Clooneys Welt

clooneys_weltWas liest man nicht alles bevor man seinen ersten Welpen bekommt! Und wen fragt man alles! Ganz abgesehen von den Dutzenden gutgemeinter Ratschläge anderer Hundehalter. Und dann hält man den Minimops zum ersten Mal auf dem Arm, und alles wird ganz anders. Clooney ist ja inzwischen ein Düsseldorfer Jong. Wenn man mit so einem Rasseköter in die üblichen Hundegegenden geht, wird man von den hysterischen Tierschützer, die garantiert mindestens einen „geretteten“ Köter bei sich haben, nicht selten bös angeguckt. Oft fällt die Frage: „Musste es denn ein Hund vom Züchter sein, wo es doch so viele arme, heimatlose Tiere gibt, die gerettet werden müssen?“ Meine Antwort lautet inzwischen: „Den haben wir auch aus den Klauen kölscher Züchter aus Bergheim gerettet…“ Tatsächlich gebührt aber den Arndts aus dem eben genannten Vorort der Domstadt jeder nur erdenkliche Dank dafür, wie sie ihre Welpen auf die böse Welt jenseits der Erft vorbereiten. Das erlebten wir schon bei den Besuchen, bei denen wir erstmal den Wurf kennenlernten und dann Hilal auswählten und noch einmal besuchten; der kleine Sloughi, der bei uns zum Clooney werden sollte. Und unser Dank wächst seit jenem späten Augusttag, an dem wir Clooney abholten und gleich mit in Urlaub an die holländsiche See von Walcheren mitnahmen. Denn dieser kleine Kerl war von Anfang an so sicher und souverän, wie man es sich nur wünschen kann.

Das bedeutete aber auch, dass wir ihn an diverse städtische Bedingungen gewöhnen mussten, ohne Angst haben zu müssen, der Sloughi-Bub würde durch den urbanen Krach traumatisiert. Tatsächlich hat er sich im Straßenverkehr bis heute (Er ist nun vier Monate alt) nur einmal ernsthaft erschrocken – als ein Riesenmüllauto genau in dem Moment, in dem es vorbeifuhr, mit einem höllischen Fauchen die Luftdruckbremse betätigte. Okay, ich habe mich auch erschrocken…

Was wir uns als Stufenplan zurechtgelegt hatten und in der angeblichen Prägephase abarbeiten wollten, erwies sich als Makulatur: Clooney nahm alles so wie’s kam. Und deshalb haben wir jetzt schon ein breites Spektrum an Aktivitäten, die wir mit ihm unternehmen können bzw. zu denen wir ihn einfach mitnehmen. Der normale Alltag beginnt um halb sechs, wenn Claire mit ihm zum ersten Mal rausgeht. Völlig stubenrein ist er noch nicht – aber mehr als ein Malheur pro Woche kommt nicht mehr vor (auch weil wir ihn im Notfall auf die Terrasse pinkeln lassen). Nach dem Frühmorgengang legt sich der Kleene noch einmal hin, um dann kurz zu erwachen, wenn sein Herrchen zwischen sieben und acht mit der Morgentoilette beginnt. Der turnusgemäße Vormittags-Gig findet in der Regel ab 10:00 statt.

Als Bewohner der mit Abstand schönsten Stadt am Rhein haben wir bei den zum Strom gehörenden Wiesen die freie Auswahl. Absoluter Favorit ist der Rheinpark Neuss, der sich zwischen dem Büroviertel Hammfeld, der Südbrücke, Neuss-Grimmlinghausen und dem Rhein erstreckt. Hier gibt es Wiesen, Weiher, Wälder und Gräben, an denen Wege entlangführen. Man kann den Deich überqueren und hat dann den Fluss vor sich. Hier treffen wir dann auf den uns schon lange bekannten Hundesitter Karl-Heinz, der um diese Zeit mit seinen Schützlingen eintrifft. Hinzu kommen meist drei Damen mit ihren Hunden – allesamt erwachsene, teilweise steinalte Tölen, an denen Clooney sein Sozialverhalten erproben kann. Geht er zu forsch vor, kriegt er einen drüber. Und selbst die alte Emmie wird mit dem Jüngling selbst nochmal jung und rennt wie der Teufel. Clooneys Helden sind der große, schwarze Monty, der gern in die Büsche geht, und vor allem Ollie, der Pharaonenhund mit dem großen Jägerherzen, dem er einige Meter weit in die Jagdgründe folgt, ohne aber ganz bis zur möglichen Beute vorzudringen.
Begegnen wir anderen Rudeln, ergibt sich die Frage: Mit wem wird Clooney weiterziehen? So habe ich schon sehr nette Zufallsbekanntschaften geschlossen, weil der Sloughi-Bub die neue Meute besser fand als sein angestammtes Rudel. Inzwischen läuft er zwar mit anderen Gruppen mit, kommt aber auf Doppelpfiff umstandslos zurück.

Wir waren auch schon in der Urdenbacher Kämpe, einer wunderschönen Landschaft zwischen ehemaligen Viehweiden und dem Rhein, wo der Hund einfach laufen darf, weil er weder nach Osten, noch nach Westen ausbüxen kann. Ähnlich ist die Situation nördlich unterhalb der Arena zwischen dem Wasserwerk Am Staad und der Flughafenbrücke. Auf den Löricker Rheinwiesen hat es uns nicht gefallen, weil da die Dichte hysterischer Hunderetter besonders groß ist. Einen langen Sonntagsspaziergang haben wir schon im Knechtstedener Busch von Straberg aus unternommen. Und einmal war ich mit ihm im Grafenberger Wald bis hoch zum Segelflugplatz und zurück bis an die Rennbahn.

