Die Seite 5

Feuerfest (6): Verbrannt

Als Greiper an der Stelle angekommen war, an dem er von der gefundenen Leiche erzählen musste, brach Elle in Tränen aus: „Oh Gott, die arme Frau, verbrannt, bei lebendigem Leib verbrannt, wie furchtbar, das ist so fürchterlich, das ist die schlimmste Art zu Tode zu kommen. Ich darf gar nicht daran denken. Mir wird übel.“ Ihr Ausbruch kam nicht unerwartet angesichts ihrer tiefsitzenden, irrationalen Angst vor dem Feuer. Robert war aufgestanden und hatte Elle in den Arm genommen. Dann sagte sie: „Hör auf mit der Geschichte. Ich will das nicht hören. Lass uns ins Bett gehen.“ Aber vorher nahmen sie gemeinsam eine Dusche und erneuerten ihre Liebe. Während seine Liebste leise vor sich hin schnarchte, konnte er natürlich nicht schlafen. An Bord schlief er nur tief und fest, wenn er vorher richtig viel Bier getrunken hatte. Aber an diesem merkwürdigen Abend war er über drei Flaschen nicht hinausgekommen. Und so lag er und lauschte auf das unterschiedlichen Glucksen und Blubbern rund um das Hausboot, immer mit dem Gedanken, was passieren würde, gäbe es ein Leck – sie beide würden schlafend ertrinken. » ganz lesen

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publiziert am 03.06.17 in Feuerfest ¦ 195x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Feuerfest (5): Der Örtzel

Der Örtzel saß mitten auf dem Platz in seinem Rollstuhl. Mit seiner hellen Kinderstimme rief der Mann, der seit vielen Jahren im Viertel unterwegs war, zunächst zu Fuß, dann auf Krücken und jetzt im Rollstuhl, nach Greiper: „Herr Kommissar! Herr Kommissar! Wer war das denn?“ Seitdem er nicht mehr gehen konnte, war der Kerl, den sie alle für geistig behindert hielten, aufgegangen wie ein Hefeteig. Ein Quadratschädel mit wasserblauen Augen saß nun halslos auf dem aufgedunsenen Körper. Greiper mochte den Örtzel, der rund um den Platz die Position eines Dorftrottels einnahm, und hielt ihn einfach nur für ein wenig weltfern und naiv – wie ein Kind eben. Dabei sah und hörte der Örtzel alles, kannte fast alle Leute im Umkreis von fünfhundert Metern beim Namen, wusste, was sie taten oder nicht, wer mit wem und wer gegen wen. In mindestens drei Fällen waren es die Erzählungen dieses Originals, die ihn auf die richtige Spur gebracht hatten. Also ging Greiper rüber, hockte sich neben den Rollstuhl und sagte: „Man weiß es nicht. Und ich bin nicht im Dienst.“ Leise sprechen konnte der Örtzel nicht: „Ach, so, Sie sind gar nicht im Dienst! Ich wollte Ihnen gerade was erzählen…“ So begann er immer, und was folgte, waren oft präzise Zeugenaussagen – jedenfalls präziser als das, was der Hauptkommissar a.D. oft von gebildeten Leuten zu hören bekam. » ganz lesen

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publiziert am 02.06.17 in Feuerfest ¦ 182x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Feuerfest (4): Unwissen

