Schlafende Hunde (22)

Die Hunderasse Beagle ist ein englischer Jagdhund, der speziell für die selbstständige Treibjagd auf Hasen und Füchse gezüchtet wurde. Man zählt ihn auch zu der Gruppe der Hounds. Damit sind die Hunderassen gemeint, deren Ursprung auf die Treibjagd allgemein zurückgeht. Wie alle diese Hunderassen zeichnet er sich durch die herausragende Fähigkeit der Spurensuche aus. Beagle jagen hauptsächlich in der Meute und werden, im Gegensatz zu den Foxhounds, zu Fuß begleitet. Daher wurde er auch als der Treibhund der armen Leute bezeichnet, was aber so nicht ganz stimmt. Selbst die englische Königin Victoria besaß mehrere Beagle-Meuten. Den Ursprung dieser Hunderassen vermutet man in Frankreich im Bereich der Normandie. Von dort aus soll er nach England gelangt und dann erst zu den verschiedenen Hunderassen der Hounds ausgebaut worden sein. Erstmal erwähnt wurde der Begriff Beagle bereits im 16. Jahrhundert. Damals wurde der Begriff beagling als eine Form der Hundejagd in einer Meute geprägt. Beagles sind fröhliche, relativ anspruchslose und sehr gutmütige Hunde. Diese Eigenschaften bedingen ihre oftmalige Verwendung als Versuchstiere. Als Meutehunde sind sie ausgesprochene Rudeltiere und benötigen die Gesellschaft anderer Hunde.

Und dann kam doch noch ein Anruf. Aus Bremen. Ob ich auch in Kaffee machen könne. Gefragt von einer schneidenden Herrenstimme, Typ Kasernenhof. Scharf sei sein Name, sagte die Stimme, und er sei verantwortlich für das Rekrutieren eher erfahrener Manager. Wann ich denn mal vorbeischauen könne. Sofort, entgegnete ich, und erntete einen zischenden Lacher. Also, morgen um vierzehnhundert, bellte Herr Scharf und nannte mir eine Adresse am Rande der Autobahn. Schatz, rief ich Friederike zu, die immer noch im Bett lag, Maya zu ihren Füßen, und in einer Frauenzeitschrift blätterte, ich fahr morgen nach Bremen, man interessiert sich für mich. Sie gab einen unbestimmten Laut von sich, und die Hündin brummte nur dazu.

Wollte ich nach Bremen? Wer will schon nach Bremen? Also, außer den Bremern. Als Mann des Tees war ich im Norden natürlich ganz und gar auf Hamburg geeicht, dem Hafen mit einem der weltgrößten Umschlaglager für die Gesöffblätter. Da war ich zu Beginn meiner Tätigkeit häufig, denn dort war auch das Institut untergebracht, in dem erfahrene Teemänner Neulingen alles über das Getränk und das Drumherum beibrachten. Wilhelm hatte mich in den ersten beiden Jahren alle drei Monate auf eine Fortbildung dort geschickt. Und mich nach der Rückkehr ausgefragt. Wenn du nicht jeden Aspekt rund um den Tee in- und auswendig kennst, kriegst du gerade im Marketing über kurz oder lang Probleme, hatte er mir immer und immer wieder ins Gewissen geredet. Wilhelm hatte recht, so wie Wilhelm eigentlich immer recht hatte.

Ja, ich bin ein waschechter in der Wolle gefärbter Teeexperte. Ich weiß jedes Detail von Anzucht, Anbau, Pflege, Ernte und Lagerung. Ich kennen alle Pflanzen, aus denen je ein Mensch einen nicht tödlichen Tee gebraut hat. Alle Sorten aus Ceylon und Assam kenne ich nicht nur mit Namen, sondern kann sie nach Anbaugebieten unterscheiden, vom ganzen China-Kram ganz zu schweigen. In drei einwöchigen Kursen habe ich sämtliche Arten, Tee zu kochen erlernt – dabei trinke ich privat Tee nur, wenn ich erkältet bin oder es am Magen habe. Man könnte mich nachts wecken und mir eine x-beliebige Teefrage stellen, ich wüsste immer eine Antwort zu geben und meistens sogar die richtige. Aber Kaffee? In Bremen?

