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	<title>Thibaud sagt</title>
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		<title>Hand und Fu&#223; &#8211; Teil 4</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 12:21:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zillys Freund</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kleine Teile]]></category>

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		<description><![CDATA[Felsheimer reckte das Kinn wie Mussolini, sein rasierter Sch&#228;del gl&#228;nzte im Morgenlicht, das durch die Jalousien drang, und dann &#246;ffnete er den Mund, der von einem Bart umgeben war, den er einen Henri-Quatre-, andere aber einen Arschlochbart nannten: „Wir werden jeden dieser Pressepisser verklagen, der es wagt, ohne unsere Genehmigung &#252;ber den Vorfall zu berichten. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Felsheimer reckte das Kinn wie Mussolini, sein rasierter Sch&#228;del gl&#228;nzte im Morgenlicht, das durch die Jalousien drang, und dann &#246;ffnete er den Mund, der von einem Bart umgeben war, den er einen Henri-Quatre-, andere aber einen Arschlochbart nannten: „Wir werden jeden dieser Pressepisser verklagen, der es wagt, ohne unsere Genehmigung &#252;ber den Vorfall zu berichten. Wir werden das ganze dumme und faule Journalistenpack mit Abmahnungen und einstweiligen Verf&#252;gungen &#252;berziehen bis Blut kommt. So stelle ich mir den Umgang mit den Medien vor.“<span id="more-565"></span></p>
<p>Er erntete betretenes Schweigen. Ja, ja, dachte der Marketingchef, so ist er nun mal, der olle Terrier, den Schaidler gern auf alles hetzt, was sich bewegt. Und der Deutschlandboss w&#252;nschte sich, man h&#228;tte Felsheimer gar nicht erst eingeladen. Nur der etwas neben der Spur laufende PR-Berater meinte, auf den Ausbruch reagieren zu m&#252;ssen: „Ich wei&#223; nicht recht, aber mit den &#252;blichen Methoden der Krisen-PR ist ihr Vorschlag nur schwer in Einklang zu bringen. Ich w&#252;rde…“<br />
Weiter kam er nicht. Felsheimer nahm ihn ins Visier und br&#252;llte: „Schei&#223; auf Krisen-PR, schei&#223; auf Methoden, es gilt, das Unternehmen vor seinen Feinden zu sch&#252;tzen. Da ist jedes Mittel recht, und die juristische Offensive hat sich bew&#228;hrt.“<br />
„Da muss ich Ihnen teilweise Recht geben, lieber Felsheimer“, sprach der &#214;sterreicher mit der Verantwortung f&#252;r Werbung, PR und &#228;hnliches Ged&#246;ns, „in einigen F&#228;llen konnten wir mit Ihrer gesch&#228;tzten Hilfe tats&#228;chlich unliebsame Wettbewerber klein halten. Aber gegen&#252;ber den Medien haben wir bisher doch mit nachweisbarem Erfolg eine Politik der vertrauensvollen Zusammenarbeit gefahren.“<br />
„Ach was, geschmiert haben Sie die Journalisten. Mit Pressereisen samt Nutten auf dem Hotelzimmer. Mit zinslosen und nicht r&#252;ckzahlbaren Darlehen. Mit kostenlosen Einrichtungen und dergleichen“, Felsheimer trug jetzt Spottfalten parallel zum Bartwuchs, „aber diese Wichser warten nur darauf, uns einen reintun zu k&#246;nnen. Darauf k&#246;nnen Sie einen lassen.“</p>
