Die Seite 91

Delikatessen

In jenen Tagen wurde es Thibaud langweilig. Er rief mich an und fragte, was ich ihm als Gegenmittel empfehlen könnte. Natürlich schlug ich verschiedene Vergnügungen und Zerstreuungen vor, aber er beharrte darauf, dass es etwas sein müsse, was er unter normalen Umständen niemals als Aktivität ins Auge fassen würde. Ich vergass die ganze Angelegenheit und hörte über mehrere Wochen nichts von Thibaud.
Dann begegneten Jill und ich ihm zufällig im Delikatessengeschäft am Rande der Innenstadt, wo wir Risottoreis zu kaufen pflegten. Thibaud trug eine Bundfaltenhose, ein gelbes Polohemd und Slipper mit Bommeln. Am Kragen war eine Anstecknadel befestigt mit dem Symbol einer der großen Parteien. Er lächelte verbindlich, küsste Jill flüchtig auf die Wange und gab mir die Hand. Er sei Mitglied der Partei geworden und besuche fleißig die Sitzungen der örtlichen Untergliederung. Man habe ihn gleich als Kandidat für die kommenden Wahlen aufstellen wolle, aber er habe angewinkt und auf sein begrenzten Zeitressourcen hingewiesen. Außerdem, so Thibaud weiter, habe er erklärt, er könne der Partei auch nützlich sein, ohne eine Amt zu bekleiden. » ganz lesen

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publiziert am 27.04.05 in Thibaud ¦ 1409x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Badewanne

Als wir alle am Tag nach Thibauds angeblichem Tod in der ehemaligen Mensa beisammen saßen, müde und traurig, und Tee tranken, wollte natürlich jeder von einem persönlichen Erlebnis mit ihm berichten. Auch Eric fing mit einem “Wisst ihr noch…” an, brach aber ab und lachte laut auf. Nur Sue erzählte gefasst und lückenlos von dem Tag als Thibaud morgens in die Badewanne gestiegen war und nach vierzehn Stunden immer noch darin saß und dann erstmals quer durchs Haus nach ihr rief. “Bring mir bitte eine Flasche von dem 86er Saint Emillion”, habe er sie gebeten. Als sie mit dem Wein und einem Glas ins Badezimmer zurückgekehrt sei, habe er sehr flach in der Wanne gelegen, und sein großer, steifer Penis habe aus dem Wasser geschaut wie ein Leuchtturm. Er habe da mit geschlossenen Augen gelegen und eine auffordernde Handbewegung gemacht. Sue schilderte detailliert, was sie mit seinem Glied gemacht hatte, und Jill fragte natürlich: “Hast du geschluckt?” » ganz lesen

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publiziert am 16.04.05 in Thibaud ¦ 1504x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Mechanik

Eines Tages fuhr Thibaud auf einem Motorrad vor. Jill hatte gerade Männertreu am Rande des Steingartens gesetzt, während ich am Zaun arbeitete. Die Maschine war nicht sehr groß, aber laut. Thibaud trug schwarzes Leder und einen altmodischen Helm mit Stofflappen, die seine Ohren bedeckten. Er bockte das Motorrad am Bordsteinrand auf und kam in den Garten. Dort nahm er den Helm ab und grinste uns an. Jill wischte sich die Hände an der Schürze ab und kam zu uns. » ganz lesen

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publiziert am 01.04.05 in Thibaud ¦ 1636x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Substanzen

Auch nach dem Essen wollte uns Thibaud nicht verraten, welche Zutaten er verwendet hatte. Wir saßen immer noch zu zehnt am Buchentisch und schmeckten dem Gericht nach, dass er für uns zubereitet hatte. Eileen spürte es zuerst. Ich blickte genau in diesem Moment eher zufällig in ihre Augen und sah die Pupillen auf Stecknadelkopfgröße zusammenschrumpfen. Sie kicherte zweimal kurz und hysterisch. Am anderen Ende des Tisches stimmte Helmut ein altes, niederösterreichisches Volkslied an, und Yoo-Yin zog sich das gelbe T-Shirt über den Kopf. Mir ging es gut, auch wenn mich die handtellergroßen Kampfflugzeuge irritierten, die zwischen den Tellern und Schüsseln landeten und wieder starteten. » ganz lesen

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publiziert am 17.03.05 in Thibaud ¦ 1646x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Kurzschluss

In den späteren Jahren fand man Thibaud nur noch auf der Veranda, die er zu einem Hightech-Wintergarten hatte umbauen lassen. Filmbilder flimmerten dort frei im Raum, Musik empfing er drahtlos und ohne Umweg über Lautsprecher oder Kopfhörer mit dem Wifi-Chip hinter der rechten Schläfe. Ein Nachbar hatte uns angerufen und sich sehr besorgt gezeigt, weil Thibaud sich seiner Beobachtung nach seit Tagen nicht mehr aus dem Sessel hinter den hohen Scheiben bewegt hatte. » ganz lesen

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publiziert am 10.03.05 in Thibaud ¦ 1843x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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