Der Haushund: Umweltfreundlich wie ein SUV

hundekackeWie sagte mir mal ein sehr umweltbewusster und trotzdem völlig unfanatischer Mensch: Du kannst jeden Dreck machen, der das Ökosystem schädigt, du musst es nur bewusst tun. Was er in seiner Weisheit wohl meinte: Nur wenn man sich der Folgen des eigenen Tuns bewusst ist, kann man einschätzen, ob man es weiter betreiben will. Kaum ein Prozent aller hiesigen Hundehalter, schätze ich, sind sich bewusst, dass ihr Köter einen ökologischen Fußabdruck wie ein mittlerer Geländewagen hinterlässt. Das hat vor allem damit zu tun, dass der Canide an sich ja fleischfresser ist. Und – egal, ob er gebarft wird, aus der Dose oder dem Sack ernährt wird – dieser Fleischkonsum ist eigentlich ein ökologischer Wahnsinn. Wie groß dieser Wahnsinn ist, hat vor ein paar Jahren das neuseeländische Autorenpaar Brenda und Robert Vale in ihrem aufsehenerregenden Buch „Time To Eat the Dog“ berechnet.

Da das Buch nie in deutscher Sprache erschienen ist und die üblichen Schreibfinken der vermassten Medien sich immer nur das Sensationelle rauspicken, sollte man sich einmal anschauen, was die Autoren wirklich sagen und sagen wollen. Die gute Nachicht für Hundehalter zuerst: Die Katze ist eine noch schlimmere Umweltsau – vor allem dank der Herstellung und Entsorgung der Katzenstreu. Lustigerweise ignorieren die meisten Umweltschützer, die sich über das Buch geäußert haben, diese Aussage. Klar, die Ökos sind mehrheitlich Katzenliebhaber und wollen ja nun nicht, dass ihre Lieblinge an der Zerstörung der Erde die Schuld tragen. Zurück zur These. Was Brenda und Robert argumentativ anstreben, ist nicht mehr und nicht weniger als die Vegetarisierung. Wie eine wachsende Zahl Ökologen sehen sie die einzige Rettung für das Umweltsystem Erde in einer drastischen Verinngerung des Fleischkonsums. Da ist die Argumentation mit den Öko-Fußabdrücken der Haustiere nur eine Hilfskonstruktion. Schon vor vielen, vielen Jahren hat ja der fanatische Vegetarier Paul McCartney bzw. seine damlige, um ein Vielfaches fanatischere Gattin Linda tatsächlich die Ernährung ihrer Hunde auf fleischfrei umgestellt. Ob die Köter das überlebt haben, ist nicht überliefert.

Gesund für den Hund ist das jedenfalls nicht. Auch wenn der Canis familiaris im Gegensatz zu seinen wölfischen Vorfahren in der Lage ist, Kalorien aus Kohlehydraten zu ziehen. Ja, es ist tatsächlich die entscheidende, physiologische Veränderung im Laufe der Domestizierung des Hundes, dass er eben nicht mehr nur Fleisch zum Fressen braucht. Alle anderen Caniden nehmen pflanzliche Teile und Stoffe immer aus anderen Gründen (Magenreinigung durch provoziertes Erbrechen, Aufnahme von Fasern zur verbesserten Verdauung von zähem Fleisch, Zufuhr bestimmter heilende und wohltuender Kräuter etc.) auf. Nur der Fiffi kann sich auch einem Keks erfreuen. Deshalb mischt auch der überzeugteste Barfer den Mahlzeiten immer auch pflanzliche Bestandteile bei. Es heißt ja auch „artgerechtes“, nicht „natürliches“ Futter. Und die Versorgung mit Reis, Obst und Gemüse ist bei einem Haushund als artgerecht zu betrachten.

Trotzdem: Wie immer die meisten Waldis gefüttert werden – Fleisch macht in der Regel den größten Anteil aus. Wer nun eingesehen hat, dass der beste Freund ein ökologischer Wahnsinn ist, der kann sich dann ja mal Gedanken darüber machen, wie man den umweltlichen Fußabdruck der Töle verringern kann. Dass beginnt bei der Auswahl: je kleiner der Hund, desto weniger frisst er, desto weniger schädlich ist er. Punkt. Wer nun als Hundeliebhaber eher nicht auf meerschweingroße Kläffer steht, sondern sich lieber einen hüfthohen Gelenkbus mit Fell ins Haus holen möchte, kann sich aber auch über die Ernährung ökologische Gedanken machen. Beim Barfen (BARF ist im Deutschen zum Akronym für „Biologisches Artgerechtes Rohes Futter“ geworden) ist die Frage klar und gut zu beantworten: Woher genau stammt das verwendete Fleisch? Das ist bei einem auf Hundefutter und Barf spezialisierten Metzger leicht rauszukriegen, weil die meisten dieser Fleischer darüber bereitwillig Auskunft geben. Achtet man hier – wie beim eigenen Fleischkonsum, so man nicht Vegetarier ist) – auf die Haltung des Schlachtviehs, verantwortet man wenigsten nicht die Umweltsauerei der Massentierhaltung mit. Außerdem kann man bei der Auswahl der Bestandteile viel richtig machen, weil der Hund Dinge frisst und mag, die wir Menschen nicht mal im Dschungelcamp mapfen würden. Kurz gesagt: Alles, was in der Theke beim Hundemtzger liegt und beim menschlichen Betrachter milden Ekel auslöst, ist prima. Denn dabei handelt es sich in der Regel um Dinge, die von Tieren stammen, die nicht speziell fürs Hundefutter geschlachtet wurden. Bei einigen dieser Sachen spricht der Fachmann von Schlachtabfällen.

