Die Serie "Exil am Platz"
Die Parkbuchten in der stillen Straße, in der Robert wohnt, sind senkrecht zum Bürgersteig angebracht, und die Mehrheit der Autofahrer parkt rückwärts ein. Direkt vor dem Hauseingang sieht er jetzt aber die Motorhaube eines dunkelblauen Phaeton. Er tritt hinaus. Da sitzt einer junger blonder Typ mit schlimmer Sonnenbrille am Volant, neben ihm eine Gestalt, die [...]
Die Brise ist aufgefrischt, beinahe kalt ist der Wind auf der Haut, die über Wochen Hitze gespeichert hat. Robert geht ziellos durchs Viertel. Das Wetter macht die Menschen hektisch. Das erinnert ihn an einen Spätsommer seiner späten Kindheit. Er watet durch Zeitschichten: jetzt, vor fünf Jahren und damals. Über den Bahndamm hinweg sieht er die [...]
Seitdem die Menschen aus dem feuchten Norden im Sommer in den Süden reisen, ans Mittelmeer, und der Kälte auf die Kanaren, nach Südostasien oder in die Karibik entfliehen, haben sie die südlichen Bräuche und vor allem den südlichen Bekleidungsstil mitgebracht. Auch wenn kalkweiße, krampafdrige Männerbeine in Shorts kein schöner Anblick sind und gelbe Fußnägel in [...]
Die Tropfen schlagen Krater auf den Motorhauben der geparkten Wagen. Im Rinnstein spült der Regen den Dreck der heißen Tage weg. Robert geht mit hochgeschlagenem Kragen an der Hauswand entlang. Überquert die stille Straße und wird dabei schon durchnässt. Das Wasser tropft ihm aus den Haaren in den Kragen. Laufen bringt jetzt auch nichts mehr. [...]
Bevor Branko anfangen kann, ihn mit Schnaps zu betäuben, geht Robert. Der Niederschlag hat nicht nachgelassen, nur sind jetzt die Tropfen dicker und ihre Flugbahnen weiter auseinander. Er verharrt einen Moment im Eingang der Kneipe und sieht rüber auf den menschenleeren Platz. Das Sandparadies ist zur Matschwüste geworden, vom Dach der öffentlichen Toilette läuft das [...]
