum Dreikönigstag hin.

Immerhin wurde Jesus, den sie im Dorf nur Jupp nannten, nun Stammgast. Er brachte Hanne bei, Tapas zu bereiten und ließ Manes spanischen Wein einkaufen. Der Bäcker war Junggeselle und – wie wir später erfuhren – eigentlich durchgehend unglücklich verliebt. Meistens in Frauen in festen Händen. Dass er Hanne anschmachtete, war nicht zu übersehen. Aber unternahm in all den Monaten, in denen die Dietzes das Hotel zur Mühle betrieben, keinen Versuch, Hanne seine Liebe zu erklären. Statt dessen spielte er Billard wie besessen. Meist kam er am Nachmittag, direkt nach dem Aufstehen. Er frühstückte und begab sich an den Tisch. Pünktlich um acht verließ er die Wirtschaft, um sich bis zum Beginn der Backzeit schlafen zu legen.

Im Frühjahr fuhren wir nach einigen Wochen Pause wieder einmal nach Bracht. Auf einem der drei Gästeparkplätze stand ein schmeißfliegengrünes Achtzylindercoupé, ein Amischlitten im Stil der Zeit, versehen mit einem US-Kennzeichen wie es Angehörige der Army in Europa bekamen. „Wir haben Gäste“, begrüßte uns Hanne freudstrahlend. Tatsächlich würden Vern und Joe die einzigen Gäste bleiben, die je für Übernachtungen im Hotel zur Mühle bezahlten. Sie waren ein Special-Team, das mit einem gewaltigen Truck von NATO-Base zu NATO-Base reisten und für die Wartung und Einstellung der Mikrowellen-Kommunikationsanlagen verantwortlich waren. Joe hatte einem Kameraden, der zurück nach Amerika gegangen war, den Straßenkreuzer abgekauft und mit Erlaubnis von Manes dauerhaft vor dem Hotel geparkt.
Die beiden Amis hätten unterschiedlicher nicht sein können. Joe war seit seinem sechzehnten Lebensjahr Berufssoldat, und mehrere Einsätze in Vietnam hatten ihn hart und zynisch werden lassen. Vernon war fast fünfzehn Jahre jünger und stammte aus Baltimore. Er hatte sich auf zehn Jahre verpflichtet, weil ihm nach der Highschool nichts Besseres eingefallen war. Man hatte ihm nach der Grundausbildung verschiedene Möglichkeiten angeboten, aber er hatte sich für die Spezialistentätigkeit entschieden, weil er so in die Heimat seiner Vorväter kommen konnte. Während Joe italienische Wurzeln hatte, stammte Verns Urgroßvater, ein gewisser Adalbert Alt, aus Norddeutschland.

Wir haben uns sehr mit Vern angefreundet. Mir kam er immer sehr naiv vor. Er war aber auch sehr neugierig, interessiert und freundlich. Um noch mehr über das Land seiner Herkunft zu erfahren, hatte er sogar im Selbststudium ein wenig Deutsch gelernt. In seiner Freizeit besuchte er im Sattel seiner Yamaha systematisch die üblichen Sehenswürdigkeiten, und nach dem das Team geplatzt war, besuchte er uns einige Male. Beim letzten Mal – es muss kurz nach dem RAF-Anschlag auf die Botschaft in Stockholm gewesen sein – verbrachten wir einen sonnigen Tag mit ihm im Biergarten an der Kaiserpfalz, und er sprach davon, den Dienst zu quittieren, aber in Deutschland zu bleiben. Ja, er überlegte ernsthaft, sich falsche Papiere zu besorgen oder gar ganz offiziell die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen. Werner Alt wollte er sich nennen und dann vielleicht Ingenieurswesen in Aachen studieren.
Das war die letzte Begegnung. Nach dem fürchterlichen Attentat der Baader-Meinhof-Bande im Jahr 1972 hatten die US-Militärs die Möglichkeiten für Nicht-Soldaten, mit Angehörigen der Streitkräfte zu kommunizieren, drastisch einzuschränken. Deshalb hatten wir keine Chance, Vern anzurufen, anzuschreiben oder zu besuchen, und waren darauf angewiesen, dass er sich meldete. Das geschah aber nicht. Über die Jahre habe ich oft nach ihm gesucht. Seit es das Internet gibt, forsche ich regelmäßig nach einem Werner Alt und habe auch schon mit zwei Herren dieses Namens Kontakt aufgenommen. Vernon war nicht dabei.

