Die Seite 46

Königskinder 08

Und weil Johannes weder Interesse, noch Zeit hatte, in einer Kanzlei öde juristischen Dienst abzuleisten, blieb die ganze Arbeit an Ronny hängen. Aber der beklagte sich nicht, den eigentlich waren zwei seiner Wünsche gleichzeitig in Erfüllung gegangen: als selbstständiger Anwalt wirken zu können und an der Seite seines liebsten Freundes sein zu dürfen, ja, von der Umwelt geachtet zu werden als graue Eminenz, als Kraft im Hintergrund des strahlenden Prominenten, der nicht nur als bewunderter TV-Moderator und witzige Werbefigur auftrat, sondern auch noch ein echter Advokat war, mit eigener Kanzlei sogar. Tatsächlich hatte Felsheimer seinen Kumpel zum Kompagnon gemacht, wenn auch nur mit einem Anteil von fünfundzwanzig Prozent, sodass er selbst alle Entscheidungen allein treffen konnte, der Mitstreiter aber ausreichend motiviert wäre, Tag für Tag in staubigen Akten zu wühlen, die immer gleichen Texte zu formulieren und Stunde um Stunde in öden Gerichtszimmern auf seine kurzen Einsätze zu warten. » ganz lesen

publiziert am 13.09.12 in Einzelteile ¦ 862x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Noch ein schönes Verhör

Manchmal sind es kleine Zufälle, die einem Kripobeamten, der vorwiegend aus der Intuition heraus ermittelt, den Erfolg bescheren. Zum Beispiel dass ein plötzlich dringend Tatverdächtiger ohnehin in U-Haft sitzt. Wobei Greiper in er aktuellen Situation das Glück hatte, dass Ümit Karadoglu noch immer hinter Gittern wohnte, obwohl der Haftprüfungsantrag seines Anwalts positiv beschieden worden war. Aber in der hiesigen Justizvollzugsanstalt mahlten die Mühlen etwa in dem Tempo, in dem sich die Menschen zum Zeitpunkt ihrer Erbauung bewegt hatten. Dass nun Schmörgel, der auch nicht der Schnellsten einer war, so schnell einen Haftbefehl gegen Ümit erwirkt hatte, grenzte an ein Wunder. Jedenfalls konnte es der Hauptkommissar kaum fassen, dass er den möglichen Bombenzündern würde vernehmen können, ohne ihn zuvor zu jagen und zu stellen. Die Chance, dem Büdchenmann ein Geständnis zu entlocken, schätzte er selbst nicht besonders hoch ein, zumal ihn letztlich mehr interessierte, welches Motiv der Beihilfe möglicherweise zugrunde lag. » ganz lesen

publiziert am 10.09.12 in Völkerwanderung ¦ 818x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Arm dran – Teil 3

Nachdem Greiper achtzehn der achtundzwanzig Augenzeugen verhört hatte, bekam er Kopfschmerzen. Die waren – das hatte er von Elle gelernt – weniger ein Zeichen von Erschöpfung sondern eher davon, dass irgendetwas nicht richtig lief. Achtzehn Mal hatte er die immer gleichen Sätze gehört, achtzehn Mal hatten Menschen in teilweise schwer dechiffrierbarem Deutsch berichtet, dass der Ion das Paket in der Luft geschwenkt und gerufen hätte „Hat jemand Fuß bestellt.“ Und der Finder, Ion Paschka, hatte sich gleich drei Mal in der Reihe angestellt, um dem Hauptkommissar die Geschichte mit der einen oder anderen Ergänzung erneut zu erzählen.
Also stand Greiper auf und fragte den Nächststehenden nach der Toilette. Eine fröhliche junge Frau mit lustigen Zöpfen in weißem Polohemd und blaßgrüner Hose begleitete ihn bis zur richtigen Tür. Er wählte eine Kabine und setzte sich auf den geschlossenen Klodeckel. Er wünschte sich eine Zigarette, da er aber das Rauchen mehr oder weniger aufgegeben hatte, schien ihm die Chance gering, eine zu finden. Er klopfte die Sakkotaschen ab und fand tatsächliche eine zerdrückte Schachtel der ehemals geliebten französischen Kippen. Tatsächlich steckte eine Filterlose drin und sogar ein Briefchen Streichhölzer. Greiper zündete sich die Zigarette an. Er nahm einen tiefen Zug und musste kurz husten. » ganz lesen

publiziert am 09.09.12 in Einzelteile ¦ 711x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Der Nachbar und Krystyna

paris_tunnelDer Nachbar war komisch. Lag ich nachts im Schlafzimmer auf der Matratze, konnte ich oft hören, dass er sich in seinem Apartment bewegte. Musik spielte er nie. Gesehen habe ich ihn dann erst in diesen verrückten Tagen zwischen Ende Juli und Ende August. Ich wohnte in einer kleinen Neubaubude unweit vom Flinger Broich. Das Leben hatte sich so entwickelt, dass ich in jenem Jahr an Fortuna wenig Interesse hatte. Die bösen Hooligans, die sich in der Rockerkneipe an der Ecke trafen, machten mir Angst. Da blieb ich lieber zuhause und genoss die Sonne auf der großen Terrasse. In den warmen Sommernächte saß ich nachts gern draußen und rauchte Kräuter. Da die Dinge überhaupt schief liefen, meditierte ich zudem viel vor dem Fernseher. Sah viele Etappen der Tour live, obwohl ich mich wenig für den Radpsort interessierte. Konnte mich auch nicht für diesen rotwangigen Ossi begeistern, der von den Sprechpuppen im TV gehypt wurde. Bis der 15. Juli kam, ein Dienstag. Die berühmte Etappe nach Andora, als Jan Ullrich sie alle nass machte. Da war ich begeistert von ihm. » ganz lesen

publiziert am 31.08.12 in Stadtgeschichten ¦ 995x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Arm dran – Teil 2

Der Berater, der als Mitarbeiter einer führenden PR-Agentur die deutsche AMEK betreute, hatte auch einen Namen, den aber die meisten Manager der Möbelhauskette nicht kannten. Frank Schreiner war das egal; so lange die Dame, die für die Kommunikation des Unternehmens verantwortlich war, ihn kannte und alles unterschrieb, war der Auftrag und damit sein Job sicher. Er arbeitete gern für AMEK und war selbst seit Jahren treuer Kunde des Hauses. Leider missbrauchte man ihn, der seinen Bachelor in Kommunikationswissenschaften mit Auszeichnung gemacht und kurz nach dem Ende des Studiums einen Nachwuchspreis der PR-Branche gewonnen hatte, vorwiegend für niedere Aufgaben im Bereich der Pressearbeit. So zählte es zu seinen Obliegenheiten, die von der Kommunikationsfrau verfassten Pressemeldungen zu überarbeiten; glatt zu bügeln, nannte er das. Da die Betreffenden einen Hauch soziophob war und vor lebenden Journalisten einige Angst hatte, hielt er den direkten Kontakt zu den Medien. » ganz lesen

publiziert am 22.08.12 in Einzelteile ¦ 1099x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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