Die Seite 8

Das Dach (1)

Wenn ich fliegen könnte, würde ich mich von der Brüstung des Dachgeschosses abstoßen, würde aufsteigen in den klaren Nachthimmel, mich am Großen Bären orientieren, den Vollmond im Rücken, um dann steil abwärts zu segeln, hinein in die Häuserschluchten und dann im Tiefflug über das sanfte Wasser des großen Stroms. Da fände ich dann die kleine Sandbucht, die keiner kennt und die man nur vom Wasser aus erreicht. Dort würde ich mich einrichten. Vielleicht stoße ich mich aber gleich von der Kante ab, obwohl ich nicht fliegen kann. Würde dann 22 Meter hinab stürzen und auf dem Vorstandsparkplatz, der um diese Zeit verlassen liegt, aufschlagen. Es könnte die beste Lösung für alle Beteiligten sein, wenn ich mit geplatztem Schädel, zerquetschten Organen und mausetot auf dem Beton enden würde. Denn eine Aussage kann und werde ich nicht machen. Auf keinen Fall. » ganz lesen

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publiziert am 13.03.17 in Vera, Tom & ich ¦ 336x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Wir im Hausboot

Manchmal war ich nicht sicher, ob ich dich überhaupt kannte. Oft warst du völlig fremd. Wie jemand, der gerade erst die Wohnung betreten hat. Mir ist damals klar geworden, dass ich fast nichts über dich weiß. Außerdem dem, was ich selbst während unserer Zeit mitbekommen habe. Das liegt natürlich daran, dass du keine Geschichtenerzählerin bist. Bis zu unsrer Reise kannte ich ein knappes Dutzend Anekdoten, die du gelegentlich erzähltest. Merkwürdig, dass weder deine besten Freunde, noch deine Geschwister je darüber berichteten, was du in diese oder jenem Alter in dieser oder jener Situation getan hast. Bei uns in der Familie ist das anders, da gibt es einen großen Schatz an Geschichten, die meist mit „Weißt du noch als…“ beginnen. Ich dagegen kennen selbst die faktischen Stationen deines Lebens nur sehr ungenau. Wenn du neben mir auf dem Sofa saßt und wir gemeinsam einen Film anschauten, betrachtete ich manchmal dein Profil aus den Augenwinkeln und dachte: Wer ist sie? » ganz lesen

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publiziert am 12.02.17 in Paare ¦ 494x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Familie J. (Schluss)

Die Kinder sind beim gleichmäßigen Tempo eingeschlafen, und auch Jenny döst. Jens wechselt am Autobahnkreuz die Richtung, und keiner merkt es. Es sind auch noch dreihundert Kilometer. Zwischendurch wacht seine Frau auf und guckt ihn böse an. Schlaf weiter, sagt er, alles wird gut. Die Klimaanlage sorgt für angenehme Temperaturen, nur der sanfte Duft nach Kinderkotze und Durchfall beeinträchtigt das Fahrvergnügen. » ganz lesen

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publiziert am 04.02.17 in Paare ¦ 430x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Familie J. (3)

Man muss es einen Wutanfall nennen. Jens lässt den Wagen einfach auf die Fläche hinter der Tankstelle rollen, trommelt mit den Händen auf dem Lenkrad und brüllt Unverständliches. Da bremst er abrupt, reist die Fahrertür auf und springt hinaus. Mitten auf einer Fahrspur quer durch den vollen Parkplatz steht der Kombi nun mit laufendem Motor. Jenny reißt die Handbremse hoch und versucht auf den Fahrersitz zu klettern. Hinter ihr hat sich eine Schlange gebildet. Die Hupen dröhnen, die Fahrer schimpfen. Also steigt sie aus und renn um die Motorhaube herum. Dabei sieht sie aus den Augenwinkeln Jens, der eine leicht abschüssige Wiese am Ende des Parkplatzes hinab läuft und dabei gestikuliert. Die Kinder weinen laut, als sie den Wagen endlich auf einen freien Platz bewegt hat. Sie schaltet den Motor aus und lässt den Kopf auf das Lenkrad sinken. » ganz lesen

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publiziert am 02.02.17 in Paare ¦ 395x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Marianne und ich (7)

Keine Ahnung, ob es heute noch so ist, aber Marianne und ich wurden nicht nur dadurch immer mehr zu einem Paar, dass wir uns besser kennenlernten und einen gemeinsamen Haushalt führten, sondern dadurch, dass wir so etwas wie eine gemeinsame Kultur entwickelten. Also gemeinsame Abneigungen und Vorlieben entdeckten oder auch entwickelten, wenn der jeweils andere zu einem Thema keine Meinung hatte. Das wird Robby nicht verstehen, wie wichtig es ist, in einer Beziehung über einen gemeinsamen Vorrat an solchen Positionen zu haben. Nein, die Insassen der Beziehung müssen nicht zu allem dieselbe Meinung haben oder sich ständig einig sein. Aber es muss eine Art Wertesystem, einen Kodex geben, den beide ernstnehmen, einen gemeinsamen Glauben an etwas. » ganz lesen

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publiziert am 01.02.17 in Paare ¦ 371x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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