Joe und Vernon blieben die einzigen Stammgäste im Hotel zur Mühle. Ab und an verirrte sich jemand auf der Suche nach einem Fremdenzimmer dort, aber keiner blieb länger als eine Nacht. Dafür hatte die Kneipe ab dem Frühjahr Zulauf. Ab mittags liefen die Trinker und Zocker ein, und abends waren es die jüngeren unter den Ortsbewohnern, die gern zum Essen kamen. Einerseits weil die Speisen aus Hannes Küche exzellent waren und nicht teuer, andererseits, weil Andreas Abend für Abend die angesagteste Musik jener Zeit auflegte.
Ab elf versank dann alles im Suff. Die beiden US-Soldaten brachten bei jedem Besuch kartonweise zollfreie, subventionierte Spirituosen mit. Die Literflasche Jim Beam kostete bloß fünf Mark. Und Manes begann, die bekannten Trinkspiele, die üblicherweise mit Bier und Schnaps betrieben wurden, mit Whisky durchzuführen. Beliebt und berüchtig war das Stiefeltrinken mit Whisky-Cola. Bekanntlich wird dabei ein Glas, das anderthalb Liter fasst und wie ein Stiefel geformt ist, durch die Runde gereicht. Jeder nimmt einen Schluck, und derjenige, bei dem es gluckert, muss zahlen. Wenn dieses Ritual am Stammtisch mit fünf, sechs Kerlen so um die zehnmal am Abend gefeiert wurde, hatte das Folgen. Ich erlebte nach so einer Tour das erste und einzige Alkoholkoma meines Lebens.

Während Vern beim schweren Trinken nach und nach albern wurde, legte der Stoff bei Joe seine aggressive Ader frei. Er schwelgte dann gern in Gewaltphantasien und argumentierte gern damit, dass alle Asiaten gekillt gehören und besonders die Weiber, die seien Teufel, die dem weißen Mann den Lebenssaft aussaugen. Vermutlich meine er das vollkommen ernst. Nein, sicher war das seine ehrliche Überzeugung. Einmal überraschte ich ihn in seinem Zimmer, die Tür stand offen, und er lag auf dem Bett. Er studierte ein Pornoheft. In dem es ums Töten und Zerstückeln junger Mädchen ging. Ich hab vorher und nachher nie wieder so etwas Scheußliches gesehen, und manchmal taucht eines der Bilder in meinen Albträumenb auf. Joe hatte sich lachend aufgerichtet und mir die aufgeschlagene Doppelseite vors Gesicht gehalten. Bevor ich wegsehen konnte, hatten sich die fürchterlichen Fotos in mein Hirn gebrannt.

Auch in den Punkten Sex und Gewalt unterschieden sich Vern und Joe vollkommen. Sie stritten oft darüber. Bei einer dieser Diskussionen sagte Vernon einmal: „Joe, you’re evil, because you’re pro killing. You will never get happy.“ Der altgediente Soldat, ein nicht sehr groß gewachsener, stiernackiger Italoamerikaner, lachte kurz auf und konterte: „You’re just a hippie. Happiness, you know, happiness is the tight pussy of a chick you rape.“ Darauf konnte mein Freund nichts mehr entgegnen. Zumal der aus einem ausgesprochen prüden Elternhaus stammte. Bei seinen Touren auf der Yamaha war er einmal in einem Saunaclub gelandet, einem dieser verkappten Bordelle, die es am Niederrhein in der Umgebung des NATO-Stützpunktes zu Dutzenden gab.
Vern hatte nicht begriffen, dass es dort nicht um Wellness ging. Er wollte einfach zum ersten Mal im Leben saunieren. Später berichtete er davon, dass er sich umgezogen habe und dann in seinen Badeshorts in den Schwitzraum gegangen sei. Da hätten, man stelle sich das vor, zwei Frauen gesessen, völlig nackt! Und gegenüber ein nackter Mann, der habe den Mädchen voll zwischen die Beine geguckt. Er sei natürlich gleich geflohen. Unsere Einladung, mit uns einmal eine normale Sauna zu besuchen, schlug er regelmäßig ab. Genau wie er abwinkte, als die Bande der Verwandten und Freunde an einem Freitagabend im Frühherbst nach Roermond aufbrach. Dort wolle man einen Zug durch die Gemeinde machen und den legendären Stripteaseclub besuchen. Auch Joe sagte ab, ihm war das offensichtlich zu zahm.