<p>Die Assistentin des Landeschefs hatte bei dem schlimmen Wort kurz gestutzt und dann irgendein Synonym in ihr Protokoll geschrieben. Ihr Vorgesetzter wiegte den schweren Kopf und sagte schlie&#223;lich: „Ich denke, wir sollten das eine tun und das andere nicht lassen. Schlage deshalb vor, dass unser Kollege Marktleiter zun&#228;chst die Personen ermittelt, die den Fund mitbekommen haben, dass der gesch&#228;tzte Herr Felsheimer die juristischen Kanonen in Stellung bringt und unser Freund aus der PR ein Krisenkonzept nach allen Regeln der Kunst bastelt. Mit den Ergebnissen sehen wir uns dann morgen wieder. Gleicher Ort, gleiche Uhrzeit.“<br />
Mit diesen Worten erhob er sich und verlie&#223; ohne Weiteres den Raum, sodass seine charmante Begleiterin M&#252;he hatte, ihm zu folgen.<br />
„Sehen’s, meine Herren“, fasste der Vice President Marketing Europe zusammen, „irgendeiner muss immer Entscheidungen treffen. Blo&#223; Vorschl&#228;ge zu machen, reicht nicht. Servus.“ Und machte sich auch davon.</p>
<p>Der arme Marktleiter, dem das ganze Ungl&#252;ck passiert war, hatte sich auch davongeschlichen. Zur&#252;ck blieben der verwuschelte PR-Mensch und Johannes Benedikt Felsheimer, der das Wort ergriff: „Ihnen ist sicher bewusst, dass Ihr, nennen wir es mal so, Handwerk, in Situationen wie dieser deutlich nachgelagert ist. Ich sch&#228;tze Sie zudem so ein, dass Ihnen etwas daran liegt, die AMEK Deutschland weiter als Kunde betreuen zu d&#252;rfen. Und ich hoffe, dass Ihnen klar ist, dass ich derjenige bin, der Sie mit einem Wort in Richtung Schaidler ein f&#252;r allemal aus dem Gesch&#228;ft kicken kann. Also verhalten Sie sich in Zukunft bitte so als seien Sie ein vernunftbegabtes Wesen, das meine Ausf&#252;hrungen verstanden hat. Auf Wiedersehen.“</p>
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		<title>Aussichtslos</title>
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		<pubDate>Sun, 13 May 2012 19:55:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zillys Freund</dc:creator>
				<category><![CDATA[Exil am Platz]]></category>

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		<description><![CDATA[Robert hat keine L&#246;sung. In dem Punkt hat der Bulgare Recht. Jedenfalls keine L&#246;sung, bei der unbeschadet davon k&#228;me. Und je mehr dar&#252;ber nachdenkt, desto attraktiver erscheint ihm der Vorschlag des Killers. Fragt sich nur, ob er ihm vertrauen kann. Dazu muss er mehr wissen &#252;ber die Tat und die Motive. Also nickt er einfach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Robert hat keine L&#246;sung. In dem Punkt hat der Bulgare Recht. Jedenfalls keine L&#246;sung, bei der unbeschadet davon k&#228;me. Und je mehr dar&#252;ber nachdenkt, desto attraktiver erscheint ihm der Vorschlag des Killers. Fragt sich nur, ob er ihm vertrauen kann. Dazu muss er mehr wissen &#252;ber die Tat und die Motive. Also nickt er einfach so vor sich hin. &#8220;Was,&#8221; fragt Gojko, &#8220;machst du mit?&#8221; Der Hauptkommissar schaut den dicken, alten Mann intensiv an. &#8220;Los, komm, sag!&#8221; Er z&#246;gert ein paar Sekunden und sagt dann einfach: &#8220;Bin einverstanden. Bevor ich aber meine Frau rufe, m&#246;chte ich mehr wissen. Und mit der Aufzeichnung anfangen. Ich hol mein Notebook.&#8221; Und steht auf. &#8220;Halt!&#8221; br&#252;llt Trifonov, &#8220;du bewegst dich nicht. Wir gehen zusammen. Wo ist das Ding?&#8221; &#8211; &#8220;Auf dem Stuhl neben Ihnen.&#8221; &#8211; &#8220;Sag das doch gleich. Und mach mich nicht nerv&#246;s.&#8221;<span id="more-563"></span></p>
