Konzentrier dich, Mensch!

handyAuf unserer kurzen Runde um das Stück Düssel am Ende der Straße herum begegnen Clooney und ich häufig einer jungen, blonden Frau mit einer quicklebendigen, hübschen Jack-Russel-Hündin, die vorwiegend ohne Leine läuft. Die Halterin trägt meist eine formlose, graue Jogginghose, eine gesteppte Wärmeweste und – ein Smartphone. Jedes Mal wenn wir diesem Paar begegnen, telefoniert die Menschin mit diesem Handy. Ununterbrochen. Ihre Töle tut derweil, was sie will. Nicht einmal wenn es zum Kontakt mit einem anderen Köter (z.B. Clooney) kommt, hört die Tusse auf, in ihr Gerät zu labern. Noch intensiver der heutige Vorfall: Im Park hat eine etwas ältere Dame einen weißen Corky an der Leine und tippt über eine Zeitspanne von gut zehn Minuten etwas in ihr Handy. Währenddessen holt sich ihr Hündchen diverses Zeug aus dem Gebüsch und von der Wiese und frisst es. Hoffen wir, dass es bloß Gänse- oder Entenscheiße war…

Jeden Hundehalter, der ein Herz für den Haushund hat, sollte das schmerzen. Dass jemand mit seinem Fifi gassigeht und sich nicht im mindesten auf den pelzigen Begleiter konzentriert. Zugegeben: Ist der Hund schon älter und ruhiger und der tägliche Gang immer derselbe, dann lässt sicher die Konzentration auf den Köter nach. Das ist normal und verständlich, wenn auch nicht besonders erfreulich. Denn (siehe dazu bitte unbedingt Thomas Manns wunderbares Buch „Herr und Hund“, in dem es um seine eher lose Beziehung zu Bauschan, dem Bauernköter im Mann’schen Haushalt geht) Mensch und Haushund bilden ein Team. Ja, der Anfang aller Beziehungen zwischen diesen doch eigentlich recht unterschiedlichen Tierarten liegt in der Kooperation. Der Mensch tut etwas für den Hund, der Hund tut etwas für den Mensch, und zusammen sind sie unschlagbar. Wobei der Homo sapiens – gerade unter urbanen Bedingungen – eindeutig Vorgesetzter ist und deshalb eine besondere Verantwortung für den Canis familiaris an seiner Seite hat. Es ist eindeutig die Aufgabe des Halters, die Töle zu schützen – auch vor sich selbst.

Das geht nur mit einem Mindestmaß an Aufmerksamkeit. Wenn ich höre oder lese, dass ein Waldi unters Auto gekommen ist, löst das bei mir immer auch Wut aus. Denn solche Unfälle passieren in den allermeisten Fällen, weil entweder der Hund nicht richtig ausgebildet wurde, oder sein Mensch in der gegebenen Situation nicht aufgepasst hat. Ist der Hasso nicht durch ein von niemandem bemerktes Loch im Zaun auf die Bundesstraße entwichen oder hat der Karabiner der Leine unerwartet den Geist aufgegeben oder sich der Fellträger aus seinem Halsband gewunden, liegt die Schuld am – meist tödlich verlaufenden – Unfall eindeutig beim Halter. Ganz ähnlich sieht es auch aus, wenn sich so ein Hund vergiftet, davon schwerkrank wird oder gar stirbt: der Hundeführer hat nicht aufgepasst, und/oder das Opfer war nicht dazu erzogen nichts vom Boden aufzunehmen und zu fressen.

Mein Mitleid angesichts entsprechender Nachrichten hält sich in engene Grenzen. Und regelrecht wütend werde ich angesichts dieser in den sozialen Medien anschwellenden „Warnungen“ vor „Giftköder“. Inzwischen dürfte jedem aufmerksamen Beobachter solcher Seiten klar sein, dass die Anzahl Fälle, in denen tatsächlich irgendwelche verstörten Hundehasser vergifetets Zeug verstreuen, minimal ist. In aller Regel erliegen betroffene Hunde offiziell ausglegtem Rattengift oder durch Verwesung vergifeten Kadavern. Gerade an Flussufern vergiften sich schlecht ausgebildte und geführte Tölen nicht selten an Aalgift, also Substanzen aus toten Aalen, die angetrieben sind. Dieses Gift wirkt auf Hunde unterhalb eines gewisses Gewichts tödlich. Inzwischen gibt es völlig bescheurte Hundehalter, die ihre Köter durch das Anlegen von Beisskörben davon abhalten wollen, gefundenes Zeug zu fressen!

Bin ich mit Clooney unterwegs, achte ich ununterbrochen darauf, was der halbstarke Sloughi treibt. Und natürlich hindere ich ihn ganz grundsätzlich daran, etwas vom Boden aufzunehmen und zu fressen. Bemerke ich einen solchen Fall rechtzeitig, kriegt er nicht nur ein lautes „Aus!“ zu hören, ich greife ihn mir und zwinge ihn, den Fang zu öffnen und das Zeug fallen zu lassen. Könnte ich natürlich nicht, wenn ich mit den Augen am Smartphone-Display klebe oder darauf herum tippe oder schmiere. Ähnlich wie beim Autofahren behindert allein schon das Reden und Zuhören beim Telefonieren die Aufmerksamkeit. Letztlich frage ich mich, weshalb jemand sich überhaupt einen Hund anschafft, wenn er/sie es nicht einnal fertigbringt, sich für die halbe Stunde Pinkelrunde auf den Köter zu konzentrieren. Vermutlich sind das die Leute, die immer davon reden, mit der Töle „raus zu müssen“, also den Gassigang offensichtlich als lästige Pflicht betrachten.

Das ist dann keine gute Ausgangslage für ein freundschaftliches Verhältnis zwischen dem Haushund und seinem – wie man in diesem Fall sagen muss – Besitzer.

publiziert am 14.01.14 in Windhund namens Clooney ¦ 492x gelesen ¦ noch kein Kommentar