Clooney, nachdenklich

just_clooneyUnser Sloughi-Bub ändert sich gerade. Besonders im Hinblick auf sein Verhalten. Man könnte sagen, dass er gerade erkennt: Das Leben ist kein Ponyhof. Er wurde kürzlich zum ersten Mal gebissen und dabei (sehr) leicht verletzt. In derselben Woche wurde er erstmals von einem erwachsenen Rüden auf derbste Weise zurechtgewiesen – und das mehrfach. Und am Wochenende hat er sich zum ersten Mal so sehr erschrocken, dass er so etwas wie Angst zeigte. Beim Versuch, in seinem Beisein das Ding aus dem Keller zu holen, fiel der Grill mit lautem Getöse und in seiner unmittelbaren Nähe auf den Estrich im Untergeschoss. Der Hund sprang panisch zur Seite und wollte anschließend über die Stufen der Treppen flüchten. Er ließ sich nur noch mit äußerster Anstrengung beruhigen.

Während er den größten Teil der Silvesterknallerei irritiert, aber furchtlos ertrug, brachten ihn ein paar Schüsse, abgefeuert von Karnevalsidioten in der Nähe, einigermaßen aus der Fassung. Er verkroch sich in der hintersten Büroecke. Heute ließ ich die motorisierte Markise herunter; Clooney fand das Geräusch so beängstigend, dass er ins Zimmer flüchtete. Überhaupt zeigt er nun gelegentlich echte Angstreaktionen. Nun ist ja Angst auch ein guter Shcutz davor, sich zu ungestüm in Gefahr zu bringen. Das gilt für den Hund wie für den Mensch. Und ein gesundes Maß an Misstrauen gegenüber Dingen, Menschen und anderen Hunden ist auch ganz gesund. Aber weil unser Sloughi-Bub zuvor wirklich komplett angstfrei war, ist das neue Verhalten zunächst einmal ein wenig beunruhigend.

Als Vater zweier erwachsener Kinder versuche ich entgegen meiner eigenen Überzeugung das Verhalten des Windhundes in dieser Lebensphase einmal mit dem der Kinder damals zu vergleichen. Und tatsächlich gibt es einige Ähnlichkeiten. Besonders mit der Art und Weise wie mein Sohn so im Alter zwischen zwei und fünf war. Der begann auch als völlig angstfreier Haudrauf, der auch gern mal einem anderen Kind das Schüppchen auf den Kopf haute. Aber ein kleiner Unfall und die Behandlung der Verletzung sowie die ersten Erlebnisse mit älteren Jungs, die im mal zeigten, wo der Hammer hing, änderten das. Und zwar recht schnell und so intensiv. Bis zu dem Punkt, an dem der Bursche unbequemen Situationen mit anderen Kindern eher aus dem Weg ging.

Nun geht Clooney immer noch keinem anderen Hund aus dem Weg. Eher im Gegenteil, und das ständige Korrigieren seines Überschwangsangesichts anderer Köter ist momentan das Anstrengendste bei Spaziergängen. Dass er plötzlich vor vorbeirauschenden Lkw scheut wie ein Mustang ist da schon eher ein Zeichen seiner Verhaltensänderung. Manchmal, zuhause in Sicherheit, wirkt er sogar ein wenig nachdenklich und schaut uns bisweilen an als wolle er sagen: Ist das jetzt die echte wahre und böse Welt, mit der ich zu tun kriege? Erfahrene Welpengroßzieher können uns da beruhigen und sagen: Das sind so Phasen, die macht fast jeder Hund im Laufe des ersten Lebensjahrs durch. Wird wohl stimmen.

publiziert am 06.03.14 in Windhund namens Clooney ¦ 477x gelesen ¦ noch kein Kommentar