<p>W&#228;hrend der M&#246;rder stehen bleibt, beugt sich Robert &#252;ber den Tisch und greift nach dem Computer. Er sp&#252;rt den Elektroschocker in seiner Tasche. Die Frage ist, ob das Ding so schnell wirkt, dass Gojko gel&#228;hmt ist, bevor er den Z&#252;ndknopf dr&#252;cken kann. Erfahrung hat er damit nicht. Er zieht das Notebook auf den Tisch und klappt es auf. Auch mit dem Aufnehmen von T&#246;nen &#252;ber das eingebaute Mikrofon kennt er sich nicht aus. Er hat sich hingesetzt und das Ding aus dem Schlafmodus geweckt. Jetzt sucht er nach einem passen Programm. &#8220;So richtig fit bist du nicht mit der Technik, oder?&#8221; Der T&#228;ter macht sich lustig. &#8220;Okay, &#246;ffne das Startmen&#252;. Du wei&#223;t, was das ist?&#8221; Robert nickt. &#8220;Geh auf alle Programme. Such nach Zubeh&#246;r. Hast du&#8217;s?&#8221; Wieder nickt der Hauptkommissar. &#8220;Klick drauf. Da findest du einen Programm namens &#8216;Audirekorder&#8217;, das startest du. Klappt&#8217;s?&#8221; Robert nickt erneut. &#8220;Machen wir ne Probe. Dreh das Notebook so, dass das Mikro auf mich zeigt. Klick auf Start. Also, eins-zwei, Test, Test, Test&#8230;&#8221; Robert stoppt die Aufnahme und startet die Wiedergabe. Und genau in dem Moment, in dem der letzte Ton von Gojkos Testansage verklungen ist, schellt es.</p>
<p>&#8220;Warte, ich geh mit.&#8221; Gojko Trifonov erhebt sich, auch Robert steht auf, und zusammen gehen sie zur Wohnungst&#252;r. Der Hauptkommissar hebt den H&#246;rer der Gegensprechanlage ab: &#8220;Ja?&#8221; &#8211; &#8220;Ich bin&#8217;s, Robert, dein kleiner Sonnenschein&#8230;&#8221; Der Attent&#228;ter fragt nach: &#8220;Wer ist das?&#8221; Und Robert gibt Auskunft. &#8220;Na, prima, soll hochkommen. Da haben wir ja unsere Zeugin.&#8221; Robert dr&#252;ckt den Summer und &#246;ffnet die T&#252;r. Ein paar Augenblicke sp&#228;ter tritt Elle aus dem Aufzug. &#8220;Erkl&#228;r&#8217;s ihr,&#8221; sagt Gojko. Und Robert hat keine andere Wahl als Elle zu berichten wie die Lage ist und dass sie nun Teil des Spiels ist. Dann sitzen sie zu dritt am Tisch, jeder mit einer Flasche Bier vor sich. Gojko erz&#228;hlt weiter. </p>
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		<title>Hand und Fu&#223; &#8211; Teil 3</title>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 10:57:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zillys Freund</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kleine Teile]]></category>

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		<description><![CDATA[Gehen, das war Elles Theorie, ist eine hervorragende Meditationstechnik. Jedenfalls, fand sie, eine bessere als beim Bier am K&#252;chentisch zu hocken. Da sie andererseits der Meinung war, der Mensch in diesen gehetzten Zeiten m&#252;sse t&#228;glich mindestens einmal meditieren, ging sie jeden Tag zu Fu&#223;. Als ihr Freund mit dem Dienstwagen vorfuhr, &#246;ffnete sie die Beifahrert&#252;r, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gehen, das war Elles Theorie, ist eine hervorragende Meditationstechnik. Jedenfalls, fand sie, eine bessere als beim Bier am K&#252;chentisch zu hocken. Da sie andererseits der Meinung war, der Mensch in diesen gehetzten Zeiten m&#252;sse t&#228;glich mindestens einmal meditieren, ging sie jeden Tag zu Fu&#223;.<br />
