Die Seite 6

Scheißewelt – Die Kuppel (1)

Man sagt, die Kuppel habe an ihrer Basis einen Durchmesser von ungefähr sechs Kilometern. Genau weiß das niemand, weil keiner der Planer und Erbauer noch lebt. Außerdem handelt es sich nicht um eine Halbkugel, sondern um einen sphärischen Körper mit dem Querschnitt eines eleganten Ellipsoids. An diesem Tag hat der Himmel die Farbe von Durchfall, ein helles Ocker mit kleinen, dunklen Einsprengseln. So sieht es draußen meistens aus. Aber das wissen nur wenigen drinnen. Denn die Kuppel ist vorwiegend undurchsichtig und nun mit schmalen Sichtschlitzen versehen, auf jeder Ebene sind es maximal sieben davon. Will man den offiziellen Markierungen glauben, dann gibt es 47 Ebenen. Die unteren elf sind den Systemen und Lagern vorbehalten. Dort erzeugen komplexe Maschinerien die Atemluft und das Trinkwasser sowie den elektrischen Strom. Weitere dreizehn Ebenen dienen der Ernährung. Dort werden Getreide und Gemüse angebaut, dort gibt es einen großen Bereich für das Milchvieh und die Hühner. Die Ernährung der Bewohner ist vegetarisch, Fleisch wird nicht verzehrt. Tiere, die für die Milchproduktion oder das Eierlegen nicht mehr taugen, werden als Biomasse in die Wiederaufberteitung gegeben. Natürlich ist die Kuppel vollkommen autark und gegenüber der Außenwelt hermetisch verschlossen. » ganz lesen

publiziert am 07.02.16 in Scheißewelt ¦ 268x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Charlene und ich (2)

Und so verbrachten wir sechs Wochen im Camp, Marshawn, die Mechaniker Ed, Dave und Sid und ich. Mein Lehrmeister hatte alles Lebensnotwendige in die Einöde schaffen lassen, sodass wir uns ganz auf den Trick konzentrieren konnten. Tatsächlich sah die Maschine nur aus wie eine schwere Indian, denn unter dem hauchdünnen Kunststoff versteckte sich eine leichte, extrem starke Geländemaschine. Deshalb saß der Sprung schon ab Woche vier sicher, und in den letzten Tagen erreichte ich Flüge von über 120 Yards. In Savannah stieß ich wieder zum Tross. Charlene und ich konnten stundenlang nicht voneinander lassen, so sehr hatten wir uns gegenseitig vermisst. Bill hatte die Presse zur Vorstellung meiner Nummer nach Atlantic City einbestellt, und alle waren gekommen: die üblichen Journalisten der Entertainment-Industrie, die Sensationsjäger und die vielen TV-Teams, die Berichte über solche Dinge in die vielen Kanäle in ganz Nordamerika, Asien und Europa einspeisten. Ich war berühmt und bekam allerlei Angebote. Aber natürlich fühlte ich mich Bill verpflichtet und sprach jedes kleine Engagement mit ihm ab. Auch die Rolle in einem Film über die gute alte Zeit der Sensationshows, der im folgenden Sommer in Florida gedreht werden sollte. » ganz lesen

publiziert am 04.02.16 in Paare ¦ 257x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Das Tier in mir

Am Anfang war das Tier ziemlich klein. Es saß weit oben unterm Solarplexus und verhielt sich meistens still. Und wenn es dann einmal zubiß, dann kitzelte es mehr als dass es schmerzte. Etwa so als wenn ein Welpe zubeißt mit seinen kleinen, spitzen Milchzähnen. Du hast nicht gemerkt, dass es wächst und wie schnell es wächst. Erst als der Schmerz zum ersten Mal deine Baumuskeln krampfen ließ und dir die Luft nahm. Das Tier saß nun tiefer un umklammerte den oberen Teil deines Magens. Du wusstest, dass es da ist, du wusstest, dass es dich beißen würde. Du wusstest nur nie, zu welchem Zeitpunkt und aus welchem Grund. Mal erschien es dir, als ob es auf bestimmte Speisen reagierte. Und du beganns, bestimmte Lebensmittel zu meiden. Dann warst du dir sicher, dass es Wein und Schnaps seien, die das Tier weckten. Auch als dir wohlmeinende Freunde empfahlen, deine Ernährung ganz umzustellen, und du deren Rat folgtest, konntest du es nur eine Weile besänftigen. Nach Monaten stellte es seinen Rhythmus um und wurde nachtaktiv wie ein Hamster. Es machte sich einen Spaß darauf, dich grundlos zu wecken und dann seine Zähne und Krallen in deinen Magen zu schlagen. Die Diagnose war dann keine Überraschung. » ganz lesen

publiziert am 28.01.16 in Stadtgeschichten ¦ 248x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Charlene und ich (1)

Die Dinge waren erheblich schief gelaufen für mich. Audrey hatte im Verlauf der Scheidung fast unseren ganzen Besitzstand zugesprochen bekommen, ich dagegen nur die Schulden. Klar dass ich abhaute. Und dann Bills Angebot annahm, sich seiner Truppe anzuschließen. Wir gastierten gerade in Kingman, Arizona, und ich hatte meinen ersten Honorarscheck eingelöst. An jenem Abend wollte ich fressen und saufen und mir eine scharfe Nutte leisten. Denn seit dem Ende meiner Ehe fehlte mir vor allem ein warmer Arsch im Bett. Die Bar lag in der Gegend, die man woanders Zentrum nennen würde. Ein langer, dunkelbrauner Schlauch, der sich ganz durch einen anderthalbgeschossigen Häuserblock mit jeder Menge sinnloser Läden zog. Das Ding war so breit wie hoch und mit roten Kunstlederapplikationen sowie einem schimmeligen Spiegel hinter der langen Theke versehen. Alle zwei Meter beugte sich irgendeine Gestalt über seinen Drink und aus den versteckten Lautsprechern quoll Fahrstuhlmusik. Durch den Qualm der Zigarren und Zigaretten konnte ich das Ende des Raums nicht erkennen. Ich wählte einen Platz in der Nähe des Vorderausgangs und bestellte einen Long Island Ice Tea. Wie meist musste ich dem Bartender das Rezept verraten und darauf bestehen, dass er die Brühe mit Pepsi aufgoss. Der erste Schluck bewies, dass er ein guter Coacktail-Mixer war. Dann sah ich sie am Ende des Tresens, den Rücken zum stark getönten Fenster. » ganz lesen

publiziert am 21.01.16 in Paare ¦ 218x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Getrennte Wege (Schluss)

Wir haben es in diesen zwei Tagen und drei Nächten elfmal miteinander getrieben. Ich würde mich an diese Zahl weder erinnern, noch sie erwähnen, hätte sie nicht mitgezählt und für jedes Mal eine Kerbe in den alten Esstisch geschnitzt. Außerdem löste die Zahl Elf bei ihr eine Fülle fröhlicher Anspielungen an den rheinischen Karneval aus, die ich nicht so ganz teilen konnte, weil mich das sogenannte Winterbrauchtum nie besonders interessiert hatte. Es muss das neunte oder zehnte Mal gewesen sein, nach dem sie unten auf unserem Matratzenlager im Wohnbereich lag und ich sie von der Empore aus betrachtete. Sie schlief, und ihr Gesicht hatte sich völlig verändert. Es schien, als habe sie im Schlaf die Kontrolle über sich verloren. Wie ein ganz kleines Mädchen sah sie aus. Hätte nur noch gefehlt, dass sie am Daumen lutschte. » ganz lesen

publiziert am 24.12.15 in Paare ¦ 331x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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