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	<title>Thibaud sagt</title>
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		<title>Williams&#8217; Gest&#228;ndnis</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:49:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zillys Freund</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Brise ist aufgefrischt, beinahe kalt ist der Wind auf der Haut, die &#252;ber Wochen Hitze gespeichert hat. Robert geht ziellos durchs Viertel. Das Wetter macht die Menschen hektisch. Das erinnert ihn an einen Sp&#228;tsommer seiner sp&#228;ten Kindheit. Er watet durch Zeitschichten: jetzt, vor f&#252;nf Jahren und damals. &#220;ber den Bahndamm hinweg sieht er die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Brise ist aufgefrischt, beinahe kalt ist der Wind auf der Haut, die &#252;ber Wochen Hitze gespeichert hat. Robert geht ziellos durchs Viertel. Das Wetter macht die Menschen hektisch. Das erinnert ihn an einen Sp&#228;tsommer seiner sp&#228;ten Kindheit. Er watet durch Zeitschichten: jetzt, vor f&#252;nf Jahren und damals. &#220;ber den Bahndamm hinweg sieht er die Klinker der ehemaligen S&#252;&#223;igkeitenfabrik. Der Duft von Lakritz. F&#252;r einen Groschen Waffelbruch. Kaubonbons zum halben Preis beim Pf&#246;rtner. Tanklastwagen mit Melasse. Der Getr&#228;nkehandel im Hinterhof, den man Bierverlag nannte. Es war so hei&#223;, und er war so durstig. Ging rein zu Onkel Jochen, der ihm eine eiskalte Sinalco schenkte. Trank die aus, trat wieder in die Hitze und kotzte alles aus. Die Kabelgr&#228;ben neben der neu angelegten Durchgangsstra&#223;e. Teerbinden um die Rohre, rochen wie verbranntes Fleisch. Nachts die Petroleumleuchten. Ein Schupo im wei&#223;en Gummimantel auf der Kreuzung. Mutti gab ihm eine Flasche Sprudel f&#252;r den Polizisten. Er hat die Stra&#223;e erreicht, wo er in die Volksschule gegangen ist. Schichtunterricht, eine Woche vormittags, eine Woche nachmittags. Zu viele Schulen noch in Tr&#252;mmern, zu wenige neu erbaut. Und biegt dann ab zum Platz. Gerade kommt William Williams im dunkelblauen Dreiteiler an der Eisdiele von Stefano vorbei. &#220;berquert den Fahrstreifen und strebt seinem Laden zu. &#8220;Williams&#8221;, ruft Robert, &#8220;warten Sie!&#8221;<span id="more-480"></span></p>
<p>Der schwere Afrikaner erschrickt und bleibt stehen. Der Hauptkommissar au&#223;er Dienst reicht ihm die Hand. Williams ignoriert das. &#8220;Gehen wir ein paar Schritte?&#8221; Der Import-Export-Unternehmer nickt. Sie &#252;berqueren den Platz. &#8220;Was ist denn jetzt mit Cooka Jones?&#8221; Sein Begleiter schaut an ihm vorbei w&#228;hrend sie am Bolzk&#228;fig vorbeikommen. &#8220;Wo ist der? Wer ist der? In welchem Verh&#228;ltnis stehen Sie zu dem?&#8221; Williams bleibt stehen. &#8220;Herr Kommissar, ich habe ein Gest&#228;ndnis.&#8221; Er holt tief Luft. Robert sieht ihm in die schwarzen Augen. &#8220;Es gibt kein&#8217; Cooka Jones. Hab ich mir ausgedacht.&#8221; &#8211; &#8220;Was?&#8221; Der Ermittler ist &#252;berrascht, fast geschockt. Seine Intuition, Elle hat ihn ja animiert, sie zu nutzen, hat ihm gesagt, dieser geheimnisvolle Dummschw&#228;tzer, wie Williams ihn genannt hatte, m&#252;sste der T&#228;ter sein. &#8220;K&#246;nnen wir in mein&#8217; Laden gehen? Ich mach Kaffee und dann erz&#228;hl ich. Okay?&#8221; Robert stimmt zu.</p>
