Die Seite 16

Charlene und ich (3)

Der Hund kam früher als erwartet. Wir hatten einen sehr großen, unter europäischen Campern berühmten Platz am Balaton angesteuert, wo wir sofort einige Paare trafen, denen wir auf unserer Tour schon begegnet waren. Unter anderem die beiden älteren Herren aus Dänemark, die uns erklärt hatten, sie seien ein Ehepaar und könnte bald silberne Hochzeit feiern. Die hatten direkt nach der Pensionierung ihren Haushalt aufgelöst, das Häuschen bei Esbjerg verkauft und den Erlös in einen umgebauten Reisebus investiert. Mir kamen sie sehr dänisch vor, obwohl ich eigentlich keine Vorstellung davon hatte, wie Dänen im Allgemeinen sind. Rasmus und Ove, so hießen die zwei, waren im vierten Jahr unterwegs und richteten sich inzwischen nach den Jahreszeiten: Die Winter verbrachten sie im Süden der iberischen Halbinsel, im Hochsommer traf man sie meist hoch im Norden, im Frühling ging es immer nach Südfrankreich und Norditalien, und im Herbst waren dann entweder die britischen Inseln oder eben Österreich, Ungarn, Tschechien und andere östliche Länder dran. In Spanien hatten sie im ersten Jahr eine Streunerin aufgegriffen, eine Windhündin von der Rasse der Galgos. Das Tier war nicht weniger zurückhaltend und höflich als seine Herren, dazu aber ziemlich misstrauisch. » ganz lesen

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publiziert am 21.02.16 in Paare ¦ 459x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Scheißewelt – Die Kuppel (2)

Das Triumvirat sitzt auf der Terrasse. Außer Siggi P., der liegt starr auf seinem Bett. Die Pfleger halten sich im Hintergrund und genießen verstohlen den blauen Himmel. „Wir sind die Letzten“, sagt Karo. „Ja, ja“, antwortet Siggi P., und seine Lippen bewegen sich dabei nicht, weil sich seine Lippen wegen der Lähmung nicht mehr bewegen können. Mit dem rechten Ohrläppchen, über das er noch Kontrolle hat, steuert der den Sprachsynthesizer. „Das sagst du jedes Mal, wenn wir hier draußen sitzen“, merkt A.M.T. an. Nur hier auf Ebene XXXXVIII gibt es Öffnungen in der Kuppel. Aber das Volk weiß ja überhaupt nicht, dass es mehr als siebenundvierzig Ebenen gibt. Die Tasten im Zentralaufzug reichen nur bis zu dieser Zahl. Wer höher hinauf muss, muss umsteigen, aber zu diesem Zweck eine Geheimtür öffnen, die sich zwischen dem Segment XXXXVIIO3 und dem angrenzenden Segment befindet. Sie ist gesichert durch: ein Passwort mit einhundertzwölf Zeichen, einen Fingerabdrucksensor und einen Retinascanner. Und insgesamt können nur achtunddreißig Personen passieren. Also der Ältestenrat, seine Bodyguards und die Pflegerinnen und Pfleger. Die Ebenen oberhalb von XXXV liegen in der Regel oberhalb der Wolkendecke, wo der Himmel klar ist und man den Verlauf von Sonne, Mond und Sternen verfolgen kann. » ganz lesen

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publiziert am 13.02.16 in Scheißewelt ¦ 440x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Scheißewelt – Die Kuppel (1)

