Die Seite 5

Feuerfest (4): Unwissen

Greiper nutzte die Zeit und rief HH an. „Warum haben Sie mir nicht gesagt, dass es eine Leiche gibt?“ Sein Lehrling stotterte: „Ja, äh, hätte ich schon noch… Wissen Sie, ich hab erstmal die Spurensicherung hingeschickt.“ Der Hauptkommissar a.D. grinste leicht vor sich hin: „Weiß man schon was über das Opfer? Mann, Frau, Alter etc. Oder konnte die Leiche sogar schon identifiziert werden?“ – „Nein, das wissen wir alles noch nicht. Die Obduktion läuft noch. Ich rufe sie sofort an, wenn’s was Neues gibt, Chef.“ Inzwischen stand schon ein großer Pott Kaffee vor ihm, und Manuel hatte Brot und irgendeinen veganen Aufstrich gedeckt. Wenn sie in zivil daherkamen, also nicht in schwarzen Hoodies und anderer martialischen Kleidung, kamen ihm die Antifa-Youngster immer ein bisschen vor wie die Kleinen Strolche im Stummfilm. Zumal es auf dem Gelände auch einen ziemlich fetten, weißen Hund gab, dessen Gesicht zur Hälfte schwarz war. Die Autonomen im Zentrum wirkten auf ihn wie freche, aber harmlose Kinder, die gern anderen Streiche spielten. Aber er wusste auch, dass zumindest zwei von ihnen erheblich gewaltbereit waren – wie es im Polizeijargon hieß. » ganz lesen

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publiziert am 27.05.17 in Feuerfest ¦ 121x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Feuerfest (3): Autonome

Branko rief etwas durch die Klappe zur Küche, zapfte ein Alt und wechselte die Seite des Tresens. „Und,“ fragte Greiper, „was glaubst du, wer’s war?“ Der Wirt schaute zu Boden: „Wer was war?“ – „Komm schon, stell dich nicht blöd. Wer das Weinlokal abgefackelt hat.“ – „Ja, ach so, meine Güte, was weiß ich. Ein Verrückter?“ Der Kommissar schüttelte den Kopf: „Hast nichts davon mitgekriegt, stimmt’s? Wohnst ja mehr als zwei Häuserblocks weg, und heute morgen bist du ausnahmsweise von der anderen Seite an deine Kneipe heran gekommen. Willst du mich verarschen?“ Branko war einen Schritt zur Seite gegangen, um durchs Fenster schauen zu können. „Moment, kommt Lieferung…“ Dann brachte Ivka den Teller mit den Hackwürstchen, dem Gemüsereis, Ajvar und gehackten Zwiebeln und nickte ihm schlechtgelaunt zu. Aber natürlich hatte sie ihm zwei Cevapcicci mehr aufgetan als üblich. Der Lieferwagen war längst wieder weg, aber der Wirt machte sich trotzdem weiter am Eingang zum Lager zu schaffen. Im Hinausgehen rief ihm Greiper zu: „Ich komm nachher wieder. Vielleicht ist dir dann was eingefallen.“ Branko winkte nur kurz und verschwand bei den Bierkästen. » ganz lesen

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publiziert am 25.05.17 in Feuerfest ¦ 103x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Feuerfest (2): Ernährung

Weit kam er nicht. Er hatte den Platz kaum zur Hälfte überquert, da spürte er einen Begleiter an seiner Seite, der zu ihm aufschloss. Der Hauptbrandmeister kam ihm nahe, und genau das mochte der Hauptkommissar nicht. Fehlt nur noch, dass er sich bei mir einhakt, dachte er. „Wissen Sie“, begann der Feuerwehrbeamte, „so lange es keinen Personenschäden gab, ist für uns ein solcher Vorfall schnell abgeschlossen. Zahlt ja eh am Ende die Versicherung. Und wer warum den Brand gelegt hat, ist für uns unerheblich. Unsere Ermittler arbeiten lediglich der Polizei zu.“ Greiper war stehengeblieben: „Und warum erzählen Sie mir das jetzt?“ Brandt lächelte dünn: „Vielleicht sollten ihre Leute erstmal die Füße stillhalten.“ Der Kripomann drehte sich zu seinem Begleiter um: „Wenn ich Sie richtig verstehe, möchten Sie, dass sich die Legende von den bösen Autonomen durchsetzt. Und das weckt meine Neugier, Herr Brandt. Offiziell habe ich mit der Sache nichts zu tun, weil ich vorübergehend außer Dienst gestellt bin. Aber ich kenn mich hier im Viertel aus. Auf Wiedersehen…“ Und ließ den Hauptbrandmeister einfach stehen. » ganz lesen

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publiziert am 23.05.17 in Feuerfest ¦ 123x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Feuerfest (1): Detonationen

Natürlich hatte Greiper die Explosionen gehört. Hatte er doch in dieser schwülen Sommernacht die Terrassentür offen gelassen, ja, sogar erwogen, unter freiem Himmel zu übernachten. Gegen halb drei war er zum zweiten Mal auf der Toilette, gegen Viertel nach vier weckten zwei Donnerschläge, die mit kurzem Abstand voneinander das Haus erzittern ließen. Er schaltete sofort den Empfänger ein, der er ohne Genehmigung hatte mitgehen lassen, um immer über die Einsätze der Kollegen informiert zu sein und hörte noch den Rest der Durchsage: „…in einer Gaststätte am Regentenplatz zwei Detonationen…“. Es dämmerte leicht, und die Nacht war erfüllt von den Sirenen der Einsatzkräfte von Feuerwehr und Bereitschaftspolizei als sich angezogen hatte und auf dem Weg zum Ort des Geschehens war. » ganz lesen

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publiziert am 22.05.17 in Feuerfest ¦ 113x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Das Dach (4)

Ja, ich war in Tom verliebt. Obwohl ich zu jener Zeit gar nicht genau wusste, was das heißt, verliebt sein. Was wussten wir schon von Liebe? Du kannst erst jemanden lieben, sagte Tom Jahre später, wenn du selbst geliebt worden bist. Mich zog es einfach nur hin zu ihm. Ich wollte ihm nahe sein, ihn sehen, hören, riechen und fühlen. Wir lagen nebeneinander in der prallen Sonne wie Makrelen zum Trocknen. Ich richtete mich halb auf und betrachtete Tom. Weich und weiß war sein Körper. Wie ein Marshmallow, denn ich konnte es mir nicht anders vorstellen, als dass sein Fleisch süß schmecken müsste. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass er damals ziemlich fett war. Damals fand ich seine Rundungen einfach nur schön. Und zwischen seinen Beinen ruhte eine weiße Made in einem rötlichen Nest. Ich konnte nicht anders, ich musste diesen Wurm anfassen. » ganz lesen

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publiziert am 27.03.17 in Vera, Tom & ich ¦ 205x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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