Als ihr Freund mit dem Dienstwagen vorfuhr, &#246;ffnete sie die Beifahrert&#252;r, steckte ihren blonden Kopf ins Wageninnere und sagte zur Begr&#252;&#223;ung: „Komm, lass uns zu Fu&#223; zu AMEK gehen.“<br />
„Steig erst mal ein“, entgegnete Robert und dr&#252;ckte ihr, nachdem sie das Auto tats&#228;chlich geentert hatte, einen Kuss auf die gespitzten Lippen. „Du wei&#223;t, ich gehe sehr gern spazieren. Ich gehe vor allem ausgesprochen gern mit dir spazieren. Ja, ich kann sagen, dass ein Spaziergang mit dir zu den sch&#246;nsten Besch&#228;ftigungen z&#228;hlt, die ich mir vorstellen kann. Allein, ein Marsch zu AMEK stellt ein ernsthaftes Problem dar.“<br />
„Wieso?“ fragte Elle, die das M&#246;belhaus am Stadtrand tats&#228;chlich noch nie betreten hatte, „wir k&#246;nnen doch bis zum alten Bahnhof fahren, den Wagen stehen lassen und den Rest laufen.“<span id="more-561"></span></p>
<p>„Erstens bin ich im Dienst, und Spazierengehen z&#228;hlt eindeutig nicht zu meinen Obliegenheiten. Zweitens kann man schlicht und einfach nicht zu Fu&#223; zu AMEK. Da m&#252;sstest du zwei Autobahnen &#252;berqueren, dann &#252;ber einen Lastwagenumladeplatz gehen und schlie&#223;lich das Loch im Zaun suchen, durch das du auf das AMEK-Gel&#228;nde kommst. Fu&#223;g&#228;nger sind da als Kunden nicht wirklich willkommen.“<br />
Und so kam es, dass Robert gegen eins den Zivilkombi in die Einfahrt zum AMEK-Haus lenkte.</p>
<p>***</p>
<p>In den Tagen, in denen man begann, Schaidler zu vermissen, herrschte Ruhe in der Politik. Zumal der M&#246;belfabrikant zu jener Zeit weder ein Parteiamt bekleidete, noch ein Mandat wahrzunehmen hatte. Insider, die von seiner Abwesenheiten wussten, munkelten, die Altvorderen der Partei seien eigentlich ganz froh, dass der Provokateur weg war und sie noch einmal im ganz alten Stil handeln konnten – also vorwiegend gar nicht.<br />
Anders sah es bei der AMEK aus, denn Schaidler hatte sich trotz seines teilweisen R&#252;ckzugs aus der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung ein Veto bei allen relevanten Entscheidungen vorbehalten. Und nun stand die &#220;bernahme einer rum&#228;nischen Pressspanfabrik an, die sich lange hingezogen hatte. Der Verhandlungsf&#252;hrer, ein schneidiger junger Mann aus Schaidlers Nachwuchsriege, dr&#228;ngte darauf, die Zustimmung des obersten Chefs einzuholen und sprach also bei dessen Assistenten vor.</p>
<p>Der befand, dass dies ein g&#252;nstiger Moment w&#228;re, dem Boss eine Mail zu schicken und so nebenbei zu testen, ob der noch in der Lage w&#228;re, diese qualifiziert zu beantworten. Schaidler war den modernen Kommunikationsmitteln sehr zugetan und deshalb selbstverst&#228;ndlich immer per E-Mail zu erreichen. Ob er auf elektronische Post antwortete, stand aber in seinem Belieben. Der Assistent wusste, dass es in den langen Ferien seines Chefs durchaus vorkommen konnte, dass dieser Nachfragen einfach ignorierte und nach seiner R&#252;ckkehr auch noch schimpfte, ob man ihn den in seinen Entspannungsphasen einfach in Ruhe lassen k&#246;nnte. Das Projekt Rum&#228;nien, soviel schien klar, war aber f&#252;r die Zukunft des Unternehmens von entscheidender Bedeutung, er&#246;ffnete es doch die Option, noch billiger zu produzieren und die Rendite sp&#252;rbar zu verbessern; da w&#252;rde Schaidler sicher sein Machtwort beisteuern wollen.<br />
