Die Seite 43

Haut und Knochen – Teil 6

Felsheimer tobte: „Verklagen! Wir werden dieses dreckige Arschloch verklagen! Was fragst du mich da erst? Ich lass mich doch nicht von so einem Schmierfinken öffentlich als schwul bezeichnen. Ist mir egal, dass das bloß auf irgendeiner Website steht, die kein Mensch kennt. Der kriegt ne Abmahnung, dass ihm die Tränen kommen, Streitwert mindestens 100.000 Euro! Mindestens!“ Seine fahle Gesichtshaut trug unregelmäßige Zornesflecken, die Adern an den Schläfen seines kahlen Schädels waren angeschwollen, und er stierte den jungen Mitarbeiter namens Raffael Weilch aus stahlharten Augen an: „Da hättest du Null auch selbst drauf kommen können. Wofür bezahle ich dich eigentlich? Fürs Bürostuhlvollfurzen?“ Der Frischling unter den Advokaten hockte auf dem Stuhl vor Felsheimers Schreibtisch und wippte auf den Absätzen. „Aber…“, begann er, doch sein Chef schnitt ihm das Wort ab. „Hör bloß auf. Und kannst du es bitte unterlassen, diese bescheuerten gelben Schuhe zu tragen? Ich krieg ne Allergie, wenn ich diese schwulen Treter sehe.“ » ganz lesen

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publiziert am 23.01.14 in Einzelteile ¦ 675x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Der Haushund: Umweltfreundlich wie ein SUV

hundekackeWie sagte mir mal ein sehr umweltbewusster und trotzdem völlig unfanatischer Mensch: Du kannst jeden Dreck machen, der das Ökosystem schädigt, du musst es nur bewusst tun. Was er in seiner Weisheit wohl meinte: Nur wenn man sich der Folgen des eigenen Tuns bewusst ist, kann man einschätzen, ob man es weiter betreiben will. Kaum ein Prozent aller hiesigen Hundehalter, schätze ich, sind sich bewusst, dass ihr Köter einen ökologischen Fußabdruck wie ein mittlerer Geländewagen hinterlässt. Das hat vor allem damit zu tun, dass der Canide an sich ja fleischfresser ist. Und – egal, ob er gebarft wird, aus der Dose oder dem Sack ernährt wird – dieser Fleischkonsum ist eigentlich ein ökologischer Wahnsinn. Wie groß dieser Wahnsinn ist, hat vor ein paar Jahren das neuseeländische Autorenpaar Brenda und Robert Vale in ihrem aufsehenerregenden Buch „Time To Eat the Dog“ berechnet. » ganz lesen

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publiziert am 19.01.14 in Windhund namens Clooney ¦ 1091x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Haut und Knochen – Teil 5

Eigentlich gab’s keinen speziellen Grund. Hab die Schule in der Elften ge-schmissen und wollte unbedingt eine Lehre machen. Ein guter Freund lernte Zimmermann, und da dachte ich, schön. Wo ich doch immer einen Faible für Holz hatte.“ Er lachte ein wenig unmotiviert und trank noch einen Schluck. „Ich mag Holz als Material auch sehr“, sagte Elle und strich sich eine imaginäre Strähne hinters Ohr. „Besonders bei Möbeln. Ich finde immer, dass es ein Frevel ist, schön gemasertes Holz zu lackieren.“ Phil nickte zustimmend. „Meine Güte, was habe ich schon Schränke abgebeizt. Es müssen Dutzende gewesen sein. Ich war in meinem Freundeskreis schon richtig verschrien dafür. Hey, du stinkst nach Beize, sagte meine beste Freundin immer, neue Antiquität im Haus?“ – „Du bist also auch handwerklich begabt?“ versuchte Phil die Konversation in eine andere Richtung zu lenken. „Nicht wirklich. Eher so die Frau fürs Grobe. Schon mal ne Mauer umnieten oder ‘nen Fußboden rausreißen…“ – „Und was machst du sonst so außer Abbeizen und Steineklopfen?“ Diese Frage hatte Elle gefürchtet. Immer wenn ein Mann eine Frau fragt, was sie denn so macht, bereitet er damit nur einen Sermon über seinen Job und vor allem den Erfolg darin vor. „Ernährungsberatung. Auf hohem Niveau…“ Sie lachte verlegen und nippte am Milchschaum. „Ich kann nicht kochen“, sagte Phil mit einem Grinsen, „aber prima essen.“ » ganz lesen

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publiziert am 18.01.14 in Einzelteile ¦ 684x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Konzentrier dich, Mensch!

handyAuf unserer kurzen Runde um das Stück Düssel am Ende der Straße herum begegnen Clooney und ich häufig einer jungen, blonden Frau mit einer quicklebendigen, hübschen Jack-Russel-Hündin, die vorwiegend ohne Leine läuft. Die Halterin trägt meist eine formlose, graue Jogginghose, eine gesteppte Wärmeweste und – ein Smartphone. Jedes Mal wenn wir diesem Paar begegnen, telefoniert die Menschin mit diesem Handy. Ununterbrochen. Ihre Töle tut derweil, was sie will. Nicht einmal wenn es zum Kontakt mit einem anderen Köter (z.B. Clooney) kommt, hört die Tusse auf, in ihr Gerät zu labern. Noch intensiver der heutige Vorfall: Im Park hat eine etwas ältere Dame einen weißen Corky an der Leine und tippt über eine Zeitspanne von gut zehn Minuten etwas in ihr Handy. Währenddessen holt sich ihr Hündchen diverses Zeug aus dem Gebüsch und von der Wiese und frisst es. Hoffen wir, dass es bloß Gänse- oder Entenscheiße war… » ganz lesen

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publiziert am 14.01.14 in Windhund namens Clooney ¦ 635x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Glanzzeit der Fotokopie (3)

xeroxFotokopierer haben mich in jenen Jahren zutiefst fasziniert. Die Idee, von einem beliebigen Schriftstück beliebig viele Kopien anfertigen zu können, hatte in meinen Augen beinahe etwas mythisches. Und die Erfindung der Xerografie hielt ich für ebenso bedeutsam wie die des Buchdrucks. Aber schon vor der Erfindung ebendieser Xerografie hatte ich mit dem Kopieren zu tun. Ich erinnere mich noch sehr genau an den Geruch der Blaupausen im Büro meines Vaters. Der war Architekt, fest angestellt bei der Düsseldorfer Hirschbrauerei, wo er vor allem für den Wideraufbau, die Renovierung und in seltenen Fällen auch den Neubau von Gaststätten war. Außer Kneipen hat er genau ein Wohnhaus (wo wir hinzogen als ich gerade elf war) und das neue Verwaltunsgebäude der Brauerei an der Tussmannstraße geplant und als Bauleiter begleitet. Die großen Bögen aus einem pergamentähnlichen Material mit den blauen Linien und Beschriftungen rochen nach Essig, aber gleichzeitig auch irgendwie elektrisch. Das war übrigens bei den ersten Kopiergeäten auch so, denn die fertigten auch nur Blaupausen an. » ganz lesen

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publiziert am 12.01.14 in Stadtgeschichten ¦ 895x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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