Im grandiosen Film „Misfits„, dem letzten Streifen, in dem Marilyn Monroe agierte, geht es auch um den Fang wilder Mustangs durch den von Clark Gable gespielten Cowboy. Dass diese Pferde gefangen werden sollen, um aus ihnen Hundefutter zu machen, dient als Metapher für die Verlust an Moral im Nachkriegsamerika. Und das ist nicht ausgedacht. Die ersten Hundefutterdosenhersteller verwendeten ausschließlich Bisonfleisch, dass bei Massenjagden mit übelsten Methoden geerntet wurde. Auch das massenhafte Abschlachten von Rotwild in den Rock Mountains diente seinerzeit vor allem dem Köterfrass. Und heute? Schaut man sich diese aberwitzige Vielfalt an Geschmacksrichtungen beim Dosenfutter an, mag dem erfahrenen Hundefreund auffallen, dass kaum noch Konserven mit Wild angeboten werden. Das hat einerseits einen medizinischen Grund, weil man bei Wildfleisch Krankheitsrisiken nicht vollständig ausschließen kann, und liegt andererseits daran, dass die Verarbeitung von Jagdbeute zu Tierfutter in den meisten Ländern inzwischen verboten ist. Apropos: Dass es gerade bei diesen Luxusschälchen handgezählte 42(!!) Sorten gibt, beweist einmal mehr, in welchem Maße der Fiffi inzwischen vermenschlicht wird: Nein, Hasso langweilt sich nicht, enn er jeden Tag exakt dasselbe Futter kriegt. Im Gegenteil: Für den Fellträger bedeutet der immergleiche Fraß Zuverlässigkeit und damit Sicherheit. Einmal davon abgesehen, dass der ständige Wechsel der Inhaltsstoffe einem Hund mit sensiblem Magen Dauerprobleme eintragen kann.

Woher stammt also das Fleisch in der Happipappi-Dose? In aller Regel von denselben Schlachthöfen, die auch das Fleisch für den Menschen produzieren. Ja, die fleischigen Brocken sind bei den bekannten Marken sogar von derselben Qualität wie der Gulasch, der dann im eingeschweißten Schälchen im Supermarkt landet. Dazu eine Anekdote: Ein ältere Dame steht mit drei Döschen Hundefutter an der Supermarktkasse. Kommt ein junger Typ, an der fleckigen Kleidung und der hippen Brille als Künstler erkennbar, an und sagt zur Oma: „Mmmh, lecker die Sorte. Hab ich mich schonmal länger von ernährt. Warm gemacht und mit bisschen Ketchup ein Genuss.“ Verschwindet und lässt die Dame konsterniert zurück. Der wahre Kern: So lange die Liste der Inhalte nicht ausdrücklich solch ekelerregende Dinge wie Pansen aufführt, kann ein Mensch das Hundefutter genauso gut essen wie irgendwelche anderen Fleischkonserven. Bei den artgerechteren (Was für ein bescheuertes Wort!) Sorten wird allerdings der Knorpelanteil eher unangenehm aufstoßen(sic!). Das alles bedeutet: Der Fleischkonsum des Hundes ist bei der Dosenernährung im selben Maß umweltschädlich wie der des Menschen. Beim Trockenfutter ist die Bilanz sogar verheerend. Denn der Fleischanteil in den Bröckchen besteht ja aus dehydriertem Zeug, sodass für dasselbe Volumen wie beim Nassfutter deutlich mehr Rohware verwendet werden muss. Zum Ausgleich ist aber der Anteil pflanzlicher Bestandteile in den meisten Trockenfuttersorten höher als in der Dose.

Die kurze Antwort auf die lange Frage nach dem umweltgerechten bzw. weniger umweltschädlichen Hundefutter lautet also: Barfen mit Fleisch vom spezialisierten Metzger. Zweite Empfehlung: Den Anteil an vegetarischen Bestandteilen auf das maximal verträgliche Maß steigern – wobei dies von Rasse zu Rasse und je nach der Größe unterschiedlich hoch ist. Man kann sagen: Je größer und agiler die Töle ist, desto höher muss der Fleischanteil sein.

Kommen wir zum Auto, denn die Haltung eines (größeren) Hundes in der Stadt ist kaum ohne Pkw denkbar. Bei uns ist es so. Gäbe es keinen Clooney oder einen anderen Pelztäger, besäßen wir kein Auto (mehr). In den wenigen Wochen zwischen Pinas Tod und der Ankunft des Sloughi-Bubs haben wir deutlich gemerkt, dass für unsere Lebensbedingungen ein eigener Wagen völlig blödsinnig ist, weil wir gern und viel radfahren, zu Fuß gehen und den ÖPNV nutzen. Und wenn denn mal der Fall eintritt, dass es ein Auto sein muss, werden Carsharing-Anbieter und Autovermieter genutzt. Leider machen die Fahrten, die unmittelbar mit dem Hund zu tun haben (Spaziergänge, Hundeschule etc.) mehr als die Hälfte der Gesamtstrecke aus. So ist denn der unschuldige Windhund auch noch für diese Umweltsauerei verantwortlich.

publiziert am 19.01.14 in Windhund namens Clooney ¦ 923x gelesen ¦ noch kein Kommentar