Unser Tölenalltag

clooneyZugegeben, so ganz richtig oft findet der beispielhafte, hier geschilderte Alltag nicht statt. Dafür ist der Job eines Freiberuflers zu unstet. Selbst wenn er wie ich vorwiegend von Zuhause aus arbeitet. Zwar ist Clooney ziemlich gut als Bürohund, aber eben noch nicht in fremden Büro oder den anderen Orten, an denen ich meine Kunden treffe. In der Verwaltung, in der Claire arbeitet, ist er dagegen nicht nur ein braver Köter, sondern auch der Schwarm der Kolleginnen. Deshalb geht er in der Regel einmal in der Woche – so sagen wir – „arbeiten“. Dann fährt morgens mit Claire und hat sein Hauptqurtier in ihrem Büro, wo er dann seinen Fans Audienzen gibt. Nicht ohne vorher in der ersten Etage die obligatorischen Leckereien abzugrasen. Trotz allem schält sich jetzt, wo die wesentlichen Standardkommandos sitzen und die welpische Hektik nachlässt, eine Art Tölenalltag heraus.

Übrigens: Die Angaben beziehen sich auf die Normalzeit, nicht auf diese bescheuerte Sommerzeit, die endlich abgeschafft gehört! Der beginnt irgendwann zwischen halb sechs und sieben, wenn Claire mit Clooney zum ersten Mal rausgeht, damit er pinkeln kann. Dann legt sich der Sloughi-Kerl noch einmal gemütlich in sein Luxusbett und pennt eine weitere Runde. Sein Herr und Meister erwacht entweder zwischen halb acht und halb neun von selbst, oder Clooney kommt mal gucken und leckt seinem Halter die Hand. Danach bereiten sich Herr und Hund auf den Vormittagsgang vor – Clooney eher meditativ und in liegender Position, ich mit Kaffee sitzend vor dem PC, Medienquerschau haltend. Gegen viertel vor zehn, spätestens aber um zehn geht’s dann los. Da gibt es zwei Varianten: mit und ohne Auto. In der Regel fahre ich mit ihm an drei von fünf Werktagen in eines der Reviere, die wir beide mögen – dazu später mehr. An dem Tag, an dem er nicht arbeiten geht und wir nicht autofahren, steht die große oder die ganz große Parkrunde an. Die beginnt bei uns an der Düssel zwischen Hennekamp und Erasmusstraße. Am TuRU-Platz überqueren wir den Hennekamp und starten die Parkrunde am Uhrenfeld. Üblich sind dann rund 7,5 Kilometer immer ganz außen: zwischen Bahndamm und Düssel bis zum Weiher am Parkplatz der Philipshalle. Dann durch den Hof von Akki und dann den langen geraden Weg entlang, der bis zum Haus Deichgraf führt. Wir unterqueren den Deich und halten uns links. So umkreisen wir den Deichsee und wenden uns der Anlage der Werkstatt für angepasste Arbeit zu. Wie schon erwähn hat Clooney im wahrsten Wortsinn einen tierischen Spaß am Viehzeug auf dem zugehörigen Kinderbauernhof. Also machen wir dort Station. Anschließend geht es auf wechselnden Routen durch die Kleingärten bis zum Platz des Schwarz-Weiss 06. Kurz davor gibt es die private Rennstrecke für Clooney und seinen Kumpel und Nachban Max, den Bobtail-Buben. Dort gehe ich das Risiko ein, den Sloughi abzuleinen – aber bisher hat sich da noch niemand vom Ordnungsdienst sehen lassen. Wie ein Bekloppter rennt er dann auf dem schmalen Streifen Gras hin und her, wenn Max da ist, wird zudem gerangelt. Quer geht’s weiter zu Ballonwiese – nicht ohne vorher die freilaufenden Wachhunde am Platz der TG81 zu provozieren. Den matschigen Auslaufkäfig am anderen Ende meiden wir inzwischen und gehen deshalb von der TG81 Richtung ehemaligem Buga-Eingang am Stoffeler Friedhof, wo wir rechts in den Rhodendron-Garten abbiegen. Der Rest besteht dann aus dem Weg am äußeren Rand bis zum Uhrenfeld – und dann ab nachhause. Diese Runde dauert je nach Anzahl der Hundebegnungen, der Streicheltierbeschnüffeln und TG81-Köter-Provozieren zwischen anderthalb und etwa zweieinviertel Stunden.

