Die Seite 53

Arm dran – Teil 8

Hauptkommissar Greiper sah sich genötigt, noch intensiver über das Verpacken von Lebensmitteln in vakuumversiegelten Plastikbeuteln nachzudenken. Er hatte vor Jahren auf einem Verkaufskanal im Fernsehen so ein Gerät gesehen, das man Hausfrauen aufschwatzen wollte. Der Moderator hatte sich begeistert darüber, dass man mit dem Vaccumate fast alles frisch halten könnte, ohne es einfrieren zu müssen. Dann hatte er riesige Fleischbrocken eingeschweißt, später geputztes Gemüse und dann ganze Mahlzeiten. Als er schließlich auch Socken und Unterhosen vakuumierte, hatte Greiper einen appetitlicheren Kanal angesteuert. Das Prinzip war ihm klar. Man stopft das frisch zu haltende Gut in eine Tüte. Dann legt man die in das Gerät ein und drückt eine Taste. Die eingebaute Pumpe saugt die enthaltene Luft heraus, und am Ende wird die Nahtschnittstelle über einen Heizdraht zu geschweißt. So weit er sich erinnerte, musste man keine speziellen Beutel nehmen, sie mussten nur dicht genug sein. Natürlich würde das Vakuum dafür sorgen, dass die in der Luft enthaltenen Bakterien nicht am Eingeschweißten ihr Unwesen treiben könnten. Vermutlich würde so auch die Luftfeuchtigkeit ferngehalten. Wenn die Leichenteile also ganz frisch nach dem Abtrennen verpackt werden, dann müssten sie sich beim Öffnen genau in dem Zustand wie beim Vakuumisieren befinden. Er griff das Telefon und rief erneut in der Forensik an. » ganz lesen

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publiziert am 22.12.12 in Einzelteile ¦ 1352x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Zur dicken Mutti

dicke_muttiDenkt euch ein Viertel in der Stadt mit normalen Leuten. Stellt euch eine Kreuzung vor zwischen einer breiten und einer schmalen Straße. Dann erfindet eine Eckkneipe. Das könnte das Gasthaus „Zur dicken Mutti“ sein. Natürlich heißt die Wirtschaft ganz anders, „Zur Post“ oder „Bei Heidi“ oder so, aber die Stammgäste sagen immer nur: „Ich geh zur dicken Mutti“. Dabei kann man Hildegard nicht wirklich dick nennen. Gut, sie hat ziemlich kräftige Oberarme. Das käme davon, sagt sie, dass sie als junges Mädchen Leistungsschwimmerin gewesen sei. Es fällt schwer, sich die Hilde – so dürfen nur die allerliebsten Tresenhocker sie nennen – als Delfin in einem chlorigen Becken vorzustellen. Allein schon wegen der Frisur. Aus irgendeinem Grund hat sie sich für den Look der frühen sechziger Jahre entschieden. Also für eine Wasserwelle, die mit vielen Zutaten in reinen Beton verwandelt wird. Einige Gäste würden einiges darum geben, einmal morgens neben ihr im Bett zu erwachen. Nur um zu sehen, wie ihre Haare dann aussehen. Nach allem was ich weiß ist Hildegard auch keine Mutti. Sie spricht ja nur wenig über sich selbst, der Verweis auf ihre sportliche Vergangenheit ist da die Ausnahme. » ganz lesen

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publiziert am 07.12.12 in Stadtgeschichten ¦ 981x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Königskinder 10

Also hatte sich das Verhältnis zwischen Jojo und Ronny einerseits entspannt, war aber andererseits ins Ungleichgewicht geraten. Zwar florierte die Kanzlei, aber was die Verteilung der Arbeit anging, hätte Johannes ein schlechtes Ge-wissen haben müssen. Schließlich tauchte er selten öfter als fünf, sechs Mal pro Monat dort auf, befasste sich überhaupt nicht mit den Mandanten und deren Fällen, sondern setzte die Praktikanten nur zu eigenen Zwecken ein. Zum Umsatz der gemeinsamen Firma trug er nichts bei, denn was er mit seinen Fernseh- und Werbejobs verdiente, floss in seine Privatschatulle. » ganz lesen

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publiziert am 02.12.12 in Einzelteile ¦ 1409x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Ocho klärt auf

„Ich sagte: unauffällig“, begrüßte Greiper den Sprecher Bande vom Platz, der in der Tür stand. Ocho trug nun schwarz. Schwarze Sneakers, bei denen das helle Markenzeichen mit schwarzem Edding gefärbt war, eine tiefschwarze Trainingshose vom gleichen Hersteller, bei denen jemand die Seitenstreifen fein säzberlich abgetrennt hatte, einen schwarzen Hoodie, der ihm mindestens drei Nummern zu groß war, eine schwarze Strickmütze und eine Sonnenbrille, deren Gläser so schwarz waren, dass sich der Hauptkommissar fragte, ob der Aussagewillige überhaupt etwas sehen konnte. Jedenfalls konnte man den Aufzug des Sohn eins Ghanaers und einer Deutschnorwegerin nicht als unauffällig betrachten. „Nun komm rein.“ Ocho nahm die Brille ab und benutzte die Fußmatte an der Wohnungstür mit erstaunlicher Ausdauer. „Rein jetzt“, wiederholte Greiper. Dieses Mal mit Erfolg. Der junge Mann schritt an ihm vorbei und inspizierte die Wohnung mit der Systematik eines Mietinteressenten. „Gute Bude“, gab er zuletzt zu Protokoll, während der die Mütze abtreifte und sich aus dem Kapuzenpulli befreite. » ganz lesen

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publiziert am 21.11.12 in Völkerwanderung ¦ 1503x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Beerdigung des Fahrrads

totes_radReden wir von der Ära der Schulbälle. In den Jahren zwischen etwa 1965 und 1975 waren Partys für junge Leute eher dünn gesät. Glücklich, wer so eine Tanzschule wie die von Gerd Kaechele in der Nähe hatte. Wo die Veranstaltungen zwar Tanztee und Tanzabend hießen, wir Jugendlichen aber nach unserem Geschmack Musik hören, tanzen und feiern konnten. Natürlich gab es da auch noch die Altstadt, aber außer den berühmten Jazzkellern wie dem Dr.Jazz handelte es sich bei den Etablissements vorwiegend um mehr oder weniger schmuddelige, düstere Kneipen, in den der Altbierkonsum im Vordergrund stand. Immerhin wurde in den besseren dieser Läden ab etwa 1966 korrekte Musik aufgelegt. Aber Live-Konzerte, die gab es nur auf den Feten von Kunstakademie, Uni und PH Neuss sowie eben auf den Bällen der Gymnasien. Für meinen Freundeskreis und mich waren diese Veranstaltungen feste Größen im imaginären Terminkalender. Man wusste schon vorher, welche Bälle klasse, welche eher öde werden würden, denn die Gymnasien hatten unterschiedlich hohe – heute würde man sagen – Coolness-Faktoren. Das Leibniz-Gymnasium, an dem acht Schuljahre zu verbringen ich die Ehre hatte, war schon ziemlich angesagt, Rethel, Görres, Max Plank, Comenius auch. Über Fliedner in Kaiserswerth und das damals noch unbenannte Gymnasium an der Koblenzer Straße wusste man nicht viel. Mädchen-Gymnasien waren bis auf das Luisen eher uninteressant. Das Geschwister Scholl am Hennekamp war der Shooting Star der Jahre. » ganz lesen

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publiziert am 20.11.12 in Stadtgeschichten ¦ 1060x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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