Wenn wir dann nach mindestens anderthalb Stunden zurückkehren, ist der Junghund müde und legt sich aufs Schlappohr. Bis etwa zwei, halb drei hört man nichts von ihm, und sein Halter kann sich dem Broterwerb widmen. Dann folgt meist zwischen zwei und drei die Düsselrunde. Direkt am Ende der Sackgasse, in der wir wohnen, fließt quer einer der Düsselarme, auf einer Seite ganz, auf der anderen teilweise von einem Weg gesäumt. Die kleine Düsselrunde besteht nun darin, den Bach anzulaufen, die Brücke zu überqueren, auf der einen Seite hin, auf der anderen Seite zurückzugehen. Das dient dann im Wesentlichen der Entleerung des Hundes und seinem Wunsch zu schnüffeln. Manchmal gibt es stattdessen einen Gang in die Stadt. Dann steuern wir erst den Fürstenplatz an und peilen von da aus das eigentliche Ziel (Bank, Buchladen etc.) an. Dieser Weg führt bisweilen an die Kö und weiter in die Altstadt, von wo aus es am unteren Rheinwerft entlang Richtung Fernsehturm wieder nach Hause geht.

Manchmal besteht das Vormittagsprogramm auch aus einer Riesenrunde durch Volksgarten und Südpark mit Zwischenstopp im umzäunten Auslauf. Leider darf Clooney im Park eigentlich nicht ohne Leine laufen, aber da die Rituale der Hilfssheriffs bekannt sind, kann man entsprechenden Kontrollen ganz gut aus dem Weg gehen. Vor einer Woche haben wir den Volksgarten bis zur Phillipshalle durchquert und sind dann die eine Station mit der S-Bahn retour gefahren. Auch das hat der Windhundwelpe klaglos mitgemacht. Nicht einmal der rasend schnell vorbeirauschende ICE konnte ihn während des Wartens auf dem Bahnsteig aus der Ruhe bringen. Und im Zug war er dann vielbestaunter Star der S-Bahn. Straßenbahn fährt er auch, nur mit dem Bus hat er noch ein Akzeptanzproblem.

Nach dem Nachmittagsgang ist dann Spielstunde angesagt. Während er sich in den anderen Pausen meist selbst beschäftigt – sich unter anderem gärtnerisch betätigt – wird nun gezielt und gemeinsam gespielt. Immer wieder unterbrochen durch kleine Übungen (Geh auf die Decke! Sitz! Platz!) und begleitet von Handfütterungen sowie Futterspielen (Unter welchem Becher ist das Leckerchen?). Das ermüdet den Jüngling, der dann entweder wieder pennt oder im Halbschlaf an einem Kauknochen oder seinem Riesenstock (ursprünglich gut einen Meter lang; rund fünfzehn Zentimeter sind bereits abgetragen). nagt. Dann kommt Claire und unternimmt mit dem Kerl die Abendrunde, an deren Ende die tägliche Hauptmahlzeit aus Rindermix mit Reis und Möhren steht.

Manchmal holen wir die Halterin so zwischen halb fünf und fünf an ihrer Arbeitsstelle ab und spazieren ein Stündchen durch den nahegelegenen Park. Leider findet das inzwischen im Dunkeln statt, was für alle Beteiligten weniger schön ist. Ja, auch für unseren Windhund ist der Gang am hellichten Tag unterhaltsamer, handelt es sich doch um einen Sichtjäger, eine Jagdrasse also, die sich vorwiegend visuell orientiert. Das ist übrigens der Grund, weshalb der Oberbegriff „Windhund“ im Englischen dem Wort „sighthound“ entspricht. Nach dem Abendessen wird wieder ne Runde gespielt, bevor Clooney dann erneut in den Schönheitsschlaf übergeht. Gegen halb zwölf wecke ich ihn dann, um eine letzte Pinkelrunde, die je nach Wetterlage ultrakurz ist, zu unternehmen.

Natürlich gestaltet sich der Rhythmus am Wochenende und an Feiertagen durchaus anders. Hier wird der große Gang in den Nachmittag verlegt, damit das ganze Rudel dran teilhaben kann. Außerdem wird mehr gespielt, und beim Putzen der Wohnung hilft der kleine Hund, der jetzt schon größer ist als das Gros der erwachsenen Tölen, denen wir begegnen, im Rahmen seiner Möglichkeiten auch schon mit. Inzwischen ist es auch kein Problem, ihn im Auto warten zu lassen, wenn es etwas einzukaufen gilt. Und dieser Tage werde ich ihn erstmals viertelstundenweise in der Wohnung allein lassen. Schließlich folgt am Wochenende die erste Sitter-Sitzung, wenn Claire und ich zum Billy-Bragg-Konzert gehen, wird Tochter Karla auf den kleinen Clooney aufpassen.

publiziert am 01.11.13 in Windhund namens Clooney ¦ 658x gelesen ¦ noch kein Kommentar