Nat&#252;rlich waren Mails aus dem Hauptquartier verschl&#252;sselt, und es galt zudem die Regel, dass in der Betreffzeile mindestens eines von insgesamt zw&#246;lf Schl&#252;sselw&#246;rtern vorkommen musste, damit Schaidler die zugeh&#246;rige Nachricht &#252;berhaupt &#246;ffnete. Die Liste der Codew&#246;rter war nat&#252;rlich nur einem kleinen Kreis von Eingeweihten bekannt – dem erweiterten Vorstand, den Landeschefs, dem Syndikus und selbstverst&#228;ndlich dem pers&#246;nlichen Assistenten. Also setzte dieser eine Mail an Schaidler ab, die mit der Betreffzeile „Schnee in Graz: Rum&#228;nen r&#228;umen mit“ gekennzeichnet war, wobei die Erw&#228;hnung des Wortes Schnee als Losung auf einem Insiderwitz beruhte, der auf die wilden Anfangszeiten Schaidlers im Unternehmen zur&#252;ckging.</p>
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		<title>Zur&#252;ck in die Stadt</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 10:39:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zillys Freund</dc:creator>
				<category><![CDATA[Familie Greiper]]></category>

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		<description><![CDATA[Und so standen die f&#252;nf Kinder von Sofia und Jakob im Herbst des furchtbaren Jahres 1939 ohne Eltern da. Hedwig hatte noch in der Nacht, in der sie vom Mord an ihrer Schwiegertochter erfuhr, ihre Koffer gepackt und war in das Haus, in dessen Erdgeschoss sich der Sebastianus-Hof befand, &#252;bergesiedelt. Mit tatkr&#228;ftiger Unterst&#252;tzung der Kinderfrau [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und so standen die f&#252;nf Kinder von Sofia und Jakob im Herbst des furchtbaren Jahres 1939 ohne Eltern da. Hedwig hatte noch in der Nacht, in der sie vom Mord an ihrer Schwiegertochter erfuhr, ihre Koffer gepackt und war in das Haus, in dessen Erdgeschoss sich der Sebastianus-Hof befand, &#252;bergesiedelt. Mit tatkr&#228;ftiger Unterst&#252;tzung der Kinderfrau Amalie und der B&#252;ffetkraft Evelyn, die sie zur Haush&#228;lterin machte, gelang es ihr, den Kindern einen halbwegs normalen Alltag zu erm&#246;glichen. Emma, die j&#252;ngste, war zu Ostern des Jahres in die Volksschule gekommen, w&#228;hrend ihr &#228;ltester Bruder Heinrich seine Kochlehre im besten Hotel der Stadt schon fast beendet hatte. Und weil Hedwig so viel Unterst&#252;tzung bekam und sich ihre Enkel allesamt schnell und klaglos auf das neue Leben als Waisen einstellten, gelang es ihr sogar, den Gasthausbetrieb aufrechtzuerhalten. Alle treuen Mitarbeiter standen ihr dort zur Seite, und die Nachbarn und die Stammg&#228;ste besuchten den Sebastianus-Hof als w&#228;re nichts geschehen.<span id="more-559"></span></p>