<p>Dann hat er einen ordentlichen deutschen Bohnenkaffee aus einer ordentlichen deutschen Kaffeemaschine vor sich. Ordentlich mit Dosenmilch gewei&#223;t und mit ordentlichem Zucker ges&#252;&#223;t. Williams sitzt in seinem B&#252;rostuhl hinter dem repr&#228;sentativen Schreibtisch. &#8220;Bei uns zuhause ist Cooka Jones ein Symbol. Also, es gibt keinen Cooka Jones. Aber wenn ein Typ viel erz&#228;hlt, viel Quatsch, dann ist er ein Cooka Jones. Man sagt hier: Einer der sich um Hals und Kragen redet, nicht?&#8221; &#8211; &#8220;Kopf und Kragen&#8221;, korrigiert Robert. &#8220;Ja, gut. Da ist dann so junger Kerl, der l&#228;uft rum, im Café, auf dem Markt, erz&#228;hlt, hat dies und das gesehen und geh&#246;rt, aber stimmt alles nicht. Das ist ein Cooka Jones.&#8221; Er r&#252;hrt den Kaffee in seinem Becher, auf dem die schwarze Silhouette des afrikanischen Kontinents auf schwarz-gelb-gr&#252;nem Grund abgebildet ist.<br />
&#8220;Hab ich verstanden. Aber warum haben Sie mir denn diese Geschichten &#252;ber einen Cooka Jones vorgelogen? Was ist der Grund?&#8221; Williams sieht auf einmal sehr alt aus, gedr&#252;ckt von schweren Sorgen. &#8220;Wegen Ocho.&#8221; &#8211; &#8220;Wegen ihrem Sohn? Was ist mit ihm?&#8221; &#8211; &#8220;Ist kein schlechter Junge. Ist klug, flei&#223;ig und freundlich. Aber faul. Sagt immer: Wer f&#252;r Geld arbeitet, ist dumm. Macht Gesch&#228;fte und f&#252;hrt Auftr&#228;ge aus. F&#252;r den und den. Auch f&#252;r Kriminelle. Also, kriminelle Auftr&#228;ge. Wei&#223; ich aber nicht genau.&#8221; Robert holt tief Luft: &#8220;Moment, Sie haben mir einen Cooka Jones aufgebunden, um ihren Sohn zu sch&#252;tzen. Hei&#223;t das, das Ocho direkt mit dem Anschlag auf die Bombar zu tun hat?&#8221; Der besorgte Vater sch&#252;ttelt den schweren Sch&#228;del mit den kurzgeschorenen Haaren: &#8220;Ich wei&#223; nicht. Hatte einen Verdacht. Reden Sie mal mit ihm. W&#228;re ein gro&#223;er Gefallen f&#252;r mich, ja?&#8221;</p>
<p>Sp&#228;ter sitzt Robert in einem Touristencafé an der Promenade am Fluss und trinkt stilles Mineralwasser. Er w&#228;re jetzt gern Pension&#228;r und m&#252;sste sich nicht mehr Tag f&#252;r Tag mit dem B&#246;sen auseinandersetzen.</p>
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		<title>Møre Åkelomme reloaded</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Jan 2012 17:42:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zillys Freund</dc:creator>
				<category><![CDATA[Exil am Platz]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Parkbuchten in der stillen Stra&#223;e, in der Robert wohnt, sind senkrecht zum B&#252;rgersteig angebracht, und die Mehrheit der Autofahrer parkt r&#252;ckw&#228;rts ein. Direkt vor dem Hauseingang sieht er jetzt aber die Motorhaube eines dunkelblauen Phaeton. Er tritt hinaus. Da sitzt einer junger blonder Typ mit schlimmer Sonnenbrille am Volant, neben ihm eine Gestalt, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Parkbuchten in der stillen Stra&#223;e, in der Robert wohnt, sind senkrecht zum B&#252;rgersteig angebracht, und die Mehrheit der Autofahrer parkt r&#252;ckw&#228;rts ein. Direkt vor dem Hauseingang sieht er jetzt aber die Motorhaube eines dunkelblauen Phaeton. Er tritt hinaus. Da sitzt einer junger blonder Typ mit schlimmer Sonnenbrille am Volant, neben ihm eine Gestalt, die ihm bekannt vorkommt. Klar, denkt er, das ist doch der Inhaber, dieser Deutschd&#228;ne mit dem komischen Namen. Møre Åkelomme steigt aus und winkt ihm zu: &#8220;Kommen Sie rein, Herr Hauptkommissar, ich m&#246;chte mit Ihnen reden.