Clooney, sieben Monate

clooney_7Nun ist er sieben Monate alt, der Sloughi-Bub, der uns eigentlich recht überraschend ins Leben schneite. Also, die Überraschung war nicht, dass wir zur Welpe kamen, sondern so schnell. Nachdem unsere Pina am 21.06.2013 ihren letzten Atemzug in unseren Armen getan hatte, waren wir uns zwar recht schnell einig, dass wir wieder einen Hund haben würden, aber eigentlich sollte ein wenig Zeit vergehen. Da ich die Hauptlast/-freude der Welpenerziehung tragen würde, hatte ich es mir so schön ausgerechnet, den kleinen Hundewurm anfangs des Frühjahrs aufzunehmen, um ihn in den Sommer hinein Richtung Hund zu formen. Das Schicksal in Form einer Geburtsanzeige war schneller. Und nachdem wir den H-Wurf der wunderbaren Sloughi-Zucht Sabiih al Sahra dann live in Bergheim bei den Arndts im Garten erlebt hatten, war es um uns geschehen. Klar war nun, dass wir unseren Mini-Sloughi Ende August mit in den Urlaub nehmen würden.

Klar war auch, dass es dieses Mal ein Rüde sein sollte, weil eine Hündin dann doch zu nah an unserer Pina gewesen wäre. Davon gab’s drei Stück im Wurf. Zunächst war der kleine Haroun unser Favorit. Der stach unter den Buben im Wurf vor allem durch seine robuste Natur und einen gewissen Bewegungsdrang hervor. Und wie wir so über die Auswahl filosofierten, fiel uns auch der Name ein: Rooney, quasi als Abkürzung für „Haroun“ und gleichzeitig als Hommage an den Bully unter den englischen Fußballspielern. Als dann die Waage zugunsten des Welpen namens Hilal ausschlug, war guter Namensrat nicht teuer. Weil wir beide Fans dieses tollen Schauspielers sind, sollte unser Sloughi eben Clooney heißen. Dies auch in der Hoffnung, dass er nicht nur so gut aussehen würde, sondern ebenso klug, charmant und furchtlos sei. Im Alter von sieben Monaten hat Hilal Sabiih al Sahra, dieser edle Nachfahre äußerst edler Sloughis, alle Hoffnungen erfüllt.

Eigentlich können wir jetzt auch schon einen Teil unserer ersten Welpenerfahrung ad acta legen, denn in diesem Alter hat Clooney die Schwelle zwischen Welpenalter und Junghunddasein deutlich überschritten. Ja, gerade in den letzten Tagen und Wochen verlieren sich die Reste dieses typisch Welpigen, besonders im Gesicht, das nun schon recht erwachsen wirkt. Dass die ersten Monate mit einem Hundebaby nicht einfach sind, hatten wir geahnt. Dass sie teilweise körperlich anstrengend sind, aber nicht. Zumal ja kaum zu erwarten war, welche Körperkräfte dieses schmale Hemd – „tapezierter Knochen“, wie es Hundesporttrainer Thomas auszudrücken pflegt – an der Leine entwickeln würde. Das vehemente Springen in die Leine und das rasante Zerren daran haben vor allem unsere Schultergelenke, aber teilweise auch die Hände in Mitleidenschaft gezogen. Da sind die Bisswunden durch die spitzen Welpenzähnchen zu vernachlässigen, weil längst verheilt.

Aber beginnen wir am Anfang. Stichwort: stubenrein. Dieses äußerst wünschenswerte Erziehungsziel erreichte Clooney eher beiläufig. Nun hat er auch von Anfang an nicht regelmäßig in die Bude gepinkelt und gekackt. Außerdem hatten wir sofort nach der Rückkehr aus dem Urlaub, als er also zehn Wochen alt war, einen strikten Gassirhythmus eingeführt. Der begann und beginnt mit dem ersten Gang gegen halb sieben in der Früh. Es folgt der lange Morgenausflug zwischen etwa halb zehn und halb elf, der meist anderthalb Stunden dauert, manchmal auch länger. Planmäßig geht es dann zwischen halb drei und halb vier wieder raus; entweder für eine kurze Düsselrunde oder eine Stunde im Park. Etwa um fünf, halb sechs geht es zum Abendgang, der unterschiedlich lang dauert, aber in der Regel spätestens um halb sieben endet. Und dann gehe ich kurz vor Mitternacht noch einmal schnell mit Clooney vor die Tür. Ungefähr seit zwei Monaten meldet er sich, falls das Intervall zu groß geworden ist und er dringend muss. Als er noch nicht so lange einhalten konnte, haben wir es zugelassen, dass er sich auf der Terrasse erleichtert. Das tut er seit sechs Wochen nicht mal mehr in größter Not.

