Die Seite 49

Arm dran – Teil 6

Über Tag hatte ein starker Westwind den feuchten Nebel verscheucht, die Wolken waren mit nach Osten geflogen, und ein blauer Himmel spannte sich über die Stadt. Die Sonne stand schon dicht über dem Horizont, und es war viel zu mild für die Jahreszeit. Greiper hatte sich natürlich an die Wetterextreme an seinem Heimatort gewöhnt, dass es gerade im September und Oktober Tage gab, an denen es schon nasskalt war, an die Böen abwechselnd kalte und milde Luft in die Straßen bliesen, und dann wieder welche, die nach Sommer rochen, wolkenloser Himmel, mal kalt und klar, mal übermäßig warm, dann die schwülen Tage im Frühherbst oder die verspäteten Sommertage am Ende des Oktobers. Er hatte das Präsidium fluchtartig verlassen und überlegte, wie er seinen Frust über die sinnlosen Verhöre im Megastore verdauen könnte, um sich anschließend auf seine Gedankenarbeit zu konzentrieren. Er löste das Problem auf bewährte Art, besorgte sich beim letzten überlebenden Metzger im Viertel zwei fette Mettbrötchen und setzte sich zuhause auf die Terrasse; das Bier zum Imbiss sparte er sich für später auf und trank bloß Wasser dazu. » ganz lesen

publiziert am 04.11.12 in Einzelteile ¦ 1103x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Heraus zum grünen 1. Mai!

immendorff_und_ich_1980Als die Grünen sich selbst noch zu den Linken zählten, nahmen viele Mitglieder auch an den klassischen Demonstrationen zum 1. Mai teil. Es war das Jahr 1980, in dem ehemalige K-Gruppen-Kader sich verbürgerlichten und penetrant eine Zusammenarbeit mit den Sozen herbeireden wollten. Das hieß in jenen Jahren auch, dass man sich mit den Gewerkschaften gut stellen musste, also auch bei den Mai-Kundgebungen mitzumachen. Immerhin waren uns die Spezialdemokraten und Gewerkschaftsfunktionäre nicht annähernd so verhasst wie die Betonköppe aus dem Lager der K-Gruppen, so Typen wie der Trittin und andere, die einst in der KPDML oder KPD/AO oder den MG oder im KBW an der Weltrevolution in Berlin und/oder Frankfurt gearbeitet hatten. In den Gründungsjahren der Grünen, an denen ich auf allen Ebenen intensiv beteiligt war, prallten völlig gegensätzliche Kräfte aufeinander. Noch beim Gründungsparteitag in Karlsruhe konnte man den Blut-und-Boden-Bauern Baldur Springmann und den erzkonservativen CDU-Naturfreund Herbert Gruhl im freundlichen Gespräch mit den Extremlinken Thomas Ebermann und Rainer Trampert und natürlich auch Jutta Ditfurth. Die späteren Karrieristen und Wendehälse à la Fischer, Schily und Konsorten waren entweder nicht dabei oder spielten keine Rolle. Bei uns in Düsseldorf gingen die grünen Uhren ohnehin anders. » ganz lesen

publiziert am 03.11.12 in Stadtgeschichten ¦ 848x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Alle Mann

Manchmal, sagte Elle gern, merkt man erst, dass man verarscht wurde, wenn derjenigen, der einen verarscht hat, nicht mehr in Reichweite ist. Sie ahnte an diesem Tag vermutlich nicht, wie sehr dieser Satz auf den unsympathischen Büdchenbesitzer vom Platz passte. Denn nachdem Ümit die sorgfältig zusammengefaltete Liste mit Namen und Daten übergeben hatte, beschloss der Hauptkommissar, dem angeblich erpressten Bombenschärfer Ausgang bis zum nächsten Morgen zu gewähren und eigenhändig einen weiteren Haftprüfungstermin zu beantragen. So konnte der Typ, der aus seinem illegalen Geschäft mit Waffen keinen Hehl mehr gemacht hatte, das Polizeipräsidium verlassen, die Stadt verlassen, das Land verlassen und sogar den Kontinent zu verlassen, um sich mit seinem Wohlstand in seiner ostanatolischen Heimat niederzulassen und einem komfortablen Alter entgegenzusehen. Ümit wurde nie wieder in der Stadt gesehen. Der Vermieter räumte irgendwann den Laden und machte das Inventar zu Geld. Im Lagerraum, den sich der hemalige Mieter mit dem albanischen Nachbarn geteilt hatte, fand man leer Holzkisten, meist mit Ölpapier ausgeschlagen und teilweise mit speziellen Schutzdecken vollgestopft. Ein paar Pappschachteln Munition klaubten dann die Beamten, die den Status aufzunehmen hatten, aus den Rattenlöchern. » ganz lesen

publiziert am 28.10.12 in Völkerwanderung ¦ 1114x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Königskinder 09

Und während sich Felsheimer immer mehr in die bunte Welt der Prominenz hineinzwängte und darüber die Kanzlei vernachlässigte, übernahm Ronny das Regiment, spezialisierte sich auf Medienrecht und Abmahnungen, was für in kurzer Zeit zu einem unerwarteten betriebswirtschaftlichen Erfolg führte. Da Jojo immer noch bestenfalls als B-Promi durchging und entsprechend geringe Honorare für seine Fernsehauftritte bezog, ernährte ihn sein Freund mehr oder weniger mit. Zumal der seine persönlichen Einnahmen lieber in teure Kleidung, Uhren, Luxusurlaube und seine Autos steckte. Mittlerweile hatte er seine erste gebrauchte Corvette gegen ein flammneues Exemplar dieser Marke getauscht und einen schweren Geländewagen dazu in die Garage gestellt. Ronny hielt das Geld dagegen zusammen und sparte am liebsten beim Personal, sodass über Jahre nur Praktikanten und Aushilfen in den überdimensionierten Büroräumen, die natürlich Felsheimer ausgewählt hatte, herum wuselten und niedere Dienste taten. Ronald Horben hatte inzwischen so etwas wie ein eigenes Sozialleben entwickelt, das konkret aus der Teilnahme am vierteljährlich stattfindenden Juristenstammtisch bestand. Und dort begegnete er eines Tages einem blutjungen Anwalt. » ganz lesen

publiziert am 28.10.12 in Einzelteile ¦ 942x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Das Tanzschulenmassaker

tanzschulenmassakerAus dem Büro und aus der Bar drang Stimmengewirr. Immer lauter. Die ersten Flaschen und Gläser klirrten. Dann trat jemand die Doppelflügeltür auf, und sieben, acht wilde Kerle stürmten die Tanzfläche. Udo hatte gerade das Pult mit dem Plattenspieler übernommen, weil ich eine Pause zum Knutschen mit Susanne nutzen wollte. Die Mädchen kreischten, einer von meinen Kumpeln brüllte die Eindringlinge an. Aber die reagierten darauf nicht, sondern begannen ihre Arbeit. Systematisch zerschlugen sie die Spiegelwand, kickten die Stühle umher und zuletzt zerlegte ein großer Dunkelhäutiger die Musikanlage, hinter der Udo sich verschanzt hatte. Später, ein paar Tage nach der Mondlandung, erwischten sie mich nachts auf der Blücherstraße. Die Narbe am Hinterkopf kann ich noch heute ertasten. » ganz lesen

publiziert am 26.10.12 in Stadtgeschichten ¦ 914x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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