<p>T&#252;nn, der sich immer tiefer in seine Lebensdepression vergrub, blieb im alten Fischerh&#228;uschen am Fluss und lie&#223; sich von Hedwig aus der Ferne versorgen. Jeden Mittag fuhr Robert, der zweite Kellner, mit seinem Motorrad in den Vorort und brachte dem alten Mann das Essen. Bei Bedarf brachte er auch frische W&#228;sche, Lebensmittel f&#252;r Fr&#252;hst&#252;ck und Abendbrot. Anton selbst verbrachte die Zeit mit Spazierg&#228;ngen zu seinem Lieblingsplatz am Wasser, wo er auf einem Baumstumpf sa&#223;, seine altmodische holl&#228;ndische Pfeife rauchte, auf den Flus sah und gr&#252;belte.</p>
<p>So verging das erste Kriegsjahr 1940, in dem die deutsche Wehrmacht von Erfolg zu Erfolg jagte, und die B&#252;rger, die dem Nationalsozialismus kritisch gegen&#252;ber standen, immer betr&#252;bter werden lie&#223;, w&#228;hrend die Dumme sich an den Siegesmeldungen erfreuten als sei der Krieg blo&#223; ein Fu&#223;balll&#228;nderspiel. T&#252;nn, der nun n&#228;chtelang am Radio hing, um Feindsender abzuh&#246;ren, war nun 73 Jahre alt, und als er sich an seinem Geburtstag mit der Droschke zum Gasthaus kutschieren lie&#223;, war Hedwig doch erschrocken, wie schlecht ihr Mann aussah. Nach dem kurzen Umtrunk am fr&#252;hen Abend nahm sie T&#252;nn beiseite und bat ihn, auch wieder in die Stadt zu ziehen, zu ihr in die Wohnung der Kinder. Ihr Mann tat emp&#246;rt und verlie&#223; das Haus gru&#223;los. Aber drei Tage sp&#228;ter &#8211; an einem ungew&#246;hnlich hei&#223;en Septembertag &#8211; fuhr erneut ein Taxi vor, und T&#252;nn stand mit einem Koffer vor der T&#252;r.<br />
Und als w&#228;re das tatenlose Gr&#252;beln die wahre Krankheit gewesen und nicht sein Lebensalter, zeigte sich rasch, dass er mit jeder Aufgabe in der Wirtschaft, die er ohne viel zu fragen &#252;bernahm und ausf&#252;llte, besser aussah, wacher wirkte, weniger deprimiert. So kam es, dass Anton Jeroen Grijpstra der neue Wirt des Sebastianus-Hofs wurde, w&#228;hrend sich Hedwig nun mit aller Kraft um die Enkel k&#252;mmern konnte.</p>
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		<title>Hand und Fu&#223; &#8211; Teil 2</title>
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		<pubDate>Fri, 04 May 2012 16:00:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zillys Freund</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kleine Teile]]></category>

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		<description><![CDATA[Elle hatte sich den Tag freigenommen in der Hoffnung, noch einmal mit Robert auf Einkaufstour gehen zu k&#246;nnen. Aus Erfahrung wusste sie, dass feste Verabredungen mit ihrem Liebsten sinnlos waren, denn eine Prognose dar&#252;ber abzugeben, ob er vom Dienst unbehelligt blieb, war kaum m&#246;glich. Sie hatten vereinbart, dass er sich gegen Mittag melden w&#252;rde. So [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Elle hatte sich den Tag freigenommen in der Hoffnung, noch einmal mit Robert auf Einkaufstour gehen zu k&#246;nnen. Aus Erfahrung wusste sie, dass feste Verabredungen mit ihrem Liebsten sinnlos waren, denn eine Prognose dar&#252;ber abzugeben, ob er vom Dienst unbehelligt blieb, war kaum m&#246;glich. Sie hatten vereinbart, dass er sich gegen Mittag melden w&#252;rde. So sa&#223; sie beim heimischen Milchkaffee, bl&#228;tterte in einer Fachzeitschrift, wartete auf seinen Anruf und f&#252;hlte sich wie eine getreue Ehefrau.<br />
