Die Seite 52

Gojkos Monolog (1)

Wärst du ein richtig harter Bulle und nicht solch ein zweifelndes Weichei und wir beide säßen jetzt in einem fensterlosen Verhörraum und du würdest mich auffordern, endlich auszupacken, würde ich erstmal Angaben zur Person machen, wie sich das gehört. Aber du hockst da wie ein Häufchen Elend, hast die Hose gstrichen voll und überlegst die ganze Zeit, wie du mich überwältigen könntest. Vergiss es. Bevor du auch nur eine einzige Bewegung in meine Richtung gemacht hast, sind wir beide nur noch Partikeln in einer großen heißen Wolke. Also, halt jetzt einfach die Fresse und hör zu. Den Namen Walter Hinz habe ich ungefähr 30 Jahren angenommen. So hieß mein erstes Opfer. Besser gesagt: Das erste Arschloch, dem ich das Licht ausgepustet habe. Ich bin nämlich Ermittler, Richter und Henker in einer Person. Dazu später mehr. Geboren wurde ich vor ziemlich genau 62 Jahren als Gojko Trifunov in Widin. Sagt dir jetzt nichts, oder? Okay, rate mal. » ganz lesen

publiziert am 01.05.12 in Völkerwanderung ¦ 705x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Königskinder 05

Selbstverständlich engagierte sich Jojo auch im Rahmen der studentischen Selbstverwaltung; ausreichend Erfahrung hatte er aus seiner Zeit als Schüler-sprecher und war mit allen Wassern der politischen Machtspiele gewaschen. Im vierten Semester übernahm er handstreichartig den universitären Radiosender, warf die Typen raus, die immer irgendwelche Nischenmusik spielten und über Ökologie debattierten, und übernahm die Funktion eines Programmdirektors. Seine Ära war gekennzeichnet durch ein flottes Musikprogramm knapp unterhalb des Mainstreams und allerlei Call-In-Shows, die er bei den Privatfunkern abgekupfert hatte. So entdeckte ihn die Chefredakteuse eines solchen lokalen Senders und bot ihm einen Job als DJ an. Jojo konzentrierte sich auf den Spaß-Punk und war einer der ersten, der regelmäßig die Songs der trinkfreudigen Harten Hände spielte. » ganz lesen

publiziert am 24.04.12 in Einzelteile ¦ 984x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Hand und Fuß – Teil 1

Der diensthabende Gerichtsmediziner aß Fleischsalat aus der Plastikschale und benutzte dazu eine Art Löffel. Da er diese Mahlzeit nicht im Sezierraum einnahm, sondern in seinem Büro, konnte Greiper nichts Anstößiges daran finden. Überhaupt fand er, dass um Forensiker viel zu viel Pietät betrieben würde, was er auf die Fülle an Fernsehserien zurückführte, in denen den Zuschauer vorgespiegelt wurde, dass ein Mord ausschließlich anhand von Obduktionsergebnissen zu klären sei und die Wissenschaftler die wahren Kriminalisten seien. Tatsächlich konnte er sich nur an einen seiner Fälle erinnern, in dem erst die Zerlegung der Leiche die Spur zum Täter offenbart hatte. Es handelte sich um einen Kerl, in dessen Rücken eine minimale Stichwunde vorlag, der aber ganz offensichtlich an diesem Piekser verstorben war. Erst die vollständige Obduktion ergab, dass als Tatwerkzeug eine Rouladennadel zum Einsatz gekommen war, deren angebrochene Spitze sich dummerweise in eine wichtige Arterie gebohrt hatte und beim Ausbluten des Opfers weit in dessen Körper gewandert war. Da es sich um eine in Europa äußerst seltene Version der Kochnadel handelte, konnte der Mörder nach einiger Zeit entlarvt, gefasst und verurteilt werden. » ganz lesen

publiziert am 14.04.12 in Einzelteile ¦ 1090x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Totschlag

So ging das nun immer weiter. Köbes wurde immer tiefer in die verschiedenen Aktivitäten der NSDAP-Organisationen gezogen und war eigentlich nur noch dann daheim, wenn einer Gruppen im Sebastianus-Hof Sitzung hielt. Ansonsten kam er meist spät und oft angetrunken nachhause. Dann fand er oft auch den Weg in die Wohnung im ersten Stock nicht, sondern schlief in seinen Kleidern in einem Nebenraum der Küche, wo man eine Matratze für Gäste, die zu betrunken waren, um den Weg in ihr Heim zu finden, untergebracht hatte. Und über den wunderbar warmen Sommer des Jahres 1939 hinweg war der Wirt oft tagelang in Sachen Propaganda unterwegs in anderen Städten und Regionen des Reiches. Es galt schließlich, die Volksgenossen auf den unmittelbar bevorstehenden Krieg vorzubereiten. Sofia und Erwin hatte so oft freie Bahn für ihre freie Liebe, die ganz ohne Zukunft war, ganz ohne Hoffnung auf Ewigkeit – weder bei ihm, den Wanderhandwerker, noch bei ihr. Beide wussten, dass es ein Zusammenleben nie geben würde, und es war ihnen so sehr recht, dass sie nie darüber sprachen. Der August kam, und alle Angestellten wussten längts Bescheid, die Nachbarn, die Gäste, die Leute im Viertel. Und doch denunzierte niemand das Liebespaar, steckte keiner dem Köbes, seine Frau gehe fremd. » ganz lesen

publiziert am 13.04.12 in Völkerwanderung ¦ 988x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Lauter Lügen

„Darf ich rauchen?“ Robert schüttelt den Kopf. Der Hinz nestelt eine Papschachtel aus der einen Hosentasche, Streichhölzer aus der anderen, holt einen bereits halb gerauchten Stumpen aus der Packung und zündet sich den an. Das Zündholz wirft er auf den empfindlichen Parkettboden. „Ich gestehe also“, sagt der Täter nachdem er drei, vier fette Rauchwolken ausgestoßen hat, „den schwer drogensüchtigen Feuerkünstler Lorenzo Bhy zum Bau einer – nun, Bombe würde ich das nicht nennen, eher – Brandmaschine angestiftet zu haben. Des weiteren gebe ich zu, ihm nicht die versprochenen neunzigtausend Euro gezahlt, sondern ihn statt dessen bei der Kripo angezeigt zu haben.“ Sein Gegenüber will aufstehen. „Bleib sitzen. Nichts wird aufgeschrieben. Musst du dir alles merken, Jung.“ Er pafft eine Weile und setzt dann fort. „Du weißt ja inzwischen, dass wir über vier bulgarische Weiber reden und die beiden Ölaugen von der Bar. Gute Arbeit, übrigens, von eurem Labor, die Herkunft der Mädels über eine DNA-Analyse rausgekriegt zu haben. Wusste nicht, dass das geht.“ Robert mischt sich ein: „Moment. Sie legen hier ein Geständnis ab. Ist Ihnen das klar, Herr Hinz?“ Der Mann mit dem kugelförmigen Schädel blinzelt ihn belustigt an: „Du kannst dir überhaupt nicht vorstellen, wie klar mir das alles ist.“ Er macht eine Kunstpause: „Und wie wenig dir das nützt.“ » ganz lesen

publiziert am 09.04.12 in Völkerwanderung ¦ 914x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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