Die Seite 3

Nichts davon (3)

Und, Karl, was machen wir jetzt? Er hat ein besonderes Bett für sie angeschafft mit elektrischer Verstellung und es im Wintergarten aufstellen lassen. Die Türen sind geöffnet, und der warme Junihauch zieht hinein, wo er bei ihr sitzt und ihre Hand hält. Die Verletzung ist deutlich schlimmer als gehofft. Zwei Wirbel sind betroffen. Bea hat Lähmungserscheinungen und starke Schmerzen am Rückgrat. Schlafen kann sie nur auf der rechten Seite, also so wie sie noch nie in ihrem Leben im Bett gelegen hat. Die Prognosen sind nicht klar. Wissen Sie, Frau Dardai, in vielen ähnlich gelagerten Fällen erheilt alles, hatte Professor Langner gesagt, dann werden Sie wieder ganz die Alte. Aber manchmal… Sie hatte abgewunken: Will ich gar nicht wissen. Sag mir, Karl, wie soll’s weitergehen? Ihr Mann hat sich ein Zigarillo angezündet, etwas, was er früher nie in ihrer Nähe getan hat. Aber sie hat es ihm erlaubt, damit er bei ihr sein kann, auch während er raucht. » ganz lesen

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publiziert am 11.07.17 in Paare ¦ 121x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die geheime Stadt

Hinterm Dorf stieg die Wiese zum Wald zunächst sanft an hinter der Senke, durch der Fasanbach floß, dann steiler bis zu den erste Tannen. In dem Sommer, in dem Alfons neun Jahre alt wurde, waren er und seine Freunde jeden Nachmittag nach der Schule und in den Ferien jeden Tag mehrmals mit den Räder aufwärts gefahren und hatten einen Steg angelegt, um einfacher über das Gewässer zu gelangen, das in der warmen Jahreszeit nicht mehr war als ein Rinnsal, im Frühjahr aber durch das Schmelzwasser zu einem rauschenden Bach anschwoll. Auf den Gepäckträgern und ihren Rucksäcken transportierten die Jungen Baumaterial und Werkzeug, weil sie weit oben im Gehölz etwas errichten wollten. » ganz lesen

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publiziert am 09.07.17 in Paare ¦ 121x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Traumtänzer

Er rutschte in einen schwachen Schlaf. Weite Regionen seines Hirns blieben aktiv. Er erzählte sich stumme Geschichten, memorierte Kochrezepte und stellte passende Einkaufslisten auf. In einem weiteren Teil seines Bewusstsein aber rang er darum, endlich richtig einschlafen zu können. Dabei wurde ihm schleichend klar, dass er in diesem Halbwachzustand mindestens zwei Persönlichkeiten hatte; eine hyperaktive und eine träge. Er verfiel darauf, Schafe zu zahlen, rückwärts ab zehntausend. Aber während er Nummer achttausendneunhundertachtundsiebzig erreichte, lachte ihn das wachte Hirn einfach aus. Malena atmete gleichmäßig neben ihm. Das musste nicht bedeuten, dass sie im Gegensatz zu ihm in Tiefschlaf gefallen war. Ohne dass sie es je zugegeben hatte, wusste Tadé, dass sie nicht selten markierte, schlafend und nicht mehr ansprechbar zu sein. Tat er ja auch, um zu verhindern, dass sie das Bett verließ, um auf der Couch zu übernachten. » ganz lesen

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publiziert am 07.07.17 in Paare ¦ 106x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Nichts davon (2)

Haben Sie überhaupt noch gesungen damals? Bea schüttelte den Kopf: Ich habe die Musik einfach beerdigt. So wie Gerd. Und weil ich keinen Beruf gelernt habe, fand ich nur einen Job als Kassiererin im Supermarkt. Meine Eltern waren inzwischen tot, meine große Schwester nach Neuseeland ausgewandert, zu alten Freunden hatte ich keinen Kontakt, und neue Freunde gab es nicht. Ich lebte allein in einer Anderthalbzimmerwohnung. Ohne Mann, ohne Kind, ohne Hund oder Katze. Mein Chef und die Kolleginnen wussten, dass ich mal ein erfolgreiche Schlagersängerin war, machten aber zum Glück kein Aufhebens davon. Es ging mir nicht schlecht, aber auch nicht gut. Wie Regine mich ausfindig machen konnte, weiß ich bis heute nicht. Man hatte sie beauftragt, mich zu finden, weil ich immer noch Inhaberin aller Rechte an der Aufnahme meines Songs war. Das war irgendwann im Sommer 1984. Da gab es diese Popmusiker aus England, die waren durch Zufall auf ein erstes Album gestoßen und wollten einen Remix von „Nichts davon“ aufnehmen und dazu die von mir eingespielte Gesangsspur verwenden. Da musste ich sie enttäuschen, Peter K. war auch schon tot, sein Studio danach pleite gegangen, die ursprünglichen Bänder verschollen. Das teilte ich Regine mit, die es weitergab. Aber nach kaum einer Woche rief sie an und sagte: Die Jungs fragen, ob du nicht Lust hast, das Lied noch einmal aufzunehmen, zusammen mit ihnen. Den Rest dürften Sie kennen. » ganz lesen

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publiziert am 05.07.17 in Paare ¦ 115x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Nichts davon (1)

Sie lässt sich nach dem Auftritt einen kleinen Whisky in die Garderobe bringen. Obwohl sie Whisky nicht mag. Aber sie findet, es macht sich gut in Interviews und Talkshows zu erzählen, sie lasse sich nach jedem Auftritt einen kleinen Whisky in die Garderobe bringen, obwohl sie keinen Whisky mag. Bea Dardai weiß, dass es nur die Anekdoten sind, die ihr Bild in der Öffentlichkeit prägen. Das findet auch Karl, der ihr den Whisky bringt. Den er trinkt. Dann hilft er ihr mit der Perücke und beim Umziehen und schaut ihr beim Abschminken zu. Er liebt es, diese Verwandlung zu sehen. Auch, weil er die Frau, die dabei zum Vorschein kommt, mehr liebt als die große Bea Dardai auf der Bühne, wenn sie im paillettenbesetzten Abendkleid im Lichtkegel am Mikrofon steht, ihre Chansons singt und dem Publikum zwischendurch kleine Geschichten erzählt, die er natürlich alle schon kennt. Wenn sie privat ist, kommt er sich nicht mehr vor wie der alternde Mann, der eine strahlende, jüngere Frau begleitet. Dann sind sie auf Augenhöhe. » ganz lesen

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publiziert am 05.07.17 in Paare ¦ 112x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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