&#8221; Und h&#228;lt ihm die hintere Wagent&#252;r auf. Der junge Chauffeur ist ausgestiegen und steht rauchend in der Gegend rum. &#8220;Das ist sch&#246;n, dass Sie zu mir kommen, Herr Åkelomme. Mich interessiert eigentlich nur eins: Wissen Sie wo, die Herren Benzani und Nahash sind? Wann haben Sie zuletzt Kontakt mit denen gehabt? Auf welchem Wege?&#8221; Der D&#228;ne grinst verlegen: &#8220;Fragen &#252;ber Fragen. Gestatten Sie mir dass ich ein wenig aushole?&#8221;<span id="more-478"></span></p>
<p>Wartet die Antwort aber gar nicht erst ab, sondern legt los. &#8220;Nach unserem letzten Zusammentreffen habe ich tats&#228;chlich Vermisstenanzeigen aufgegeben. Bisher kam aber nichts von der hiesigen Polizei. Nun habe ich noch einmal nach gedacht &#252;ber die ganze Geschichte. Und m&#246;chte ihnen einmal im Zusammenhang erz&#228;hlen, was es mit Kawa und Asan und den beiden Frauen auf sich hat. Ich hatte ja erw&#228;hnt, dass es sich bei der jungen Frau, die beim Brand umgekommen ist, um meine Ex handelte. Die andere war ihre Mutter. Die stammten aus Bulgarien und waren Angeh&#246;rige der ungarischen Minderheit dort. Sofia, so hie&#223; die Mutter, war mit ihren drei T&#246;chtern schon vor zehn, elf Jahren nach Deutschland gekommen. Nach Neum&#252;nster, da bin ich geboren und aufgewachsen, da habe ich immer gelebt. Olga, meine ehemalige Geliebte, war da gerade dreizehn. Ich habe sie kennen gelernt als sie neunzehn geworden war. In einer Bar, die dem Paten der Stadt geh&#246;rt. Einem Libanesen, genauer: einem Kurden aus dem Libanon mit deutschem Pass. F&#252;r den bin ich seit meiner Zulassung als Anwalt t&#228;tig. Sagen wir so: Der gr&#246;&#223;te Teil seiner Aktivit&#228;ten ist legal. Dann gibt es Investitionen, mit denen er nicht direkt in Verbindung gebracht werden. Au&#223;erdem betreibt er Gesch&#228;fte, mit denen er Familienangeh&#246;rige versorgt. Zum Beispiel die Bombar. Da hat er Kawa, also den Herrn Benzani reingesetzt, den Neffen seines Schwagers. Und der hat wiederum seinen alten Kumpel Asan reingeholt. Die haben beide nur libansische P&#228;sse, keine unbefristeten Aufenthaltsgenehmigungen, sind also nicht gesch&#228;ftsf&#228;hig. In F&#228;llen wie diesen hat mich der Herr Loudyi dann als Gesch&#228;ftsf&#252;hrer eingesetzt.&#8221;</p>
<p>Er schwieg als erwarte er eine Frage. Aber Robert blieb auf Empfang. &#8220;Kawa ist kein schlechter Kerl. Chaotisch, vielleicht, frech, ja, auch ziemlich faul. Aber der Asan ist ein b&#246;ser Mensch, ein asoziales Element, der f&#252;r den eigenen Vorteil jeden in die Pfanne hauen w&#252;rde. Habe nie verstanden, was Kawa an dem fand. Jedenfalls hatte dieser Asan Nahash wohl vor, ein ganz gro&#223;er Lude zu werden, Herrscher eines &#252;berregionalen Nuttennetzes. Hat sich an Olga und