Die Seite 17

Wietten und die Tilde (5)

Natürlich ahnte Wietten nicht, dass er im Haus am See zum letzten Mal mit ihr geschlafen hatte als sie Pie-Peter verließen und mit dem Geländewagen wieder hinab in die Hochebene tauchten, die unter einem schönen Nebel lag. Die wenigen Stunden beim Einsiedler hatten sie verändert, hatten etwas Bedrohliches in ihr ausgelöst, das er nicht fassen konnte. Vielleicht aber hatte das schon in Paris begonnen. Denn ab dem vierten Tag wurde ihre Laune immer schlechter. Sie interessierte sich nicht für den Louvre, sie interessierte sich nicht für das Jeu de Paume, sie wollte sich keine Gemälde ansehen, kein Museum betreten. Sie wollte nur umher streifen und möglichst viel mit der Metro fahren. Am Mittwoch ging er also allein den Boul’Mich entlang, über den Pont St. Michel und die Insel bis zum Louvre. Es trieb ihn zu einem Bild, das in seinem Leben schon mehrfach eine Rolle gespielt hatte, dem Floß der Medusa von Gericault. Als der das Hotel verließ, schlief sie noch. Später besuchte er auch noch das Rodin-Museum, nahm das Mittagessen in einem Bistro, das all die Jahre überlebt und in dem er schon vor über vierzig Jahren gegessen hatte. Was sie tagsüber unternahm, wusste er erneut nicht. » ganz lesen

Download PDF

publiziert am 18.11.16 in Paare ¦ 422x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Wietten und die Tilde (4)

Er erinnerte sich an das Zimmer in der Villa, in dem sie zum ersten Mal zusammenkamen. Da stand eine mächtige Stereoanlage mit gewaltigen Boxen und einem Highend-Plattenspieler. Eine Wand war ganz bedeckt mit Regalen, in denen Hunderte Schallplatten lagerten. Überall Modelle von Autos. An den Wänden gerahmte Schwarzweißfotos schöner Frauen. Dazu ein Tisch gefüllt mir Whisky-Flaschen verschiedener Sorten. Ganz eindeutig ein Männerzimmer. Im wurde klar, dass sie dort nicht wohnte, sondern das Appartement nur nutzte. Vielleicht als temporäre Unterkunft gemietet. Und dann ihr eigenartiger Rucksack, das einzige Gepäckstück, das sie besaß. Jetzt im Zug hatte sie das Ding auf einem Sitz abgestellt. Groß wie ein Koffer, wie die Ausrüstung eines Backpackers, und prall gefüllt. Das untere Drittel war vom Rest abgetrennt und mit einem eigenen Reißverschluss versehen. Vielleicht war sie eine moderne Nomadin, vielleicht hatte sie gar keinen festen Wohnsitz. Ihm war aufgefallen, dass sie offensichtlich nur einen begrenzten Bestand an Kleidung besaß, den sie aber geschickt zu kombinieren wusste. » ganz lesen

Download PDF

publiziert am 14.11.16 in Paare ¦ 404x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Wietten und die Tilde (3)

Sie erzählte die Geschichte mit langen Pausen und stockte an Stellen, die Wietten gar nicht heikel erschienen. Er konnte an ihrem Gesicht ablesen, dass es sie schmerzte, diesen Bericht abzugeben, dass sie lieber nicht darüber gesprochen hätte. Und nahm das als Vertrauensbeweis. Gleichzeitig erschien ihm diese Nacht im Hotel in F. das erste Mal, dass sie sich ebenbürtig waren. Vielleicht gespeist aus einer gewissen Unsicherheit, die er aufgrund des enormen Altersunterschied spürte. Immerhin war er sogar älter als ihr Großvater. Wobei sie miteinander nie über das Alter sprachen. Also weder darüber, dass sie erst siebenundzwanzig war, noch über seine mehr als siebzig Jahre. Die Situation war in jeder Hinsicht ungewohnt für ihn, weil er sein ganzes Leben lang meistens der Jüngste oder einer der Jüngsten in seinem jeweiligen Umfeld war. Zum Beispiel beim Gewinn der Goldmedaille bei den olympischen Spielen in Rom 1960 im Achter. Gerade einmal achtzehn war er an jenem 3. September auf dem Albaner See. » ganz lesen

Download PDF

publiziert am 12.11.16 in Paare ¦ 406x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Wietten und die Tilde (2)

Sie schwebten in ihrem Bett über den glitzernden Lichtern der Stadt. Sie war einfach mitgekommen als Wietten nach F. reiste, wo er zwei Wochen lang an einem Problem bei der C.-Bank zu arbeiten hatte. Also hatte er die Suite im 22. Stockwerk gemietet, die mit den deckenhohen Fenstern und dem freien Blick nach Südwesten bis hinüber zum Flughafen, wo jetzt die Maschinen davonflogen wie Leuchtkäfer im Juni. Er hatte keine Ahnung, was sie tagsüber unternahm. Wenn er gegen sechs aus dem C.-Tower zurückkam, saß sie immer entspannt auf dem Sofa der Suite und tat als schaue sie Fernsehen. Dann vögelten sie ein bisschen, gingen essen oder ließen sich etwas bringen, lagen den ganzen Abend im Bett und unterhielten sich. Wobei es Wietten war, der die Unterhaltung führte, denn sie redete wenig. Nicht nur an diesem Ort zu dieser Zeit. Am Wochenende verließen sie das Hotel gar nicht. Wechselten nur von der Suite ins Spa, ins Restaurant oder in die Bar. » ganz lesen

Download PDF

publiziert am 11.11.16 in Paare ¦ 426x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Wietten und die Tilde (1)

Sie lag auf der Liege und er daneben im warmen Sand. Hob den Kopf, drehte sich seitwärts und stützte sich mit dem Ellenbogen ab. Ihr Körper wie die Landschaft. Sanfte Hügel mit einem delikaten Gebüsch in dem einen Tal. Vielleicht, dachte Wietten, lieben die Menschen ja deshalb solche Landschaften, weil sie an den nackten Leib einer schönen Frau erinnern. Später standen sie nebeneinander auf dem Steg in der Abendsonne. Sie lehnte sich an ihn, den Kopf schräg an seine Schulter. Er hatte seinen linken Arm um ihre Hüfte geschlungen. Zuvor waren sie ruhige Bahnen geschwommen und miteinander zu reden. Sie ließen die Liege am winzigen Sandstrand stehen. Dann fuhren sie los. » ganz lesen

Download PDF

publiziert am 24.10.16 in Paare ¦ 496x gelesen ¦ noch kein Kommentar

blättern: « 1 ... 14 15 16 17 18 19 20 ... 95 »