Die Seite 53

Arm dran – Teil 1

Schaidlers Assistent hatte schon nach knapp sechs Stunden Antwort auf seine Mail bezüglich des Vertrags mit der rumänischen Pressspanfabrik erhalten. Das beruhigte ihn, zumal die Reaktion seines Chefs so ausfiel wie er das von ihm gewohnt war: „Geht klar. Schnell unterschreiben. Und nicht soviel Schmiergeld vergeuden.“ Die Nachricht war wie gewöhnlich mit dem Kürzel SCH – natürlich in Großbuchstaben – signiert. Das geschah an jenem Dienstag, an dem man das erste Ohr in einem deutschen AMEK-Markt entdeckt hatte, wovon die rechte Hand des obersten Herrschers des Möbelimperiums aber erst am Donnerstag erfuhr. Noch schien es ihm nicht opportun, seinen Boss mit dem Fall zu molestieren, denn der reagierte auf unliebsame Störungen meist spürbar gereizt. Und im gereizten Zustand war ein Schaidler selbst aus der Ferne nur schwer zu ertragen. » ganz lesen

publiziert am 12.08.12 in Einzelteile ¦ 961x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Hand und Fuß – Teil 9

Nein, es war kein Auflauf, der auf dem Parkplatz vor dem AMEK-Megastore entstanden war als Hauptkommissar Greiper mit dem Hubschrauber über dem Dach des Gebäude schwebte, sondern ein ziemlicher Tumult. Gerade eben hatte der Marktleiter per Megafon bekanntgegeben, dass die Verpflegungsstationen aus technischen Gründen leider geschlossen bleiben würden. Dass die Menge einigermaßen aggressiv reagierte, bestätigte die naheliegende Vermutung, dass ein Teil des Landvolks nur wegen der Aussicht auf kostenlose Grillwürste und Freibier erschienen war. Trotz allem blieb der Hauptverantwortliche für den Möbelmarkt einigermaßen kontrolliert und ordnete Maßnahmen zur Massenberuhigung an. Eine Kollegin telefonierte die umliegenden Getränkemärkte ab und bestellte Bierfässer samt Zapfbesteck en gros, eine andere forderte bei einem bekannten Kirmesversorger jeden verfügbaren Grillwagen an, und alle hofften darauf, dass man zügig mit der Verköstigung der Menschen beginnen könnte. » ganz lesen

publiziert am 02.08.12 in Einzelteile ¦ 780x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Straße der Patrioten

patriotenstrasseDieser Tage unternahm ich mit dem Hund eine Wanderung im Straberger Wald. Der gar nicht der „Straberger“ Wald ist, sondern der Mühlenbusch, welcher hinwiederum den südlichsten Abschnitt des Knechtstedener Waldes darstellt. Das Dorf Straberg, dessen Pech ist, vor Längerem der kotzfleckförmigen Stadt Dormagen (Kenner sagen „Dormagendarm“…) zugeschkagen woirden zu sein, grenzt an ebendiesen Busch. Folgerichtig heißt die Straße, die aus dem Ort in den Wald führt auch „Mühlenbuschweg“. Dortselbst lebte ich im Jahre 1977 in einer Wohngemeinschaft (kurz: WG). Die Greise unter den Lesern werden sich daran erinnern, dass eine WG damals für Otto Normalfamilie quasi Sodom und Gomera in einer Person war. WGler waren entweder faule Stundenten oder verschlagene Terroristen. Wir waren weder noch. Tatsächlich zeichnete sich unsere WG dadurch aus, dass alle sieben Insassen ihre Brötchen mit ehrlicher Arbeit verdienten. Was aber den Dorfkern, der sich aus den damals noch handelsüblichen, niederrheinsch-dumpfen Rübenköppen zusammensetzte, nicht daran hinderte, von unserer kleinen Gemeinde als „diesen Studenten“ zu reden. Okay, wir waren Städter, jung und wild dazu, aber als Studenten wollten wir uns dann doch nicht beleidigen lassen. » ganz lesen

publiziert am 30.07.12 in Stadtgeschichten ¦ 1106x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Neunddreißig bis sechsundvierzig

Er legte die Fotos auf dem Fußboden aus. Eins neben dem anderen in der Reihenfolge des Zeitpunkts, der jeweils automatisch in das Bild eingeblendet war. Auf Aufnahme neununddreißig sieht man den dunklen Eingang der Bar, sie hat geschlossen, alle Lichter sind ausgeschaltet. Ein großer dunkler Wagen fährt vor. Greiper meint, einen Audi A8 oder VW Phaeton zu erkennen. Ein Mann steigt aus dem Fond. Auf Bild einundvierzig ist das Auto weg, ein heller Stapel steht an der Tür der Bar, es könnten Zeitungen sein. Dann ein eher kleiner, untersetzter Mann, der einen schwarzen Kasten obenauf legt. Er hat sich auf Foto Nummer dreiundvierzig gebückt und hantiert an dem Stapel. Und das Bild sechsundvierzig besteht aus nichts als einem strahlenden Blitz in der Bildmitte und ganz viel schwarz drumherum – die Explosion. Der Hauptkommissar fasst für sich zusammen: » ganz lesen

publiziert am 23.07.12 in Völkerwanderung ¦ 916x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Aufbau

Wie es der Zufall wollte, stammte Anna aus einer Stadt kaum vierzig Kilometer entfernt von dem Ort, an der aufgewachsen war. So stimmte sie gern zu, als Heinrich, den sie in Vlissingen gern Heintje nannten, einige Wochen nach der Hochzeit vorschlug, dorthin zu reisen, um nach dem alten Gasthof der Eltern zu sehen. Nach der ersten kurzen Begegnung im Krug von Oostburg hatte er vorsichtig, aber hartnäckig um sie geworben. Im Mai des Jahres 1947 willigte sie ein, ihn zur Kermes in Middelburg zu begleiten, wo es ein großes Tanzvergnügen auf dem Platz vor der Abtei geben sollte. Natürlich hatte sie sich auch in ihn verliebt, und sie war stolz und glücklich, mit ihm zusammen gesehen zu werden, mit ihm zu tanzen und, ja, in der folgenden Nacht auch zu schlafen. Alle Nachbarn fanden, Heintje und Anneke seien das schönste Paar, das man seit langem gesehen habe, und waren alle davon überzeugt, die beiden würden bald heiraten. » ganz lesen

publiziert am 21.07.12 in Völkerwanderung ¦ 1021x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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