ihre beiden &#228;lteren Schwestern rangemacht. Hat Sofia bedroht, hat sie also zur Prostitution gebracht. So nach dem Prinzip &#8216;Zuckerbrot und Peitsche&#8217;, ganz klassisch. Und weil ich da interveniert habe, hat Loudyi die Jungs in Ihre Stadt geschickt, damit sie die Bar f&#252;hren und m&#246;glichst wenig Unfug treiben. Nat&#252;rlich hat Asan die M&#228;dchen mitgenommen und hier in seinem Escort-Betrieb laufen lassen. Sofia ist dann auch hierher gezogen. Mir hat das sehr weh getan.&#8221; Møre hielt noch einmal inne und schluckte.</p>
<p>&#8220;Aber nach zwei, drei Monaten hatten Sofia und ihre T&#246;chter die Nase voll. Lag auch daran, dass ich da Einfluss genommen habe. Jedenfalls gab es vor vier, f&#252;nf Wochen ein Gespr&#228;ch zwischen ihnen und dem selbsternannten Zuh&#228;lter. Sie wollten nicht mehr, sagten sie ihm. Da soll er ausgerastet sein. Wenn Kawa nicht eingegriffen h&#228;tte, w&#228;re er sicher gewaltt&#228;tig geworden. Das berichtete Olga mir. Dann habe er gesagt, dass er sie alle freigeben, wenn sie ihm seine Kosten erstatten. F&#252;r 80.000 Euro in bar w&#228;re er bereit, auf seine Anspr&#252;che zu verzichten. Als ich das am Telefon erfuhr, reiste ich sofort hierher. Genau in der Nacht wurde die Bar in die Luft gesprengt. Sofia und Olga sind tot, Kawa und Asan verschwunden. Heute habe ich von ihrem Kollegen im Pr&#228;sidium erfahren, dass die beiden Schwestern ebenfalls einem Brandanschlag zum Opfer gefallen sind. Sie k&#246;nnen sich vorstellen, dass Herr Loudyi, genau wie ich im &#220;brigen, sehr interessiert daran sind zu erfahren, wer die Attentate ver&#252;bt hat und was dessen Motive waren. Nun wei&#223; ich auch, dass Sie offiziell nicht mehr am Fall arbeiten. Also m&#246;chte mein Auftraggeber ihnen ein Angebot machen. Erf&#228;hrt er &#252;ber mich vor der Polizei, wer die M&#246;rder sind, w&#228;re ihm das 100.000 Euro wert.&#8221;</p>
<p>Robert sieht den D&#228;nen einigerma&#223;en verwirrt an: &#8220;Sie vertun sich. Ich bin nach wie vor Beamter, kein Privatdetektiv. Nur beurlaubt. Quasi f&#252;r einen Undercover-Einsatz. Das h&#228;tte ich Ihnen jetzt gar nicht sagen d&#252;rfen. Aber, nein, auf das Angebot kann und werde ich nicht eingehen.&#8221; Er hat den T&#252;rgriff schon in der Hand. Da reicht ihm Møre Åkelomme eine Visitenkarte: &#8220;Rufen Sie mich einfach an, wenn sich was ergibt.&#8221; Der Hauptkommissar steigt aus. Der Fahrer entert den schweren Phaeton und setzt zur&#252;ck. Im Wegfahren winkt der D&#228;ne Robert zu.</p>
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		<title>Aufr&#228;umungen</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Jan 2012 14:11:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zillys Freund</dc:creator>
				<category><![CDATA[Exil am Platz]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Morgen f&#252;hlt sich Robert erfrischt. &#220;ber Nacht ist ein deutliche Brise aus Nordost aufgekommen, eine ungew&#246;hnliche Wettersituation in der Stadt. K&#252;hl ist der Wind, und er hat die breiige Hitze aus der Stadt geweht. Er steht auf der Terrasse, eine Tasse Kaffee in der Hand. Riecht noch Elle an sich, die fest schl&#228;ft. Wie meistens hatte sie Recht: Er sollte wieder mit der Erfahrung seiner Berufsjahre arbeiten, mit seiner bew&#228;hrten Intuition.</p>
