Schwimmende Windhunde

clooney_schwimmtUnter Windhundfreunden kursiert gelegentlich die Aussage, die meisten Windhunde könnten nicht schwimmen. Nun geht unser Sloughi-Kerl ziemlich gern ins Wasser – besonders in den Rhein. Da war uns klar, dass es gut wäre, genau zu wissen, ob Clooney schwimmen kann. Aber: Was heißt das überhaupt „kann nicht schwimmen“? Es geht um die Frage, wie der Hund reagiert, wenn er im Wasser den Boden unter den Pfoten verliert. Ein befreundeter Hundehalter gab uns den Tipp, einfach mal mit Clooney zum Gangwerk zu gehen, da könnten wir mit Hilfe einer Physiotherapeutin herausfinden, wie sich die Töle im Nassen verhält.

Die Praxis für Hundephysiotherapie verfügt über einen Innenpool und bietet nicht nur therapeutische Dienstleistungen an, sondern Hundeschwimmen. Und genau unser Anliegen konnten wir dort vorbringen. So vereinbarten wir einen Termin für einen Samstagvormittag. Clooneys zukünftige Schwimmlehrerin empfing uns im praktischen Neopren-Anzug, und nach dem Papierkram erledigt war, gingen wir hinüber in die Schwimmhalle. Der Pool ist etwa 1,50 Meter tief und vielleicht sechs Qudratmeter groß. Er steht auf dem Estrich, zum Einstieg führt eine hundegerechte Rampe. Unser Windköter war sehr neugierig und ließ sich auch umstandslos die Schwimmweste anlegen. In Begleitung gingen die Lehrerin und er hoch, während ich am anderen Ende wartete. Dann stieg sie mit Clooney auf dem Arm ins Wasser. Der Sloughi war verblüfft und reagierte leicht hektisch. Windhunde, so die Therapeutin, neigen dazu, beim ersten Schwimmversuch auf sie draufzuklettern. Dann schob sie den Junghund von sich weg, und er begann wild zu planschen.

Das, so lernten wir, ist mit „schwimmen können“ gemeint, dass der Proband nämlich den Reflex zeigt, sich durch Paddeln mit den Pfoten über Wasser zu halten und sich fortzubewegen. Nach ihren Informationen und Erfahrungen können ein Drittel bis zur Hälfte der Windhunde nicht schwimmen. Ich habe das einmal mit Clooneys Vorgängerin, der Galgo-Hündin Pina, erlebt, die im Park versehentlich in einem kaum hüfttiefen Teich landete und keinerlei Anstalten machte zu schwimmen. Stattdessen stand sie starr vor Panik mit weit aufgerissenen Augen auf dem Grund, und ich musste sie am Halsband aus dem Wasser zerren. In tieferem Wasser nehmen die hündischen Nichtschwimmer, das erfuhren wir, dann auch die sogenannte „Froschhaltunng“ an, bei der ein Hund seine Hinterläufe vor die Vorderpfoten zieht, einen Rundbuckel macht, erstarrt und absäuft wie ein Stein. Wie groß die Zahl der ertrunkenen Hunde pro Jahr in Deutschland sind, weist übrigens keine Statistik aus; es gibt nicht einmal Schätzungen dazu.

Man kann nicht sagen, dass Clooney Spaß am Schwimmen hatte. Aber er lag recht gut im Wasser (optimal ist die sogenannte „Biberhaltung“ mit den Hinterläufen dicht unter der Wasseroberfläche) und paddelte recht koordiniert. Die Diagnose nach einer guten Viertelstunde lautete denn auch: Clooney kann schwimmen. Allerdings machte uns die Schwimmlehrerin darauf aufmerksam, dass die typische Windhund-Physis absolut nicht aufs Schwimmen ausgerichtet ist und die Windigen deshalb sehr, sehr rasch ermüden und dann ebenfalls ertrinken können. Deshalb sollte wir Clooney daran hindern, da ins Wasser zu gehen, wo er durch Strömungen ins Tiefe geraten könnte, wo er keinen Grund mehr unter den Pfoten hat. Allenfalls in stillen Gewässer, in denen wir Menschen noch gut stehen können, könnte man ihn zum Schwimmen mitnehmen.
Das bestätigte auch der benachbarte Freund mit Blueboy, einem winzigen italienischen Windspiel. Dieser Windhund, der immer total verängstigt wirkt, schwimmt sehr gern mit seinem Herrchen und hat daran auch ganz offensichtlich Spaß.

Jedenfalls wissen wir nun, dass wir nicht jedes Mal Angst haben müssen, wenn Clooney am Rhein in eine Bucht steigt, um ein bisschen Enten zu ärgern oder sich bloß ein bisschen abzukühlen.

publiziert am 23.03.14 in Windhund namens Clooney ¦ 1414x gelesen ¦ 2 x kommentiert

  1. Zur Not gehen auch Schwimmflügelchen! Hat der Sohn in seiner Sturm- und Drangzeit auch gebraucht.

    kommentar von Kassandra am 24.03.14 um 08:48
  2. Freut mich, dass Rico und ich mit Rat helfen konnten…demnächst ist dann also gemeinsames Hundeschwimmen angesagt ;-)

    http://gassireport.blogspot.de/2014/03/mein-erster-besuch-beim-gangwerk-oder.html

    kommentar von Maximilian + Rico am 24.03.14 um 09:04