Man sagt, die Kuppel habe an ihrer Basis einen Durchmesser von ungefähr sechs Kilometern. Genau weiß das niemand, weil keiner der Planer und Erbauer noch lebt. Außerdem handelt es sich nicht um eine Halbkugel, sondern um einen sphärischen Körper mit dem Querschnitt eines eleganten Ellipsoids. An diesem Tag hat der Himmel die Farbe von Durchfall, ein helles Ocker mit kleinen, dunklen Einsprengseln. So sieht es draußen meistens aus. Aber das wissen nur wenigen drinnen. Denn die Kuppel ist vorwiegend undurchsichtig und nun mit schmalen Sichtschlitzen versehen, auf jeder Ebene sind es maximal sieben davon. Will man den offiziellen Markierungen glauben, dann gibt es 47 Ebenen. Die unteren elf sind den Systemen und Lagern vorbehalten. Dort erzeugen komplexe Maschinerien die Atemluft und das Trinkwasser sowie den elektrischen Strom. Weitere dreizehn Ebenen dienen der Ernährung. Dort werden Getreide und Gemüse angebaut, dort gibt es einen großen Bereich für das Milchvieh und die Hühner. Die Ernährung der Bewohner ist vegetarisch, Fleisch wird nicht verzehrt. Tiere, die für die Milchproduktion oder das Eierlegen nicht mehr taugen, werden als Biomasse in die Wiederaufberteitung gegeben. Natürlich ist die Kuppel vollkommen autark und gegenüber der Außenwelt hermetisch verschlossen. » ganz lesen

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publiziert am 07.02.16 in Scheißewelt ¦ 446x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Charlene und ich (2)

Und so verbrachten wir sechs Wochen im Camp, Marshawn, die Mechaniker Ed, Dave und Sid und ich. Mein Lehrmeister hatte alles Lebensnotwendige in die Einöde schaffen lassen, sodass wir uns ganz auf den Trick konzentrieren konnten. Tatsächlich sah die Maschine nur aus wie eine schwere Indian, denn unter dem hauchdünnen Kunststoff versteckte sich eine leichte, extrem starke Geländemaschine. Deshalb saß der Sprung schon ab Woche vier sicher, und in den letzten Tagen erreichte ich Flüge von über 120 Yards. In Savannah stieß ich wieder zum Tross. Charlene und ich konnten stundenlang nicht voneinander lassen, so sehr hatten wir uns gegenseitig vermisst. Bill hatte die Presse zur Vorstellung meiner Nummer nach Atlantic City einbestellt, und alle waren gekommen: die üblichen Journalisten der Entertainment-Industrie, die Sensationsjäger und die vielen TV-Teams, die Berichte über solche Dinge in die vielen Kanäle in ganz Nordamerika, Asien und Europa einspeisten. Ich war berühmt und bekam allerlei Angebote. Aber natürlich fühlte ich mich Bill verpflichtet und sprach jedes kleine Engagement mit ihm ab. Auch die Rolle in einem Film über die gute alte Zeit der Sensationshows, der im folgenden Sommer in Florida gedreht werden sollte. » ganz lesen

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publiziert am 04.02.16 in Paare ¦ 453x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Das Tier in mir

Am Anfang war das Tier ziemlich klein. Es saß weit oben unterm Solarplexus und verhielt sich meistens still. Und wenn es dann einmal zubiß, dann kitzelte es mehr als dass es schmerzte. Etwa so als wenn ein Welpe zubeißt mit seinen kleinen, spitzen Milchzähnen. Du hast nicht gemerkt, dass es wächst und wie schnell es wächst. Erst als der Schmerz zum ersten Mal deine Baumuskeln krampfen ließ und dir die Luft nahm. Das Tier saß nun tiefer un umklammerte den oberen Teil deines Magens. Du wusstest, dass es da ist, du wusstest, dass es dich beißen würde. Du wusstest nur nie, zu welchem Zeitpunkt und aus welchem Grund. Mal erschien es dir, als ob es auf bestimmte Speisen reagierte. Und du beganns, bestimmte Lebensmittel zu meiden. Dann warst du dir sicher, dass es Wein und Schnaps seien, die das Tier weckten. Auch als dir wohlmeinende Freunde empfahlen, deine Ernährung ganz umzustellen, und du deren Rat folgtest, konntest du es nur eine Weile besänftigen. Nach Monaten stellte es seinen Rhythmus um und wurde nachtaktiv wie ein Hamster. Es machte sich einen Spaß darauf, dich grundlos zu wecken und dann seine Zähne und Krallen in deinen Magen zu schlagen. Die Diagnose war dann keine Überraschung. » ganz lesen

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publiziert am 28.01.16 in Stadtgeschichten ¦ 436x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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