Ein Kerl namens Mae

Er galt gemeinhin als attraktiver Mann. Jedenfalls bei den Frauen. Männer sehen bei Kollegen nicht so aufs Äußere, aber die Burschen, die ihn näher kennen lernten, waren ebenfalls von ihm begeistert. Ein korrekter Typ, sagten sie, zuverlässig, ehrlich und für jeden Scheiß zu haben. Ein echter Kumpel. Stimmte auch. Mae machte sich für jeden Bruder im Geiste gerade, so lange der ihn nicht Mae nannte. Er hasste diesen Namen, den ihm sein Erzeuger gegeben hatte. Überall auf der Welt, klagte er einmal, gilt das als Frauenname; ich will doch keinen Mädchennamen tragen. Also begann er, den Menschen zu erzählen, es handele sich um einen Spitznamen, der sich aus seinen drei Vornamen ergeben habe: Max Antonius Emil. Die Jungs nahmen ihm die Lüge ab und sprachen ihn in Zukunft als Mäx an. Damit konnte er gut leben.

Aber dann traf er auf Seibehae, eine warmherzige, gutaussehende Frau, in die er sich verliebte. Und sie sich in ihn. Die Freunde und Bekannten sprachen davon, dass da ein ideales Liebespaar entstanden sei. Nicht wenige waren neidisch auf diese doppelte Schönheit, in der Herz und Hirn zusammenkamen. Aber es war tatsächlich so, dass zwischen Mae und Dibehae alles passte. Allerdings war sie ganz vernarrt in seinen Vornamen. Also räumte er ihr das Privileg ein, ihn Mae zu nennen. Und sie erfand Tausend Arten diesen Namen auszusprechen.
Nur hatte auch sie ein ähnliches Problem wie er und hasste ihren Vornamen aus tiefster Seele. Ich habe doch keine Lust, sagte sie, jedem Arsch erklären zu müssen, dass das ein ganz normaler Name ist. Also fand Mae für sie den wunderschönen Namen Deirdre und sprach sie meist mit My Dear an.

Und die Liebe wuchs. Alles lief nach Wunsch. Beide waren erfolgreichen in ihren Berufen, bleiben frei von Krankheiten und genossen ihren großen Freundeskreis und die beiden Familien, in die sie jeweils aufgenommen worden waren. Ihre Tage waren erfüllt und ihre Nächte heiß. Bald wurde Deirdre schwanger von Mae. Ihr wuchs ein gewaltiger Kugelbauch, aus dem am Heiligabend nach einer fast schmerzfreien Geburt der erste Sohn schlüpfte. Sie waren sich von vornherein einig darüber, dass das Kind einen möglichst normalen Namen tragen sollte und nannten ihn Luka.
Auf Luka folgte Sarah, dann kamen die Zwillinge Thomas und Anna. Deirdre bekam über die Jahre weitere vier Kinder: Ben, Mia, Paul und als Nesthäkchen Sofie. Alle wuchsen gut heran, waren freundlich und so wild wie nötig. Durch die Schule gingen sie alle problemlos, studierten und ergriffen die Berufe, die ihnen am Herzen lagen. So gab es in den Zeiten, als der Nachwuchs komplett das Haus verlassen hatten und Deirdre und Mae wieder alleine lebten, zwei Ärzte, einen Architekten, eine Lehrerin, eine Sängerin, eine Tänzerin und einen Maler in der Familie.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben beide immer noch – Mein Alter Ego und Seine Bessere Haelfte…

publiziert am 31.03.13 in Thibaud ¦ 1131x gelesen ¦ 3 x kommentiert

  1. hmmm … wirklich schoene miniatur!

    ist es absicht, dass nur fuer sieben der acht kinder ein beruf benannt ist? oder honeypot fuer erbsenzaehler wie mich? oder ein pardauz?

    kommentar von rennhamster am 07.04.13 um 20:04
  2. Das achte Kind hat einen normalen Beruf.

    kommentar von Zillys Freund am 09.04.13 um 11:34
  3. Re: A Boy named Sue

    kommentar von CKD am 23.04.13 um 15:53