Tats&#228;chlich dauerte es nur eine knappe halbe Stunde. Robert druckste ein bisschen herum: „Ich habe mir gedacht, wir k&#246;nnten ja heute vielleicht doch mal einfach so und unverbindlich vielleicht eventuell m&#246;glicherweise zu AMEK fahren. Und wenn wir gar nichts finden“, beeilte er sich hinzuzuf&#252;gen, „dann gehen wir halt blo&#223; den ber&#252;hmten Kaiserschmarren im AMEK-Restaurant essen. Was meinst du?“<span id="more-557"></span></p>
<p>Nun war Elle ja nicht umsonst im Besitz eines Doktortitels, wenn auch nur im Fach Ern&#228;hrungslehre, was der gemeine Betrachter gern irgendwie in die Ecke Hauswirtschaft schiebt und – so er dumm und frech genug ist – nachfragt, weshalb man denn darin einen Doktor machen k&#246;nne. Nein, die Geliebte des Hauptkommissars war au&#223;ergew&#246;hnlich schlau und feinf&#252;hlig dazu. Entsprechend fiel ihre Reaktion aus: „Oh, du hast also einen neuen Fall, und der Besuch bei AMEK dient der Ermittlung. Stimmt’s?“<br />
Robert wand sich ein wenig, wusste aber genau, dass er sich nicht mit Ausreden aus der Aff&#228;re ziehen k&#246;nnte: „Ja, ich muss mich da mal umschauen.“<br />
„Ein Mord im M&#246;belhaus?“<br />
„Wei&#223; man noch nicht.“<br />
„Was soll das hei&#223;en: Wei&#223; man noch nicht?“<br />
„H&#246;r mal, meine Liebe, du warst es doch, die das Gebot aufgestellt hat, ich soll keine Einzelheiten aus meinem Beruf erz&#228;hlen und F&#228;lle nur dann schildern, wenn sie erfolgreich abgeschlossen sind.“<br />
„Stimmt. Aber wenn du hier derart nebul&#246;se Andeutungen machst, dann w&#252;rde ich doch gern ein bisschen aufgekl&#228;rt werden.“<br />
Sie h&#246;rte Robert am anderen Ende der Verbindung schnaufen: „Okay, du hast es so gewollt. Man hat abgeschnittene K&#246;rperteile beim AMEK gefunden.“<br />
„H&#246;rt sich lecker an. Und jetzt wirst du die K&#252;hlschr&#228;nke in der Cafeteria durchw&#252;hlen, um vielleicht noch ein Eisbein oder ein N&#228;schen des Opfers zu finden. Das mach du mal lieber alleine.“<br />
„Moment“, Robert wollte im Hinblick auf die gemeinsame Zukunft Frieden und war zu fast jedem Einlenken bereit, „ich will mich wirklich einfach nur umsehen, ich war ja schon ein paar Jahre nicht mehr da. Einfach mal schnuppern. Und dann essen wir lecker Kaiserschmarren und fahren anschlie&#223;end nach Holland auf diesen Bauernhof mit der Antiquit&#228;tenshow. Einverstanden?“<br />
Sie nickte h&#246;rbar, und er sagte noch: „In zehn Minuten hole ich dich ab.“</p>
<p>***</p>
<p>Schnell hatte die Versammlung den PR-Mann mit der Out-of-Bed-Frisur vom Flipchart vertrieben und an dessen Stelle die Assistentin des Deutschlandchefs dort platziert. „Sie schreiben mit“, hatte ihr Boss angeordnet.<br />
Dann hatte der Marktleiter, der trotz des Schocks seine Hausaufgaben ordentlich gemacht hatte, eine gut halbst&#252;ndige Powerpoint-Pr&#228;sentation von seinem Notebook &#252;ber den Beamer auf die Leinwand geworfen, der man anmerkte, dass seine letzte Pr&#228;sentationsschulung noch nicht allzu lange her war. Er hatte den Vorgang des Auffindens in knackigen Bulletpoints dargestellt und eine Fotoserie vom Schrank, von der Schublade und vom eingeschwei&#223;ten Ohr geliefert. Beinahe h&#228;tten die Anwesenden ihm Beifall geklatscht.</p>
