Die Seite 29

Unser Tölenalltag

clooneyZugegeben, so ganz richtig oft findet der beispielhafte, hier geschilderte Alltag nicht statt. Dafür ist der Job eines Freiberuflers zu unstet. Selbst wenn er wie ich vorwiegend von Zuhause aus arbeitet. Zwar ist Clooney ziemlich gut als Bürohund, aber eben noch nicht in fremden Büro oder den anderen Orten, an denen ich meine Kunden treffe. In der Verwaltung, in der Claire arbeitet, ist er dagegen nicht nur ein braver Köter, sondern auch der Schwarm der Kolleginnen. Deshalb geht er in der Regel einmal in der Woche – so sagen wir – „arbeiten“. Dann fährt morgens mit Claire und hat sein Hauptqurtier in ihrem Büro, wo er dann seinen Fans Audienzen gibt. Nicht ohne vorher in der ersten Etage die obligatorischen Leckereien abzugrasen. Trotz allem schält sich jetzt, wo die wesentlichen Standardkommandos sitzen und die welpische Hektik nachlässt, eine Art Tölenalltag heraus. » ganz lesen

publiziert am 30.03.14 in Windhund namens Clooney ¦ 962x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Komma acht, Komma eins (3)

zx81Im Dezember 1980 wurde mein Sohn geboren. Rosenmontag 1981 starb meine Mutter. Wir übernahmen ihre Wohnung in Pempelfort, das Vierte, in dem ich mich von meinem zehnten bis zu meinem dreiundzwanzigsten Lebensjahr rumgetrieben hatte. Da die Mutter meines Sohnes schnell wieder eine gut dotierte Stelle gefunden hatte, wurde ich zum hauptberuflichen Vater und Hausmann. Geld war trotzdem knapp, also nahm ich eine Nachtarbeit an. Es war nicht ganz einfach, die Stelle zu bekommen, denn die Landeszentralbank (LZB) verlangte nicht nur ein polizeiliches Führungszeugnis, sondern die Beleumundung durch mindestens zwei Bürgen. Außerdem gestaltete sich der Weg zum Vorstellungsgespräch im Gebäude an der Berliner Allee schwierig – noch immer herrschte die Paranoia gegenüber „den Terroristen“, und gerade Finanzinstitute schienen besonders bedroht. Im Foyer wurde ich fast eine halbe Stunde festgehalten, dann mit einem Sicherheitstyp im Aufzug nach oben eskortiert. Dort war eine weitere Anmeldung, wo ich noch einen Zettel ausfüllen und unterschreiben musste. » ganz lesen

publiziert am 27.03.14 in Stadtgeschichten ¦ 1082x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Schwimmende Windhunde

clooney_schwimmtUnter Windhundfreunden kursiert gelegentlich die Aussage, die meisten Windhunde könnten nicht schwimmen. Nun geht unser Sloughi-Kerl ziemlich gern ins Wasser – besonders in den Rhein. Da war uns klar, dass es gut wäre, genau zu wissen, ob Clooney schwimmen kann. Aber: Was heißt das überhaupt „kann nicht schwimmen“? Es geht um die Frage, wie der Hund reagiert, wenn er im Wasser den Boden unter den Pfoten verliert. Ein befreundeter Hundehalter gab uns den Tipp, einfach mal mit Clooney zum Gangwerk zu gehen, da könnten wir mit Hilfe einer Physiotherapeutin herausfinden, wie sich die Töle im Nassen verhält. » ganz lesen

publiziert am 23.03.14 in Windhund namens Clooney ¦ 1410x gelesen ¦ 2 x kommentiert

Haut und Knochen – Teil 10

Die Anordnung seines Vorgesetzten brachte Greiper einigermaßen aus der Fassung. In seinen jungen Jahren hatte Robert als jähzornig gegolten. Wurde er wütend, schlug er zu, unkontrolliert, sinnlos, anhaltend. Einmal hatte ihn ein Klassenkamerad während des Unterrichts bis aufs Blut gereizt, und er war zu dem hingelaufen, hatte dessen Kopf an den Ohren gehalten und so lange auf die Tischplatte gehauen bis man ihn wegriss. Heute, dachte er immer, wenn ihm diese Geschichte einfiel, würde man meine Eltern mit Schuldgefühlen vollstopfen, mich in Therapien stecken und letztlich medikamentös ruhigstellen. Nein, er war nicht auf den Kriminaloberrat Schmörgel wütend, sondern auf die Tatsache, dass die Verhältnisse im Präsidium sich über die Jahre schleichend zum Schlechten verändert hatten. Als er in den Kriminaldienst eingetreten war, hatte es noch feste Strukturen gegeben. Erfahrene Kollegen leiteten Kommissariate, die hierarchisch sortiert waren, sodass jeder Jungbeamte wusste, dass er anfangs die Drecksarbeit zu machen hatte, sich aber auch ausrechnen konnte, wann er in den ruhigeren Bereich des Berufs kommen würde. » ganz lesen

publiziert am 21.03.14 in Einzelteile ¦ 643x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Komma acht, Komma, eins (2)

8008Meine ersten Texte, für dich bezahlt wurde, entstanden auf einer tonnenschweren, mechanischen Schreibmaschine der Firma Rheinmetall. Ja, die Rüstungsschmiede baute über viele Jahre Schreibmaschinen des US-Herstellers Remington nach. Mein fiel mir aus irgendeinem aufgelösten Haushalt zu und steckte in einem hölzernen Kasten mit Kunstlederbezug in Kroko-Optik. Die gusseiserne Maschine war auf einem massiven Holzbrett montiert, den innen mit Filz kasschierten Kasten stölpte man nach Gebrauch drüber, wobei vier Haken einrasteten. Das Ganze ließ sich dann an einem brüchigen Lederhandgriff schleppen. Das Ding war solide und vollfunktionsfähig; lediglich ein Typenhebel – es war, glaube ich, das „Ü“ – war so beschädigt, dass der zugehörige Buchstabe immer etwas oberhalb der Zeile landete. Natürlich gab es keine Korrekturtaste. Für den Fall der Fälle stand eben ein Fläschchen Tipp-Ex auf dem Schreibtisch. Im selben Maße, in dem mich Fotokopierer faszinierten, begeisterte ich mich auch für Schreibmaschinen. Beide Geräte, das war mir klar, wiesen den Weg in die Zukunft des Publizierens. Und meine Vorstellung war die utopische, herrschaftsfreie Form der Veröffentlichung unzensierter Texte. Jeder, der Zugang zu Schreibmaschine und Kopierer (oder Offset-Maschine) hätte, so dachte ich, sollte seine Texte publizieren können, ohne auf Verlage angewiesen zu sein. » ganz lesen

publiziert am 17.03.14 in Stadtgeschichten ¦ 705x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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