In der Not frisst der Teufel fliegen, und eine Veränderung ist weder gut, noch schlecht, sondern es wird bloß anders. Wie ich so am kleinen Tisch in der Küche saß, eine Schale lauwarmem Milchkaffees vor mir, entschloss ich mich, es drauf ankommen zu lassen. Sofort suchte ich einen Satz meiner Unterlagen zusammen und suchte schon einmal die Klamotten für das Bewerbungsgespräch bei der Firma Kaffee zusammen. Und weil ich gerade so schön in Schwung war, beschloss ich außerdem, zwei Tage Hamburg dranzuhängen, um mich nach längerer Zeit einmal wieder in der Teemetropole umzusehen. Vielleicht gäbe es ja noch Jessica in der Hansestadt, die Schönheit vom Empfang im Teeinstitut, mit der ich während der Seminartage immer die Nächte verbracht hatte.

Denn es war an der Zeit für ein Abenteuer. Oder zwei. Schatz, rief ich, ich bin dann drei oder vier Tage weg, mach noch einen Abstecher nach Hamburg, Du kommst ja alleine klar, oder? Zustimmendes Brummen, dem sich Maya anschloss. Den Hund lass ich hier, du kümmerst dich, ja? Ja, ja, ja, ja, rief Friederike in vier verschiedenen Tonlagen, kann ich bitte weiter an meinem Kreuzworträtsel arbeiten? Klar, wer kein Geld verdient, für den ist das Rätseln schon Arbeit.

Der schneidige Typ aus dem Kaffeeimperium entsprach dann noch nicht dem Klischee eines schmissigen Offiziers mit scharfem Scheitel und blödem Bärtchen. Im Gegenteil: Die Hostess – ja, die hatten da Hostessen, und was für welche… – lieferte mich in einem schmucklosen Anbau ab, wo mich Herr Scharf mit einem freundlichen Bellen empfing, das wohl so etwas wie Herzlich Willkommen heißen sollte. Ich fand im Verlauf der nächsten Stunden heraus, dass es sich bei seinem schneidigen Ton wohl eher um einen Sprachfehler handelte, denn eigentlich hatte ich es mit einem etwas dicklichen Typ in den Fünfzigern zu tun, der sich in seinem schlechtsitzenden Anzug sichtlich unwohl fühlte, weil er vermutlich außerhalb der Dienstzeit vorwiegend im Trainingsanzug herumlief. In seinem Eckbüro mit herrlichem Blick auf den Logistikhof des Unternehmens beschnüffelten wir uns zunächst ein wenig. Er fragte, was genau ich bei Familie Tee gemacht habe, ich antwortete und fragte sofort nach seiner Be-rufsvergangenheit – er kam von den Softdrinks. Schließlich begann er mit einem Wie schön dass Sie sich bewerben – ich blieb wachsam: Ich bewerbe mich nicht, sie wollen mich haben.

Er hatte alle Beschwichtigungsgesten drauf, sodass ich darauf verzichtete zuzubeißen. Statt dessen nahm ich seine Einladung an, durchs Werk geführt zu werden. Nicht dass es mich wirklich interessiert hätte, denn – und das zeigte sich nach wenigen Minuten – es sah so aus wie in der Teefabrik, es roch bloß anders. Aber so konnte ich in Bewegung bleiben und Herrn Scharf unter Kontrolle halten. Wir landeten im Kasino, wie die Kantine hier hieß, einem Saal für gut tausend Leute, in dem an vereinzelten Tischen vereinzelte Kaffeewerker herumlungerten. Er führte mich in den VIP-Bereich, einem Glaskäfig unmittelbar an der Küche, und fragte, was ich gern essen würde. Was ist denn heute das Stammessen? stellte ich mich dumm. Er zischte ein Lachen und gab mir zu verstehen, dass Führungskräfte sich das Essen wünschen könnten, und es würde à la minute bereitet. Ich winkte ab und bestellte einen Tee mit der Frage: Haben Sie auch Earl Grey?

Kurz: Ich tat alles, um nicht allzu sympathisch zu wirken und gar nicht erst den Eindruck entstehen zu lassen, ich sei scharf auf den Job. Ich bekam mein Heißgetränk, und es war anständig gebraut. Mein Gegenüber süffelte eine Cola Light mit Eis und Zitrone. Da übernahm ich die Initiative und fragte nach der Dotierung. Nun, sagte der scharfe Personaler, gehen sie von einer Grundvergütung mit mittleren sechsstelligen Bereich und einer erfolgsabhängigen Zulage in Form von Aktien des Konzerns aus. Das haute mich um, denn ich würde so sicher das Doppelte verdienen wie beim Tee. Wie bei uns, log ich, und stellte ihm eine Fangfrage: Könnte ich meinen Hund mit ins Büro bringen?

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publiziert am 28.10.15 in Schlafende Hunde ¦ 1319x gelesen ¦ noch kein Kommentar