Die Seite 40

Komma acht, Komma eins (3)

zx81Im Dezember 1980 wurde mein Sohn geboren. Rosenmontag 1981 starb meine Mutter. Wir übernahmen ihre Wohnung in Pempelfort, das Vierte, in dem ich mich von meinem zehnten bis zu meinem dreiundzwanzigsten Lebensjahr rumgetrieben hatte. Da die Mutter meines Sohnes schnell wieder eine gut dotierte Stelle gefunden hatte, wurde ich zum hauptberuflichen Vater und Hausmann. Geld war trotzdem knapp, also nahm ich eine Nachtarbeit an. Es war nicht ganz einfach, die Stelle zu bekommen, denn die Landeszentralbank (LZB) verlangte nicht nur ein polizeiliches Führungszeugnis, sondern die Beleumundung durch mindestens zwei Bürgen. Außerdem gestaltete sich der Weg zum Vorstellungsgespräch im Gebäude an der Berliner Allee schwierig – noch immer herrschte die Paranoia gegenüber „den Terroristen“, und gerade Finanzinstitute schienen besonders bedroht. Im Foyer wurde ich fast eine halbe Stunde festgehalten, dann mit einem Sicherheitstyp im Aufzug nach oben eskortiert. Dort war eine weitere Anmeldung, wo ich noch einen Zettel ausfüllen und unterschreiben musste. » ganz lesen

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publiziert am 27.03.14 in Stadtgeschichten ¦ 1317x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Schwimmende Windhunde

clooney_schwimmtUnter Windhundfreunden kursiert gelegentlich die Aussage, die meisten Windhunde könnten nicht schwimmen. Nun geht unser Sloughi-Kerl ziemlich gern ins Wasser – besonders in den Rhein. Da war uns klar, dass es gut wäre, genau zu wissen, ob Clooney schwimmen kann. Aber: Was heißt das überhaupt „kann nicht schwimmen“? Es geht um die Frage, wie der Hund reagiert, wenn er im Wasser den Boden unter den Pfoten verliert. Ein befreundeter Hundehalter gab uns den Tipp, einfach mal mit Clooney zum Gangwerk zu gehen, da könnten wir mit Hilfe einer Physiotherapeutin herausfinden, wie sich die Töle im Nassen verhält. » ganz lesen

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publiziert am 23.03.14 in Windhund namens Clooney ¦ 1737x gelesen ¦ 2 x kommentiert

Haut und Knochen – Teil 10

Die Anordnung seines Vorgesetzten brachte Greiper einigermaßen aus der Fassung. In seinen jungen Jahren hatte Robert als jähzornig gegolten. Wurde er wütend, schlug er zu, unkontrolliert, sinnlos, anhaltend. Einmal hatte ihn ein Klassenkamerad während des Unterrichts bis aufs Blut gereizt, und er war zu dem hingelaufen, hatte dessen Kopf an den Ohren gehalten und so lange auf die Tischplatte gehauen bis man ihn wegriss. Heute, dachte er immer, wenn ihm diese Geschichte einfiel, würde man meine Eltern mit Schuldgefühlen vollstopfen, mich in Therapien stecken und letztlich medikamentös ruhigstellen. Nein, er war nicht auf den Kriminaloberrat Schmörgel wütend, sondern auf die Tatsache, dass die Verhältnisse im Präsidium sich über die Jahre schleichend zum Schlechten verändert hatten. Als er in den Kriminaldienst eingetreten war, hatte es noch feste Strukturen gegeben. Erfahrene Kollegen leiteten Kommissariate, die hierarchisch sortiert waren, sodass jeder Jungbeamte wusste, dass er anfangs die Drecksarbeit zu machen hatte, sich aber auch ausrechnen konnte, wann er in den ruhigeren Bereich des Berufs kommen würde. » ganz lesen

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publiziert am 21.03.14 in Einzelteile ¦ 831x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Komma acht, Komma, eins (2)

8008Meine ersten Texte, für dich bezahlt wurde, entstanden auf einer tonnenschweren, mechanischen Schreibmaschine der Firma Rheinmetall. Ja, die Rüstungsschmiede baute über viele Jahre Schreibmaschinen des US-Herstellers Remington nach. Mein fiel mir aus irgendeinem aufgelösten Haushalt zu und steckte in einem hölzernen Kasten mit Kunstlederbezug in Kroko-Optik. Die gusseiserne Maschine war auf einem massiven Holzbrett montiert, den innen mit Filz kasschierten Kasten stölpte man nach Gebrauch drüber, wobei vier Haken einrasteten. Das Ganze ließ sich dann an einem brüchigen Lederhandgriff schleppen. Das Ding war solide und vollfunktionsfähig; lediglich ein Typenhebel – es war, glaube ich, das „Ü“ – war so beschädigt, dass der zugehörige Buchstabe immer etwas oberhalb der Zeile landete. Natürlich gab es keine Korrekturtaste. Für den Fall der Fälle stand eben ein Fläschchen Tipp-Ex auf dem Schreibtisch. Im selben Maße, in dem mich Fotokopierer faszinierten, begeisterte ich mich auch für Schreibmaschinen. Beide Geräte, das war mir klar, wiesen den Weg in die Zukunft des Publizierens. Und meine Vorstellung war die utopische, herrschaftsfreie Form der Veröffentlichung unzensierter Texte. Jeder, der Zugang zu Schreibmaschine und Kopierer (oder Offset-Maschine) hätte, so dachte ich, sollte seine Texte publizieren können, ohne auf Verlage angewiesen zu sein. » ganz lesen

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publiziert am 17.03.14 in Stadtgeschichten ¦ 926x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Mensch, Hund, Tier

clooney_whynotEine etwas ältere These der Verhaltensforschung rund um den Hund besagte, dass so ein Köter nur Mensch und Hund und Beute kennt. Daraus leiteten sich zwei Dinge ab, die heute von entsprechenden Forschern für falsch gehalten werden. Erstens dass der Hund seine Menschen als Hunde betrachtet, mit denen zusammen ein Rudel bildet. Zweitens dass Waldi alle Tiere für Hunde hält außer denen, die er jagen mag und kann. Es ist inzwischen hinreichend (u.a. neurobiologisch) belegt, dass so ein Fellträger WEISS, dass seine Menschen Menschen sind und dass die Domestizierung dafür gesorgt hat, dass der Hasso zwei komplett unterschiedliche Sätze an Verhaltensmustern ausprägen, speichern und getrennt abrufen kann. Gerade bei Rassen mit großem Will-to-please-Potenzial lässt sich das Umschalten am Hirn selbst messen. Momentan ist nicht sicher, ob der Canis familiaris das einzige Haustier mit dieser Fähigkeit ist – man vermutet Ähnliches vom Pferd. Womit wir beim Thema sind: Wie nimmt so eine Pelznase eigentlich andere Tiere wahr? Als Windhund ist Clooney Sichtjäger, zählt also zu der Sorte, bei denen der Jagdtrieb durch optische Reize ausgelöst wird. » ganz lesen

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publiziert am 13.03.14 in Windhund namens Clooney ¦ 876x gelesen ¦ 3 x kommentiert

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