<p>Die sagt ihm schon seit dem Zeitpunkt, an dem er die Ermittlungen aufgenommen hat, dass &#252;berhaupt nur vier oder f&#252;nf Personen, m&#246;glicherweise als T&#228;ter mit Helfern, in Frage kommen. Einer davon ist der Feuerk&#252;nstler Lorenzo Bhy, der nach seinem Gest&#228;ndnis in Untersuchungshaft sitzt. Nur wenn festst&#252;nde, dass das Attentat auf das Wohnmobil am Ufer und der Anschlag auf die Bombar miteinander zusammenh&#228;ngen, w&#228;re der verd&#228;chtig. Und dann auch nur als Killer im Auftrag irgendwelcher finsteren M&#228;chte. Nat&#252;rlich f&#228;llt ihm, w&#228;hrend er sich von der k&#252;hlen Luft befl&#252;geln l&#228;sst. Cooka Jones ein. Wenn William Williams die Wahrheit gesagt hat, dann ist der geheimnisvolle Abwesende der T&#228;ter. Und die beiden Betreiber der Bar? Die sind spurlos verschwunden, und es gibt Millionen Gr&#252;nde, warum zwei Gastronomen, die f&#252;r obskure Hinterm&#228;nner arbeiten, auf die Idee kommen k&#246;nnten, ihren Laden in die Luft zu jagen.<span id="more-471"></span></p>
<p>Robert ist sich ganz sicher, dass keiner der anderen Wirte und Kleinunternehmer vom Platz als T&#228;ter in Frage kommen; weder &#220;mit, noch Kostas, auch Williams und Kuqi nicht. Nur bei Branko ist er sich nicht ganz sicher, denn dessen tief in der Seele vergrabene Hass auf alles und jeden, der brennende Wunsch, sich f&#252;r sein im Krieg entgangenes Leben zu r&#228;chen, sp&#252;rt er immer, wenn er mit dem Wirt seiner Stammkneipe auf seine pers&#246;nliche Verwandlung zu sprechen kommt. &#8220;Wei&#223;t du&#8221;, hat Branko einmal gesagt, &#8220;ich bin jetzt deutsch. Und zwar deutscher als deutsch. Viel deutscher als ihr Deutschen je werden k&#246;nnt. Ein Panzer aus Zivilisation ist so gewachsen. Das ist mein Schutz gegen die Instinkte in mir, die Rache wollen, die t&#246;ten wollen. Ich habe nicht nur eure Sprache gelernt, ich habe sie studiert, habe eure Schriftsteller gelesen. Bin kein Moslem mehr, sondern offizieller Christ. Gehe sogar ab und an in eine Kirche; mal in eeine katholische, mal in eine evangelische. Hab sogar an Bibelstunden teilgenommen. Neues Testament. Backe hinhalten, und so. Ich habe der Gewalt abgeschworen, und das ist gut so. Besser f&#252;r euch alle.&#8221;</p>
<p>Auch der &#214;rtzel f&#228;llt aus der Reihe der Tatverd&#228;chtigen. Der k&#246;nnte ein solches Verbrechen weder planen, noch ausf&#252;hren. Keiner k&#246;nnte den grundguten Viertelsdepp zu solch einer Aktion verleiten. &#214;rtzel w&#252;rde gar nicht verstehen, was so einer von ihm wollte. Bliebe noch Walter Hinz, aus dem Robert noch nicht wirklich schlau geworden ist. Dem er seine Geschichten nicht glaubt, von dem er sich bei jeder Begegnung belogen und genasf&#252;hrt f&#252;hlt. Aber k&#246;nnte ein Mann jenseits des achtzigsten Lebensjahr einen Bombenanschlag wirklich noch in die Tat umsetzen? Dass Hinz boshaft ist, skrupellos und w&#252;tend auf die Welt wie sie ist, das steht f&#252;r Robert fest. Und er nimmt sich vor, an diesem Tag nach M&#246;glichkeit mit Walter Hinz und William Williams zu sprechen. Und Kontakt zum nominellen Besitzer der Bat aufzunehmen, um herauszufinden, wo und abgeblieben sind.</p>
