Die Seite 3

Erstes Geständnis

Greiper war ratlos. Zwei Fälle, fünf Tote, keine deutliche Spur. Zum ersten Mal seit Jahren hatte er nicht nur keine Spur, sondern keinen Schimmer, welche Zusammenhänge zu den Brandanschlägen geführt hatten. Was ihn völlig entmutigte war die Tatsache, dass dies alles in seinem Viertel geschehen konnte, in dem Quartier, in dem er bisher immer geglaubt hatte sich auszukennen. Aber wenn er ehrlich zu sich war, dann musste er zugeben, dass er eigentlich nur Stefano vom Eiscafé auf dem Platz wirklich gut kannte, vielleicht auch noch Branko. Da war er nun gut zweieinhalb Jahre beinahe jeden Tag an der Bombar vorbeigekommen, hatte den Duft der Shishas gerochen, der noch am Morgen durch die Straße zog, hatte sich über die Gäste geärgert, die mit ihren protzigen Kisten protzige Manöver rund um den Platz fuhren, aber nicht einmal gewusst, wer den Laden bewirtschaftete. Auch dass Ümit und Filim sich ein Lager teilte, hatte er erst jetzt herausgefunden. So saß er nun mal wieder auf einer Bank am Spielplatz in der brennenden Mittagssonne und dachte nach.
Hinter ihm bremste ein Streifenwagen scharf ab, zwei Beamte stiegen aus und kamen rüber. “Hauptkommissar Greiper?” fragte der eine. Der nickte. “Bitte kommen Sie sofort mit”, sagte der andere. “Wer hat das angeordnet?” – “Kriminaloberrat Schmörgel will Sie sprechen, und zwar sofort.” Greiper stand auf, ging mit und nahm im Fond des Autos Platz: “Aber bitte ohne Blaulicht und Sirene, Kollegen…” » ganz lesen

publiziert am 01.11.11 in Exil am Platz ¦ 153x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Stammbaum


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publiziert am 24.10.11 in Familie Greiper ¦ 118x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Migrantensöhne

Die Bande diskutierte aufgeregt als Greiper eintraf. Den Mörder Mohammads wollten sie finden und den Freund rächen. Rund um den Platz blitzte Blaulicht, überall liefen uniformierte Polizisten und Kriminalbeamte herum und versuchten, im Chaos der vier Fälle Spuren zu sichern. Der Hauptkommissar griff sich den Einsatzleiter und ließ den einen Gefangenentransporter anfordern. Die Jungs vor sich selbst zu schützen schien im momentan die wichtigste Maßnahme. Und so landeten Ocho, Dom und die anderen im Polizeigewahrsam. Natürlich hatten sie ihn wieder beschimpft, und Robert Greiper musste an eine lange Diskussion mit Elle denken, die vor ein paar Monaten an Deck ohres Hausbootes im Hafen stattgefunden hatte. Da hat er sich schon einmal sehr über die Migrantensöhne aufgeregt. “Weißt du”, hatte er zu seiner Liebsten gesagt, “manchmal hasse ich diese Testosteronopfer südosteuropäischer oder arabischer Herkunft. Die schwafeln immer von Ehre und Respekt, aber nur wenn’s ihnen in ihren verqueren Kram passt.” » ganz lesen

publiziert am 21.10.11 in Exil am Platz ¦ 94x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Blutnacht

Das örtliche Boulevardblättchen, das Robert so sehr verabscheute, würde am Montag die Überschrift “Blutnacht am Platz” wählen. Und tatsächlich waren in dieser Nacht voller Hitze, in der die Steine glühten und die Bäume vor lauter Trockenheit die Blätter abwarfen, die Dinge eskaliert. Denn die zerschlagenen Scheiben am Laden von William Williams waren nicht das einzige gewalttätige Ereignis. Als Ümit gegen sieben das Büdchen öffnen wollte, entdeckte er im gemeinsamen Eingang zum Schlüsseldienst frische Blutspuren. Er fand die Tür unverschlossen, trat ein und wäre beinahe auf Filim getreten, der in einer dunklen Lache am Boden lag. Der Notarzt zählte bei der Erstversorgung mehr als dreißig Messerstiche in den Bauch und den Hals. Man legte ihn ins künstliche Koma und verpasste ihm etliche Transfusionen. Er würde es überleben, sagte der verantwortliche Doktor. Als die Jungs einer nach dem anderen erwachten und sich erhoben, stand die Sonne schon hoch. Freddy schlug sich in die Büsche zum Wasserlassen. Dort lag der Örtzel und stöhnte. Sein Gesicht war eine blutige Masse. Dann stellten sie fest, dass Mohammad fehlte. Ihn würde die Polizei nach Stunden tot im Hinterhof von Brankos Kneipe finden; jemand hatte ihm die Kehle durchgeschnitten. » ganz lesen

publiziert am 08.10.11 in Exil am Platz ¦ 143x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Personen

Robert Greiper (60): Nachkomme niederländischer Einwanderer, Hauptkommissar und letztes verbliebenes Mitglied der eigentlich aufgelösten Mordkommission, lebt im Viertel und lebt in einer komplizierten Beziehung zu…
Dr. Elke-Maria Hülchenrath (47) – genannt Elle: Sproß einer seit Generationen in der Stadt lebenden Gastronomendynastie, Ökotrophologin, Autorin eines erfolgreichen Buchs zum Abnehmen, bewohnt das Hausboot, auf das Robert nicht ziehen wollte.
Dr. Reinhard Schmörgel (42): Kriminaloberrat und nominell Robert Greipers Vorgesetzter, schließt einen Deal mit seinem Hauptkommissar ab, der diesen unter Druck setzt.
Hubertus Houben (33) – genannt HH: Kriminalassistent, der Hauptkommissar Greiper zuarbeitet und zur Hysterie neigt. » ganz lesen

publiziert am 03.10.11 in Exil am Platz ¦ 155x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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