<p>Dann ergriff doch noch der Landesboss das Wort: „Meine Herren, nur eine Sorge treibt mich, gerade jetzt, wo ein zweites Ohr gefunden wurde, um: Dass die &#214;ffentlichkeit etwas davon erfahren k&#246;nnte.“ Er fixierte den Marktleiter: „Wie gro&#223; ist der Kreis der Personen, die den Vorgang unmittelbar mit erlebt haben? Wie gro&#223; ist der Anteil der Kunden darunter, wie viele Mitarbeiter waren zugegen?“ Der Angesprochene starrte auf den Bildschirm seines Notebooks und r&#252;hrte hektisch mit dem Finger auf dem Touchpad.<br />
„Ja, &#228;h, das habe ich so nicht notiert. Warten Sie… Also da war die Familie, deren S&#246;hne das Ohr gefunden haben, die Mitarbeiterin, die durch das Kreischen angelockt wurde, eine weitere Kollegin, die mich dann geholt hat und, &#228;h, ja, ein paar Kunden.“<br />
Das weckte den europ&#228;ischen Marketingmann auf: „Geh’n’s, mein lieber Herr… Sie werden doch wissen, wer da noch war. Haben’s denn die Namen von denen nicht aufnotiert?“<br />
Der Marktleiter sch&#252;ttelte den Kopf. Woraufhin sich der PR-Berater, der sich zwischenzeitlich mit sieben, acht Tassen Kaffee gedopt hatte, erhob und zu einer Erl&#228;uterung anhob: „Tja, da haben wir eine astreine Kommunikationskrise. Da ist etwas geschehen, was der Reputation des Unternehmens schadet, da gab es Zeugen, und diese Zeugen haben wir nicht unter Kontrolle. Das bedeutet, dass wir sofort mit der Medienbeobachtung beginnen m&#252;ssen. Ich werde das veranlassen.“ Und zog sein Handy aus der Ges&#228;&#223;tasche, um die Kollegen in der Agentur zu alarmieren.<br />
„Was ist mit den Leuten, die das Ding gefunden haben?“<br />
„Ich habe mich exakt an die Regeln f&#252;r solche F&#228;lle gehalten“, jammerte der Marktleiter, „und versucht, die Sache ganz aus der &#214;ffentlichkeit zu halten. Also habe ich den Kunden gebeten, den Vorgang f&#252;r sich zu behalten und weder die Polizei, noch die Medien zu informieren.“<br />
„Und?“ fragte der Vice President Marketing Europe, „hat’s was g‘n&#252;tzt?“<br />
„Entsprechend der Guidelines habe ich der Kundenfamilie angeboten, sie k&#246;nnten sich M&#246;bel bis zu einem Gesamtwert in H&#246;he von 10.000 Euro, nat&#252;rlich brutto und VK, aussuchen und bek&#228;men diese im Gegenzug von der AMEK geschenkt.“</p>
<p>Die d&#252;nne, junge Frau hatte bereits drei B&#246;gen am Flipchart vollgekritzelt und zeigte erste Zeichen von Ersch&#246;pfung. „H&#246;ren Sie, Marlies“, sagte der Deutschlandboss, „Sie m&#252;ssen nicht alles im Detail mitschreiben. Stichpunkte reichen. Machen Sie mal eine Pause.“<br />
Felsheimer sa&#223; sehr aufrecht am Tisch, wandte sich dem jeweils Sprechenden zu und fixierte ihn beim Zuh&#246;ren.<br />
„Leider hat der Kunde es sich anders &#252;berlegt und am folgenden Morgen die Polizei verst&#228;ndigt.“<br />
„Mit anderen Worten“, der Chef von AMEK Deutschland hatte ein mild resignierendes L&#228;cheln aufgesetzt, „die Sache ist bei der Polizei, und es gibt jede Menge undichte Stellen, &#252;ber die das Ganze an die Presse kommen kann.“</p>
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