Von Anfang an gab und gibt es eine Spiel- und Übungseinheit pro Tag. Von einfachen Futterspielchen bis zu gezieltem Training der Befehle Sitz!, Platz! und Bleib! sowie unserem speziellen Hol’s dir! reicht da die Palette. Allerdings fällt dieses Training aus, wenn Clooney jobbedingt mit ins Büro geht oder einfach keine Zeit da ist. In Stein gemeißelt ist dagegen die Teilnahme an den Unterrichtsstunden des Hundesportvereins Golzheim jeden Samstag. Gleich am ersten Wochenende nach der Rückkehr aus dem Urlaub kam er dort in die Welpengruppe. Kurz vor Weihnachten ging’s in die Winterpause, und seit drei Wochen nimmt er an der Junghundgruppe teil. Dort steht momentan das Thema Leinenführigkeit auf dem Lehrplan. Es gab da ja auch mal ein Problem mit dem Bub. Von Beginn hatte ich darauf gesetzt, ihn im Freigelände leinenlos laufen zu lassen. Zumal wir mindestens einmal die Woche mit einem sehr netten Rudel im Rheinpark Neuss unterwegs waren, wo er sich an den älteren Kollegen orientierte und nie auf die Idee kam auszubüxen.
Jedoch: Selbst entfernteste andere Hunde wurden ohne Nachdenken angelaufen, und wenn sich die Halter von mir wegbewegten, bewegte sich Clooney mit weg, weil er gern mitlief. Das brachte vier-, fünfmal einigen Stress mit sich. Abrufen ließ er sich einigermaßen, natürlich nicht direkt aus dem „Spiel“ mit anderen. Ausgerechnet auf dem Platz des HSV Golzheim entdeckte er aber die große Freiheit für sich. Sprich: Er ließ sich nicht mehr anleinen. Kam, wenn gerufen, an, aber hielt einen Abstand von rund einem Meter. Das „Einfangen“ wurde mehr und mehr zum Geduldsspiel, und eines Tages verbrachte ich fast zwei Stunden allein mit Clooney im Auslauf im Volksgarten; der Verzweiflung und den Tränen nah. Alles Locken half nicht, alles Schimpfen. Ging ich raus und ließ den Kleenen allein im Gatter, kläffte er ein bisschen. Kam ich zurück, sprang er weg. Irgendwann setzte ich mich – die Füße mittlerweile zu Eisklumpen gefroren – auf die Bank und stierte vor mich hin. Nach einer Weile spürte ich die feuchte Nase an der Hand. Dann machte Clooney Platz, nahm das Leckerchen an und ließ sich umstandslos anleinen.
Interessant an der Sache: Offensichtlich waren es zwei Situationen, in der auf diese Verweigerung konditioniert war – in einem umzäunten Gelände und in Anwesenheit vertrauter Hunde. Wir beschlossen a) das nette Rudel im Rheinpark eine Zeitlang zu meiden, b) Auslaufgatter nicht mehr zu frequentieren und c) im Freigelände mit der Schleppleine zu arbeiten. Der Vorteil der Langlaufleine besteht darin, dass wir Clooney Bewegungsmöglichkeit geben können bzw. konnten ohne die Kontrolle zu verlieren. Nach und nach – und das gilt bis auf den heutigen Tag – durfte er immer öfter an der Schleppleine rumrennen, ohne dass der Halter oder die Halterin das andere Ende in der Hand hielt. Immer öfter wurde geübt: Hier! Belohnt wurde mit Leckerchen. Dann nicht bloß belohnt, sondern gezielt am Hals getätschelt oder irgendwie gestreichelt. Damit sollte die Verbindung zwischen Hier! und Angeleintwerden gebrochen werden. Hat geklappt. Vor ein paar Tagen gelang es erstmals seit über zwei Monaten, ihn im Auslauf herbeizurufen und anzuleinen. Gestern wieder, und heute lief er am Rhein unterhalb von Volmerswerth gut die Hälfte der Strecke ganz ohne Leine.