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		<title>Kolonialisten</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Dec 2011 20:29:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zillys Freund</dc:creator>
				<category><![CDATA[Familie Greiper]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Verbindung von Sofia mit Jakob Greiper hatte sich nicht positiv auf den Status der Familie Wellenkamp ausgewirkt. Denn in den Augen der Ortsans&#228;ssigen waren Wilhelm Wellenkmap, seine Frau Berta und seine einzige Tochter Sofia Emilia nichts weiter als Fl&#252;chtlinge. Wie viele Angeh&#246;rige der unterpriviligierten St&#228;nde hatte sich das sp&#228;tere Familienoberhaupt von der kolonialen Begeisterung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Verbindung von Sofia mit Jakob Greiper hatte sich nicht positiv auf den Status der Familie Wellenkamp ausgewirkt. Denn in den Augen der Ortsans&#228;ssigen waren Wilhelm Wellenkmap, seine Frau Berta und seine einzige Tochter Sofia Emilia nichts weiter als Fl&#252;chtlinge. Wie viele Angeh&#246;rige der unterpriviligierten St&#228;nde hatte sich das sp&#228;tere Familienoberhaupt von der kolonialen Begeisterung im Kaiserrreich der Jahrhundertwende anstecken lassen, war Soldat geworden und auf eigenen Wunsch nach Deutsch-S&#252;dwest versetzt worden. Wilhelm hatte sich ausgerechnet, dass er um 1902 herum in den pensionsberechtigten Ruhestand gehen k&#246;nnte, ein St&#252;ck Land da unten in Afrika zugeteilt bek&#228;me und mit wenig Arbeit schnell reich werden w&#252;rde. Tats&#228;chlich musste er bis weit ins Jahr 1904 Dienst schieben, und von eigenem Land in der Kolonie war keine Rede mehr. So lie&#223; er sich zum Abschied vom Barras die Pension in einer Summe auszahlen und erwarb etliche Hektar Land am Rande der namibischen W&#252;ste, nur knapp 160 Kilometer entfernt von Swakopmund. Weil aber kein Geld &#252;brig war, um Arbeiter &#8211; und seien es auch nur Eingeborene, die kaum etwas verdienten &#8211; zu besch&#228;ftigen, nahm er sich bald eine Frau.<span id="more-468"></span></p>
<p>Die hie&#223; Viktoria, stammte vom Kap und war das illegitime Ergebnis der Verbindung eines wohlhabenden Buren mit einer jungen Frau, die zur H&#228;lfte Zulublut in sich trug. Zum Gl&#252;ck sah man der jungen Gattin ihre afrikanische Herkunft nicht an. Zudem war sie gro&#223; und kr&#228;ftig und flei&#223;ig genug, Wilhelm eine wahre St&#252;tze beim Bewirtschaften seines Landes zu sein.<br />
Allerdings versp&#252;rte die Frau wenig Lust, mit dem alten Mann die Ehe zu vollziehen, und der war schlau genug, ihr keine Gewalt anzutun. Im Gegenteil: Wellenkamp,der zum Zeitpunkt der Hochzeit schon 52 Jahre alt war, warb nun ohne Unterlass um Viktoria und machte ihr Geschenke. So lie&#223; sie ihn in einer k&#252;hlen Winternacht im Mai 1905 endlich in ihr Bett. Ja, sie fand so viel Gefallen an der Liebe, dass es bald sie war, die ihn in den N&#228;chten bei sich haben wollte. Dann wurde sie schwanger und gebar am 21. April des Jahres 1906 ein M&#228;dchen, dass wenige Tage sp&#228;ter auf den Namen Sofia Emilia getauft wurde.</p>
