Die Seite 3

Feuerfest (1): Detonationen

Natürlich hatte Greiper die Explosionen gehört. Hatte er doch in dieser schwülen Sommernacht die Terrassentür offen gelassen, ja, sogar erwogen, unter freiem Himmel zu übernachten. Gegen halb drei war er zum zweiten Mal auf der Toilette, gegen Viertel nach vier weckten zwei Donnerschläge, die mit kurzem Abstand voneinander das Haus erzittern ließen. Er schaltete sofort den Empfänger ein, der er ohne Genehmigung hatte mitgehen lassen, um immer über die Einsätze der Kollegen informiert zu sein und hörte noch den Rest der Durchsage: „…in einer Gaststätte am Regentenplatz zwei Detonationen…“. Es dämmerte leicht, und die Nacht war erfüllt von den Sirenen der Einsatzkräfte von Feuerwehr und Bereitschaftspolizei als sich angezogen hatte und auf dem Weg zum Ort des Geschehens war. » ganz lesen

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publiziert am 22.05.17 in Feuerfest ¦ 67x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Das Dach (4)

Ja, ich war in Tom verliebt. Obwohl ich zu jener Zeit gar nicht genau wusste, was das heißt, verliebt sein. Was wussten wir schon von Liebe? Du kannst erst jemanden lieben, sagte Tom Jahre später, wenn du selbst geliebt worden bist. Mich zog es einfach nur hin zu ihm. Ich wollte ihm nahe sein, ihn sehen, hören, riechen und fühlen. Wir lagen nebeneinander in der prallen Sonne wie Makrelen zum Trocknen. Ich richtete mich halb auf und betrachtete Tom. Weich und weiß war sein Körper. Wie ein Marshmallow, denn ich konnte es mir nicht anders vorstellen, als dass sein Fleisch süß schmecken müsste. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass er damals ziemlich fett war. Damals fand ich seine Rundungen einfach nur schön. Und zwischen seinen Beinen ruhte eine weiße Made in einem rötlichen Nest. Ich konnte nicht anders, ich musste diesen Wurm anfassen. » ganz lesen

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publiziert am 27.03.17 in Vera, Tom & ich ¦ 168x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Das Dach (3)

Eines Abends in unserem ersten Sommer standen wir an der Dachkante. Es hatte den ganzen Tag über sanft geregnet, ein warmer Regen, der die Luft gewaschen hatte. Und stand der Dunst über den Pfützen, oben war es glasklar. Es war einer der einfachsten Momente auf dem Haus unter dem Himmel. Ganz nah standen wir an der Brüstung und beugten uns ab und an hinüber, um in den Abgrund zu blicken. Da begann ich ganz unwillkürlich, eines meiner Lieder zu singen. Das hatte ich noch nie vor anderen Menschen getan. Ich summte mehr als dass ich sang, und Vera und Tom reagierten angemessen, indem sie mich einfach in Ruhe singen ließen. Ich wurde lauter und fand Worte bis der Song zu Ende war. Spielst du ein Instrument? fragte Vera. Ja, Sampler und Sequencer, antwortete ich. Vera sah Tom fragend an. » ganz lesen

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publiziert am 24.03.17 in Vera, Tom & ich ¦ 191x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Das Dach (2)

Wir sind uns zum ersten Mal auf dem Dach des leerstehenden Wohnblocks am südlichen Stadtrand begegnet. Der wurde rund um die Uhr bewacht, aber ich kannte einen Zugang, der nicht zu kontrollieren war. In diesem Frühling war ich sehr einsam. Radelte zwei-, dreimal die Woche allein aus der Stadt zu meinem Haus – so nannte ich es. Stieg die acht Stockwerke hinauf und dann auf das Flachdach. Man konnte bis hinüber zu den Fabriken am Fluss sehen. Nachts leuchtete die Chemiefabrik wie ein Weihnachtsmarkt. Manchmal setzte ich mich auf die Brüstung und ließ die Beine über dem Abgrund baumeln. Sang meine eigenen Lieder. Ganz leise. Wenn ich dem Stiefvater Schnaps gestohlen hatte, trank ich die Flasche in Ruhe aus. Dann meist im Stehen, den Rücken an die Wand des Ausstiegs gelehnt. Dieses Mal wollte ich dort übernachten und hatte mir den Schlafsack meines Halbbruders ausgeliehen, ohne dass der davon wusste. Wieder stand ich da und schaute weit hinaus nach Westen, wo die Sonne noch ein bisschen Rot malte. » ganz lesen

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publiziert am 23.03.17 in Vera, Tom & ich ¦ 181x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Das Dach (1)

Wenn ich fliegen könnte, würde ich mich von der Brüstung des Dachgeschosses abstoßen, würde aufsteigen in den klaren Nachthimmel, mich am Großen Bären orientieren, den Vollmond im Rücken, um dann steil abwärts zu segeln, hinein in die Häuserschluchten und dann im Tiefflug über das sanfte Wasser des großen Stroms. Da fände ich dann die kleine Sandbucht, die keiner kennt und die man nur vom Wasser aus erreicht. Dort würde ich mich einrichten. Vielleicht stoße ich mich aber gleich von der Kante ab, obwohl ich nicht fliegen kann. Würde dann 22 Meter hinab stürzen und auf dem Vorstandsparkplatz, der um diese Zeit verlassen liegt, aufschlagen. Es könnte die beste Lösung für alle Beteiligten sein, wenn ich mit geplatztem Schädel, zerquetschten Organen und mausetot auf dem Beton enden würde. Denn eine Aussage kann und werde ich nicht machen. Auf keinen Fall. » ganz lesen

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publiziert am 13.03.17 in Vera, Tom & ich ¦ 244x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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