Achtung! Hund in Ausbildung

clooney_penntWie schon erwähnt, geht Clooney momentan an der Schleppleine. Nein, er rennt an der Schleppleine. Oder noch genauer: Wir arbeiten gemeinsam an der langen Leine: er vorne, ich hinten. Das muss so sein, weil er sich im Freigelände zwar immer abrufen lässt, aber nicht mehr freiwillig anleinen. Er nähert sich auf Armlänge und weicht jedem Versuch, ihn wieder mit seinem Herrchen zu verbinden, aus. Gehen wir auf den Rheinwiesen, begegnen wir natürlich anderen Hunden mit ihren Halter/innen. Ein kurzer Austausch, ob es okay ist, und ich lass den Griff der Leine los. Dann können Sloughi und Kumpel durch die Gegend rasen. Da aber der Hauptgrund, weshalb sich unser Windhündling nicht mehr gern an die Leine legen lässt, vor allem andere Hunde sind, gibt es gelegentliche Kontaktverbote. Das bedeutet: Ich bestimme, ob und welchem anderen Köter Clooney spielt. Oft ist das begründbar: der Gegner ist zu klein oder zu alt – oder der/die Nesitzer/in erscheint mir zu doof. Manchmal verbiete ich das Spiel, weil der Gang zu Ende ist und es nachhause geht. Und ab und an mache ich es nur, weil ich es kann. War der Bursche bis vor Kurzem noch äußerst frustriert, wenn er nicht durfte wie er wollte, nimmt er das jetzt meistens so hin. Das alles ist Teil der Ausbildung oder – wie man es etwas härter ausdrücken kann: der Erziehung.

Wie groß die Dummheit von Menschen mit Hund sein kann, stelle ich immer wieder im Kontakt mit Hundehalter/innen fest, die sich über die Schleppleine mokieren. So eine mittelalte Dame vom Typ Oberschullehrerin, der ein nicht unsympathischer Terrier nachlief. Besonders interessiert war der an Clooney nicht, meine Töle aber schon an ihm. Im Sinne der Ausbildung unterband ich den Kontakt. Das Frauchen guckt mich irritiert an und sagt: „Ihr Hund will doch nur spielen.“ – „Ich weiß“, sage ich, „aber er befindet sich in der Ausbildung und darf jetzt mal nicht.“ Sie daraufhin mit strafendem Blick: „Ja, und warum soll er nicht?“ – „Wissen Sie“, fügte ich bei, „ich entscheide, wann er mit wem spielen darf.“ Ihr Blick wurde noch strafender: „Das finde ich jetzt aber nicht gut.“ Da fiel mir nur die spitze Bemerkung ein: „Das merkt man Ihrem Hund auch an.“ Hinter der Reaktion dieser Halterin steckt die Vorstellung, so ein Haushund wolle frei und wild leben, und jeder Versuch, ihn daran zu hindern wäre quasi Missbrauch.

Wenig später begegneten wir in einer der sandigen Buchten eine Gruppe von fünf Frauen mit ihren fünf Hunden – verschiedene Sorten, verschiedene Altersklassen, also bei den Viechern. Clooney sprang dazwischen und wurde von den Artkollegen mehr oder weniger interessiert begrüßt. Ein wuscheliger Fellmann schälte sich aus der Gruppe und begann das Spielen und Rennen mit unserem Pubertätsknubbel. Ich fragte kurz nach wegen der Schleppleine. Die eine Halterin sah mich freundlich an: „Kennen wir, haben wir teilweise bei unseren Hunden auch so gemacht. Und der da“, sie zeigte auf einen großen Grauen Mischling, „der muss in unbekanntem Gelände immer noch an die Schleppleine.“ – „Gehört ja zur Erziehung“, pflichtete eine andere Dame bei. Ganz offensichtlich hatten diese Halterinen Ahnung vom Haushund und seiner Ausbildung.

Mich brachten die Vorfälle aber zu der Frage nach den Erziehungszielen bei einem Welpen. Also, was will man erreichen? Mir fielen drei unsortierte Begriffe ein: stubenrein, leinenführig und gehorsam. Dabei ist das erstgenannte Ziel auch das anfangs wichtigste überhaupt, denn kein Köterbesitzer hat Lust darauf, dass ihm der Minififfi in die Bude pinkelt und kackt. Bei Clooney hat sich die Stubenreinheit eher beiläufig und recht spät eingestellt. Da wir ganz oben wohnen und der Weg zum Gassigang eine Aufzugfahrt erfordert, haben wir es zugelassen, dass der Kleene sich im Notfall auf der Terrasse erleichtert. Um es klarzustellen: Er hat das nie gern getan, sondern wirklich nur, wenn er das Wasser und die Wurst nicht mehr halten konnte. Außerdem haben wir sehr rasch einen festen Rhythmus fürs Rausgehen eingeführt. Der beginnt mit dem Frühaufsteherding zwischen kurz vor sechs und sieben. Es folgt zwischen halb zehn und zehn der große Vormittagsspaziergang, der inzwischen die meisten Pinkeleien und Kackereien beinhaltet. Die nächste große Runde findet dann frühestens um zwei, spätestens um halb vier statt. Dann kommt die Halterin nachhause und geht zwischen etwa fünf und sechs nochmal eine Stunde. Mir bleibt es dann vorbehalten, gegen Mitternacht noch einmal rasch mit ihm vor die Tür zu gehen.