<p>Die Landwirtschaft in der afrikanischen Kolonie war ein m&#252;hseliges Gesch&#228;ft, dass gerade so viel einbrachte, dass die Familie nicht verhungerte. An eine Expansion war nicht zu denken. Statt dessen musste Wilhelm nach und nach fast zwei Drittel seines Landes verkaufen, um die Defizite zu decken, die durch Missernten und andere Katastrophen entstanden. So schlugen sie sich bis 1914 durch. Und waren dann unter den ersten deutschen Familien, die das Land auf Druck der britischen Invasoren verlassen mussten. Mit nicht viel mehr als ihrer Kleidung kamen Wilhelm, Viktoria und die kleine Sofia im Fr&#252;hjahr 1915 in die Stadt. Dass sie ausgerechnet hier landeten, war nicht mehr als ein Zufall. Zum Gl&#252;ck fand der Vater, nun schon &#252;ber 60, eine Anstellung als Portier im Hauptgeb&#228;ude der gr&#246;&#223;ten Firma vor Ort. Das brachte ein kleines, aber regelm&#228;&#223;iges Einkommen, und Viktoria verdiente mit N&#228;harbeiten ein wenig dazu.</p>
<p>So wie viele Jahre sp&#228;ter die Fl&#252;chtlinge aus den ostdeutschen L&#228;ndern, die man auch Heimatvertriebene nannte, im Westen, in den sie aus Furcht vor der Rache der roten Armee gegangen waren, nicht willkommen waren, so waren den Menschen in der Stadt auch die Familien suspekt, die mehr oder weniger unfreiwillig als Folge des Weltkrieges aus den Kolonien in die Heimat gekommen waren. Um deren Leben in Afrika oder China rankten sich wilde Ger&#252;chte, von geheimen Sch&#228;tzen solcher Kolonialisten war die Rede, von allerlei Verbrechen und Blutschande. Die Wellenkmaps konnten froh sein, dass kein Nachbar auf den Gedanken kam, Viktoria k&#246;nne nicht rassenrein sein. Denn schon in den Tagen, in denen Sofia und Jakob zueinander fanden, galt vielen Deutschen die Verbindungen von Menschen verschiedener ethnischer Zugeh&#246;rigkeit als etwas, das sp&#228;ter Rassenschande genannt wurde.<br />
Unabh&#228;ngig davon wollten die Leute im Viertel mit der Familien Wellenkamp einfach nichts zu tun haben. Zwar wurde auch getuschelt, aber eigentlich ignorierte man sie. Weil sie arm waren, kamen Wilhelm und Viktoria aber auch kaum in Kontakt mit den Ortsans&#228;ssigen, die immer schon in der Stadt gelebt hatten oder mindestens in der zweiten Generation hiesigen B&#252;rger waren.</p>
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		<title>Thesen (2)</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Dec 2011 15:39:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zillys Freund</dc:creator>
				<category><![CDATA[Thibaud]]></category>

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		<description><![CDATA[Er denkt den Gedanken nicht zu Ende, sondern schreibt &#8220;2. Kriminelle Gesch&#228;fte&#8221;, malt einen Schr&#228;gstrich und f&#252;gt &#8220;Erpressung oder Rache&#8221; hinzu. In diese Richtung gingen ja Schm&#246;rgels mild ausl&#228;nderfeindliche Vermutungen, dass irgendeine mafiose Organisation die Bombar aus irgendeinem klein- oder gro&#223;kriminellen Grund in die Luft gesprengt hat. Viel spricht nicht daf&#252;r, denn das einzig organisierte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er denkt den Gedanken nicht zu Ende, sondern schreibt &#8220;2. Kriminelle Gesch&#228;fte&#8221;, malt einen Schr&#228;gstrich und f&#252;gt &#8220;Erpressung oder Rache&#8221; hinzu. In diese Richtung