Die Seite 4

Hauptgewinn

Sie hockt im Schneidersitz auf dem Flokati und schaut zu ihm auf. Warum arbeitest du nicht? fragt sie und knabbert dabei an ihrem Daumennagel. Er betrachtet ihre Schlüsselbeine und die Rippenansätze am Brustbein und ist gerührt. Bist du reich? setzt Caren nach und bearbeitet den anderen Daumennagel. Peer wiegt den Kopf hin und her. Aber du hast genug Geld und musst nicht mehr arbeiten, oder? Jetzt nickt er. Geerbt? Ding gedreht? Nein, sagt er, gewonnen. Sie kreuzt die Arme vor der Brust: Viel? Ziemlich, antwortet Peer. Wie viel? Er zeigt ihr alle zehn Finger, ballt die Hände dann zu Fäusten und öffnet sie wieder und noch einmal und dann noch einige Male bis sie sagt: Reicht. Stimmt, sagt Peer. Er steht mit dem Rücken zur Küchenzeile und stützt sich jetzt nach hinten ab. Caren mustert seinen Penis: Ganz schön groß für einen kleinen Kerl wie du. Das sagen sie alle, gibt er zurück und grinst. Nach einer Weile: Und, wie viel willst du? Er zeigt einen Finger, dann eine Hand und dann beide. Sie liegt jetzt auf der Seite und sagt: Nothing, niente, nichts. » ganz lesen

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publiziert am 24.06.17 in Paare ¦ 140x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Meta, Minka und Matilda

Meta schiebt die Gardine ein Stück beiseite und schaut durch den Spalt auf den Vorgarten und den Gehsteig. Weißt du noch als Herbert gestorben ist? Minka dreht sich um und wischt die Hände an der Kittelschürze ab. Ja, das war eine schöne Beerdigung. Du warst am Ende betrunken. Ihre Schwester hebt den Blick und schüttelt den Kopf: Nein, du. Ich? Ich war ein bisschen beschwipst und hab mit dem Pfarrer getanzt. Bei Helmut war’s nicht so schön. Beide nicken still vor sich hin. Kannst jetzt die Gläser hinstellen, sagt Minka. Im Zehnlitertopf brodelt die Mirabellenmarmelade. Die Katze springt vom Fernsehsessel und setzt sich mitten in die Küche. Der wollte ja unbedingt eine Seebestattung, der Helmut. Meta hat die Gläser aufgereiht und die Schöpfkelle bereitgelegt. Freddy singt im Radio von der Heimat und dem Meer. Schön, dass es solche Sender noch gibt, sagt Minka. » ganz lesen

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publiziert am 20.06.17 in Paare ¦ 151x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Noch ein Leben

Den Tod hatte sich Fred ganz anders vorgestellt. Irgendwas mit einem weißen Licht, und dass das Leben an einem vorbeizieht. In Wahrheit war der Übergang eine Qual. Zwischendurch blieb er stecken und hatte schreckliche Angst. Ein bisschen wie die Fahrt auf einer sehr flachen Wasserrutsche, die nicht überall richtig nass ist. Mit dem Kopf voran. Durchweg bei trübem, gelblichen Licht, dass im Fokus zu einem bräunlichen Grau wurde. Mit einem winzigen giftgrünen Punkt in der Mitte. Er nahm unterwegs eine Art schräges Knarzen war und fror. Das Ganze zog sich über Stunden hin, vielleicht sogar über Tage und Wochen. Und eigentlich wollte er irgendwann nur noch, dass es vorbei sei, dass er endlich durch sei. Wo auch immer er dann ankäme. Schließlich landete er in einer Höhle, deren Wände in sanften Rottönen leuchteten und dabei in einem angenehmen Rhythmus pulsierten. Körpergefühl hatte er keins mehr, die Sinneswahrnehmungen stark eingeschränkt. Es kam ihm vor, als schwebte er in einer warmen, süßen Flüssigkeit. Je länger er in dieser weichen Höhle antrieblos umher trieb, desto mehr verließen ihn seine Erinnerungen. Sein Körper zog sich zusammen, die Arme vor der Brust gekreuzt, die Beine angezogen. Grelles Licht voraus, und dann nahm etwas seinen Schädel und quetschte seine Schläfe zusammen, sodass er beinahe bewusstlos wurde. Danach war das dann alles zu Ende. » ganz lesen

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publiziert am 19.06.17 in Thibaud ¦ 148x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Überfahrt

Das Meer hat es nicht immer gut gemeint mit uns. Damals am Atlantik, als du wie ein Kind wieder und wieder in die Brandung liefst, mit ausgestreckten Armen unterhalb der Wellenkronen eintauchend, um dann im nächsten Tal wiederaufzutauchen. Wieder und wieder. Bis diese eine Woge kam, die war doppelt so groß wie die anderen. Ich sah nur wie du hochgeschleudert wurdest, wie du einem Moment in der Gischt schwebtest, dann hinab stürzest ins gläserne Meer und nicht wieder auftauchtest. Wie dich drei Männer auf den Strand zogen nachdem sich das Wasser zurückgezogen hatte. Du hattest das Bewusstsein verloren, atmetest aber. Sie drehten dich auf die Seite, und ich sah Hunderte kleine Schnitte in deinem Rücken, aus denen Blutstropfen quollen, so sehr hatten dich die Wellen auf den Grund geschleudert, die mit Millionen Scherben von Muscheln bedeckt war. » ganz lesen

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publiziert am 11.06.17 in Paare ¦ 196x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Feuerfest (7): Die Medien

Greiper konnte nicht ohne Zeitungen. Er hatte sich aufs Zweitfahrrad geschwungen, das für Situationen wie diese immer am Ufer über dem Hausboot angekettet war, und einen Zwischenstopp an Nuris Büdchen am Platz eingelegt. „Sie wissen schon, wer das gemacht hat, Herr Kommissar?“ Wie üblich war der Kioskbetreiber von seinem Barhocker aufgestanden, als Greiper den schrägen Laden betreten hatte, was immer so wirkte, als würde er als Nächstes salutieren. „Nein, nein, Nuri, hab mit der Sache nichts zu tun. Bin nicht im Dienst. Da weißt du vermutlich mehr als ich – so als Nachbar.“ Tatsächlich lag nur ein Haus, das mit der breiten Toreinfahrt, zwischen dem Weinlokal und dem Büdchen. „Glück gehabt. Bei mir ist fast nichts kaputtgegangen. Paar Flaschen runtergefallen. Sonst nichts. Aber, geschieht dem Recht, dem Arschloch…“ – „Welches Arschloch?“ – „Der Wirt, dieser Weizenberger – Rassist, Faschist, Arschloch.“ Greiper hatte Zeitungen von den Ständern eingesammelt, drehte sich zu Nuri um und fragte nach: „Hattet ihr Streit?“ » ganz lesen

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publiziert am 05.06.17 in Feuerfest ¦ 202x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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