Zu der Zeit war die Grenzstadt ein verrufenes Kaff mit einem nicht ganz ungefährlichen Amüsierviertel rund um den Munsterkerksplein und zog nicht nur die Soldaten vom Flugplatz an, sondern auch die Binnenschiffer vom örtlichen Flusshafen. Da es in Roermond zudem jede Menge Puffs und Nachtbars gab, kamen aber auch viele Niederländer aus den eher puritanischen Gegenden in die Stadt, um die Sau rauszulassen. So fielen wir mit drei Autos und insgesamt dreizehn Personen im Ort ein. Hanne war als einzige Frau mitgekommen, und auch Andreas sollte nun auch das Nachtleben kennen lernen. Wir aßen prächtig im amerikanischen Steakhaus an der Leliestraat und zogen weiter in ein völlig überfülltes Eetcafe am Platz.

Der Abend war mild, es wurde getrunken, gelacht, gesungen und getanzt. Das ganze Viertel brummte vor Vergnügen. Kurz nach Mitternacht drängte Manes zum Aufbruch, die Show im legendären Moulin Rouge fange gleich an, er habe dort reserviert. Tatsächlich hatte man zwei grün-plüschige Sitzecken direkt am Rand der Bühne für uns reserviert. Die bunten Cocktails standen schon auf dem Tisch, als das Licht im Raum erlosch und die Musik einsetzte, Die erste Tänzerin war mager und missmutig. Sie vollführte mechanische Bewegungen und zupfte sich die Kleidung, jedes Stück ein wenig zu groß für dieses dünne Mädchen, rasch vom Leib. Dann stand sie nackt vor uns, wackelte zwei, drei Mal mit dem Popo und machte sich davon.
Spärlicher Beifall begleitete ihren Abgang. Die nächste Kandidatin stand deutlich unter Drogen, ohne das auszumachen war, welche Substanzen sie eingenommen hatte. Ihr Tanz war hektisch, ihr Lächeln hysterisch, die stark überschminkten Augen flackerten gefährlich. Merkwürdigerweise legte sie zuerst den Unterleib frei, bevor sie das Bolerojäckchen und den weinroten Bommel-BH auszog. Alle starrten auf ihr Schamdreieck, denn entweder hatte sie sich die Locken herausgebügelt oder das glatte, schwarz glänzende Haar war ihre anatomische Attraktion, was die Reihenfolge des Entkleidens erklärt hätte.
Es folgte ein längliches musikalisches Vorspiel bevor der Zeremonienmeister das knappe Podest, das als Bühne diente, mit einem Sprung enterte. Vermutlich handelte es sich um den Besitzer der Bar. Ein großer schwerer Kerl mit einem gewaltigen Schop Krause auf dem Schädel, ganz in Leder gekleidet wie ein Motorradrocker. Er hatte ein Mikro mitgebracht und zerrte am zu kurzen Kabel. Als er seine Ansage begann, ging ein Kichern durchs Publikum – das dünne, helle Stimmchen passte so gar nicht zu seinem Äußeren. Jedenfalls kündigte er nun Marjolein an, die Attraktion des Programms, die Schönste der Schönen, die Königin der Herzen, der Traum der Männer. Das alles in Niederländisch, Englisch und Deutsch.
Majorlein sah aus wie eine Hausfrau, die Elfriede hätte heißen können. Eine schwere Person mit freundlichem Gesicht. Ungünstig geschminkt und etwas hüftsteif. Sie rollte verführerisch mit den Augen und saß schon nach drei Takten auf dem Schoss eines Gastes. Schnell hatte sie sich ausgezogen, war zurück auf die Bühne geklettert, wo sie ihren prächtigen roten Busch schwenkte. Ständig hob sie die feisten Brüste mit den Händen an und versuche vergebens, ihre Brustwarzen zu lecken. Ganz offensichtlich erregte der Tanz sie selbst am meisten. Hanne stieß mich an und flüsterte: Riechst du das auch? Ich schnupperte und nickte. Aus Richtung der Künstlerin zog ein ziemlich starker Duft herüber, der noch deutlicher wurde als sie sich unseren Plätzen näherte.
Leider war es Jupp, der katholische Spanier, der am ungünstigsten saß. Auf den hatte es Majorlein abgesehen. Rasch hockte sie rücklings auf ihm und scheuerte mit dem Intimbereich seine Oberschenkel. Sprang auf und suchte das nächste Opfer. Jesus war entsetzt. Er drehte sich halb um und zischte in unsere Richtung: Sie hat misch nass gemacht! Anscheinend konnte die stramme Holländerin gar nicht mehr aufhören. Ihre Auftrittsmusik lief bereits zum dritten Mal, und jeder Interessierte hatte sich mit fast jedem Detail ihrer Anatomie vertraut machen können. Dann machte der Mann am Mischpult dem Elend ein Ende und drehte den Ton langsam ab. Applaus setzte ein. Majorlein verbeugte sich. Und begann, sich Schamhaare auszuzupfen und in die Menge zu werfen wie Rosenblätter aus einem Blumenstrauss. Ich fing eines davon auf und trug es über Jahre in meiner Geldbörse.