Je nach dem Revier, das wir anfahren, dauern die anderen Gänge manchmal kaum mehr als eineinviertel Stunden. Andere Runden brauchen auch ihre zwei Stunden. Wo wir hinfahren? Beginnen wir auf der linken Rheinseite. Jetzt nach dem Ende Schleppleinenausbildung werden wir wieder regelmäßig sein Stammrudel im Rheinpark Neuss begleiten; dieses Gebiet erstreckt sich zwischen der A1 und dem Rhein, zwischen Südbrücke und Scheibendamm. Dort besteht zwar keine Leinenfreiheit, aber daran hält sich niemand, und keiner kontrolliert’s. Auf der anderen Seite der Südbrücke, zwischen der und der Hammer Eisenbahnbrücke, unterhalb des Rheinpark Centers ist Wiese. Dort waren wir immer schon mit Pina. Die Runde runter zum Rhein bis zu der einen Brücke, dann zur anderen und zurück dauert etwas mehr als eine Stunde. Alternativ parke ich illegal oben an der Eisenbahnbrücke. Dann gehen wir unter dem Deich bei der Klopapierfabrik Richtung Norden, biegen dann rechts in den langen Weg runter zum Rhein ein und erkunden dann die Strände und Buchten. Leider darf die Ölganginsel nicht mehr betreten werden, sonst würden wir dorthin einen Abstecher unternehmen. Kurz wird die Runde, wenn wir noch vor den Resten der alten Eisenbahnbrücke abbiegen und zum Wagen zurückkehren. Aber manchmal schließt sich die zuvor beschriebene Runde an.

Auf der Oberkasseler Seite gehen wir meist dann, wenn wir verabredet sind: Zum Beispiel mit Rico und seinem Zweibeiner oder mit Tomas und Tristan oder mit Ralf und Sepp. Gehen wir alleine, dann hoffen wir immer, Motte, die Beaglin zu treffen, die Clooney von Anfang an kennt. Die beiden können gut miteinander. Treffpunkt ist in der Regel der Parkplatz an der Kniebrücke, und dann gibt es die Auswahl zwischen rechts und links. Rechts unterqueren wir die Kniebrücke und steuern den Rhein an, um von dort aus rüber auf den Hafen zu schauen. Dann lassen wir uns bis fast nach Heerdt treiben, bevor wir zurückkehren. Die kleinste Oberkasselrunde ist die einmal zwischen Knie- und Oberkasseler Brücke und zurück. Ob wir uns links oder rechts halten, hängt davon ab, ob der Schäfer mit seiner Herde irgendwo stationiert ist. Zwar wären Begegnungen mit Schafen kein Problem – weder für die Schafe, noch für Clooney -, aber die Hütehunde sind ausgesprochen intolerant, wenn sich Köter ihren Schützlingen nähern. Abgesehen davon sorgt das Meiden der Blöker für einen begrenten Konsum an Schafscheiße. Bei schönem Wetter und ausreichender Motivation dehnt sich dieser Gang nicht selten bis unter der Oberkasseler Brücke hindurch, ja, manchmal sogar bis zur Nordbrücke aus.
Zu Pinas Lebzeiten waren Herr und Hündin mit einem Rudel nicht selten auch auf den Rheinwiesen nördlich der Theodor-Heuss-Brücke (= Nordbrücke) unterhalb von Lörick unterwegs. Dort marodieren aber inzwischen etliche Windhundhalter, die ihre Renner nicht im Griff haben. Gerade die Galgos als Paarjäger lieben es, andere Hunde zu mobben, also zu jagen und dann zu kneifen. Greifen die Verantwortlichen nicht ein, wird es sehr ungenehm für die Opfer. Nun gehen dort leider auch Leute, die sich selbst für Tierschützer halten und der Meinung sind, Hund muss frei sein. Wir meiden das.

Schön ist es auch unterhalb der Arena am Wasserwerk. Von der Rotterdamer Straße aus biegt man links ein und erreicht so einen stillen Parkplatz. Allerdings nicht, wenn die Fortuna spielt oder eine der größeren Messen stattfindet. Zu Messezeiten muss man an einer Schranke halten und den Wärter davon überzeugen, dass man bloß mit dem Hund gehen will. Vom Parkplatz aus geht’s runter an den Fluß. Schilder sagen, dass man nicht weiter dürfe, aber daran hält sich kein Schwein. Also gehen wir zwischen Rhein und dem Wasserwerkszaun Richtung Norden. Dann öffnen sich die Rheinwiesen bis zur Flughafenbrücke und weiter Richtung Kaiserswerth. Theoretisch könnte man also eine Runde von gut zehn, zwölf Kilometern absolvieren. Weil der Sloughi aber kein Ausdauerhund ist, beschränken wir uns auf die Strecke bis etwa auf die Höhe, wo der Lotzweg auf den Deich trifft. Bisher erst einmal waren wir von Volmerswerth aus Richtung Hamm unterwegs; immer am Rhein entlang bis zum Klärwerk Flehe und retour. Auch in Hamm waren wir nur einmal, weil wir statt mit dem Auto mit der S-Bahn unterwegs waren. Auch wenn wir schon mehrfach in der Urdenbacher Kämpe (Start am Alten Fischerhaus) waren, hat sich dort noch kein Standardweg ergeben – aber schon für die kleinste Runde sind mindestens anderthalb Stunden fällig.