gingen ja Schm&#246;rgels mild ausl&#228;nderfeindliche Vermutungen, dass irgendeine mafiose Organisation die Bombar aus irgendeinem klein- oder gro&#223;kriminellen Grund in die Luft gesprengt hat. Viel spricht nicht daf&#252;r, denn das einzig organisierte Verbrechen im Viertel &#8211; und das wei&#223; er genau &#8211; findet sich in den illegalen Spiellokalen, wo in den Hinterzimmern auif dem gr&#252;nen Filz oder an komplizierten Automaten enorme Summe verzockt werden. Und weil bei der Untersuchung des Tatorts keine Spuren verbotenen Gl&#252;cksspiel gefunden wurden, scheidet dieses Variante aus. Von nennenswerten Schutzgelderpressungen in seinem Quartier hat Robert noch nichts geh&#246;rt, nimmt sich aber vor, die Ladenbesitzer und Wirte am Platz zu befragen. Bliebe noch eine Erkl&#228;rungsmuster rund um das Thema Prostitution. Daf&#252;r spricht aus seiner Sicht einiges. Und das ist seine wichtigste These.<span id="more-463"></span></p>
<p>Gerade hat er &#8220;3. Ausl&#228;nderfeindlichkeit&#8221; auf den Bogen geschrieben, da h&#246;rt er den Schl&#252;ssel in der Wohnungst&#252;r. Dass Elle ihn einfach so besuchen w&#252;rde, damit hatte er nicht gerechnet. Dann steht sie im gro&#223;en leeren Raum, l&#228;chelt ihr uneigenn&#252;tziges L&#228;cheln und wartet darauf, dass er kommt und sie in den Arm nimmt. &#8220;Schau&#8221;, sagt sie, &#8220;ich habe f&#252;r dich gekocht&#8221; und hebt die Essensbeh&#228;lter hoch. Robert ist sich nicht sicher, ob er sich gest&#246;rt f&#252;hlen soll, kriegt aber die Kurve und begr&#252;&#223;t seine Geliebte und Gef&#228;hrtin angemessen.</p>
<p>Dann muss er ihr erz&#228;hlen, was geschehen ist, dass er nun quasi als verdeckter Ermittler wirkt und das Wohnzimmer seine Einsatzzentrale ist. Elle h&#246;rt sich das an und liest seine Notizen auf den gro&#223;en Papierb&#246;gen. &#8220;Was soll das?&#8221; beginnt sie ihren Kommentar, &#8220;das ist doch nun gar nicht deine Arbeitsweise, irgendwelche Thesen zu formulieren, um sie dann systematisch zu &#252;berpr&#252;fen. So wie ich dich kenne, und ich meine, dich einigerma&#223;en zu kennen, hast du bereits eine L&#246;sung gefunden, bist dir aber nicht sicher, ob du sie beweisen kannst. Stimmt&#8217;s?&#8221; Robert f&#252;hlt sich ertappt. &#8220;Ja,&#8221; sagt er, &#8220;nein, ich habe keine schl&#252;ssige Geschichte. Da sind tats&#228;chlich drei m&#246;gliche Motivkomplexe. Das Bl&#246;de ist: Alle drei Thesen passen zu den beteiligten Personen. Alle gleich gut.&#8221;</p>
<p>&#8220;Dann erz&#228;hl mir die Geschichten hinter den Thesen. Willst du?&#8221; Er nickt. &#8220;Aber vorher&#8221;, f&#252;gt Elle hinzu, &#8220;wird gegessen. Ich mach das Zeug warm, und du kannst schon mal drau&#223;en den Tisch decken.&#8221; Sp&#228;ter sitzen sie bei einer Flasche gek&#252;hltem Rosé auf der Terrasse in der D&#228;mmerung. Robert bringt seine Freundin auf den aktuellen Stand, schildert die Spuren der Tat und nennt die Beteiligten. Schlie&#223;lich beginnt er, eine m&#246;gliche Beziehungstat zu entwickeln. Als dabei das Wort Eifersucht f&#228;llt. legt Elle ihm die Hand auf den Unterarm und sagt: &#8220;Meine Spezialit&#228;t&#8230;&#8221;.</p>
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