Die Seite 15

Hotelzimmer

Sie hatten sich in einem Hotelzimmer verfangen. Gutes Haus, fünf Sterne. Jetzt standen sie Leib an Leib vor dem ersten Kuss. Hinter dem Fenster die leblose, dunkle Stadt, bestreut mit glimmenden Lichtern. Als sie zum ersten Mal hier waren, hatte er zur ihr gesagt: Im Traum habe ich schon hundert Mal mit die geschlafen. Sie hatten dann aus der Bettdecke ein Zelt gebaut im stockdunkeln Zimmer. Und ihre Körper in der Höhle beim Schein einer Taschenlmape studiert. Inzwischen war ein Raum im siebzehnten Stock ihr Revier. Damals hatte der Rezeptionist noch gefragt: Sie haben kein Gepäck? Denn es ist ein gutes Haus, fünf Sterne, kein Stundenhotel. Hier bringt das Institut seine wichtigen Gäste unter. Man kennt das Paar mittlerweile und übergibt den Schlüssel ohne Fragen. » ganz lesen

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publiziert am 07.04.16 in Stadtgeschichten ¦ 441x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Scheißewelt – Die Kuppel (3)

Engol und Perck arbeiten in der Logistik, genauer: in der Lebensmittellogistik. Ihre Abteilung ist verantwortlich dafür, dass die 99 Kantinen in der Kuppel rechtzeitig genau die Produkte bekommen, die sie angefordert haben, um damit die Besucher zu verköstigen. Auch wenn Perck auf dem Eiersektor tätig ist und Engol beim Wurzelgemüse, stehen ihre Dienstpulte direkt nebeneinander. Vor einigen Jahren stellte Perck eines Morgens fest, dass sein Kollege abwesend war, etwas, das in elf gemeinsamen Jahren in der LLogDiv noch nicht vorgekommen war. Natürlich war er beunruhigt, denn wenn jemand an seiner Arbeitsstelle fehlte, konnte dies nur bedeuten, dass er ernsthaft krankgeworden, deshalb eingeschläfert und kompostiert worden war. Zum Glück tauchte Engol am übernächsten Tag wieder auf, antwortete auf Percks Frage, wo er denn gewesen sein, jedoch nur ausweichend. Natürlich war ihm klar, dass seine kurze Dienstreise runter zur Kuppelbasis strikter Geheimhaltung unterlag; das hatte ihm niemand besonders sagen müssen. Aber gut einer Woche nach seiner Rückkehr konnte er einfach nicht mehr für sich behalten, was er erlebt und gesehen hatte. Die Freunde hatten sich im Kampfraum verabredet, einem besonderen Freizeitangebot für Männer, denen der erlaubte Geschlechtsverkehr mit den Dienstdamen nicht ausreichte, ihr Testosteron im Griff zu behalten. » ganz lesen

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publiziert am 22.03.16 in Scheißewelt ¦ 417x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Charlene und ich (4)

Ab dem dritten Advent wurde das Wetter ungemütlich. Das sei hier um Weihnachten herum meistens so, sagte Herr Sosna, der Inhaber des Platzes, der in einem Steinhäuschen knapp außerhalb des Geländes wohnte. Charlene hatte sich Schnee gewünscht, deutsche Gemütlichkeit, Romantik und dergleichen. Statt dessen bekamen wir Dauerregen, milde Temperaturen und ab und an ein bisschen Sturm. Aber davon bekam sie nicht mehr viel mit. Über einen Bekannten von einem Bekannten von einem Freund von Herrn Sosna war ich an eine nie versiegende Quelle für Morphine gekommen. Alle vier Stunden spritzte ich Charlene eine Dosis, sodass sie einigermaßen schmerzfrei vor sich hin dämmern konnte. Wenn sie dann eingeschlafen war, drehte ich die Runden mit Dunja; meistens gleich in der Nähe vom Platz unten am Rhein. Manchmal fuhren wir in den Wald östlich der Stadt, das hatte mir Herr Sosna empfohlen. Der Hündin gefiel beides, wobei sie im Wald immer viel näher bei mir blieb, als müsste sie mich vor bösen Geistern beschützen. Mein Deutsch wurde immer besser, und ich unterhielt mich gern mit anderen Hundehaltern, fragte sie aus über die Stadt, über Land und Leute, über Deutschland und die Deutschen. » ganz lesen

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publiziert am 11.03.16 in Paare ¦ 349x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Der Mann mit dem Messer in der Brust

Bin mir nicht sicher, ob ich es geträumt habe oder erlebt. Neulich ging ich ziemlich unbetrunken von der Stammkneipe nachhause. Eine trübe Neumondnacht, ein wenig Nieselregen in der Luft. Der Abend war öde verlaufen. Keine interessanten Gespräche, und meine Lieblingskellner hatten alle frei. In der R-Straße drückte ich mich an den Hauswänden entlang, um nicht noch nasser zu werden. PLötzlich trat vier, fünf Meter vor mir eine Gestalt aus einem Hauseingang, blieb stehen und wandte sich mir zu. Großgewachsen, trug einen altmodischen Kleppermantel und hatte die Kapuze eines Hoodies über dem Kopf. Zwei Schritte kam er mir entgegen, und ein wenig Licht der Lampe, die über der Fahrbahn im Wind hin und her schwang, traf sein Gesicht. Scharfgeschnitten mit eingefallenen Wangen und sehr tiefliegenden Augen. Dann öffnete er den Mantel, hatte darunter ein weiße Hemd an. Und aus seiner Brust, rechte Seite auf Höhe des Herzens, schaute der Griff eines Fleischermessers hervor. » ganz lesen

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publiziert am 05.03.16 in Stadtgeschichten ¦ 430x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Wer war Bernd Loschen?

Bernd Loschen war ein Bursche wie ein Berg mit dem Gemüt eines gütigen Greises. Er zeigte nie Zorn oder Wut, aber auch sehr selten Freude oder Begeisterung. Die Nadel seines Emotionsmessgerätes schlug meist nur leicht um die Mittellage herum aus. Schon als Junge war er mit unvergleichlichen Körperkräften ausgestattet. Und weil es bei ihm dafür mit dem Lesen und Schreiben, dem Rechnen und auch dem Malen haperte, landete er in de Sicherheitsbranche. Den größten Teil seines Lebens arbeitete er als Türsteher. Nur einmal wirkte der Mann, den seine Kollegen Boddie nannten, als Personenschützer. Für diskrete Dienste war er einfach immer zu auffällig. Nachdem die Schlagersängerin Jule West massiv mit Morddrohungen überzogen worden war, wurde Loschen ihr Bodyguard. » ganz lesen

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publiziert am 24.02.16 in Stadtgeschichten ¦ 449x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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