Die Seite 11

Wer war Bernd Loschen?

Bernd Loschen war ein Bursche wie ein Berg mit dem Gemüt eines gütigen Greises. Er zeigte nie Zorn oder Wut, aber auch sehr selten Freude oder Begeisterung. Die Nadel seines Emotionsmessgerätes schlug meist nur leicht um die Mittellage herum aus. Schon als Junge war er mit unvergleichlichen Körperkräften ausgestattet. Und weil es bei ihm dafür mit dem Lesen und Schreiben, dem Rechnen und auch dem Malen haperte, landete er in de Sicherheitsbranche. Den größten Teil seines Lebens arbeitete er als Türsteher. Nur einmal wirkte der Mann, den seine Kollegen Boddie nannten, als Personenschützer. Für diskrete Dienste war er einfach immer zu auffällig. Nachdem die Schlagersängerin Jule West massiv mit Morddrohungen überzogen worden war, wurde Loschen ihr Bodyguard. » ganz lesen

publiziert am 24.02.16 in Stadtgeschichten ¦ 372x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Charlene und ich (3)

Der Hund kam früher als erwartet. Wir hatten einen sehr großen, unter europäischen Campern berühmten Platz am Balaton angesteuert, wo wir sofort einige Paare trafen, denen wir auf unserer Tour schon begegnet waren. Unter anderem die beiden älteren Herren aus Dänemark, die uns erklärt hatten, sie seien ein Ehepaar und könnte bald silberne Hochzeit feiern. Die hatten direkt nach der Pensionierung ihren Haushalt aufgelöst, das Häuschen bei Esbjerg verkauft und den Erlös in einen umgebauten Reisebus investiert. Mir kamen sie sehr dänisch vor, obwohl ich eigentlich keine Vorstellung davon hatte, wie Dänen im Allgemeinen sind. Rasmus und Ove, so hießen die zwei, waren im vierten Jahr unterwegs und richteten sich inzwischen nach den Jahreszeiten: Die Winter verbrachten sie im Süden der iberischen Halbinsel, im Hochsommer traf man sie meist hoch im Norden, im Frühling ging es immer nach Südfrankreich und Norditalien, und im Herbst waren dann entweder die britischen Inseln oder eben Österreich, Ungarn, Tschechien und andere östliche Länder dran. In Spanien hatten sie im ersten Jahr eine Streunerin aufgegriffen, eine Windhündin von der Rasse der Galgos. Das Tier war nicht weniger zurückhaltend und höflich als seine Herren, dazu aber ziemlich misstrauisch. » ganz lesen

publiziert am 21.02.16 in Paare ¦ 370x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Scheißewelt – Die Kuppel (2)

Das Triumvirat sitzt auf der Terrasse. Außer Siggi P., der liegt starr auf seinem Bett. Die Pfleger halten sich im Hintergrund und genießen verstohlen den blauen Himmel. „Wir sind die Letzten“, sagt Karo. „Ja, ja“, antwortet Siggi P., und seine Lippen bewegen sich dabei nicht, weil sich seine Lippen wegen der Lähmung nicht mehr bewegen können. Mit dem rechten Ohrläppchen, über das er noch Kontrolle hat, steuert der den Sprachsynthesizer. „Das sagst du jedes Mal, wenn wir hier draußen sitzen“, merkt A.M.T. an. Nur hier auf Ebene XXXXVIII gibt es Öffnungen in der Kuppel. Aber das Volk weiß ja überhaupt nicht, dass es mehr als siebenundvierzig Ebenen gibt. Die Tasten im Zentralaufzug reichen nur bis zu dieser Zahl. Wer höher hinauf muss, muss umsteigen, aber zu diesem Zweck eine Geheimtür öffnen, die sich zwischen dem Segment XXXXVIIO3 und dem angrenzenden Segment befindet. Sie ist gesichert durch: ein Passwort mit einhundertzwölf Zeichen, einen Fingerabdrucksensor und einen Retinascanner. Und insgesamt können nur achtunddreißig Personen passieren. Also der Ältestenrat, seine Bodyguards und die Pflegerinnen und Pfleger. Die Ebenen oberhalb von XXXV liegen in der Regel oberhalb der Wolkendecke, wo der Himmel klar ist und man den Verlauf von Sonne, Mond und Sternen verfolgen kann. » ganz lesen

publiziert am 13.02.16 in Scheißewelt ¦ 364x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Scheißewelt – Die Kuppel (1)

Man sagt, die Kuppel habe an ihrer Basis einen Durchmesser von ungefähr sechs Kilometern. Genau weiß das niemand, weil keiner der Planer und Erbauer noch lebt. Außerdem handelt es sich nicht um eine Halbkugel, sondern um einen sphärischen Körper mit dem Querschnitt eines eleganten Ellipsoids. An diesem Tag hat der Himmel die Farbe von Durchfall, ein helles Ocker mit kleinen, dunklen Einsprengseln. So sieht es draußen meistens aus. Aber das wissen nur wenigen drinnen. Denn die Kuppel ist vorwiegend undurchsichtig und nun mit schmalen Sichtschlitzen versehen, auf jeder Ebene sind es maximal sieben davon. Will man den offiziellen Markierungen glauben, dann gibt es 47 Ebenen. Die unteren elf sind den Systemen und Lagern vorbehalten. Dort erzeugen komplexe Maschinerien die Atemluft und das Trinkwasser sowie den elektrischen Strom. Weitere dreizehn Ebenen dienen der Ernährung. Dort werden Getreide und Gemüse angebaut, dort gibt es einen großen Bereich für das Milchvieh und die Hühner. Die Ernährung der Bewohner ist vegetarisch, Fleisch wird nicht verzehrt. Tiere, die für die Milchproduktion oder das Eierlegen nicht mehr taugen, werden als Biomasse in die Wiederaufberteitung gegeben. Natürlich ist die Kuppel vollkommen autark und gegenüber der Außenwelt hermetisch verschlossen. » ganz lesen

publiziert am 07.02.16 in Scheißewelt ¦ 372x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Charlene und ich (2)

Und so verbrachten wir sechs Wochen im Camp, Marshawn, die Mechaniker Ed, Dave und Sid und ich. Mein Lehrmeister hatte alles Lebensnotwendige in die Einöde schaffen lassen, sodass wir uns ganz auf den Trick konzentrieren konnten. Tatsächlich sah die Maschine nur aus wie eine schwere Indian, denn unter dem hauchdünnen Kunststoff versteckte sich eine leichte, extrem starke Geländemaschine. Deshalb saß der Sprung schon ab Woche vier sicher, und in den letzten Tagen erreichte ich Flüge von über 120 Yards. In Savannah stieß ich wieder zum Tross. Charlene und ich konnten stundenlang nicht voneinander lassen, so sehr hatten wir uns gegenseitig vermisst. Bill hatte die Presse zur Vorstellung meiner Nummer nach Atlantic City einbestellt, und alle waren gekommen: die üblichen Journalisten der Entertainment-Industrie, die Sensationsjäger und die vielen TV-Teams, die Berichte über solche Dinge in die vielen Kanäle in ganz Nordamerika, Asien und Europa einspeisten. Ich war berühmt und bekam allerlei Angebote. Aber natürlich fühlte ich mich Bill verpflichtet und sprach jedes kleine Engagement mit ihm ab. Auch die Rolle in einem Film über die gute alte Zeit der Sensationshows, der im folgenden Sommer in Florida gedreht werden sollte. » ganz lesen

publiziert am 04.02.16 in Paare ¦ 371x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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