So ein Haushund ist ein Rhythmustier, der hat ein prima Zeitgefühl und WEIß, wann es rausgeht. Außerdem stellt sich auch der Körper des Köters auf diesen Rhythmus ein, wenn man den streng einhält. Gab es im Alter von fünf Monaten noch den einen oder anderen Unfall auf dem Parkett, hat das jetzt einfach aufgehört. Und wenn Clooney wirklich mal außer der Reihe muss, dann gibt er Bescheid. Das muss man sich wie bei einem Digitalwecker vorstellen. Erst macht er leise einmal „Fiep“, dann etwas lauter „Fiep-Fiep“ – reagiert keiner seiner Menschen, steigert er Häufigkeit und Lautstärke. Ob man seinen Zustand nun stubenrein nennen kann, weiß ich nicht. Ich schätze, es wird sicher noch das eine oder andere Mal dazu kommen, dass er aus lauter Not in die Wohnung macht. Das ist Vorgängerin Pina mit zwei, drei Jahren auch noch gelegentlich passiert.

An der Leinenführigkeit arbeiten wir nun schon seit seiner Einschulung in die Welpengruppe. Dass der Canis familaris in seiner Eigenschaft als Stadthund UNBEDINGT sicher an der Leine gehen können muss, wurde ja hier schon angesprochen. Und das muss man üben, üben, üben. Wobei für die meisten Herr- und Frauchen zu Recht am wichtigsten ist, dass die Pelznase weder wie blöd nach vorne zieht, noch sich ständig von hinten ziehen lässt. Der Hund soll idealerweise auf Wunsch des Menschen bei Fuß gehen. Und wenn er bei Fuß geht, dann soll er ganz auf seine Herrschaft konzentriert sein und sich weder durch Schnüffeloptionen, noch andere Köter ablenken lassen. Das ist die sicherste Form, mit einer Töle SICHER durch die Stadt zu laufen.

Bleibt der Gehorsam. Mir wurde schon beim groben Brainstorming klar, dass der Gehorsam kein Ziel sein kann, sondern nur eine Methode. Wie bei der Leinenführigkeit erfüllt es eine Funktion, wenn der Hund auf bestimmte Befehl hin irgendwelche Handlungen vollführt. Die wichtigste Funktion ist also auch hier die Sicherheit. Der Wunsch ist, dass der beste Freund eben nicht mal eben ü+ber den Fahrdamm rennt, weil drüben eine hübsche Pudelin mit dem Hintern wackelt, weil er so ein Fünfzig-Fünzig-Risiko eingeht, überfahren zu werden. Kein hundefreundlicher Halter möchte, dass der Waldi sich den Bauch mit Rattenködern vollschlägt – und daran krepiert. Welcher halbwegs sozialkompatible Hundebesitzer findet es klasse, wenn sich sein Hasso in jede Beißerei stürzt? Es gilt also, das unerwünschte, die Sicherheit gefährdenden Verhaltensweise abzustellen. Und: Natürlich gibt es auch eine Reihe Befehle, die der Bequemlichkeit des Halters dienen – aber das Verhältnis zwischen Herr und Hund sehr harmoniseren, wenn sie befolgt werden.

Komm! Sitz! Platz! und Bleib! sind sozusagen die Basics. Sie ermöglichen es, den Hund ruhigzustellen, damit man an ihm rumfummeln kann: anleinen, Schmutzfüße abputzen, Fell bürsten, Ohren reinigen, Zähne kontrollieren und so weiter. Komm! oder Hier! (das lernt Clooney) dienen dem sogenannten Abrufen. Erwünscht ist, dass der Fellkollege zu seinem Vorgesetzten eilt, wenn er diesen Befehl hört. Damit muss er zwangsläufig die Tätigkeit abbrechen, die er gerade ausübt. Und das ist auch der Sinn des Abrufens. Der Hund soll die Jagd einstellen oder das Mobben anderer Köter oder sich einfach nicht zu weit vom Halter weg bewegen. Fehlen noch Nein! und Aus! (oder Pfui!). Diese Befehle sollen auslösen, dass der Fiffi aufhört zu tun, was er tut, ohne dafür bei der Herrschaft anzutanzen. Aus! gebrüllt, wenn der Hund gerade etwas aus seiner Sicht sehr Leckeres von der Straße aufklaubt, ist eine Lebensversicherung und deshalb ein Befehl, der wirklich sitzen muss.

Das alles fällt natürlich unter den Oberbegriff Gehorsam, auch wenn mancher Hundehalter dieses Wort nicht verwenden möchte. Dass man einen Canis familiaris in Sachen Gehorsam zu den verschiedensten Aktionen bringen kann, zeigt sich u.a. in der Hundesportart „Obedience“. Da geht es dann nicht mehr um Alltagstauglichkeit, sondern tatsächlich um einen Sport, der am ehesten mit dem Dressurreiten zu vergleichen ist. Für bestimmte Rassen – vor allem solchen aus der Kategorie der Hütehunde – muss das eine beinahe ideale Freizeitbeschäftigung sein. Für einen Windhund wie unseren Clooney ist es da nicht. Der muss rennen, denn zum Rennen ist er gemacht.

publiziert am 09.01.14 in Windhund namens Clooney ¦ 491x gelesen ¦ noch kein Kommentar