Greiper nutzte die Zeit und rief HH an. „Warum haben Sie mir nicht gesagt, dass es eine Leiche gibt?“ Sein Lehrling stotterte: „Ja, äh, hätte ich schon noch… Wissen Sie, ich hab erstmal die Spurensicherung hingeschickt.“ Der Hauptkommissar a.D. grinste leicht vor sich hin: „Weiß man schon was über das Opfer? Mann, Frau, Alter etc. Oder konnte die Leiche sogar schon identifiziert werden?“ – „Nein, das wissen wir alles noch nicht. Die Obduktion läuft noch. Ich rufe sie sofort an, wenn’s was Neues gibt, Chef.“ Inzwischen stand schon ein großer Pott Kaffee vor ihm, und Manuel hatte Brot und irgendeinen veganen Aufstrich gedeckt. Wenn sie in zivil daherkamen, also nicht in schwarzen Hoodies und anderer martialischen Kleidung, kamen ihm die Antifa-Youngster immer ein bisschen vor wie die Kleinen Strolche im Stummfilm. Zumal es auf dem Gelände auch einen ziemlich fetten, weißen Hund gab, dessen Gesicht zur Hälfte schwarz war. Die Autonomen im Zentrum wirkten auf ihn wie freche, aber harmlose Kinder, die gern anderen Streiche spielten. Aber er wusste auch, dass zumindest zwei von ihnen erheblich gewaltbereit waren – wie es im Polizeijargon hieß. » ganz lesen

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publiziert am 27.05.17 in Feuerfest ¦ 160x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Feuerfest (3): Autonome

Branko rief etwas durch die Klappe zur Küche, zapfte ein Alt und wechselte die Seite des Tresens. „Und,“ fragte Greiper, „was glaubst du, wer’s war?“ Der Wirt schaute zu Boden: „Wer was war?“ – „Komm schon, stell dich nicht blöd. Wer das Weinlokal abgefackelt hat.“ – „Ja, ach so, meine Güte, was weiß ich. Ein Verrückter?“ Der Kommissar schüttelte den Kopf: „Hast nichts davon mitgekriegt, stimmt’s? Wohnst ja mehr als zwei Häuserblocks weg, und heute morgen bist du ausnahmsweise von der anderen Seite an deine Kneipe heran gekommen. Willst du mich verarschen?“ Branko war einen Schritt zur Seite gegangen, um durchs Fenster schauen zu können. „Moment, kommt Lieferung…“ Dann brachte Ivka den Teller mit den Hackwürstchen, dem Gemüsereis, Ajvar und gehackten Zwiebeln und nickte ihm schlechtgelaunt zu. Aber natürlich hatte sie ihm zwei Cevapcicci mehr aufgetan als üblich. Der Lieferwagen war längst wieder weg, aber der Wirt machte sich trotzdem weiter am Eingang zum Lager zu schaffen. Im Hinausgehen rief ihm Greiper zu: „Ich komm nachher wieder. Vielleicht ist dir dann was eingefallen.“ Branko winkte nur kurz und verschwand bei den Bierkästen. » ganz lesen

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publiziert am 25.05.17 in Feuerfest ¦ 143x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Feuerfest (2): Ernährung

Weit kam er nicht. Er hatte den Platz kaum zur Hälfte überquert, da spürte er einen Begleiter an seiner Seite, der zu ihm aufschloss. Der Hauptbrandmeister kam ihm nahe, und genau das mochte der Hauptkommissar nicht. Fehlt nur noch, dass er sich bei mir einhakt, dachte er. „Wissen Sie“, begann der Feuerwehrbeamte, „so lange es keinen Personenschäden gab, ist für uns ein solcher Vorfall schnell abgeschlossen. Zahlt ja eh am Ende die Versicherung. Und wer warum den Brand gelegt hat, ist für uns unerheblich. Unsere Ermittler arbeiten lediglich der Polizei zu.“ Greiper war stehengeblieben: „Und warum erzählen Sie mir das jetzt?“ Brandt lächelte dünn: „Vielleicht sollten ihre Leute erstmal die Füße stillhalten.“ Der Kripomann drehte sich zu seinem Begleiter um: „Wenn ich Sie richtig verstehe, möchten Sie, dass sich die Legende von den bösen Autonomen durchsetzt. Und das weckt meine Neugier, Herr Brandt. Offiziell habe ich mit der Sache nichts zu tun, weil ich vorübergehend außer Dienst gestellt bin. Aber ich kenn mich hier im Viertel aus. Auf Wiedersehen…“ Und ließ den Hauptbrandmeister einfach stehen. » ganz lesen

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publiziert am 23.05.17 in Feuerfest ¦ 165x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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