Die Seite 36

Haut und Knochen – Teil 9

„Guten Morgen. Wir sollten uns doch immer bewusst sein, wie privilegiert unsere Lage im Dezernat für Tötungsdelikte ist“, eröffnete Schimmel das Dienstgespräch mit Hauptkommissar Greiper, das er für neun Uhr im ganz großen Konferenzraum angesetzt hatte. „Was soll das werden?“ fragte Robert sofort, „Das Wort zum Montag? Oder die Ankündigung von Massenentlassungen?“ – „Lassen Sie mich bitte zunächst meinen Gedanken ausführen“, fuhr der Kriminaloberrat fort, „Die Kriminalstatistik besagt, dass es in unserem Zuständigkeitsbereich im vergangenen Jahr insgesamt dreizehn Fälle gab, sieben davon lösten Ermittlungen aus, der Rest konnte nach der Feststellung der Todesursache an andere Dezernate weitergeleitet werden.“ – „Ich kenn die Statistik, Schimmel“, maulte Greiper, „Worum geht’s?“ – „Bei den genannten sieben Fällen handelte es sich dreimal um Körperverletzung mit Todesfolge, wobei die Täter jeweils noch am Tatort verhaftet werden konnten, einen etwas ungewöhnlichen Selbstmord und drei waschechte Morde. In diesem Jahr gab es per Ende September genau zwei Fälle, in denen mehr zu ermitteln war als Todesursache und -zeitpunkt. Das bedeutet, dass sie, lieber Kollege Greiper, als einziger fester Mitarbeiter des Dezernats für Tötungsdelikte ungefähr alle drei bis vier Monate etwas zu tun haben.“ » ganz lesen

publiziert am 08.03.14 in Einzelteile ¦ 693x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Clooney, nachdenklich

just_clooneyUnser Sloughi-Bub ändert sich gerade. Besonders im Hinblick auf sein Verhalten. Man könnte sagen, dass er gerade erkennt: Das Leben ist kein Ponyhof. Er wurde kürzlich zum ersten Mal gebissen und dabei (sehr) leicht verletzt. In derselben Woche wurde er erstmals von einem erwachsenen Rüden auf derbste Weise zurechtgewiesen – und das mehrfach. Und am Wochenende hat er sich zum ersten Mal so sehr erschrocken, dass er so etwas wie Angst zeigte. Beim Versuch, in seinem Beisein das Ding aus dem Keller zu holen, fiel der Grill mit lautem Getöse und in seiner unmittelbaren Nähe auf den Estrich im Untergeschoss. Der Hund sprang panisch zur Seite und wollte anschließend über die Stufen der Treppen flüchten. Er ließ sich nur noch mit äußerster Anstrengung beruhigen. » ganz lesen

publiziert am 06.03.14 in Windhund namens Clooney ¦ 560x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Komma acht, Komma eins (1)

IBM-Kugelkopf_(2._Generation)Auch mein Einstieg in das, was ich später meinen Beruf nennen würde, hatte mit dem Computer zu tun. Wenn anfangs auch nur sehr indirekt. Schon beim Schulkollegium beim Regierungspräsidenten spielte die Datenerfassung eine Rolle. Insgesamt war ich aber doch eher der analoge Typ, der den Fotokopierer für die wichtigste Erfindung in Richtung Publizieren hielt. Denn noch länger als das Elektronenhirn spukte mir das Schreiben an und für sich durch den Kopf und durchs Leben. So lange ich denken kann, wollte ich nie etwas anderes sein als Künstler. Das begann schon so um mein zehntes Lebensjahr herum, die Zeit, in der ich die ersten schriftstellerischen Versuche unternahm. Mein Vater nannte sie „Einakter“, die winzigen Theaterstücke, die ich erfand und niederschrieb und außerdem der Familie vortrug. Eines davon hieß „Casablanca“; der Protagonist – es gab nur eine Figur – schwebte in seiner Raumkapsel über der Erde und kam dabei immer wieder an der großen marokkanischen Hafenstadt vorbei. Der Astronaut war ja zu Zeiten Gagarins sehr angesagt, und ich hatte mir anhand von Radioberichten und Zeitungsartikeln ein Bild vom Leben und Fühlen der Raumfahrer gemacht. Das Stück entstand im Spätherbst 1961 und ist leider verschollen. » ganz lesen

publiziert am 02.03.14 in Stadtgeschichten ¦ 904x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Eine Frage der Hoden

hundehodenWelcher Stadthundhalter kennt ihn nicht diesen Ruf aus weiter Ferne: „Iss dassen Rüüüde?“ Der dann bei der Annäherung ergänzt wird durch: „Meine/r kann nicht so mit Rüden.“ Womit der Absender sich dann im Prinzip erstmal als jemand outet, der seine Pelznase nicht im Griff hat. Auf einen Windhundbesitzer, dessen bester Freund männlich ist, wirkt die Frage immer ein bisschen ärgerlich. „Klar, der hat doch’n Schniepelchen!“ Und auch Cochones, möchte man beifügen. Wäre dieser Ausdruck bei einem Schnellköter angebracht. Und damit kommen wir zu des Pudels Hoden. Die Rüden der geschwinden Sorte haben nun mal eher kleine Eier. Und weil man als Kerl mit Sloughi mit diesem Problem durchgehend konfrontiert ist, denkt man sich allerlei Schutzbehauptungen aus. » ganz lesen

publiziert am 26.02.14 in Windhund namens Clooney ¦ 1938x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Glanzzeit der Fotokopie (4)

rank_seesternBald galten Marion und ich unter den Kollegen als Paar. Und das obwohl wir das noch lange nicht waren. Schließlich steckten wir beide damals in mehr oder weniger festen Beziehungen. Aber was hieß das in den libertären Spätsiebzigern schon? Damals wurde fröhlich querbeet gebumst, und ein Fick mit einer fremden Person galt nicht viel. Heute heißt es dann ja immer, es sei die Zeit vor Aids gewesen, da hätten die Menschen beim Sex noch keine Angst verspürt. Das ist sicher der eine Grund für das unbeschwerte Durcheinander (das natürlich vor allem durch den allfälligen Gebrauch von Verhütungsmitteln, insbesonders „der Pille“, möglich wurde – Kerle lehnten damals jede Verantwortung für eine ungewollte Schwangerschaft ab mit der Begründung, die Frau hätte ja einfach die Pille nehmen können; Damen, die diese nicht vertrugen oder sie aus gesundheitlichen Gründen nicht nehmen wollten, waren so sexuell wenig attraktiv). Ein wesentlich Grund dafür aber, dass Sex als Vergnügen gesehen wurde, war sicher die Abwesenheit von Pronografie. Genauer: Von Pronografie aus den USA. Irgendwer hatte 1977 mal einen Super-8-Pornofilm mitgebracht, den die WG gemeinsam anschaute. Drei Paare, meine ich zu erinnern, trieben es in einem Billardsalon miteinander. Na ja… » ganz lesen

publiziert am 20.02.14 in Stadtgeschichten ¦ 786x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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