Die Seite 36

Hundekörper

hundekampfVielleicht ist es das, was mich an kurzhaarigen Hunden so fasziniert, dass sie nämlich ganz Körper sind. Nicht versteckt unter einem Haarmop, unter Fransen und Krause. Denn bei Konsorten wie Ridgeback, Boxer und Sloughi wird deutlich, dass der Hund mit seinem Körper jede Form sozialer Interaktion betreiben kann: Kommunikation, Spiel, Kampf. Wir Menschen wissen das eigentlich. Denn – wie John Bradshaw in seinem erstaunlichen Buch „Hundeverstand“ erklärt – haben sich Mensch und Hund über etliche Tausend Jahre in einer Ko-Evolution miteinander und aufeinander zu bewegt. Bradshaw weist auch auf Erkenntnisse hin, die beweisen könnten, dass der Haushund eines der ganz wenigen oder sogar das einzige Säugetier ist, dass mit der eigenen Species und dem Menschen angemessen und unterschiedlich interagieren kann. Was aber der Canis familiaris instinktiv beherrscht, funktioniert beim Mensch nicht (mehr) so ganz automatisch. Der Halter muss im Gegensatz zum Köter bei der Kommunikation auch das Hirn einschalten. » ganz lesen

publiziert am 27.10.13 in Windhund namens Clooney ¦ 788x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Stein und Bein – Teil 7

Sein Handy meldete sich nicht ganz unerwartet, und er nahm den Anruf an. „Wissen’s, ich wollte schon vor Längerem einmal offen mit Ihnen reden“, begann der AMEK-Marketingchef ohne Umschweife, „Sie sind mir schon vor zwei oder drei Jahren positiv aufgefallen. Sie erinnern sich an die erfolgreiche Weihnachtsbaumkampagne, nicht wahr?“ Schreiner schaltete schnell genug um. Er hatte den Anrufer schon an seiner wienerischen Sprechweise erkannt, die dieser auf sein Anraten hin pflegte, weil er als Kommunikationsberater der Ansicht war, es würden seinen Klienten authentischer und damit glaubwürdiger machen: „Natürlich. Klar, die Weihnachtsbäume… Hat ja unseren guten Herrn Schaidler bis aufs Sofa von Sabine Christiansen gebracht.“ Tatsächlich war bei dieser Sache alles gut gelaufen, was sonst nie gut läuft in der Pressearbeit. AMEK hatte damals – und das war die Idee des heutigen Marketingleiters gewesen – eine Aktion ins Leben gerufen, dass die Leute nach dem Dreikönigstag ihre Christbäume in einen AMEK-Laden bringen könnten. Dort wurden diese gewogen, und die Einlieferer bekamen einen Einkaufsgutschein nach Gewicht. » ganz lesen

publiziert am 24.10.13 in Einzelteile ¦ 598x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Glanzzeit der Fotokopie (2)

rainer_krbIn den nächsten Semesterferien lernte ich Hans-Jürgen beim Job im Schulkollegium kennen. Der war schon ein bisschen älter als ich und brüstete sich mit wilden Zeiten, die er revoltierend in Frankfurt erlebt hatte. Aber ansonsten war er nett. Und wohnte im Anbau des Hauses an der Hohe Straße, in dem vorn der Buchladen untergebracht war, den später Malte Würzner übernahm. Die Bude bestand aus einem feuchten, düsteren Raum und Nebenzimmern, die ich nie kennenlernte. Nachdem wir herausgefunden hatten, dass wir einige Interessen teilten, verbrachten wir die Mittagspausen gern in seiner Wohnung beim Schachspiel. Außerdem zeigten wir uns gegenseitig fotografische Arbeiten – er hatte ein kleines Fotolabor, das ich nutzen konnte. Und noch ein wenig später entdeckten wir unsere Vorliebe für Motorräder. Während ich eine wunderschöne Honda CB125 aus einem Wasserschaden über Hein Gericke erwarb, langte es bei ihm nur für eine Zweitakt-Garelli, die es damals bei Neckermann gab. Und dieser Versender betrieb damals ein Kaufhaus direkt am Carlsplatz, wo man sich den italienischen Hobel, aber auch die großen Maschinen von MZ aus der DDR und CZ aus der CSSR anschauen konnte. Die ersten Ausfahrten unternahmen wir gemeinsam. Weil aber das Zweitaktmoped erheblich schwach auf der Brust war, machte das wenig Freude, und wir unterließen das bald wieder. » ganz lesen

publiziert am 12.10.13 in Stadtgeschichten ¦ 763x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Pina und die Marokkaner. Oder: Wie wir auf den Sloughi kamen

pina_buschDas Leben ist ein einziger Zufall. Was einem passiert, geschieht meist als Ergebnis einer Reihe nicht geplanter Begegnungen und Handlungen. Hätte mein bester Freund Klaus nicht zufällig ein etwas merkwürdiges Ehepaar kennengelernt, das in einem der östlichen Vororte wohnte, wären wir nie zum Windhund gekommen. Claire hatte sich mehr oder weniger notgedrungen entschieden, über Putzstellen zurück in die Berufstätigkeit zu finden. Und das besagte Paar war zu jener Zeit auf der Suche nach einer Hilfe, die für Sauberkeit im Haus sorgen sollte. Durch Klaus‘ Vermittlung wurde man sich einig, und Claire radelte nun einmal die Woche bergauf in diese Siedlung, um bei den Dörens zu putzen. Nach einigen Monaten kam ein zweiter Job im selben Viertel dazu. Die Familie Neu mit ihren zwei Kindern war dankbar für die Unterstützung. Im Hause lebten aber auch zwei Hunde: ein quirliger Whippet-Rüde und eine eher zurückhaltende Galgo-Hündin. Denn Frau Neu war im Nebenjob Tierretterin. Bis zu diesem Zeitpunkt im Jahr 2005 hatte ich noch nie davon gehört, dass irgendwelche Organisationen systematisch Streunehunde, denen in der Heimat der Tod droht, nach Deutschland schaffen und zur Adoption freigeben. » ganz lesen

publiziert am 05.10.13 in Windhund namens Clooney ¦ 829x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Stein und Bein – Teil 6

Wer nichts tut, macht auch keine Fehler. Und wer sich im Hintergrund hält, macht sich keine Feinde. Manche Erkenntnisse sind so einfach. Und doch fällt es vielen Menschen, Männern zumal, schwer, diese zu beherzigen. Sie tun und machen und sind ständig in Bewegung, immer auf der Suche nach Aktionen, die ihnen entweder nutzen oder Spaß machen. Und Liebe, Liebe besteht für viele Menschen mit dem männlichen Chromosomenproblem aus Sex und Aufmerksamkeit. Geliebt zu werden, nehmen sie an, heißt, beachtet zu werden, Aufmerksamkeit zu genießen. So wie sie ihre Kindheit über darum gekämpft haben, die Aufmerksamkeit der Mutter zu gewinnen und das Wohlwollen des Vaters. Denn über das Stadium eines Zehnjährigen wachsen viele Männer nicht hinaus. Dass dann aber die Hormonproduktion beginnt und Triebe freisetzt, die den Pubertierenden in eine andere Richtung zerren, beschreibt die Dramatik der Männlichkeit mit hinreichender Genauigkeit. » ganz lesen

publiziert am 02.10.13 in Einzelteile ¦ 805x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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