Die Seite 33

Haut und Knochen – Teil 5

Eigentlich gab’s keinen speziellen Grund. Hab die Schule in der Elften ge-schmissen und wollte unbedingt eine Lehre machen. Ein guter Freund lernte Zimmermann, und da dachte ich, schön. Wo ich doch immer einen Faible für Holz hatte.“ Er lachte ein wenig unmotiviert und trank noch einen Schluck. „Ich mag Holz als Material auch sehr“, sagte Elle und strich sich eine imaginäre Strähne hinters Ohr. „Besonders bei Möbeln. Ich finde immer, dass es ein Frevel ist, schön gemasertes Holz zu lackieren.“ Phil nickte zustimmend. „Meine Güte, was habe ich schon Schränke abgebeizt. Es müssen Dutzende gewesen sein. Ich war in meinem Freundeskreis schon richtig verschrien dafür. Hey, du stinkst nach Beize, sagte meine beste Freundin immer, neue Antiquität im Haus?“ – „Du bist also auch handwerklich begabt?“ versuchte Phil die Konversation in eine andere Richtung zu lenken. „Nicht wirklich. Eher so die Frau fürs Grobe. Schon mal ne Mauer umnieten oder ‘nen Fußboden rausreißen…“ – „Und was machst du sonst so außer Abbeizen und Steineklopfen?“ Diese Frage hatte Elle gefürchtet. Immer wenn ein Mann eine Frau fragt, was sie denn so macht, bereitet er damit nur einen Sermon über seinen Job und vor allem den Erfolg darin vor. „Ernährungsberatung. Auf hohem Niveau…“ Sie lachte verlegen und nippte am Milchschaum. „Ich kann nicht kochen“, sagte Phil mit einem Grinsen, „aber prima essen.“ » ganz lesen

publiziert am 18.01.14 in Einzelteile ¦ 528x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Konzentrier dich, Mensch!

handyAuf unserer kurzen Runde um das Stück Düssel am Ende der Straße herum begegnen Clooney und ich häufig einer jungen, blonden Frau mit einer quicklebendigen, hübschen Jack-Russel-Hündin, die vorwiegend ohne Leine läuft. Die Halterin trägt meist eine formlose, graue Jogginghose, eine gesteppte Wärmeweste und – ein Smartphone. Jedes Mal wenn wir diesem Paar begegnen, telefoniert die Menschin mit diesem Handy. Ununterbrochen. Ihre Töle tut derweil, was sie will. Nicht einmal wenn es zum Kontakt mit einem anderen Köter (z.B. Clooney) kommt, hört die Tusse auf, in ihr Gerät zu labern. Noch intensiver der heutige Vorfall: Im Park hat eine etwas ältere Dame einen weißen Corky an der Leine und tippt über eine Zeitspanne von gut zehn Minuten etwas in ihr Handy. Währenddessen holt sich ihr Hündchen diverses Zeug aus dem Gebüsch und von der Wiese und frisst es. Hoffen wir, dass es bloß Gänse- oder Entenscheiße war… » ganz lesen

publiziert am 14.01.14 in Windhund namens Clooney ¦ 490x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Glanzzeit der Fotokopie (3)

xeroxFotokopierer haben mich in jenen Jahren zutiefst fasziniert. Die Idee, von einem beliebigen Schriftstück beliebig viele Kopien anfertigen zu können, hatte in meinen Augen beinahe etwas mythisches. Und die Erfindung der Xerografie hielt ich für ebenso bedeutsam wie die des Buchdrucks. Aber schon vor der Erfindung ebendieser Xerografie hatte ich mit dem Kopieren zu tun. Ich erinnere mich noch sehr genau an den Geruch der Blaupausen im Büro meines Vaters. Der war Architekt, fest angestellt bei der Düsseldorfer Hirschbrauerei, wo er vor allem für den Wideraufbau, die Renovierung und in seltenen Fällen auch den Neubau von Gaststätten war. Außer Kneipen hat er genau ein Wohnhaus (wo wir hinzogen als ich gerade elf war) und das neue Verwaltunsgebäude der Brauerei an der Tussmannstraße geplant und als Bauleiter begleitet. Die großen Bögen aus einem pergamentähnlichen Material mit den blauen Linien und Beschriftungen rochen nach Essig, aber gleichzeitig auch irgendwie elektrisch. Das war übrigens bei den ersten Kopiergeäten auch so, denn die fertigten auch nur Blaupausen an. » ganz lesen

publiziert am 12.01.14 in Stadtgeschichten ¦ 706x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Achtung! Hund in Ausbildung

clooney_penntWie schon erwähnt, geht Clooney momentan an der Schleppleine. Nein, er rennt an der Schleppleine. Oder noch genauer: Wir arbeiten gemeinsam an der langen Leine: er vorne, ich hinten. Das muss so sein, weil er sich im Freigelände zwar immer abrufen lässt, aber nicht mehr freiwillig anleinen. Er nähert sich auf Armlänge und weicht jedem Versuch, ihn wieder mit seinem Herrchen zu verbinden, aus. Gehen wir auf den Rheinwiesen, begegnen wir natürlich anderen Hunden mit ihren Halter/innen. Ein kurzer Austausch, ob es okay ist, und ich lass den Griff der Leine los. Dann können Sloughi und Kumpel durch die Gegend rasen. Da aber der Hauptgrund, weshalb sich unser Windhündling nicht mehr gern an die Leine legen lässt, vor allem andere Hunde sind, gibt es gelegentliche Kontaktverbote. Das bedeutet: Ich bestimme, ob und welchem anderen Köter Clooney spielt. Oft ist das begründbar: der Gegner ist zu klein oder zu alt – oder der/die Nesitzer/in erscheint mir zu doof. Manchmal verbiete ich das Spiel, weil der Gang zu Ende ist und es nachhause geht. Und ab und an mache ich es nur, weil ich es kann. War der Bursche bis vor Kurzem noch äußerst frustriert, wenn er nicht durfte wie er wollte, nimmt er das jetzt meistens so hin. Das alles ist Teil der Ausbildung oder – wie man es etwas härter ausdrücken kann: der Erziehung. » ganz lesen

publiziert am 09.01.14 in Windhund namens Clooney ¦ 492x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Haut und Knochen – Teil 4

Wider Erwarten hielten sich alle Redakteure, die der PR-Berater Schreiner zum AMEK-Megastore geladen hatte, an die Absprache. Keine Zeile zu den Funden in den Möbelhäusern fand sich am Samstag in der Lokalpresse. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass die Journalistenmeute nach diversen Interviews mit den Köchen von Schreiner in die Kantine gelotst worden waren, wo man ihnen auf Anweisung des Marktleiters das Menü servierte, das eigentlich für die VIP-Gäste vorgesehen war, die angesichts der Umstände aber ausgeblieben waren. Im Kreise der Harten Hände und ihres Trosses verputzten die Medienvertreter also Lachs und Reh, tranken feine Weine und verschmähten auch den einen oder anderen Digestiv nicht. Kein Wunder, dass bis auf einen alle von ihnen den Redaktionsschluss für die Samstagsausgabe verpassten. » ganz lesen

publiziert am 09.01.14 in Einzelteile ¦ 475x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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