1962 – Ein Ausflug in die Eifel

ausflug_eifel_1962Manche der alten Familienfotos sind auf der Rückseite beschriftet. Auf diesem steht in einer mir nicht bekannten Schrift (Onkel Walter?) lapidar „Eifel 62“. Es wird dieser Onkel gewesen sein, der den Schnappschuss angefertigt hat, denn Tante Thea ist auf dem Bild, Onkel Walter nicht. Dafür ist die Familie Knorrek anwesend, das waren die Nachbarn von Tante Thea und Onkel Walter im Haus Jordanstraße 25. Der Kopf in der Astgabel gehört Rainer Knorrek, dem Sohn. Herr Knorrek (der mit der sehr dunklen Brille) hatte eine schnarrende Stimme und wusste alles. Er starb ein oder zwei Jahre nach diesem Ausflug. Solche Sonntagsausflüge gehörten zur wöchentlichen Routine – jedenfalls ab dem Zeitpunkt als mein Vater seinen ersten Dienstwagen bekommen hatte.

Das wird im Jahre 1957 oder 1958 gewesen sein. Niemand hatte damals ein Auto, jedenfalls keiner der Nachbarn, keine Verwandten und keine Bekannten. Nicht einmal der Herr Kraft hatte einen Pkw, dabei arbeitete der doch in der Auto-Union-Fabrik, wo die wunderschönen DKW 3=6 gebaut wurden. An der Stelle dieser Fabrik findet sich heute das Sprinter-Werk von Daimler-Benz. Und weil wir einen Wagen hatten, konnten wir Ausflüge machen. Zu den Lieblingszielen in der Nähe zählten die Hildener Heide und die Urdenbacher Kämpe, aber auch nach Holland – wie man damals sagte – führen wir nicht selten. So weit ich mich erinnere konnte man in Venlo auch sonntags einkaufen, und meine Eltern waren ganz scharf darauf, billigen holländischen Bohnenkaffee und die billige Butter da zu kaufen.
Nachdem Herr Fischer, der Nachbar, tatsächlich Berufssoldat geworden und die Familie nach Bad Godesberg gezogen war, fuhren wir die regelmäßig besuchen. Einige Male kutschierte uns der Vater irgendwohin aufs platte Land, um – wie er sagte – den einen oder anderen „Kriegskameraden“ zu besuchen. Größere Reisen führten uns nach Altenberg zum Dom oder ins Sauerland zur Dechenhöhle. Und ganz offensichtlich haben wir auch Ausflüge in die Eifel gemacht.

Das erste Auto war ein Opel Rekord Olympia, eine zweitürige Limousine mit Lenkradschaltung und durchgehender Sitzbank vorne. Darin fanden wir fünf gut Platz. Aber Tante Thea, die älteste Schwester meiner Mutter, und Onkel Walter mussten ja auch immer mit. Die drängten sich praktisch auf. Und dann hieß es, dass die beiden Damen hinten mit zwei der Kinder saßen und eines der Geschwister die Arschkarte hatte und vorne bei Onkel Walter auf dem Schoß sitzen musste. Das war nicht schön.
Beim Ausflug, von dem das Foto stammt, frage ich mich allerdings, wie wir alle – also sechs Erwachsene und vier Kinder – in die Eifel gekommen sind, denn diese Menschenmenge hätte auch in den Pkw, den mein Vater damals hatte (einen Peugeot 403), nicht hinein gepasst. Es kann also so nur so gewesen sein, dass entweder die Knorreks oder Tante Thea und Onkel Walter gerade Urlaub dort machten und wir nur zu Besuch waren…

publiziert am 27.02.13 in Alte Fotos ¦ 1255x gelesen ¦ noch kein Kommentar