Die Seite 3

Vielleicht ein Hund

Manchmal steht Ester nachts auf, tritt hinaus auf die Veranda und weint ein bisschen. Eckart bekommt davon nichts mit; der liegt da wie ein Baumstamm am Fluss und schläft. Wenn der Mond scheint oder wenn bereits der Morgen dämmert, holt sie sich bisweilen ein kleine Glas Wein aus der Küche und raucht eine Zigarette, während sie in den Garten schaut. Eigentlich könnte sie sehr glücklich sein im Holzhaus am See, das ihr Geliebter für die nach ihren Vorstellungen erbaut hat. So wie er in all den Jahren schon so viel für sie getan hat. Doch nichts davon konnte ihre Trauer ganz besänftigen. Vielleicht, denkt sie manchmal, fehlt mir ein Hund. Katzen gibt es genug auf dem Grundstück. Verwilderte Tiere ohne Moral, die sich nur an sie heranmachen, weil sie hoffen, Fressen zu ergattern. Und der alte Esel, den Eckart einem Wanderzirkus abgekauft hat, hasst sie, versucht sie zu beißen und zu treten. » ganz lesen

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publiziert am 14.08.17 in Paare ¦ 226x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Zimmer ohne Türen

„Weißt du was eine Tapetentür ist?“ Sie hat sich im Bett aufgesetzt, das Kissen zurechtgeboxt und es hinter den Rücken gesteckt. „Stell dir einen Raum vor mit einer gemusterten Tapete. Sitzt du drin, kannst du keine Tür erkennen.“ Rouven knurrt. Wie er immer knurrt, wenn Susanne etwas erzählt, wenn er beinahe schläft. Wie sie immer etwas erzählt nach dem Beischlaf, wenn er kurz vor dem Einschlafen ist. Sie hat das aufgeschlagene Buch auf dem Schoß und nimmt die Brille ab. „Ich stell mir das schrecklich vor.“ Er dreht sich um und schaut aus dem Kissen zu ihr auf: „Steht das in deinem Buch?“ Susanne schüttelt den Kopf. „Wie kommst du denn jetzt auf sowas?“ » ganz lesen

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publiziert am 09.08.17 in Paare ¦ 126x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Gleise

„Steh endlich auf!“ Neven liegt im Schotterbett auf dem Bauch, ein Ohr an der Schiene. „Hier fährt seit Jahren kein Zug mehr,“ sagt Eva. Im verwaisten Hafen bläst eine Sirene zur Mittagspause. Keine Arbeiter, die ihr folgen könnten. „Sie kommen, sie kommen,“ murmelt Neven. Sie kann es nicht hören, weiß aber, dass er diesen Satz immer zweimal nacheinander sagt. Der lange, dünne Kerl im dunkelblauen Overall. Eine Wolke zieht an der Sonne vorbei und wirft einen Schattenkegel auf das Paar. Sie liebt ihn sehr. Er scheint sie auch sehr zu lieben, aber genau weiß sie es nicht, weil er darüber nie mit ihr spricht. Überhaupt redet er eigentlich nur von der Vergangenheit und dass alles in der Zukunft wiederkehren wird. Manche sagen, Neven sei geistig nicht gesund. Eva weiß es besser. » ganz lesen

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publiziert am 07.08.17 in Paare ¦ 118x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Almas Bilder

Sie will ihn malen, will ihn zeichnen, will ihn in Ton formen. Oder: bemalen, schminken, tätowieren. Denn fotografiert hat sie ihn schon. Als er beim Shooting der neuen Kollektion von Daniell alle Stücke vorführte, die Männerkleidung und die Sachen für Frauen. Was Alma nicht gefällt: sein Name. Pim… Ist das eine Abkürzung? Oder ein Spitzname? Tatsächlich heißt er Willem Erasmus Steernema-Stückinger, das hat sie mit ein wenig Recherche herausgefunden. Sohn einer deutschen Mutter und eines niederländischen Vaters mit molukkischen Wurzeln. Jetzt sitzt er ihr schräg gegenüber in der Lounge. Man sagt über Pim, er sei nicht besonders helle, und tatsächlich scheint sein Blick hohl, abwesend. Sein Mund ist ein wenig geöffnet. Könnte sein, dass ein wenig Spucke in den Lippenwinkeln hängt. Sie beobachtet ihn genau und ahnt, dass er das mitbekommt. Nun zieht der die ausgebeulte, knielange Jacke aus grobem Strick eng um sich herum zusammen und hebt auch das zweite Bein auf die Sitzfläche. Er trägt hellblaue Ballerinas an den Füßen, in der rechten Sohle klafft ein Loch. » ganz lesen

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publiziert am 18.07.17 in Paare ¦ 156x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Liebe Dreizehn

Als meine Tochter am frühen Abend weinend heimkam, war sie dreizehn Jahre, drei Monate und elf Tage alt. Ich habe das später nachgerechnet. Und ich ahnte, was geschehen war. Dass es mit diesem großgewachsenen, hübschen Burschen zu tun hatte, war mir auch klar. Denn nicht nur Leonie war verliebt in ihn, ich, wenn auch auf eine andere Art, auch. Wie kann auch ein junger Mann von knapp siebzehn Jahren auch so attraktiv sein und so viel Charisma haben? Singah war Teil dieser Hippie-Familie, wie sie in der Nachbarschaft genannt wurde, eine reine Frauen-WG mit seiner Mutter, dem kleinen Bruder Asim, der Oma, zwei Tanten und drei mittelalten Damen, die vermutlich nicht mit dem Rest verwandt waren. Sie lebten in einer riesigen, verwinkelten Wohnung über zwei Etagen mit zwei separaten Mansarden oben unter dem Dach einen Häuserblock weiter. Ich weiß es, weil ich Leonie ein paar Tage später dort herausholte. » ganz lesen

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publiziert am 17.07.17 in Paare ¦ 173x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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