Düsseldorf ist durch die vielen Rheinwiesen und die Tatsache, dass dort meist kein Leinenzwang besteht, ideal für Stadthunde und ihre Halter. Aber auch die Höhen östlich der Stadt und die stadtnahen Bereiche des Bergischen Landes bieten jede Menge Gassi. Ziemlich oft fahren wir hoch zum Grafenberger Wald und parken am Bauenhäuser Weg, westlich der Galopprennbahn. Zuerst steuern wir die Kastanienallee an. Wenn Clooney Glück hat, trainieren die Rennpferde – denn wenn die vorbei galoppierenden Rösser schnauben und schnaufen, dann ist er fasziniert. Wir gehen die Allee entlang bis zum Sträßchen mit dem lustigen Namen „Am Wackerzapf“. Das windet sich ein Hügelchen empor, und auf halber Höhe geht rechts ein Feldweg ab, der zum Ausläufer des Golfplatzes führt. Ausflüge auf den Greens sind natürlich nicht erwünscht, aber bald sind wir am Fuß des steilen Hügels, auf dessen Kuppe die Segelflugwiese liegt. Je nachdem, ob dort ausreichend viele andere Hunde zum Rumrennen vorhanden sind, kann die ganze Runde auch schon mal drei Stunden dauern. Jedenfalls geht’s nachher den Bauenhäuser Weg hinab zum Parkplatz. Über Ausflüge ins Stindertal oder in den Knechtstender Busch wird noch zu berichten sein – alltags steuern wir diese Ziele eigentlich nie an.

Wir kehren also frühestens um halb zwölf, spätestens aber um eins nachhause zurück. Und dann kriegt der Sloughi sein Frühstück (Rest vom Vorabend plus Yoghurt) und legt sich auf die Schlappohren. Für den hundhaltenden Freiberufler beginnen dann drei bis vier Stunden intensive Heimarbeit. Da Clooney wie alle Windhunde ausgesprochen intensiv schläft, ist er in dieser Zeit weder zu hören, noch zu sehen. Irgendwann zwischen drei, halb vier oder vier geht’s dann auf die Nachmittagsviertelsrunde, die eigentlich immer den Fürstenplatz einschließt und für Einkäufe und Besorgungen genutzt wird. Auf dem Rückweg gibt’s ein Stück Düssel, die Dauer liegt selten bei mehr als einer Stunde. Die Abendrunde geht Claire dann irgendwann zwischen fünf und sieben – meist führt die in den Südpark und manchmal dehnt die sich dann bis zur Abendessenszeit. Clooney wird ja barfig ernährt. Die Basis bildet aufgetautetes (Rind)fleisch von Haustierkost.de, das wir online bestellen und dann beim Lager an der Oberbilker Allee abholen. Dazu kommt vorgekochter Reise mit frisch geraspelten Möhren, Diestelöl sowie drei Nahrungsergänzungsmittel für die Knochen und das Fell. Die Portion liegt bei knapp 500 Gramm, was für einen Windhund im Wachstum nicht zuviel ist. Weil die Windigen aber nicht dazu neigen, sich zu überfressenm steht Clooney immer eine Schüssel Trockenfutter zur Verfügung, an der er sich bedient, wenn der kleine Hunger kommt. Wir füttern also nicht komplett à la Barf…

Nach dem Fressen ruht der Hund, und die Menschen können in Ruhe speisen, noch ein wenig arbeiten oder sich der abendlichen Freizeit widmen. Während Galgohündin Pina ohne rauszumüssen von etwa sechs Uhr am Abend bis nach neun Uhr am Morgen durchhielt, ist es für uns ungewohnt, dass Clooney eben nicht nur im Morgengrauen pinkeln muss, sondern zum letzten Mal um Mitternacht. Das ist dann aber auch nur noch ein Runter, Rüber, Pinkeln und retour.

publiziert am 30.03.14 in Windhund namens Clooney ¦ 962x gelesen ¦ noch kein Kommentar