Die Seite 49

Hand und Fuß – Teil 7

Eine ähnliche Funktion, so der Marketingmann, nehme auch das Wellness-Angebot ein mit dem Spaßbad, der Saunalandschaft und dem Angebot an Kosmetikbehandlungen und Massagen. Bei AMEK träumte man davon, dass Papa, Mama und alle Kinder gerne einen ganzen Tag rund um den Megastore verbringen würden und dass dabei erfreuliche Umsätze zu erzielen seien. Nun sollte der Möbelmarkt in Bracht am Niederrhein eröffnet werden. Schon seit den frühen Morgenstunden war die A61 zwischen Viersen und Nettetal hoffnungslos verstopft, der Verkehr stand auf acht Kilometern still, und die Polizei sah keine Möglichkeit, für eine reibungslose Anreise der AMEK-Fans zu sorgen. Vieles sprach dafür, dass das Gros der Besucher aus einem Grund kam, der mit Möbeln nichts zu tun hatte; in der Eventhalle würden nämlich die Harten Hände auftreten. Die hatten gerade nach sechs Jahren wieder ein neues Album auf den Markt geworfen und sollten am frühen Nachmittag zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder gemeinsam und live auftreten. » ganz lesen

publiziert am 15.06.12 in Einzelteile ¦ 914x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Walter Hinz reloaded

Aber das Schwein kratzte nicht ab. Walter Hinz war zäh. Er klebte am Leben wie er immer am Leben geklebt hatte: egozentrisch, skrupellos und voll auf die Befriedigung seiner Bedürfnisse und Triebe konzentriert. Sie fanden Tagebücher in seiner muffigen Wohnung, in der kalter Rauch schlechter Zigarren alles mit einem stinkenden, geblichen Belag überzogen hatte. Nach hinten raus waren die Vorhänge zugezogen, und es gelang den Beamten nicht, sie zu öffnen – sie waren an den Gardinenstangen festgeklebt. In einem der hinteren Zimmer waren die Wände mit deckenhohen Regalen bedeckt. Darin lagerten Hunderte Videokassetten und Schatullen voller Fotos. Nur das Schlafzimmer war einigermaßen sauber und offensichtlich frisch gestrichen. Ein Spurensicherer hatte einen Verdacht, der sich bestätigte: Man fand unter dem neuen Anstrich, direkt neben dem Bett Blutspritzer. Und später in einer Wäschetonne blutige Bettwäsche. In der Wohnküche standen Dutzende Bierkästen mit Leergut, und den kleinen Balkon konnte man nicht betreten, weil hier – wie sich später herausstellte – zweiundachtzig weitere Kästen gestapelt waren. Der zur Straße gelegene Wohnraum erwies sich als Kommandozentrale, ausgestattet mit Feldstechern auf Stativen sowie Foto- und Videokameras, alles vernetzt mit einem PC, an den ein Riesenmonitor angeschlossen war. » ganz lesen

publiziert am 10.06.12 in Völkerwanderung ¦ 1235x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Königskinder 07

Schaidler hatte einen Narren an Jojo gefressen. Nachdem dieser mit Hilfe sei-nes Freunds sauber durch das erste Staatsexamen gekommen war, traten beide das Referendariat an; Ronny im hohen Norden des Landes an einem leicht angeranzten Amtsgericht, Jojo dagegen in München am Oberlandesgericht. Sie sahen sich selten, aber in der Distanz wuchs die gegenseitige Freundesliebe wieder an. Natürlich sehnte sich Ronny nach der Nähe des alten Kumpels, er vermisste die Abende, die vertrauten Gespräche und all die anderen Dinge, die sie früher gelegentlich gemeinsam betrieben hatten. Jojo dagegen fehlte die treue Unterstützung, vor allem in juristischen Belangen. So begann eine Art Wochenendbeziehung, die durch gegenseitige Besuche, aber auch Treffen in der gemeinsamen Heimatstadt geprägt waren. Dabei lebte die Intimität wieder auf, die gerade in der Pubertät das Verhältnis der beiden zueinander geprägt hatte. In den Ferien aber bevorzugte Jojo nach wie vor Reisen, oft lud ihn Schaidler ein an die schönsten Orte der Welt. Und schließlich machte er Jojo ein Angebot, das dieser nicht ausschlagen konnte. So wurde Johannes B. Felsheimer Darsteller in den Werbespots der Firma AMEK. » ganz lesen

publiziert am 10.06.12 in Einzelteile ¦ 923x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Hand und Fuß – Teil 6

Keine Frage, dass Schaidler jede Menge Feinde hatte. In der Arena der freien Marktwirtschaft hatte er aber über die Jahre auch jede Menge Köpfe rollen lassen, in den Anfangstagen mehr als jetzt, wo er sich aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hatte. Da gab es Hunderte Menschen, denen er die Karriere zerstört hatte und von denen mancher insgeheim Mordpläne geschmiedet oder halböffentlich Rache geschworen hatte. Bedroht fühlte sich der AMEK-Boss aber erst, seitdem er in die Politik gegangen war. Ihm war klar, dass da draußen jede Menge Spinner frei herumliefen, die anderer Meinung waren als er und sich wünschten, er wäre nicht mehr in der Lage, diese Meinung in politisches Handeln umzusetzen. Und, ja, es hatte aus verschiedenen Kreisen mehr oder weniger ernst zu nehmende Morddrohungen gegeben. Viele dieser Drohungen verortete er ganz selbstverständlich in den Kreisen, die er die slawische Mafia nannte. Bisweilen fühlte er sich wie John F. Kennedy, der seiner Ansicht nach von gedungenen Killern des organisierten Verbrechens umgebracht worden war, weil er ihre Geschäfte störte. Aber auch den militanten Linken, die er in jedem dunklen Winkel vermutete, traute er Gewalt gegen Personen, insbesondere die eigene, zu. Deshalb hatte er sich eine kleine Truppe an Bodyguards zugelegt, von denen je zwei rund um die Uhr in seiner Nähe Dienst taten. » ganz lesen

publiziert am 05.06.12 in Einzelteile ¦ 957x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Verschüttet

Natürlich wurden Antonius und die Enkel von Olav und seiner Familie mit großer Herzlichkeit aufgenommen. Der alte Freund der Grijpstras hatte sich Ende der dreißiger Jahre ein prächtiges Haus außerhalb Vlissingens gebaut, direkt hinter den Dünen, und dort war ausreichend Platz für die fünf Kinder, wobei die Großen selbstverständlich eigene Zimmer bekamen. Ihr Großvater wusste schon nach wenigen Stunden, dass er Hedwig und auch Heinrich hierher holen müsste, wenn sie alle diesen Krieg überleben wollten. Er beschloss, ein paar Tage zu bleiben, um Vorkehrungen für die Übersiedlung zu treffen und informierte seine Frau mit einem lapidaren Telegramm, aus dem die Gestapo, sollte sie die Nachricht abfangen, nicht zu viel würde entnehmen können. Schon am nächsten Tag schlug Olav vor, dass Antonius wieder offiziell in die Firma eintreten und Prokura erhalten sollte. Man suchte den Advokaten auf, und anschließend ließ Olav auf der Bank eine Vollmacht ausstellen, die Antoinus den Zugriff auf das Vermögen der Familie Grijpstra ermöglichte. Schließlich beantragte er zwei Tage später auf der Polizestation im Hafen von Vlissingen die niederländische Staatsbürgerschaft. » ganz lesen

publiziert am 05.06.12 in Völkerwanderung ¦ 766x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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