Die Seite 45

Haut und Knochen – Teil 2

Aber spätestens in der Küche ging es um die Dinge, um Material, um Produkte, um Qualität und um Handwerk. Elle verstand das Kochen grundsätzlich als Handwerk, also als den Vorgang, bei dem Menschen kraft ihrer Fähigkeiten Rohstoffe und Halbzeug in fertige, brauchbare Produkte verwandeln. Natürlich hatte sie Lévi-Strauss gelesen, „Das Rohe und das Gekochte“, und begriffen, dass die Zubereitung von Nahrung der erste zivilisatorische Akt des Menschen überhaupt war, ein sehr reales Tun jen-seits von Mythen. Überhaupt erschien ihr das Kochen als die realistischste Betätigung überhaupt. Dass ihr Phil nicht widersprach, lag wohl daran, dass er zum Kochen ein sehr sinnliches Verhältnis hatte, wie er zu jeder manuellen Tätigkeit ein sinnliches Verhältnis hatte. Zudem fehlte ihm die breite philosophische und theoretische Grundlage der promovierten Ökotrophologin. Er sah sich als Mann der Praxis und behauptete, die menschliche Kultur habe mit dem Zeitpunkt begonnen, als der erste Zimmer-mann eine Hütte gebaut habe, und der Clan nicht mehr auf trockene Höhlen angewiesen war. » ganz lesen

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publiziert am 13.12.13 in Einzelteile ¦ 656x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Eine Frage der Leine

clooney_wasserDie süßen Kindertage sind vorbei. Das gilt für Hund und Herrschaft. Denn mit jetzt genau fünf Monaten geht die Welpenzeit langsam zu Ende. Tatsächlich wird Clooney noch zweimal an der Welpengruppe im Hundesportverein teilnehmen und dann im Januar zu den Junghunden wechseln. Dann ist es vorbei mit der wilden Balgerei, die in der Welpengruppe gut die Hälfte der einen Stunde auf dem Platz ausmacht. Vorbei ist es jetzt schon mit dem freien Laufen über die Wiesen – jedenfalls vorerst. Denn der Sloughi-Bun hat für sich entschieden, dass er nach der großen Freiheit nicht mehr an die Leine möchte. Seit drei, vier Wochen muss er eingefangen werden, wobei allerlei Tricks zum Einsatz kommen. Besonders verrückt ist das, wenn wir in einem umgitterten Hundeauslauf waren. Neulich dauerte es eine Stunde bis er sich überzeigen ließ, wieder angeleint mit seinem Menschen zu gehen. Beim Versuch, dem zu entgehen, gerät Clooney in einer Spirale, aus der nicht mehr herausfindet. » ganz lesen

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publiziert am 04.12.13 in Windhund namens Clooney ¦ 753x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Haut und Knochen – Teil 1

Eigentlich hätte sie es nicht nötig gehabt, Möbel bei AMEK zu kaufen. Zumal sie sich in ihrem tiefdunkelblauen Business-Kostüm äußerst deplatziert vorkam in der Filiale unweit der Autobahngabelung, an der sich die A93 von der A9 abspaltet. Im Parkhaus würde sicher niemand bemerken, dass ihr TT Roadster eine Sonderlackierung trug, die sie ihren Geschäftsfreunden mit dem altmodischen Wort chamois beschrieb, obwohl cremefarben die Sache vielleicht eher getroffen hätte; dafür war der Ton allerdings ein bisschen zu dunkel.
Und trotzdem hatte sich die Inhaberin einer privaten Arbeitsvermittlung mit Sitz in Ingolstadt, die sich eine Menge auf ihre gutbürgerliche Herkunft und den damit verbundenen sicheren Geschmack einbildete, in diesen Einrichtungsparadies verirrt, in dem es von Staatsdienern und alleinerziehenden Müttern nur so wimmelte. Tatsächlich galten ihre Ressentiments vor allem den Kleinbürgern und Beamten. Da waren ihr waschechte Proleten schon lieber. Schließlich hatte sie sich auf die Vermittlung von Produktionshelfern und Bauarbeitern spezialisiert, also Menschen, denen das Denken bei der Arbeit nur Schwierigkeiten machen würden, die hart malochten und geringe Ansprüche stellten. Mit dem hell-beigen Audio-Cabriolet bereiste sie regelmäßig die neueren EU-Ländern und rekrutierte ihr Personal vorwiegend in Tschechien, der Slowakei, in Bulgaren und vor allem Rumänien, wo sie die Leute fand, die mit den allerniedrigsten Löhnen zufrieden waren. » ganz lesen

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publiziert am 04.12.13 in Einzelteile ¦ 749x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Stadt, der Dreck und ein Hund

Das wird jeder Hundehalter bestätigen: Mit der Töle an der Leine erlebt man die Stadt ganz anders. Das gilt natürlich besonders, wenn am anderen Ende der Verbindung ein Welpe hängt. Denn der sieht das Urbane natürlich aus einer speziellen Perspektive. Beziehungsweise: Hört, riecht und schmeckt das Ganze auf einem anderen Level als sein Mensch. Besonders der noch sehr junge Welpe, der die Welt ohnehin vorwiegend per Schnauze erforscht, ist bei einem Gang durch die Straßen einem Feuerwerk an Sinneseindrücken ausgesetzt. Da liegt überall was rum, was man mit den Zähnen packen oder ablecken kann. Und weil der Zwerg nun fast alles aufnimmt, schärfen sich auch die Sinne des Halters. Auch er bemerkt auf einmal Zeug auf dem Gehweg, das ihm zuvor nie aufgefallen ist. Clooney hat das Pech, in unmittelbarer Nähe von zwei Berufskollegs aufzuwachsen. In den Wochen, in denen er noch alles mit dem Maul getestet hat, stieß er so praktisch durchgehend auf Essensreste. Denn die jungen Menschen, die diese Schulen besuchen, zählen zur Jugend der Scheißefresser. » ganz lesen

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publiziert am 12.11.13 in Windhund namens Clooney ¦ 804x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Gut im Bett

Schreckliche Tage waren das. Zilly war nun schon seit zweieinhalb Monaten als Projektleiterin in Shanghai, und die meisten Freunde aus unserer Gruppe waren im Urlaub, krank oder einfach verschwunden. Trotzdem machte ich mich jeden Abend auf den Weg zu Paco, der unsere damalige Stammkneipe betrieb. Paco war als Petra geboren und hatte als frischgebackener Mann gleich eine neue Nationalität angenommen. In der Küche wirkte Sven, ihr ehemaliger Gatte, der inzwischen erkannt hatte, dass er schwul war. So konnten die beiden prima als Paar weiterleben, wobei sich Sven die Freiheit nahm, seine Sexualität in vollen Zügen außerhalb dieser Beziehung auszuleben. Paco war das egal, denn er hatte sich auf die asexuelle Seite geschlagen. Davon hatte ich in den zwei Jahren, in denen wir dort Quartier bezogen hatten, nichts gewusst. Aber nun, wo ich oft am frühen Abend der einzige Gast war, erfuhr ich alles über die beiden Gastronomen. Zumal ich mich auch für einen Thekenplatz entschieden hatte. So saß ich Abend für Abend am kurzen Ende des Tresens, von wo aus ich nicht nur die restlichen Plätze mit den Barhockern, sondern gut Zweidrittel des Gastraums übersehen konnte. Und über einen der Spiegel hinter dem Tresen hatte ich einen guten Blick auf den Eingang. Mir entging nichts. Jedenfalls so lange ich nüchtern war. » ganz lesen

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publiziert am 07.11.13 in Thibaud ¦ 815x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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