Wir verließen das Etablissment mit einiger Verwirrung. Der größte Teil der Gruppe machte sich auf die Rückfahrt, aber Manes, seine Brüder und ich beschlossen, bis zum Morgengrauen zu trinken. Fanden eine stille Bar direkt am Bahnhof. Am Tresen hingen durchweg Soldaten in zivil, die sich systematisch Alkohol zuführten. Wir schlossen uns an. Dann ging Manes auf die Toilette. Und kam nicht wieder. Juppes folgte. Klausi und ich hatten den Zustand erreicht, in dem jeder Säufer ganz bei sich ist und die Umwelt ignoriert. Dass die beiden verschwunden waren, fiel uns erst auf, als uns der Barmann rausschmiss, weil er schließen wollte. Es hatte en bisschen geregnet, das frühe Licht ließ das Pflaster glänzen. Wir machten uns auf die Suche. Nach einiger Zeit fanden wir die Stelle, an der die drei Autos geparkt hatten. Alle weg.
Instinktiv machten wir uns zu Fuß auf. Erreichten nach einer Stunde den Grenzübergang. Wurden abgewiesen, weil ohne Papiere. Erinnerten uns an den grünen Überweg bei De Lanck, den wir nach einer weiteren Stunde Querfeldeinmarsches auch fanden. Wechselten die Seiten. Fanden das Fahrrad des Försters an einem Waldweg und stahlen es. Ich strampelte, und Klausi saß auf dem Gepächträger. Am Ortseingang von Bracht hielten wir an. Es gelang uns, das Fahrrad in die Telefonzelle zu quetschen. In der Zeitungsmeldung zu dem Vorfall war dies das Hauptthema. Nachdem wir unsere Räusche ausgeschlafen hatten, spazierten wir alle zum Tatort. Das Rad war noch drin.

[Hinweis: Dies ist eine Geschichte, keine Dokumentation. Sie basiert auf Situationen, die tatsächlich stattgefunden haben, beschreibt aber auch Szenen, die es nie gegeben hat. Die Namen sind teilweise verändert, die Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen jedoch unvermeidlich.]

publiziert am 02.01.13 in Stadtgeschichten ¦ 880x gelesen ¦ noch kein Kommentar