Wie sagten uns alle, die sich mit der Welpenausbildung auskennen: Geduld und Konsequenz. Besonders die Geduld scheint wichtig, denn so eine sensible Pelznase SPÜRT ganz genau, wenn sein Mensch ungeduldig wird, hektisch, unleidlich, böse, traurig, wasauchimmer. Und reagiert entsprechend. Clooney lässt sich von Hektik immer anstecken, und dann wird’s anstrengend für alle Beteiligten. Was aber das Schleppleinen-Experiment gezeigt hat: Er lernt gut und eigentlich auch recht schnell, wenn wir Menschen nur ständig am Ball bleiben, gewünschtes Tun loben (Fein! Fein geamcht!) und belohnen und unerwünschtes Verhalten durch Nichtbeachten bestrafen. Auch wenn so ein Windhund im Gegensatz zu Strebern wie dem Borderline-Collie nur in ganz geringem Maße über den berüchtigten „Will to please“ verfügt, erkennt er für sich irgendwann schon, dass es sein Leben angenehmer macht, wenn er sich so verhält wie sich seine Zweibeiner das wünschen.
Was auf der To-Do-Liste steht? Vor allem dass nicht jeder andere Hund sofort mit maximaler Power angesteuert werden muss, sondern dass man auch schon mal fremde Köter ignoriert. Da das Aufstöbern von Enten, Tauben und Kleinvögeln nachlässt, wird das Thema „Jagdtrieb“ erst einmal ausgeklammert. Ebenfalls unerwünscht ist es, spontan Spaziergänger und Jogger körperlich zu begrüßen. Dass Clooney beim Autofahren sabert und es hasst, sollte – so die Erfahrungsberichte – sich irgendwann wieder geben. Das war’s auch schon. Zum Kaputtmachen hat er durchweg kaum geneigt. Okay, zwei nicht sehr wichtige Bücher hat er zerlesen, ein paar Teppichfransen abgekaut und den einen oder anderen Blumentopf auf der Terrasse ausgegraben. Das haben wir uns alles schlimmer vorgestellt. Vielleicht haben wir da aber auch einfach was richtig gemacht. Clooney hatte von Anfang jederzeit Zugang zu Dingen, an denen er nagen und kauen konnte. Vor allem der riesige Treibholzstock, der dank seiner Zahnung von etwa einszwanzig auf knapp 8o Zentimeter geschrumpft ist. Natürlich gab’s auch Kauknochen (Danke, Tante Julia!) und passendes Spielzeug. Außerdem habe ich ihm von Anfang an den vollen Zugriff auf meinen Papierkorb gestattet, aus dem er sich immer gern mal einen Umschlag, ein paar Blätter oder eine Broschüre klaubt, um den Fund dann auf seiner Decke in meinem Büro in winzige Fetzen zu zerlesen.

Spannend zu verfolgen ist aktuell seine Rüdifizierung. Bislang wurde beim Pinkeln rausgelassen, was drin war. Nun behält er ein bisschen Pippi übrig, um hier und da an strategischen Stellen ein wenig Wasser zu lassen, und gerade gestern hat er zum ersten Mal bewusst eine Stelle, die kurz zuvor ein unbekannter andere Rüde markiert hatte, überpinkelt. Das Bein hebt er momentan etwa in einem von zehn Pinkelfällen. Ansonsten hat er Spaß daran mitzukläffen, wenn irgendein größenwahnsinniger Hundemann meint, ihn per Gebell beeindrucken zu wollen.

Wir sind mit Clooney glücklich und sehr zufrieden, so viel steht fest. Er ist aber auch ein Charmeur und wunderbarer Begleiter. War Pina, seine Vorgängerin auch. Aber die Unterschiede sind gewaltig. Nun war Pina aber auch schon 14 Monate als sie zu uns kam. Mehr oder wenig ohne jede Erziehung. Traumatisiert durch viele Beißereien, die sie als Welpe erleiden musste (Die Narben waren deutlich), und diesen bescheuerten Transport aus Madrid im Bus. Zwei schwere Beißattacken, die ihr heftige Wunden eintrugen, haben sie zur Panikhündin gemacht, die vor vielem Angst hatte: Feuerwerk, Gewitter, Sturm. Clooney ist dagegen – ganz sicher dank der frühwelpischen Prägung im Hause der Züchter – völlig angstfrei. Das hat er bei einem seiner bisher größten Abenteuer kürzlich bewiesen als er das Riesenpferd Whynot kennenlernte und mit dem Nase an Nase Obst fraß.

Manchmal hat man Glück im Leben. Wir hatten und haben das Glück, diesen Sloughi-Bub adoptiert haben zu dürfen. Wir nennen ihn nicht nur Clooney, sondern auch: Klunse, Klunemann, Eierbär, Maus, Mausepitter, Clown, Clowney, manchmal aber auch Blödmann, Mistkerl etc. Es werden Erlebnisse hinzukommen und Kosenamen sicher auch. Und gespannt sind wir natürlich, ob und wie er sich auf der Rennbahn anstellt. Ob er nicht zu groß für die Startbox wird und ob er vielleicht mehr Spaß am Coursing hat. Und dann natürlich auch darauf, ob er später Vater vieler fröhlicher Sloughi-Würfe wird…

publiziert am 31.01.14 in Windhund namens Clooney ¦ 817x gelesen ¦ 1 x kommentiert

  1. Sehr schöner Bericht! Danke für die Eindrücke ;)

    kommentar von Mark Zimmermann am 31.01.14 um 19:10